Moderne Literatur
Usama Al Shamani: In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied
Aktueller kann ein Roman nicht sein, auch wenn mir das Hineininterpretieren fernliegt. Hier wird gezeigt, wohin die Reise geht, wenn Ideologien die Oberhand gewinnen, die Gier nach Macht so groß wird, dass ein Menschenleben nichts mehr bedeutet, ein ganzes Volk zum Schuldigen erklärt und brutal ausgelöscht wird.
Makoto Shinkai/Naruki Nagakawa: Das Geschenk eines Regentages
Es gibt tatsächlich das Genre des Japanischen Katzenromans: 猫文学, »kiterature«. »Das Geschenk eines Regentages« der Autoren Makoto Shinkai und Naruki Nagakawa reiht sich da ein: In vier zusammenhängenden Episoden erzählen sie von Beziehungen zwischen schicksalsgeplagten Frauen und ebensolchen Katzen.
Maggie O’Farrell: Hamnet
Anfang 2026 wurde der Roman »Hamnet« verfilmt und bekam einen Oscar für die beste Hauptdarstellerin. Der Film ist sicher gut, aber schwere Kost. Er mutet dem Zuschauer ohne jede Pause oder Erleichterung eine ständige Abfolge von Geburt und Tod zu; das Buch liest sich wesentlich angenehmer.
Esther Schüttpelz: Grüne Welle
Für ihren ersten Roman »Ohne mich« wurde Esther Schüttpelz 2023 mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE ausgezeichnet. Jetzt erschien ihr zweites Buch »Grüne Welle«. Darin verfährt sich eine Frau nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin in einem alten Golf und findet den Weg zur Autobahn nicht.
Richard Russo: Diese gottverdammten Träume
Richard Russo lädt in seinem Buch dazu ein, das Leben einer US-Kleinstadt aus nächster Nähe zu erleben – mit all seinen Hoffnungen, Enttäuschungen und vertrauten Alltagskämpfen. Und er zeigt, dass menschliche Sehnsüchte und Schwierigkeiten überall dieselben sind, ganz gleich, wo man lebt.
Ken Kesey: Seemannslied
700 Seiten lang erlebt man den turbulenten Alltag der amerikanischen und indigenen Bewohner, den Culture-Clash zwischen Dörflern und Hollywood-Crew, den Kampf gegen eine raue und gnadenlose Natur, die es gleichzeitig zu erhalten gilt. Verfasst in einem prallen und ironischen Erzählton, den man nur lieben kann.
Markus Thielemann: Von Norden rollt ein Donner
Der Roman »Von Norden rollt ein Donner« von Markus Thielemann ist eine Art Abbild dessen, was das Leben in der Heide ausmacht, kombiniert mit einer metaphysisch angereicherten Charakterzeichnung und einer bisweilen ins Poetische neigenden Erzählweise.
Rachel Khong: Real Americans
Rachel Khong hat die amerikanische Gesellschaft sehr genau beobachtet. Unaufdringlich richtet sie ihren Spot dabei auf Familie, Identität und Rassismus. Die Protagonist*innen in ihrer außergewöhnlich komponierten Geschichte sind nicht außergewöhnlich und hinterlassen doch einen außerordentlichen Eindruck.
Gerti Tetzner: Karen W.
Mehr als fünfzig Jahre ist es her, dass Gerti Tetzners Roman »Karen W.« beim Mitteldeutschen Verlag Halle in der DDR erschienen ist. Das Buch wurde mit mehreren Auflagen (auch im Westen Deutschlands) verlegt. (…) Im vergangenen Jahr hat der Aufbau Verlag die Erzählung neu aufgelegt.
Salman Rushdie: Die elfte Stunde
Die meisten der fünf Geschichten in diesem Band handeln von älteren Menschen und ihrer Nähe zum Tod. (…) Doch trotz dieser Thematik sind die Erzählungen keineswegs altersmilde oder versöhnlich, die aktuelle Weltlage ist stets präsent.
Woody Allen: What’s with Baum?
Wer Allens Humor mag, wird auch dieses Buch mögen. Es steckt voller amüsanter Formulierungen, die der Hochbetagte, ganz wie zu seiner Glanzzeit, mühelos aus den Tasten seiner Reiseschreibmaschine kitzelt. Auf der anderen Seite will er offenbar nicht begreifen, dass sich die Welt seit dieser Glanzzeit weitergedreht hat.
Christina Fonthes: Wohin du auch gehst
Die junge Autorin Christina Fonthes wurde 1987 in Kinshasa, Kongo, geboren und lebt heute in London. Sie erzählt in ihrem Romandebüt die Geschichte zweier in Kinshasa geborenen und in London lebenden Frauen. Die Lesenden verfolgen die Geschehnisse um Mira und der jungen Bijoux über einen Zeitraum von vierzig Jahren. (…) Lesenswert und sehr zu Herzen gehend!
Vea Kaiser: Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
Es gibt vermutlich nur wenige Autorinnen und Autoren, die wir in unserem altehrwürdigen Bücherblog vom Anbeginn ihrer schriftstellerischen Karriere begleitet haben bzw. begleiten. Vea Kaiser ist eine von ihnen.
Thomas Pynchon: Schattennummer
»Schattennummer« von Thomas Pynchon ist locker, verspielt und wesentlich einfacher zu lesen, als manch andere seiner Romane, besitzt aber ebenfalls eine Fülle und Dichte an Gags und Informationen, die Konzentration erfordert. Aber selbst dann ist es kaum möglich, wirklich alles aufzunehmen.
Julia Engelmann: Himmel ohne Ende
Mit »Himmel ohne Ende« legte Julia Engelmann ihren ersten Roman vor. Eine Coming-of-Age-Geschichte, die bis zur letzten Seite fesselt. Engelmanns Sprache kommt unsentimental und schnörkellos daher. Ihre Poesie entsteht durch die Stille, die man zwischen den Zeilen spürt.
T.C. Boyle: No Way Home
Was die Werke des US-Schriftstellers T.C. Boyle betrifft, hat sich bei mir eine einfache Bewertungsformel etabliert. Es gibt von ihm (sehr viele) gute Bücher und (sehr wenige) nicht ganz so gute Bücher. Sein neuer Roman »No Way Home« gehört für mich in die zweite Kategorie.
Florentine Anders: Die Allee
»Die Allee« von Florentine Anders birgt eine Schatzkiste packender Geschichten in sich. Nicht nur, dass die Autorin das Leben ihres Großvaters und bekannten Architekten Hermann Henselmann sowie seiner großen Familie in den Mittelpunkt stellt. Er beleuchtet auch anschaulich die Baugeschichte über einhundert Jahre hinweg.
Robert Menasse: Die Hauptstadt
Menasse verwebt in »Die Hauptstadt« die einzelnen Stränge seiner Handlung und die Schicksale der Figuren auf kunstvolle Art und führt sie am Ende alle zusammen. Anstatt zu politisieren, präsentiert er wirkungsvolle und vielschichtige Bilder, deren Bedeutung sich rein rational nie ganz entschlüsseln lassen.

















