wortmax Moderne Literatur

Wir wussten von nichts, muss sich Tobias heute eingestehen, buchstäblich von nichts ... Aber zeigte denn die Zeitung nicht auch Fotos aus Danzig, aus Schlesien? Und in den Nachrichten wurden die Bilder abends ebenfalls ausgestrahlt. Doch zu fern lag es den Schmorzwiebelheimwegen, um wahrgenommen zu werden,...« Im März dieses Jahres erschien bei der edition.fotoTAPETA der Roman »Souterrain« von Lothar Quinkenstein.…

Barry lachte. Es war alles so scheißlächerlich. Sein erstes Lachen allein, solange er sich erinnern konnte, seine schwarze Amex, niemanden interessierte Seans blutendes Gesicht, niemanden interessierte, dass sein Sohn schwer autistisch, dass seine Ehe gescheitert war, niemanden interessierte das Valupro-Fiasko oder was der Frau zustoßen würde, die mit nichts als einem Föhn ein Hotelzimmer bezogen hatte. Die schiere Ausdehnung des…

Die Autorin Emily Gunnis hat sich in diesem Roman eines Themas bedient, das in den Kreisen der katholischen Kirche auch heute noch nach Möglichkeit totgeschwiegen wird. Es geht um die Mutter-Kind-Häuser Irlands und Englands, die von den sogenannten »Barmherzigen Schwestern« betreut wurden. In diesen Heimen konnten junge, ledige Mädchen, die ein Kind erwarteten, entbinden. Sie wurden allerdings gezwungen, diese Kinder…

Eins vorweg: Dies ist kein Horrorroman (auch wenn der Titel möglicherweise etwas anderes suggeriert), es ist – im besten Sinne – eine Familienchronik, die mehrere Jahrhunderte umspannt. Wilhelmina »Willie« Upton, Spross einer legendären, alteingesessenen Familie der Stadt Templeton (nicht minder legendär), kommt zurück in ihre Heimatstadt, um ihre Wunden zu lecken, die ihr ihr letzter Liebhaber zugefügt hat, und um…

Nach seiner »Bekehrung« hatte es der Schleicher vom Vorarbeiter über den Jauchegrubenkommandeur bis zum Schlafsaalaufseher gebracht. Aber warum er dann ausgerechnet ihn, der ja noch ein Pimpf war, zu seinem Vertrauten gewählt hatte, blieb ihm lange ein Rätsel. Vielleicht, weil er wie der Schleicher ein Vergessener war. Obwohl er kein hässliches Kind, vollkommen gesund und »in Maßen« intelligent sei, so…

Sie wissen, wie gern ich Schopenhauer zitiere. »Die Wahrheit«, hat er einmal gesagt, »ist eine spröde Schöne.« Wer schreibt, versucht die Schönheit an den Mann zu bringen, als ihr Heiratsvermittler oder, wenn ich mit dem Wort nicht Ihre Gefühle verletze, als ihr Zuhälter. Wenn es nötig ist, sie dafür aufzuhübschen, dann gehört das zum Geschäft. (Johannes Hosea Stärckle an den…

Ende Januar bin ich mit ein paar Freund*innen auf dem Weg in die Hannoversche Swiss Life Hall, um mein Geburtstagsgeschenk einzulösen: Böhmi in Concert. Der Moderator des Neo Magazin Royale, Jan Böhmermann, tourte für ein paar Monate quer durch die Republik und sorgte mit politischen Musikeinlagen für gute Unterhaltung. Mit dabei waren das Rundfunktanzorchester Ehrenfeld, der Schauspieler Florentin Will und:…

Das Wort Wonne kam mir in den Sinn. Ora, meine Wonne. Wie aus dem nichts war da dieses Wort. Es klang nach den Unbedingtheiten des Mittelalters, nach durchgeknallten Gottessuchern und Spinnern jeglicher Schattierung, etwas, das es seit Ewigkeiten nicht mehr gab, nur noch als Wort, aber siehe, hier und jetzt war es noch einmal zurückgekehrt. So sinniert der namenlose Erzähler…

Aus dem Nichts traf ihn plötzlich ein Schlag. Von dem Buch abgelenkt, war er beim Greifen nach dem gerösteten Brot mit den Fingern an das Metallgehäuse des schlecht isolierten Toasters gekommen. Begünstigt durch das barfüßige Schlurfen auf der Kunststoffauslegeware und die trockene Luft in seiner Wohnung schoss die elektrische Ladung durch seinen Körper wie ein Blitz. Wassmanns Interesse an dem…

Hilmar Klute ist eigentlich dafür bekannt, Texte für die Süddeutsche zu schreiben. Nun hat er sich an ein größeres Projekt herangewagt: den Roman »Was dann nachher so schön fliegt«. Das Buch handelt von einem jungen Mann in den 1980ern, der gerade seinen Zivildienst leistet und nebenher versucht, mit seinen Gedichten den Durchbruch zu schaffen. So weit, so klischeehaft. Der Roman…

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