Beiträge von Axel Klingenberg

»Beim Zombie geht es um Kontrollverlust und absolute Fremdbestimmung«, schreibt Raul Zelik, »Die Untoten faszinieren uns, weil uns das Gefühl, maschinenhaft fremdgesteuert zu sein, allzu vertraut ist.« Der Zombie dient Zelik also als generelle Metapher für das entfremdete Dasein des Menschen. Aber er untersucht auch die spezifischen Ausprägungen dieser Horror-Figur: Was unterscheidet die Untoten aus George A. Romeros »Nacht der…

Die Menschheit ist schlecht, nur die dünne Tünche der Zivilisation hält die Menschen davon ab, übereinander herzufallen und sich gegenseitig zu massakrieren. Der Staat, die Armee und strenge Gesetze sind nötig, um die Menschen in Schach zu halten. Das glaubten Machiavelli und Thomas Hobbes, so steht es im »Herr der Fliegen« und so wurde es auch in diversen berühmt gewordenen…

Klaus Siblewski, Lektor, Autor und Professor am Institut für Literarisches Schreiben und Literatur an der Universität Hildesheim, sprach mit Schriftstellern über ihre Schreibtische und erlangte dabei wertvolle Einblick in die Entstehung ihres Werks. Und in ihr Leben. Gleich im ersten Kapitel erfährt der geneigte Leser, die geneigte Leserin, dass manche Autoren zwar sogar zwei Schreibtische ihr eigen nennen - aber…

Nichts macht einen so alt wie das Gemecker über die Jugend von heute und dass früher alles besser war. Michel Serres versucht daher, der Gegenwart positive Seiten abzugewinnen. Je älter man wird, desto mehr scheint man die Vergangenheit verklären zu müssen. Der Klassiker des »Früher war alles besser«-Modus: Damals hätten sich junge Männer auch geprügelt, aber wenn einer am Boden…

Der amerikanische Schriftsteller Bret Easton Ellis macht sich in seiner Essaysammlung »Weiss« Gedanken über Politik und möchte eigentlich lieber über Kunst reden. Mehr als vierzigmal hat Bret Easton Ellis Donald Trump in seinem 1991 erschienenen Skandalbuch »American Psycho« erwähnt. Er stand dort stellvertretend für eine liberale Gesellschaftsschicht, deren einziger Erfolg der in Dollar zu beziffernde wirtschaftliche Erfolg ist. Der Protagonist…

Es ist wohl an die 25 Jahre her, als meine Mitschülerin Anke mit den freudestrahlenden Worten »Der Meister kommt« den frisch gebauten Joint an mich weiterreichte. »Welcher Meister?«, fragte ich. Ich erwartete nun, dass sie beispielsweise »Bob Marley« sagte, den hörten wir nämlich gerade. Und dann hätte ich ihre Euphorie auch ein bisschen nachvollziehen können, immerhin war der Reggaegott auch…

»Der kurze Sommer der Anarchie« von Hans Magnus Enzensberger, »Verschwende deine Jugend« von Jürgen Teipel und »1913« von Florian Illies - drei Bücher, die bei allen Unterschieden doch mit ganz ähnlichen Mitteln arbeiten. Die Textcollagen spielen mit unterschiedlichen Sichtweisen: Bei Enzensbergers Eloge auf den Spanischen Bürgerkrieg wurden vorhandene Fragmente benutzt und zusammengestellt, Teipel führte für sein »Wie der Punk nach…

Eine Vielzahl neuer Serien veränderte in den letzten Jahren die Fernsehkultur. Es gehört inzwischen zum guten Ton, die Flaggschiffe dieser Welle zu kennen: »Breaking Bad«, »Die Sopranos« und »Game of Thrones«. Letztere ist die vielleicht ambitionierteste und mit Sicherheit die aufwendigste. Allenthalben wird diesen Serien nachgesagt, dass sie die Gesellschaftsromane des 21. Jahrhunderts seien. Bei »Game of Thrones«, deren neueste,…

Ich schlafe mit einem Glas Wasser auf dem Nachttisch, um an dessen Pegel erkennen zu können, ob die kalifornische Erde bebt oder ob es immer noch ich bin, die zittert. Auf der Suche nach Sätzen, die besonders schön und auch beispielhaft für den Tonfall sind, der in der »Krachkultur« angeschlagen wird, werde ich schnell fündig. Ehrlich gesagt, weiß ich gar…

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