wortmax Moderne Literatur

Es ist wie ein Reflex. Wenn ich mit einer Packung Arzneimittel aus der Apotheke komme, fahre ich mit den Fingern fasziniert über die perforierten Punktekombinationen, die Blinden den Inhalt erschließt. Dies ist gewiss auch der Bekanntschaft mit dem blinden Bildhauer und Keramiker Dario Malkowski geschuldet. Als Klarinettist und Pianist umrahmte mein Mann Ausstellungseröffnungen mit seinen Werken, musizierte zu seinem 80.…

Es hat eine Weile gedauert, bis der Titel des neuen Romans von T.C. Boyle feststand. »The Familiar« sollte das Buch zuerst heißen, ließ sich jedoch schwerlich übersetzen. »I am Sam« lautete der zweite Vorschlag. Hat auch nicht so richtig überzeugt. Am Ende entschlossen sich die Verlage für »Talk to me« (»Sprich mit mir«), was bei den drei Optionen sicherlich am…

»Es wäre gut, wenn man sein ganzes Leben durchwaschen könnte oder zumindest den ranzig gewordenen Teil davon. Jonas wäre gerne mit dem Stolz des freudig Erwarteten nach Paris gefahren; stattdessen schlich sich plötzlich die Angst vorm Scheitern in seinen Kopf. (...) Jonas wollte nicht ein weiteres Mal scheitern, nicht nach der Bruchlandung mit den Klugen Köpfen, nicht nach dem müden…

Im Berliner Satyr Verlag ist eine neue Slam- und Lyrik-Anthologie erschienen. Da sie sich mit dem Thema Klimakatastrophe beschäftigt, ist das Buch stilecht und CO2-neutral auf Recylingpapier gedruckt und mit dem EU Ecolabel und dem Blauen Engel zertifiziert worden. 25 Prozent des Gewinns werden an Umweltschutzprojekte gespendet. Klingt diese Einleitung spöttisch? Soll sie gar nicht unbedingt, denn das Anliegen der…

Der Mensch ist ein Häftling, eingekerkert in einem Gefängnis namens Zeit. Ein demenzkranker Mensch ist ein Häftling, eingekerkert in einem Gefängnis, das immer schneller immer kleiner wird. Bis man keine Luft mehr bekommt. (Young-ha Kim in »Aufzeichnungen eines Serienmörders«) Der südkoreanische Autor Young-ha Kim zählt zu den bekanntesten seines Heimatlandes. Dort erhielt er alle bedeutenden Literaturpreise. Inzwischen wurden seine Romane,…

Bemerkenswert, wie es Sten Nadolny gelingt, im »Glück des Zauberers« noch mit erhobenem Zeigefinger so weit ausholend den Holzhammer zu schwingen. Die Ansätze zu dieser Geschichte sind grundsätzlich interessant: Ein über 100 Jahre alter Zauberer namens Pahroc schreibt Briefe an seine neugeborene Enkelin (muss man sacken lassen, ja), als Wegweiser durch die Zauberkunst, die sie nämlich als erste in seiner…

Auch ich wollte meinem Namen entfliehen. Das Erste, was ich in der Schweiz hasste, war mein Name. Immer diese Fragen. Ich wünschte mir, Julia, Sara oder Mia zu heißen, wie andere Mädchen in der Klasse. Bis heute leide ich darunter, manchmal hängt mein Name wie ein Stein an mir. Mein Name, mein Aussehen verraten meine Herkunft, auch wenn ich akzentfrei…

Der Roman spielt in der nahen Zukunft. Donald Trump hat zwei Amtszeiten hinter sich und das Amt an seine Tochter Ivanka übergeben. Die Politik der vergangenen Jahre hat überall im Land ihre Spuren hinterlassen, und die Meinungsfreiheit ist weitgehend abgeschafft. John Niven schildert die amerikanische Gesellschaft so, als hätten viele Amerikaner (vorwiegend weiße Männer) nur auf eine Regierung gewartet, die…

»The Wycherly Woman«, so der Originaltitel dieses Lew Archer-Krimis aus dem Jahr 1961, hätte vielleicht sogar besser »The Wycherly Women« heißen sollen, denn hier stehen ganz klar zunächst Mutter und Tochter der Familie im Vordergrund. Die eine (Tochter Phoebe) ist schon seit einiger Zeit verschwunden, während ihre Mutter (Catherine) keine Gelegenheit auslässt, ihrer Familie zu schaden, und ihr haltloser Alkoholkonsum…

Verdammt, wenn man darüber nachdenkt, ist es wie beim Brexit. Wir werden noch zwei volle Jahre verhandeln, bis wir uns darüber einigen können, wo die Probleme überhaupt liegen. (Nick Hornby in »Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst«) Seit seinen ersten beiden Romanen wird der britische Schriftsteller Nick Hornby gern als Kultautor bezeichnet. Während in »Fever Pitch« der Fußball im…

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