Beiträge von Andreas Zwengel

Ach ja – und erst vor ein paar Wochen ist meine Freundin Nan, Roberts Witwe, in Marine County krankgeworden und gestorben – falls Sie sich noch an mein erschütterndes Telefonat mit Nan ganz am Anfang dieses Berichts erinnern. Es macht nichts. Die Welt dreht sich weiter. Ihnen dürfte klar sein, dass ich in dem Moment, da ich das schreibe, nicht…

»Aussteigen.« Der Polizist trat von der Wagentür zurück und legte eine Hand auf den Griff seines Revolvers. Atticus stieg langsam aus. Im Stehen war er ein paar Zentimeter größer als der Polizist; als Quittung für diese Unverschämtheit wurde er umgedreht, gegen den Cadillac geschubst und grob gefilzt. »Okay«, sagte der Polizist. »Kofferraum aufmachen.« Als Erstes durchwühlte er Atticus’ Kleidungsstücke und…

Äußerlich allerdings sahen wir schon wie Ökos aus. Doch unsere Frisuren und Klamotten waren nur Verkleidung. Wir dachten völlig anders. Wären wir nur ein zwei Jahre später auf die Welt gekommen, wären wir sicher alle Punks geworden. So aber standen wir genau zwischen allen Stilen und Bewegungen. Wir waren einfach die Huelsenbecks. Nach 12 Jahren in Hongkong kehrt Daniel nach…

Die Worte der Reporterin sind wie zäher Sprachkleister. Vermisst? Seit fünf Tagen? Seit Samstag? Es ist doch erst Samstag! Ich bin erst seit einer Stunde im Slade House. Es muss sich um eine andere Sally Timms handeln. Aber die Person auf dem riesigen Foto, das gerade eingeblendet wird, bin ich, ganz eindeutig, und die Sally Timms im Fernsehen hat genau…

Spaß mit der Droge, dann allmählich weniger Spaß, dann deutlich weniger Spaß wegen der Blackouts, aus denen man plötzlich auf der Autobahn auftaucht, wo man mit 145 Sachen und unbekannten Begleitern langkachelt, wegen der Nächte, in denen man in unbekannten Betten neben jemandem aufwacht, der nicht die geringste Ähnlichkeit mit bislang bekannt gewordenen Säugetieren mitbringt, drei Tage währenden Filmrissen, nach…

Man hatte ihn vor wenigen Minuten angerufen und zu einem Tatort bestellt. Er rechnete aus, dass er mit den Öffentlichen ungefähr eine Dreiviertelstunde brauchen würde. Dann würde er vor einem Leichnam stehen, den sein Kollege Steierer am Telefon als »furchtbar zugerichtet« bezeichnet hatte. Sobald man wusste, wer die Leiche war, würde man damit beginnen, ihre letzten Tage und Stunden zu…

Ich sprang über das graue, staubige Gelände zur riesigen Wölbung der Conrad-Blase. Die von roten Lichtern eingerahmte Luftschleuse war beunruhigend weit weg. Selbst in der geringen Mondschwerkraft ist es gar nicht so einfach, mit hundert Kilo Gerätschaften am Körper zu rennen. Aber Sie würden staunen, wie schnell Sie flitzen können, wenn Ihr Leben in Gefahr ist. Jazz Bashara lebt in…

Der Roman spielt Ende der Siebziger in der rauen Welt des amerikanischen Mittelwestens, die von Armut und Kriminalität geprägt ist. Hier lebt und arbeitet der Sozialarbeiter Pete Snow. Sein Job ist es Kindern und Jugendlichen in schwierigen familiären Verhältnissen zu helfen und dies ist keine leichte Aufgabe. Das Leben in dieser Gegend im Nordwesten Montanas dreht sich um Alkohol und…

Aaron riecht Jodtinktur. Beim Rasieren geschnitten. Sie will nicht, aber ihre linke Hand will, fasst unter seine Lederjacke und streift den Griff der Waffe. Eine Makarov Single Action. Er nimmt ihren Koffer, sie gehen zum Ausgang. Früher trug Aaron meist flache Schuhe. Als Blinde sind die stählernen Absätze der Hochhackigen ihr Echolot. Auf hartem Untergrund wie hier, doch nur an…

Ich nehme einen Schluck meines entkoffeinierten, laktosefreien Biokaffees aus Süd-Mexiko, den blinde und homosexuelle Waisenkinder, deren Eltern von den USA gefoltert und ermordet wurden, weil sie anarchistische Rebellen waren, mit bloßen und extra aus Deutschland eingeflogener PH-neutraler Eigenurin-Bioseife gewaschenen Händen gepflückt und mit ihrer eigenen Körperwärme geröstet haben. Er schmeckt scheiße. »Meine liebsten Jugendkulturen aus den Wilden Neunzigern« lautet der…

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