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	<description>Buchvorstellungen und Beobachtungen</description>
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	<title>wortmax</title>
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		<title>Tomer Gardi: Liefern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Renate Bojanowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2026 09:12:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Birkenhauer]]></category>
		<category><![CDATA[Tomer Gardi]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In »Liefern« lässt Tomer Gardi Kuriere zu Wort kommen. Dafür hat er drei Jahre an unterschiedlichen Orten der Welt recherchiert und Betroffene interviewt. Gardis Figuren arbeiten unter Zeitdruck in einem erbarmungslosen Job mit langen Arbeitszeiten und den ständig drohenden Gefahren auf der Straße.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/08/liefern-vb.jpg" alt="Tomer Gardi: Liefern" title="Tomer Gardi: Liefern" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16592" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/08/liefern-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/08/liefern-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Dass Zeit eine ebenso wertvolle Ressource ist wie Geld, wusste bereits Benjamin Franklin. Mit seiner berühmten Metapher betonte er in seinem Werk »Ratschläge für junge Kaufleute« aus dem Jahr 1748 den wirtschaftlichen Wert der Arbeit. Dass Zeit Geld ist, wissen auch die Kuriere auf dem Fahrrad, die abgehetzt mit lautstarkem Klingelgeräusch in meinem Wohnviertel die Fußgänger aufscheuchen. Die »Rider« bringen überall Essen von einem Ort zum anderen, und doch sehen wir sie nicht. Sind wir zu verwöhnt?</p>
<p>In seinem neuen Roman »Liefern« lässt der israelische Autor Tomer Gardi genau solche Kuriere zu Wort kommen. Dafür hat er drei Jahre an unterschiedlichen Orten der Welt recherchiert und Betroffene interviewt. Gardis Figuren arbeiten unter Zeitdruck in einem erbarmungslosen Job mit langen Arbeitszeiten und den ständig drohenden Gefahren auf der Straße. Alle kämpfen für sich allein als selbständige Dienstleister*innen unter permanentem Druck der Konkurrenz. Mafiöse Mittelspersonen verschaffen Geflüchteten ohne Arbeitserlaubnis falsche Identitäten, gegen Kohle, versteht sich.</p>
<p>Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, benötigt dringend Geld. Er möchte seiner Frau und Tochter (die er noch nie gesehen hat) nach Berlin folgen. Deshalb heuert er unter falschem Namen bei einem Lieferservice an. Seine Frau lernt inzwischen Deutsch bei Nina in Berlin. Die wiederum verliebt sich während ihres Aufenthaltes in Neu-Delhi in den Argentinier Ramon. Dort beobachten die Lesenden, wie eine Frau das Essen auf einem <em>»brüllenden, glänzend schwarzen Scooter«</em> ausfährt. Hinter ihr sitzt ein Kind mit einer roten Bonanza-Tasche auf dem Rücken. Der Venezolaner Ciervo liefert das Essen in Buenos Aires aus. Ständig stürzt sein Handy ab. Zufälligerweise findet er ein anderes, nämlich das von Ramon. Wer bis hierher leicht den Überblick verloren hat, findet Halt beim Ich-Erzähler. Doch alles hat auch er nicht im Griff, deutet der Autor doch manche Story nur an.</p>
<p>Während der Erzählende nach Istanbul reist, um sich von einem Preisgeld eine Haartransplantation zu leisten, genießt man Gardis feinsinnigen Humor. Wie schelmisch er über die Schummeleien in der Literaturpreisjury, die blutigen kahlen Köpfe in der Klinik für Haartransplantationen oder die unverschämte Wissbegier deutscher Autoren in der afrikanischen Provinz plaudert. Als der Ich-Erzähler an seiner haarigen Unternehmung noch zweifelt, trifft er den Lieferanten Resul. Der erzählt ihm seine Lebensgeschichte. </p>
<blockquote><p><em>Wisst ihr eigentlich, warum die Leute die Kuriere hassen? Weil wir menschlich sind, sagte Resul. Weil diese Dienstleistung, die alle am liebsten so bekämen, als würde sie von einer Maschine verrichtet, von einem Menschen gemacht wird, einem Menschen, der sich aufregt, einem Menschen, der eine Würde hat, einem Menschen, der Fehler macht. Das Menschliche ist das überflüssige Element, das man an den Kurieren hasst.</em></p></blockquote>
<p>Tomer Gardi lotst die Lesenden durch ein Dickicht an Figuren und Handlungsorte. Seine prekär Beschäftigten reiben sich in Tel Aviv ebenso auf, wie in Berlin, Istanbul, Delhi, Buenos Aires oder Naivasha. Neben den Kurieren begegnet man Küchenhelfern, Döner-Verkäufern, Gästebetreuern und Rosenpflückerinnen. Alle sind einem System gnadenlos ausgeliefert: der App, den Algorithmen, den Bewertungen.</p>
<p>Gardis Sprache ist einfach, kreativ und dabei sehr poetisch. Bei ihm steht jemand nachts »im Unschein«, die Rosenpflückerin »will werden« statt sein. Er gebraucht für uns fremde Wörter, denn wir sind privilegiert und kennen die absurden Prozesse im Zusammenhang mit der Arbeitsmigration nicht. Wer von uns hat je eine »Flüchtlingsunterkunft«, ein »Ankunftszentrum« oder eine »Erstaufnahmeeinrichtung« von innen gesehen?</p>
<p>Der Text berührt. Er schmerzt. Das ist gewiss auch der Übersetzerin Anne Birkenhauer zu verdanken, mit der Tomer Gardi für dieses Buchprojekt zusammengearbeitet hat. Anne Birkenhauer hat außerdem den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen ins Deutsche übertragen.</p>
<p>Tomer Gardi lässt einen so nah an die Figuren, auch, weil man ihre Wärme spürt. Er erzählt seine Geschichten tiefgründig und doch mit dem gewissen Schalk im Nacken. Bewusst lässt er die Grenzen der autofiktionalen Erzählung verschwimmen. Das ist großartig. Dieser Roman hat mich umdenken lassen. Habe ich bis vor kurzem einem »Rider« auch manchmal böse etwas hinterhergerufen, wenn er mich gestreift hat, gehe ich nun respektvoll zur Seite, bevor dies passiert. Hinter den Essenslieferanten mit ihren quadratischen Taschen verbergen sich Menschen mit ihren eigenen Geschichten, Sehnsüchten und Träumen. Ihre Heimatlosigkeit geht uns alle etwas an!</p>
<p><strong>Tomer Gardi: Liefern</strong> | Deutsch von Anne Birkenhauer<br />
Tropen 2026 | 320 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783608502633?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>T.C. Boyle: Das Ende ist nur ein Anfang</title>
		<link>https://www.wortmax.de/t-c-boyle-das-ende-ist-nur-ein-anfang/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 10:05:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kurzgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[T.C. Boyle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer bisher die Romane von T.C. Boyle bevorzugt hat, sollte sein Augenmerk unbedingt auf seine Kurzgeschichten lenken. (...) Sie sind keine Appetithäppchen, keine Fingerübungen zwischen den großen Werken. Sie sind wie kleine Romane — komprimiert, verdichtet, mit der Wucht eines vollen Romans. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/08/das-ende-ist-nur-ein-anfang-vb.jpg" alt="T.C. Boyle: Das Ende ist nur ein Anfang" title="T.C. Boyle: Das Ende ist nur ein Anfang" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16557" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/08/das-ende-ist-nur-ein-anfang-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/08/das-ende-ist-nur-ein-anfang-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Mit nur 240 Seiten kommt das neueste Buch unserer Blog-Inspiration T.C. Boyle im Vergleich zu seinen anderen Werken recht schmal daher. Aber das ist verkraftbar. Immerhin veröffentlicht Boyle so gut wie jährlich ein neues Buch. Und inhaltlich heben seine neuen Short Storys die Leichtigkeit des Bandes vollständig auf. Es sind keine Wohlfühlgeschichten. Aber die erwartet von dem gefeierten US-Schriftsteller wohl auch niemand.</p>
<p>T.C. Boyle hat inzwischen einen Sound gefunden, den man gut mit dem Begriff Gegenwartsdystopie bezeichnen könnte. Was wir lange als Science Fiction verbuchten, ist mittlerweile bittere Gegenwart. Genau das führt uns Boyle in seinen jüngeren Kurzgeschichten vor Augen. Oder auch – besonders gelungen – in seinem vorletzten Roman <a href="https://www.wortmax.de/t-c-boyle-blue-skies/">»Blue Skies«</a>, wo die Folgen des von Menschenhand drastisch beschleunigten Klimawandels nicht als Zukunftsszenario daherkommen, sondern als etwas, das bereits stattfindet. Dem stehen wir tatenlos gegenüber, in einer Mischung aus Ignoranz, Sorglosigkeit, Apathie und schlechtem Gewissen — wohl aber auch mit einem Funken Hoffnung, dass sich irgendwann, irgendwie noch alles zum Guten wendet.</p>
<p>In diesem Sinne haben mich vier Geschichten des neuen Bandes nachhaltig beeindruckt. In »Kalter Sommer« lebt ein Paar seinen Aussteigertraum — autarkes Haus, Solarpaneele, weit weg von den Städten. Doch ein durchgeknallter Milliardär versprüht Schwefelsäure in der Stratosphäre, die Sonne verschwindet, im Juli fällt Schnee. Ohne Strom, ohne E-Auto, mit einem Beinbruch, sind die Solar-Utopisten plötzlich auf ihre grantelnden Klimawandelleugner-Nachbarn mit Verbrenner angewiesen. Boyle zeigt: Wer allein auf Technik setzt, um die Welt zu bändigen, hat die  Gefahr nicht verstanden.</p>
<p>Die Titelgeschichte, »Das Ende ist nur ein Anfang«, beginnt dagegen fast heiter: Ein amerikanischer Schriftsteller besucht seinen europäischen Verlag in Paris, ein langweiliger Termin, der sich zu einem kleinen Fest fürs Leben entwickelt. Zurück in Kalifornien stirbt seine Frau an Corona — er hat sie, ohne etwas zu ahnen, infiziert. Religiöser Trost wird zu einer Phrase:</p>
<blockquote><p><em>»Ich weiß nicht, wo du Jesus findest, aber Carolines Moleküle sind da drüben, in der Urne mit dem Blumenkranz – und ein paar vielleicht noch im Kamin des Krematoriums.«</em></p></blockquote>
<p>In »Ich rate zu Kunstfaser« kommen zwei Elternpaare ins Gespräch, deren Söhne kurz vor der Einschulung stehen. Die einen haben für ihr Kind einen schusssicheren Ranzen gekauft und Waffen zu Hause. Das andere Paar ist davon befremdet und verunsichert. Boyle zeigt hier den Waffenfetischismus der USA im Mikrokosmos.</p>
<p>»2036« schließlich ist die wütendste Geschichte des Bandes. Die USA sind eine Diktatur, Grönland wurde »befriedet«, und ein harmloser Social-Media-Post über holländische Tulpen reicht für eine Festnahme. Der Protagonist Frazier landet in einem Umerziehungslager, muss die gesammelten Reden des Präsidenten auswendig lernen — zehn Bände, je fünfhundert Seiten — und fügt sich, bis er Mitgefangene verrät und die »Staatsbürgerschaft Plus« erhält. Dass Boyle dabei auf Donald Trump zielt, braucht weder in seiner Geschichte noch in dieser Rezension näher erwähnt werden; es ist die bitterböse Groteske eines Mannes, der seinen Abscheu eloquent von der Seele schreibt. Übrigens auch täglich in seinen Social-Media-Kanälen bei X und <a href="https://bsky.app/profile/tcboyle.com" target="_blank">Bluesky</a> sowie in seinem <a href="https://www.tcboyle.de/whats-new/" target="_blank">monatlichen Blog</a>.</p>
<p>Wer bisher die Romane von T.C. Boyle bevorzugt hat, sollte sein Augenmerk unbedingt auf seine Kurzgeschichten lenken. Sie sind keine Appetithäppchen, keine Fingerübungen zwischen den großen Werken. Sie sind wie kleine Romane — komprimiert, verdichtet, mit der Wucht eines vollen Romans, nur ohne Längen. Boyle in Bestform, im Kleinformat. Lesen können wir die Mini-Romane einstweilen nur in deutscher Sprache (hervorragend übersetzt von Dirk van Gunsteren), sieht man davon ab, dass einige Erzählungen des neuen Bandes bereits in amerikanischen Magazinen erschienen sind. Im Original zwischen zwei Buchdeckeln erscheinen sie erst im nächsten Jahr.</p>
<p><strong>T.C. Boyle: Das Ende ist nur ein Anfang</strong> | Deutsch von Dirk van Gunsteren<br />
Hanser 2026 | 240 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783446288393?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Frank Miller: Push the Wall. My Life, Writing, Drawing, and the Art of Storytelling</title>
		<link>https://www.wortmax.de/frank-miller-push-the-wall-my-life-writing-drawing-and-the-art-of-storytelling/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Karsten Weyershausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2026 07:35:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Graphic Novel & Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Originale]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Miller]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Janson]]></category>
		<category><![CDATA[Lynn Varley]]></category>
		<category><![CDATA[Neal Adams]]></category>
		<category><![CDATA[Norman Rockwell]]></category>
		<category><![CDATA[Quentin Tarantino]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Rodriguez]]></category>
		<category><![CDATA[Saul Bellow]]></category>
		<category><![CDATA[Will Eisner]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als seine Karriere anfing, war Frank Miller nur ein unbedarftes Landei aus Vermont, dessen geistiger Horizont von Fernsehkrimis, Comics und schlechten Filmen geprägt war. Knappe 50 Jahre später kommt er als »Man About Town« daher, der von Michelangelo schwärmt und Aristoteles zitiert ... </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/07/push-the-wall.jpg" alt="Frank Miller: Push the Wall. My Life, Writing, Drawing, and the Art of Storytelling" title="Frank Miller: Push the Wall. My Life, Writing, Drawing, and the Art of Storytelling" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-16549" />Als seine Karriere anfing, war Frank Miller nur ein unbedarftes Landei aus Vermont, dessen geistiger Horizont von Fernsehkrimis, Comics und schlechten Filmen geprägt war. Knappe 50 Jahre später kommt er als »Man About Town« daher, der von Michelangelo schwärmt, Aristoteles zitiert, Einsteins Konzept der Quantenverschränkung erklärt und seinen Saul Bellow auswendig kennt. Seit »Robocop 2« hat er es weit gebracht. Miller war in kürzester Zeit der Wunderknabe der amerikanischen Comics. Ein junger Kerl, der quasi in der Gosse lebte, bis er als Zeichner des Marvel-Superhelden »Daredevil« fast über Nacht zum Hoffnungsträger der amerikanischen Comicszene wurde. Die Intelligenz, die hinter seinen perfekt arrangierten Panels steckte, war unübersehbar. Nach nur zehn Ausgaben gab er mit einer Rachegeschichte, in der eine Ninja-Killerin, namens Elektra auftaucht, seinen Einstand als Autor. Wie später Quentin Tarantino verstand er es, ein Genre zu demontieren und mit den Versatzstücken seiner Obsessionen neu zusammenzusetzen.</p>
<p>Die Weltsicht des Newcomers war schon damals bedenklich, passte aber ganz zum Zeitgeist der Reagan-Ära, in der Typen wie Rambo gefragt waren, auch wenn Miller dies heute sicher anders sieht. 1986, ein Schicksalsjahr der amerikanischen Comics, brachte Art Spiegelmans »Maus«, »Watchmen« von Alan Moore und Dave Gibbons sowie Millers »The Dark Knight Returns« hervor, allesamt Meilensteine, die enorme Bestseller wurden. »Comics Aren&#8217;t Just For Kids Anymore«, hieß es plötzlich.</p>
<p>Das ließ Hollywood aufhorchen. So kam es, dass der gefeierte Comicmacher an die Westküste zog, um neben der Drehbuchschreiberei »Wein, Weib und Gesang« zu frönen, wie er in seinem Buch, »Push the Wall«, offenbart. »My Life, Writing, Drawing, and the Art of Storytelling« lautet der Untertitel. Doch wenn eine Wikipedia-Seite mehr verrät, als der Autor selbst, verheißt das nichts Gutes. Hätte er sein Buch als »The Art of Storytelling – unter Zuhilfenahme eingestreuter Anekdötchen« herausgebracht, wäre dies treffender gewesen. Vielleicht wollte er nur seinem Idol Will Eisner nacheifern, der mit »Comics and Sequential Art« eines der ersten Bücher über die Mechanismen der Comics schrieb. Miller jedoch möchte sich nicht auf ein Medium allein beschränken, zu divers ist die Bandbreite seiner Ambitionen.</p>
<p>Er beginnt sein Buch mit einem Brief an sein jugendliches Selbst, um in den darauffolgenden 16 Lektionen zu erklären, worauf es beim Geschichtenerzählen ankommt. Fast alle dieser Lektionen werden mit biografischen Details unterfüttert. Wenn er jedoch den Western »High Noon« seziert oder über Norman Rockwell, den Maler einer heilen amerikanischen Welt, schwadroniert, macht er gewaltige Umwege, um einen simplen Standpunkt zu verdeutlichen. Dazu muss man etliche Passagen erdulden, in denen er bemüht ist, literarisch zu klingen, wie beispielsweise in seiner Beschreibung von Los Angeles, die nur Chandlerismen aneinanderreiht.</p>
<p>»Lass Dich überfallen und verliebe Dich« lautet die Überschrift der 3. Lektion, in der es um Lebenserfahrung und die Herstellung von Kunst geht. Doch wie will man die erlangen? Die meiste Zeit seines Lebens verbringt ein Comickünstler über seinem Zeichentisch gebeugt. Dramatische Ausreißer gibt es höchstens, wenn ein Bleistift abbricht oder die Katze mit schmutzigen Pfoten über das Zeichenpapier läuft. Astronauten haben es da besser, denn der Akt des Schreibens und des Zeichnens ist unspektakulär. Dieses Problem hatten schon einige Künstler mit ihrer Autobiografie. Zum Glück gibt es Sex, Alkohol und Drogen, die helfen, das Ganze ein wenig aufzulockern. Nur leider hat Miller nicht vor, uns an seinem zweifellos vorhandenen Erfahrungsschatz auf diesen Gebieten teilhaben zu lassen. Schon sein Gesicht verrät, dass er in seinem Leben sicher einiges durchmachen musste. Doch das wird bestenfalls angedeutet. Sein Erinnerungsvermögen ist höchst selektiv. Einzig die Entstehung von »RoboCop 2« und »Sin City« wird eingehend beleuchtet. Alle anderen Filmprojekte finden keine Erwähnung.</p>
<p>Bedauerlicherweise ist er bei Menschen, die ihm im Laufe seines Lebens begegnet sind, ebenso diskret. Fast alle auftauchenden Zeitgenossen werden auf unverbindlichste (sprich: langweiligste) Art und Weise abgehandelt. Selbst seine beiden Vaterfiguren, Neal Adams und Will Eisner, zwei höchst komplizierte Charaktere, werden auf eindimensionales Gutmenschentum reduziert. Auch sein kreativer Partner Klaus Janson, mit dem er nach »The Dark Knight Returns« jahrzehntelang kein Wort wechselte, und seine Ex-Frau und Ex-Koloristin Lynn Varley treten als farblose Randfiguren in Erscheinung. Die Ehre einer etwas differenzierten Sicht wird höchstens Robert Rodriguez zuteil, der Miller während der Verfilmung von »Sin City« gegen erhebliche Widerstände zum Co-Regisseur machte.</p>
<p>Vielleicht ist diese Zurückhaltung die Reaktion auf einen gewaltigen Shitstorm, den er 2011 auslöste, nachdem er die Occupy-Bewegung als »einen Haufen Flegel, Diebe und Vergewaltiger« beschimpfte. Im selben Jahr erschien seine Graphic Novel »Holy Terror«, die ihm den Vorwurf einbrachte, islamophob zu sein.</p>
<p>Heute distanziert sich der 69-Jährige von seinen damaligen Aussagen. Ist es späte Einsicht oder die allgegenwärtige Angst gecancelt zu werden? Kontroverses sucht man in diesem Buch daher vergebens. Richtig interessant wird es nur, wenn es vom eigentlichen Schaffensprozess berichtet: Wie als Miller zu Schere und Klebstoff greift, nachdem er merkt, dass der erste Teil von »The Dark Knight Returns« nicht auf die benötigte Seitenzahl zu bringen ist. Die resultierende Cut + Paste-Aktion sorgt für ein völlig anderes Erzähltempo. Für das Multitalent ein Aha-Erlebnis. Nur sind solche Momente selten.</p>
<p>Für wen ist dieses Buch also gedacht? Für die Fans seiner Comics? Für alle, die seine Filme mögen? Ist es eine Motivationshilfe für Anfänger? Eine Ergänzung für den Frank-Miller-Fan, der alles hat? Als Lehrbuch ist es zu diffus, als Autobiografie viel zu oberflächlich. Wer mehr über den Künstler erfahren möchte, findet dies eher in den zahlreichen Interviews, die er besonders am Anfang seiner Laufbahn gab. Schade eigentlich. Nach 50 Jahren in der Branche wüsste er sicher eine Menge zu erzählen. Nur leider nicht in diesem Buch.</p>
<p><strong>Frank Miller: Push the Wall. My Life, Writing, Drawing, and the Art of Storytelling</strong> | Englisch<br />
Simon &#038; Schuster/Saga Press 2026 | 224 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9781837262144?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/frank-miller-push-the-wall-my-life-writing-drawing-and-the-art-of-storytelling/">Frank Miller: Push the Wall. My Life, Writing, Drawing, and the Art of Storytelling</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
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		<item>
		<title>Daniel Faßbender: Heaven’s Gate: Ein Fall für Caruso</title>
		<link>https://www.wortmax.de/daniel-fassbender-heavens-gate-ein-fall-fuer-caruso/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Renate Bojanowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jul 2026 07:51:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Faßbender]]></category>
		<category><![CDATA[Dashiell Hammet]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Fauser]]></category>
		<category><![CDATA[Raymond Chandler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Daniel Faßbender studierte Literaturwissenschaft, Politik und Geschichte und stand 2018 mit seinem Debütroman »Die weltbeste Geschichte vom Fallen« auf der Longlist des Blogbuster-Literaturpreises. Für »Heaven’s Gate« erhielt er ein Stipendium des 1:1-Mentoring-Programms des Literaturbüros Nordrheinwestfalens und des Literaturhauses Bonn.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/daniel-fassbender-heavens-gate-ein-fall-fuer-caruso/">Daniel Faßbender: Heaven’s Gate: Ein Fall für Caruso</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/07/heavens-gate-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16540" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/07/heavens-gate-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/07/heavens-gate-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Der Schweizer Diogenes Verlag veranstaltet regelmäßig Zoom-Konferenzen für Buchhändler*- und Blogger*innen, in denen er seine aktuellen Bücher vorstellt. Anfang des Jahres las Daniel Faßbender dort aus seinem Krimi-Debüt »Heaven’s Gate: Ein Fall für Caruso«. Dies ist der erste Teil einer Reihe, der die Lesenden auf die philippinische Insel Surogao entführt, auf der sich der ehemalige Profisurfer Caruso als Privatdetektiv niedergelassen hat. Die eindrucksvolle Leichtigkeit des Augenblicks, in dem die Hauptfigur die titelgebende, anspruchsvolle Riesen-Welle bezwingt, hat mich so fasziniert, dass das Buch umgehend auf meinem Bücherstapel landete.</p>
<blockquote><p><em>Ich stehe auf der Stelle, während ich mich mit hoher Geschwindigkeit auf ein gleißendes Licht zubewege. Ein Rausch. Ein konturloses Jetzt. Freiheit.</em></p></blockquote>
<p>Daniel Faßbender studierte Literaturwissenschaft, Politik und Geschichte und stand im Jahr 2018 mit seinem Debütroman <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783981848465?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">»Die weltbeste Geschichte vom Fallen«</a> auf der Longlist des Blogbuster-Literaturpreises. Für »Heaven’s Gate: Ein Fall für Caruso« erhielt er ein Stipendium des 1:1-Mentoring-Programms des Literaturbüros Nordrheinwestfalens und des Literaturhauses Bonn. Daniel Faßbender lebt in Köln, ist selbst leidenschaftlicher Surfer und arbeitet in einer TV-Nachrichtenredaktion.</p>
<p>Seine Hauptfigur, Privatdetektiv Caruso, lebt seit ungefähr einem Jahr auf der philippinischen Insel Surogao. Er will surfen, frönt dem Nichtstun in seiner Hängematte und ertränkt seinen Trübsinn im Alkohol. Kleinere Aufträge, wie etwa das Wiederfinden gestohlener Roller oder Surfboards, halten ihn mehr, meistens jedoch eher weniger über Wasser. Er braucht unbedingt Geld. Da kommt ihm die geheimnisvolle Spanierin Ángel Guzmán Gaviria gerade recht. Sie möchte, dass er ihren seit zwei Wochen verschwundenen Sohn findet. Caruso fühlt sich von Ángel angezogen, weil sie ihn an seine Verflossene erinnert. Ihr Sohn ist ebenfalls ein begeisterter Surfer. Also sagt er zu. Übernimmt sich Caruso mit diesem Fall?</p>
<p>Zunächst geht er die Suche nach dem jungen Mann gelassen an. Doch schon bald versinkt er tief im Sumpf von Drogen, Gewalt, Korruption und den damit einhergehenden Problemen. An Carusos Seite steht der ehemalige Häftling, Zuhälter und Drogenhändler Dieter »Diego« Mühle. Der clevere Mann der »alten Schule« ist auch der Vater des Gesuchten. Durch ihn entsteht Spannung, er sorgt für genügend Widerspruch und verleiht Faßbenders Erzählstil den Hardboiled-Charakter. Vortrefflich geling dem Autor der Einsatz von althergebrachten Genre-Stereotypen (jovialer Umgangston, Diegos sexistische Verhaltensweisen, nachvollziehbare Zuspitzung durch Gewalt am Ende).</p>
<p>Offen sprach Faßbender während der Online-Lesung über seine Vorbilder: Dashiell Hammet, Raymond Chandler, Jörg Fauser. Man spürt sie insoweit, dass sie sogar im Text genannt werden. Doch man spürt auch Faßbenders Weiterentwicklung. Caruso entspricht nicht den klassischen Männlichkeitsbildern. Man empfindet seine innere Zerrissenheit, erlebt, wie er mit seinen eigenen Lastern kämpft oder welche Auswirkungen Trostlosigkeit, Gewalt und die gesellschaftlichen Missstände auf ihn haben. </p>
<p>Mit Diego stellt der Autor der Hauptfigur einen grandiosen zweiten Protagonisten an die Seite, der ebenso komplex angelegt ist wie Caruso selbst. Ist er sympathisch oder eher nicht? Auf jeden Fall ist er eine raffiniert angelegte Figur in dem actiongeladenen, einfallsreich konzipierten Kriminialfall à la »Surf Noir« vor einer interessant gewählten Kulisse, der zudem vorzüglich unterhält. Die gut nachvollziehbare, packende Auflösung fesselt bis zur letzten Zeile, auch wenn die gesellschaftliche Misere ebenso unverändert bleibt wie Carusos persönliche Situation. Auf eine Fortsetzung darf man sich gespannt freuen.</p>
<blockquote><p><em>Ich verstaute mein Gepäck und wechselte auf das Oberdeck. In der Ferne erschien Heaven’s Gate, dahinter wankte der Surftower im Wind. …Für einen kurzen Moment drehte der Wind, blies von der Küste aufs Meer, und die Welle entfaltete ihre volle Pracht. Ein verirrter Funken Sonne ließ die Kathedrale erstrahlen. Ich schloss die Augen und kehrte zurück in ihr Innerstes.</em></p></blockquote>
<p><strong>Daniel Faßbender: Heaven’s Gate: Ein Fall für Caruso</strong> | Deutsch<br />
Diogenes 2026 | 304 Seiten | <a href="https://www.book2look.com/book/9783257301182(wortmax.de)" target="_blank">Mehr lesen</a> | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783257301182?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Bestellen</a></p>
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		<title>Jürgen Kehrer: Heldenreise ins ewige Eis</title>
		<link>https://www.wortmax.de/juergen-kehrer-heldenreise-ins-ewige-eis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Renate Bojanowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 08:34:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Schröder-Stranz]]></category>
		<category><![CDATA[Jürgen Kehrer]]></category>
		<category><![CDATA[Roald Amundsen]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Falcon Scott]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Weil mich die Geschichte um den spektakulären Wettlauf zum geografischen Südpol zwischen Amundsen und Scott immer schon fasziniert hat, kam mir Jürgen Kehrers Buch »Heldenreise ins ewige Eis: Der Untergang der Deutschen Arktischen Expedition auf Spitzbergen 1912/13« wie gerufen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/06/Heldenreise-ins-ewige-Eis-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16530" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/06/Heldenreise-ins-ewige-Eis-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/06/Heldenreise-ins-ewige-Eis-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Woher stammt eigentlich unsere Sehnsucht nach Heldentum? Wer ist ein Held? Und wer sind die Menschen, die alles daransetzen, als Helden in die Geschichte einzugehen? Interessante Fragen, die mich dazu bewegt haben, wieder einmal zu einem Sachbuch zu greifen. Da mich die Geschichte um den spektakulären Wettlauf zum geografischen Südpol zwischen dem Norweger Roald Amundsen und dem Briten Robert Falcon Scott immer schon fasziniert hat, kam mir Jürgen Kehrers im März 2026 beim Quadriga Verlag erschienenes Buch »Heldenreise ins ewige Eis: Der Untergang der Deutschen Arktischen Expedition auf Spitzbergen 1912/13« wie gerufen.</p>
<p>Darin erzählt der bekannte Journalist, Drehbuchautor und Schriftsteller die ebenso spannende wie tragische Geschichte über die Deutsche Arktische Expedition in dieser Zeit. Während die Polarforschung boomte, zählten die Nordost- oder Nordwestpassage, aber auch der Nord- und Südpol zu den begehrten Zielen. Solche Unternehmungen bargen Risiken und wurden häufig mit dem Leben bezahlt (u.a. John Franklin oder Robert Falcon Scott).</p>
<blockquote><p><em>»Hätten diese Leute ein klein wenig Erfahrung in Eis und Schnee gehabt, so hätte sich all dieses Elend leicht vermeiden lassen. Reisen in jene Gegenden können wahrhaftig genug Schwierigkeiten bieten, ohne dass man diese durch leichtsinnige Ausrüstung und Überfluss an Unkenntnis noch zu vergrößern braucht.«</em> Fridtjof Nansen (1861 – 1930)</p></blockquote>
<p>Andererseits konnte man auf diese Art und Weise auch berühmt oder gar als Held gefeiert werden. Genau das schwebte dem 1884 in Stranz geborenen Herbert Schröder vor, der (um sich aus der Masse herauszuheben) seinem gewöhnlichen Nachnamen den Geburtsort hinzufügte und später Schröder-Stranz hieß. Ohne Schulabschluss verpflichtete er sich zunächst bei der kaiserlichen »Schutztruppe«, die in Südwestafrika für den Völkermord an den Herero verantwortlich war. Als Offiziersanwärter entpuppte er sich jedoch als ungeeignet. Im Jahr 1905 hatte er die Idee, während einer wissenschaftlichen Expedition zu klären, ob sich die Nordostpassage für den Schiffsverkehr nutzen ließe. Würde er so als Polarreisender unsterblich werden und als Mann der Tat in die Geschichte eingehen?</p>
<p>Seine Suche nach Sponsoren war langwierig und dauerte mehrere Jahre. Dennoch vermutet Jürgen Kehrer hinter dem Hochstapler Schröder etwas Anziehendes, das den bekannten Polarforscher Ernst von Drygalski überzeugte, seine Pläne zu unterstützen. Um leichter Geldgeber zu finden, entschied sich Schröder-Stranz für eine Vorexpedition. Die finanzierte Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg. </p>
<p>Ausführlich und nacherlebbar beschreibt Jürgen Kehrer den Verlauf dieser Expedition. Ungenügende Vorbereitung, Überheblichkeit und mangelnde Kenntnisse dominierten den Misserfolg dieser Forschungsreise. Schröder-Stranz hatte seine Route wider besseren Wissens entlang der Nordküste Spitzbergens geplant. Gemeinsam mit drei weiteren Männern setzt er sich von der Mannschaft ab, um die zweitgrößte Insel von Spitzbergen (Nordostland) zu durchqueren. Diese kleine Gruppe kehrte nicht zu den anderen zurück und gilt seitdem als verschollen.</p>
<p>Eis umschließt das Expeditionsschiff. Es entbrennt ein harter Überlebenskampf, der einige dazu veranlasst, auf dem Landweg Hilfe zu generieren. Der Autor lässt die Lesenden hautnah miterleben, wie die Expeditionsteilnehmer in zu dünner Kleidung, mit zu wenig Nahrung über erodiertes Packeis und Berge von Gletscherschutt klettern. Manchmal mag man sich die Folgen nicht vorstellen: erfrorene Finger und Zehen, die ohne ausreichende medizinische Hintergründe und Narkose amputiert werden müssen. Auch das zwischenmenschliche Klima ist eisig – einer spricht dem anderen Zuständigkeiten und Fachwissen ab. Ähnlich ergeht es den ausgesandten Rettungsmannschaften. Sie gelangen nicht zur Hauptexpedition, scheitern an der eigenen Selbstüberschätzung und müssen am Ende selbst gerettet werden.</p>
<p>Jürgen Kehrer ist mit seiner plastischen Erzählweise ein spannendes Buch gelungen, das man ohne Pause durchliest. Sehr anschaulich und unterhaltsam beleuchtet er die Geschichte von Menschen, die Außergewöhnliches vollbringen wollten, allen voran Schröder-Stranz. Letzterer mag aus seiner Sicht gewiss alles in seiner Macht Stehende in seine Unsterblichkeit investiert haben, Anmaßung und Selbstüberschätzung stehen jedoch keinem Helden gut.</p>
<p><strong>Jürgen Kehrer: Heldenreise ins ewige Eis. Der Untergang der Deutschen Arktischen Expedition auf Spitzbergen 1912/13</strong> | Deutsch<br />
Quadriga 2026 | 272 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783869951652?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Usama Al Shamani: In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied</title>
		<link>https://www.wortmax.de/usama-al-shamani-in-der-tiefe-des-tigris-schlaeft-ein-lied/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Renate Bojanowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jun 2026 09:51:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Margot Friedländer]]></category>
		<category><![CDATA[Usama Al Shamani]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aktueller kann ein Roman nicht sein, auch wenn mir das Hineininterpretieren fernliegt. Hier wird gezeigt, wohin die Reise geht, wenn Ideologien die Oberhand gewinnen, die Gier nach Macht so groß wird, dass ein Menschenleben nichts mehr bedeutet, ein ganzes Volk zum Schuldigen erklärt und brutal ausgelöscht wird.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/06/In-der-Tiefe-des-Tigris-schlaeft-ein-Lied.jpg" alt="Usama Al Shamani: In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied" title="Usama Al Shamani: In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-16519" />Geschichte ist stets mit dem eigenen Blickwinkel verbunden. Man kann Ereignisse lebendig halten, aus dem Gedächtnis verbannen, verschweigen oder auch, wenn es kaum noch Überlebende gibt, einfach vergessen. Eine der letzten Überlebenden des Holocaust, die Erinnerungskultur bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr aktiv gelebt hat, war für mich Margot Friedländer. Doch auch wenn ein Familienangehöriger stirbt, können lästige Teile der Vergangenheit aus dem Gedächtnis verschwinden. Woher kommen wir? Welche Geschichte prägte unsere Vorfahren?</p>
<p>Genau diese Hintergründe haben mich an dem kleinen Büchlein mit dem poetischen Titel »In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied« von Usama Al Shamani gereizt, das 2025 im Schweizer Limmat Verlag erschienen ist. Hierin konfrontiert der in Bagdad geborene Autor seinen Protagonisten Gadi mit dem Schicksal seiner Familie. Erst der Tod seines Vaters, zu dem die Verbindung längst abgebrochen war, hebt die Ereignisse aus der Vergangenheit ans Licht, erzählt von Schrecken und dem Einfluss der Verdrängung.</p>
<p>Gadi lebt seit Jahrzehnten in Zürich und arbeitet als Dozent für hebräische Sprache. Als seine Schwester ihn an das Sterbebett des Vaters Zakai Mieche in das Krankenhaus in Jerusalem ruft, setzt er sich in den Flieger. Wegen seiner Schwester, wegen des Pflichtbewusstseins gegenüber seiner Familie. Gadi erlebte seinen Vater nicht als Fürsorgenden. Er kennt ihn als den, der irgendwann verschwand. Die Bindung zwischen Vater und Sohn riss. Gadis Vater Zakai Mieche hinterlässt seinen beiden Kindern neben einer Reihe Aufzeichnungen, Dokumenten, Heften und Briefen ein Testament, der seinen letzten Wunsch enthält. Die eine Hälfte seiner Asche soll in Israel verbleiben, die andere in den Tigris gestreut werden. </p>
<blockquote><p><em>22.Juni 2017<br />
Der Tigris ist der Letzte, der mir in Bagdad eine Stimme gibt. Viele meiner Träume blieben dort am Ufer zurück, von der Sonne umarmt und voller Hoffnung. In diesem Wasser nimmt mein Tod eine sanftere Gestalt an. Der Fluss wird mich zurück zu meinem alten Lied führen.</em></p></blockquote>
<p>Auf eindrückliches Bitten seiner Schwester nimmt Gadi die Dokumente und die Asche an sich. Mit Unbehagen beginnt er bereits im Flugzeug mit dem Lesen der Dokumente. Ahnt er, welche Leidensgeschichte seiner Familie sich darin offenbart? </p>
<p>Dass die systematische Verfolgung der Juden in Gadis Heimatland Irak in größerem Ausmaß Anfang der 1940er Jahre begann und der Farhud (Pogrom 1941 in Bagdad) im Juni 1941 als Todesstoß der jüdischen Gemeinde gilt, war mir bis zu dieser Lektüre nicht bekannt. Nach 1948 verschlechterte sich die Lage der im Irak lebenden Juden noch einmal. Offene Verfolgung, Diskriminierung, Berufsverbote und willkürliche Verhaftungen gehörten auch dort zum rassistischen Tagesgeschäft. Der Protagonist Gadi taucht tief in die Geschichte seiner Familie ein, die all das verlor, was zuvor das Leben in Bagdad charakterisierte &#8211; nämlich das friedliche, respektvolle Zusammenleben mehrerer Religionen. Gadi liest von der Auslöschung einer mehr als zweitausendjährigen jüdischen Tradition durch Hitlers Helfer, amerikanische Bomben und Saddam Hussein. So wird ihm bewusst, wie wenig er über die Geschichte seiner Familie und die seines Herkunftslandes weiß. Mir persönlich ging das Schicksal von Gadis Großvater besonders nahe. Was wurde aus dem einst so geachteten Fabrikanten? Welche Krater hinterließen Fremdenhass, wütender Antisemitismus, willkürliche Verfolgung, Enteignung und Gewalt in einem Land, das sich wegen einer Allianz mit Hitler-Deutschland Vorteile erhoffte? Wohin trieb es Gadis Großvater und dessen Familie?</p>
<p>Gemeinsam mit einem Freund reist Gadi nach Bagdad, die Urne mit der Asche seines Vaters im Gepäck. Beeindruckend, wie Usama Al Shamani den Spannungsbogen bis hierhin hält und ihn erst auflöst, als er die 90-jährige Myra (eine der letzten Jüdinnen in Bagdad) kennenlernt und über die Aufzeichnungen seines Vaters mit ihr ins Gespräch kommt. Das ist insofern schwierig, weil Myra ihre Herkunft konsequent verschweigt. Al Shamani hat tiefgründig recherchiert und seine Geschichte trotz der dokumentarisch angelegten Textpassagen sehr poetisch und mit metaphernreicher Sprache gespickt. Das berührt zutiefst.</p>
<p>Aktueller kann ein Roman nicht sein, auch wenn mir das Hineininterpretieren fernliegt. Hier wird gezeigt, wohin die Reise geht, wenn Ideologien die Oberhand gewinnen, die Gier nach Macht so groß wird, dass ein Menschenleben nichts mehr bedeutet, ein ganzes Volk zum Schuldigen erklärt und brutal ausgelöscht wird.</p>
<p><strong>Usama Al Shamani: In der Tiefe des Tigris schläft ein Lied</strong> | Deutsch<br />
Limmat Verlag 2025 | 224 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783039260935?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Susanne Goga: Leo Berlin</title>
		<link>https://www.wortmax.de/susanne-goga-leo-berlin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Frank Bergers]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2026 10:05:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Susanne Goga]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>»Leo Berlin« von Susanne Goga, erstmals veröffentlicht bereits im Juli 2012, ist der erste Band der Reihe um Kommissar Leo Wechsler, der im Berlin der Weimarer Republik seine Fälle löst. (...) Vom ersten Satz an taucht man fasziniert in das Berlin der Zwanziger Jahre ein.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/leo-berlin.jpg" alt="Susanne Goga: Leo Berlin" title="Susanne Goga: Leo Berlin" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-16507" />»Leo Berlin« ist der erste Band der Reihe um Kommissar Leo Wechsler, der im Berlin der Weimarer Republik seine Fälle löst. Als der Wunderheiler Gabriel Sartorius in seiner Wohnung tot aufgefunden wird, nachdem ihm ein Unbekannter mit seinem eigenen Jade-Buddha erschlagen hat, ruft dieses Verbrechen Kommissar Leo Wechsler auf den Plan, der sich der Lösung des Falls annimmt.</p>
<p>Wer mag ein Interesse daran haben, den heimlichen Heilsbringer der Upper Class aus dem Verkehr zu ziehen? Ein Motiv ist zunächst nicht zu erkennen, was die Ermittlungsarbeit nicht einfacher macht. Klar ist aber: die zahlungskräftigen Kundinnen und Kunden haben in der Regel wenig Interesse daran, ihr Faible für abseitige Behandlungsmethoden (sowie die Bereitschaft, dafür einiges zu zahlen) der Öffentlichkeit preiszugeben.</p>
<p>Hinzu kommt für Leo dann auch noch die Schwierigkeit, in den eigenen Reihen einen ihm zugewiesenen Mitarbeiter zu haben, der sich gegen seinen Chef zu profilieren versucht, was zu enormen Spannungen führt, und auch zuhause ist nicht alles so, wie es sein sollte: Leo ist Witwer, seine Schwester Ilse wohnt bei ihm und kümmert sich im Wesentlichen um seine beiden kleinen Kinder, die ihren Vater eher selten zu Gesicht bekommen. Auch hier sind Spannungen an der Tagesordnung, denn mehr und mehr sieht sich Ilse nur noch als bloße Erfüllungsgehilfin, als Ersatzmutter und Hausmädchen, während ihr eigenes (Liebes-)Leben brach liegt.</p>
<p>Als dann auch noch eine alte Prostituierte brutal ermordet wird, steigt der Druck auf das Kommissariat weiter und sowohl Presse als auch Vorgesetzte erwarten schnellstmöglich Ergebnisse. Leo Wechsler wird zur Zielscheibe der Kritik, was dann natürlich auch seinem intriganten Kollegen in die Karten spielt.</p>
<p>Vom ersten Satz an taucht man fasziniert in das Berlin der Zwanziger Jahre ein. Sowohl die Schauplätze des Romans als auch seine Protagonisten sind so gut beschrieben, dass sie für mich zwischen den Buchdeckel real wurden. »Leo Berlin« gibt es aktuell in der 13. Auflage. Insgesamt umfasst die Reihe inzwischen zehn Bände und ich kann mir sehr gut vorstellen, erneut mit Leo Wechsler auf Verbrecherjagd zu gehen.</p>
<p><strong>Susanne Goga: Leo Berlin</strong> | Deutsch<br />
dtv 2012 | 304 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783423213905?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<item>
		<title>Makoto Shinkai/Naruki Nagakawa: Das Geschenk eines Regentages</title>
		<link>https://www.wortmax.de/makoto-shinkai-naruki-nagakawa-das-geschenk-eines-regentages/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias Bosenick]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 08:07:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Makoto Shinkai]]></category>
		<category><![CDATA[Naruki Nagakawa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt tatsächlich das Genre des Japanischen Katzenromans: 猫文学, »kiterature«. »Das Geschenk eines Regentages« der Autoren Makoto Shinkai und Naruki Nagakawa reiht sich da ein: In vier zusammenhängenden Episoden erzählen sie von Beziehungen zwischen schicksalsgeplagten Frauen und ebensolchen Katzen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/makoto-shinkai-naruki-nagakawa-das-geschenk-eines-regentages/">Makoto Shinkai/Naruki Nagakawa: Das Geschenk eines Regentages</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/das-geschenk-eines-regentages-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16499" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/das-geschenk-eines-regentages-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/das-geschenk-eines-regentages-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Es gibt tatsächlich das Genre des Japanischen Katzenromans: 猫文学, »kiterature«. »Das Geschenk eines Regentages« der Autoren Makoto Shinkai (新海 誠) und Naruki Nagakawa (永川 成基) reiht sich da ein: In vier zusammenhängenden Episoden erzählen die Autoren von Beziehungen zwischen schicksalsgeplagten Frauen und ebensolchen Katzen. Es liest sich wie die Verschriftlichung eines Mangas, basiert aber grob auf 彼女と彼女の猫, »Kanojo to Kanojo no neko«, »Sie und ihre Katze«, wie auch das Buch eigentlich heißt, einem 25 Jahre alten kurzen Anime Shinkais: Die Sprache ist leicht, die Inhalte sind schwer. Am Ende steht mehr als nur Hoffnung auf Verbesserung – es obsiegen Humor und Liebe.</p>
<p>Mit dem Ereignis des deutschen Titels beginnt der Reigen: Eine Büroangestellte eilt als einzige nicht an dem Karton mit der verwahrlosten weißen Katze auf der verregneten Straße vorbei, sondern nimmt sich ihrer an und sie mit nach Hause. Die Erzählperspektive wechselt von nun an zwischen der Frau und der Katze, und so bleibt es auch in den folgenden drei Episoden. Man verfolgt die deprimierenden Leben der Japanerinnen und eines Japaners und erlebt, wie deren Gefolgstiere darauf reagieren, während diese ihren eigenen Herausforderungen nachgehen.</p>
<p>Einen starken Kontrast zu den teilweise erschütternden Lebensumständen der Frauen bildet die beinahe kindgerechte Sprache, die jene Situationen abbildet: Es wirkt, als habe jemand versucht, ein Manga in einen Fließtext umzuwandeln. In kurzen Sätzen und beinahe lapidar versetzen die Autoren ihre Leserschaft mitten in eine japanische Lebensrealität, die schmerzhafter und verletzender kaum sein könnte und die Protagonistinnen teilweise sogar in tiefste Depressionen stürzt, sofern sie sie nicht mit einer stoischen Langmut ausstattet, die man als ebenso abschreckend betrachtet. Parallel wandeln die Katzen in ebenfalls bedrohlichen Lagen durch ihre Reviere, verletzt, schwach, von stärkeren Katzen bedroht, des Nachwuchses beraubt, einsam – und doch stark genug, dem Leben zu trotzen; ein Vorbild für die Menschen mithin.</p>
<p>Beide Perspektiven eröffnen der Leserschaft neue Horizonte, in Bezug auf die Menschen insbesondere der nicht-japanischen und in Bezug auf die Katzen wohl so ziemlich allen. In Sachen Verhalten, Rituale, Gepflogenheiten und Emotionalität auf Seiten der Menschen sieht man sich oft Situationen ausgesetzt, die man schwer schluckend als gegeben hinnehmen muss. Schroffe Zurückweisung, abrupte Stimmungswechsel, das kennt man bereits, wenn man einige Animes guckte und sich über sprunghaftes Verhalten der Figuren wunderte. Dazu gehört auch, wie schnell die Figuren, hier menschlich wie tierisch, in Wut geraten, teils über Dinge, die man selbst anders lösen oder wenigstens gleichgültiger auf sie reagieren würde. Wenn es dann aber dazu kommt, dass eine von ihrem treulosen Gatten verlassene Frau bis zur Selbstaufgabe ihre aggressiven Schwiegereltern bis zu deren Tod pflegt, eine Frau als Einstellungsvoraussetzung mit dem Chef in spe zu schlafen hat oder ein Mann in einer Firma bis weit unterhalb der Grenze zur Leibeigenschaft ausgebeutet wird, er diese Firma heimlich verlässt und damit seinen Vater in Unehre stürzt und gegen sich aufbringt, ist man entsetzt.</p>
<p>Die Katzen haben ihre eigenen Probleme zu bewältigen, das schiere Überleben ist da stets das übergeordnete. Die erste Katze etwa sieht sich gleich zu Beginn bereits in den Himmel aufsteigen, bevor sie gerettet wird. Die Geburt des Nachwuchses stürzt eine Katze in lebensbedrohliche Zustände, die nur von der menschlichen Besitzerin und einem beherzten Arztbesuch abgewendet werden können. Das Verteilen der fünf Kinder auf die Nachbarschaft versetzt die Mutterkatze ebenfalls in emotionalen Trubel. Dann gibt es eine Boss-Katze, vor der alle Katzen des Reviers mindestens Respekt haben, und erst später wird jene ihrerseits Hauptfigur einer Episode und man erfährt von ihren eigenen Zweifeln.</p>
<p>Unerwarteterweise installieren die Autoren eine ganz besondere Figur im Zentrum der Katzen, nämlich den Hund John. Er ist alt und weise, hat eine große fürsorgliche Macht und erreichte den Frieden unter den Katzen, indem er deren Reviere sicherte. Sie suchen gern seine Gesellschaft, legen sich zu ihm vor seine Hütte und lauschen seinen philosophischen Erzählungen. Die auch ganz schön hart sein können: Er würde niemanden pflegen, der sich nicht auch um sich selbst kümmern könnte, sagt er, und kündigt damit eine Konsequenz an, mit der er vermeiden will, selbst einmal pflegebedürftig zu werden. Kurioserweise ist genau diese Episode auch die mit dem größten Humoranteil, der Dialog mit dem Streuner birgt eine Menge Witz. Zuletzt – so viel Spoiler sei gestattet – geht es für alle übriggebliebenen Beteiligten mindestens irgendwie weiter, meistens sogar positiv. Ein versöhnlicher, teils dennoch offener Ausgang für all die schicksalsgeplagten Wesen.</p>
<p>Sprechende, denkende, handelnde, kommunizierende Katzen speziell und Tiere allgemein kennt man in der Literatur bereits, und dennoch ist die Perspektive in diesem Buch etwas differenzierter. Obschon man das Innenleben von Katzen als menschlicher Autor ausschließlich mit einem menschlichen Blickwinkel und ganz viel Imagination abbilden kann, vermittelt das Buch den Eindruck von Recherche und Wissenschaft, von gut beobachtetem Katzenverhalten, das somit sogar noch lehrreich ist. Obschon man sich wundert, dass die Katzen – anders, als es das Titelbild suggeriert, sind sie übrigens überwiegend weiß – Milch zu trinken bekommen, nicht Wasser.</p>
<p>An mancher Stelle fällt es etwas schwer, den Dialogen oder den Perspektivwechseln zu folgen; da ist unklar, ob es am Original oder an der Übersetzung liegt. Darüber kann man aber verlustfrei hinweglesen. Am Ende liebt man Katzen in jedem Fall noch mehr und freut sich für die Menschen.</p>
<p>Das Buch heißt auf Englisch wie der nicht auf Deutsch erhältliche Film: »She And Her Cat«, was auch die korrekte Übersetzung von 彼女と彼女の猫 ist. Dem 1999 erschienenen fünfminütigen Film folgte 2016 eine vierteilige Anime-Serie mit dem Untertitel »Everything Flows«, parallel zu dieser Umsetzung die auch auf Deutsch erschienene Manga-Serie »She And Her Cat«, gezeichnet von Tsubasa Yamaguchi (山口つばさ). Autor und Regisseur Shinkai errang in Europa zuletzt berechtigte Aufmerksamkeit mit seinen großartigen Animes »Your Name.« – nur echt mit dem Punkt am Ende – und »Suzume«.</p>
<p><strong>Makoto Shinkai/Naruki Nagakawa: Das Geschenk eines Regentages</strong><br />
Deutsch von Dr. Heike Patzschke<br />
Fischer Taschenbuch 2025 | 256 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783596712793?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<item>
		<title>Maggie O’Farrell: Hamnet</title>
		<link>https://www.wortmax.de/maggie-ofarrell-hamnet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sabine Anders]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 May 2026 09:23:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Originale]]></category>
		<category><![CDATA[Maggie O’Farrell]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=16489</guid>

					<description><![CDATA[<p>Anfang 2026 wurde der Roman »Hamnet« verfilmt und bekam einen Oscar für die beste Hauptdarstellerin. Der Film ist sicher gut, aber schwere Kost. Er mutet dem Zuschauer ohne jede Pause oder Erleichterung eine ständige Abfolge von Geburt und Tod zu; das Buch liest sich wesentlich angenehmer.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/maggie-ofarrell-hamnet/">Maggie O’Farrell: Hamnet</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/hamnet-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16490" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/hamnet-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/hamnet-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Die Idee an sich ist schon originell: William Shakespeare, der wohl berühmteste Autor der Weltliteratur, wird in dem Roman »Hamnet« der irischen Autorin Maggie O’Farrell zu einer absoluten Nebenfigur degradiert. In den Mittelpunkt rückt Farrell stattdessen Shakespeares Ehefrau, Anne Hathaway, von ihr Agnes genannt, weil sie im historischen Testament ihres Vaters auch mit diesem Namen bezeichnet wird. Insgesamt war die Schreibweise von Namen und generell Wörtern zu Shakespeares Zeit – er lebte von 1564 bis 1616 – viel weniger festgelegt und mehr im Fluss als heute. So sind auch der Name der Titelfigur des Romans, Shakespeares Sohn Hamnet, und der Titel seines berühmtesten Stücks Hamlet, damals völlig austauschbar.</p>
<p>Farrell schildert das Leben der Shakespeares vom Kennenlernen des Paares in Stratford upon Avon bis zur Uraufführung von Hamlet in London – historisch um 1602. Zentrales Ereignis ist dabei der Tod von Shakespeares Sohn Hamnet im Jahr 1596, der im zarten Alter von nur elf Jahren stirbt, vermutlich an der Pest. Die einzelnen Familienmitglieder von der Mutter über die Zwillingsschwester und die ältere Schwester bis zum Vater gehen sehr unterschiedlich mit dem Verlust um. Die Erzählung springt dabei zwischen der Zeit, zu der Hamnet sich infiziert und stirbt, und Rückblenden zu der Zeit hin und her, in der sich die Eltern zum ersten Mal begegnet sind.</p>
<p>O’Farrell ist in »Hamnet« stets extrem nah und ohne jede Zwischeninstanz an ihren Figuren dran, hält sich jedoch relativ eng an die wenigen historischen Fakten, die über Shakespeares Leben überliefert sind oder interpretiert sie zumindest in einem plausiblen Rahmen. Sie weicht dabei aber auf äußerst angenehme Weise von den gängigen Fantasien über Shakespeares Ehefrau ab, die sich seit den ersten Shakespeare-Biografien als dominante Erzählung verfestigt haben: Meistens wird seine Ehefrau als eine Hassfigur dargestellt, die den acht Jahre jüngeren Dichter austrickst, indem sie sich von ihm schwängern lässt, ihn dann zur Heirat zwingt und ihm das Leben in Stratford so sehr zur Hölle macht, dass er einen Großteil davon getrennt von ihr in London verbringt.</p>
<p>Gegen diese weit verbreitete Sichtweise spricht auch ein in den 1970er-Jahren entdeckter Brief, den Shakespeare-Forscher erst letztes Jahr dahingehend interpretierten, dass das Ehepaar durchaus zwischen 1600 und 1610 zusammen in London gewohnt haben könnte.</p>
<p>Anfang 2026 wurde der Roman verfilmt und bekam einen Oscar für die beste Hauptdarstellerin. Der Film ist sicher gut, aber schwere Kost. Er mutet dem Zuschauer ohne jede Pause oder Erleichterung eine ständige Abfolge von Geburt und Tod zu; das Buch liest sich wesentlich angenehmer.</p>
<p>Hier noch zwei Links für alle, die mehr über die historischen Gründe wissen möchten:</p>
<ul style="padding-left: 30px;">
<li><a href="https://www.bbc.com/news/articles/c5ygregz439o" target="_blank">Letter reveals William Shakespeare did not abandon his wife</a></li>
<li><a href="https://www.herder.de/g-geschichte/hefte/portraet/william-shakespeare-ein-portraet-ueber-den-grossen-dramaturgen-und-dichter/" target="_blank">William Shakespeare: Ein Porträt über den großen Dramaturgen und Dichter</a></li>
</ul>
<p><strong>Maggie O’Farrell: Hamnet</strong> | Englisch<br />
Headline Publishing Group 2020 | 384 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9781472223807?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
<p>Deutschsprachige Ausgabe:<br />
<strong>Maggie O’Farrell: Judith und Hamnet</strong> | Deutsch von Anne-Kristin Mittag<br />
Piper Verlag 2021 | 416 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783492318556?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Esther Schüttpelz: Grüne Welle</title>
		<link>https://www.wortmax.de/esther-schuettpelz-gruene-welle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Renate Bojanowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 11:48:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Esther Schüttpelz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für ihren ersten Roman »Ohne mich« wurde Esther Schüttpelz 2023 mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE ausgezeichnet. Jetzt erschien ihr zweites Buch »Grüne Welle«. Darin verfährt sich eine Frau nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin in einem alten Golf und findet den Weg zur Autobahn nicht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/gruene-welle-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16481" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/gruene-welle-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/gruene-welle-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Für ihren ersten Roman <a href="https://www.wortmax.de/esther-schuettpelz-ohne-mich/">»Ohne mich«</a> wurde die im Münsterland lebende Autorin Esther Schüttpelz 2023 mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE ausgezeichnet. Im vergangenen Monat erschien beim Schweizer Diogenes Verlag ihr zweites Buch mit dem Titel »Grüne Welle«. Darin verfährt sich eine Frau nach einem gemeinsamen Kinobesuch mit ihrer Freundin in einem alten Golf in einer Umleitung und findet den Weg zur Autobahn nicht. Sie nimmt sich vor, bei der nächsten roten Apel anzuhalten und zu wenden, doch sie fährt immer weiter. Sie hat genau das, was sich alle Autofahrenden auf dem späten Heimweg wünschen: eine Grüne Welle.</p>
<p>Die namenlose Protagonistin trifft sich einmal im Monat mit ihrer einzigen Freundin im Kino. Sie ist Künstlerin, jedoch nicht besonders erfolgreich. Nun fährt sie auf einsamen Landstraßen durch die Dunkelheit und entfernt sich immer mehr von der naheliegenden Kleinstadt, in der sie mit ihrem Mann (einem Anwalt) eine Stadtvilla bewohnt. Die Frau fährt und fährt, vertraut ein wenig orientierungslos dem Zufall der roten Ampel und gibt sich ihren dahinschlängelnden gedanklichen Monologen hin. </p>
<blockquote><p><em>Was, wenn sie stimmen, dachte sie, die vielen Geschichten vom Ende der schönsten Dinge, was, wenn es uns längst nicht mehr gibt, wir es nur nicht wahrhaben wollen? Die Frau wurde panisch. Was war das Leben für ein Betrug. Gibt uns das beste nur, damit wir es wieder verlieren. Ganz ohne Grund, nur weil es anscheinend genug ist. Ganz ohne Grund hatten die Frau und die Freundin sich nichts zu sagen. Genau wie es vorher ohne Grund so viel zu reden gegeben hatte. In ihrem Mund erstickte die Frau ihre Fragen mit dem Rauch ihrer sechsten oder siebten oder siebzehnten Zigarette und schluckte sie runter in ihren Bauch.</em></p></blockquote>
<p>Was für eine gespenstische Atmosphäre, die gleichzeitig einen solchen Sog erzeugt, dass man ohne Pause weiterliest. Während man dem einnehmenden Selbstgespräch folgt, passiert man mit ihr die alte Wohngemeinschaft, die Galerie, in der sie einst arbeitete und erfährt so mit jeder Seite etwas mehr. Da brodelt es unfassbar unter der Oberfläche. Man spürt direkt das bedrohliche Rauschen im Hintergrund. Von häuslicher Gewalt ist die Rede und beim Lesen entstehen Bilder im Kopf. Diese Frau fährt nicht einfach so weg. Sie ist unvorbereitet und hat doch eine Idee. Man erahnt die Metapher hinter der Grünen Welle. Ist die Frau ehrlich zu sich? Was treibt sie weg von ihrer Ehe, von der Enge ihres Lebens?</p>
<p>Ganze vierundzwanzig Stunden ist die Frau unterwegs. Im Morgengrauen überfährt sie ein Reh und lädt es in ihren Kofferraum. An einer Dorftankstelle nimmt sie zwei abenteuerlustige Anhalterinnen mit, die die bedrückend-getriebene Begrenztheit ihrer Gedanken und die des Autos durchbrechen. In einem zweiten Handlungsstrang sucht die beste Freundin den Ehemann der Protagonistin auf. Ihm gibt Esther Schüttpelz im gesamten Geschehen nur wenig Raum.</p>
<p>Schnörkellos, bildstark und kompakt auf nur 208 Seiten erzählt die Autorin ihre Geschichte und rückt am Ausgangspunkt die Psyche ihrer Protagonistin in den Fokus. In vierundzwanzig Kapiteln, konzentriert, direkt im Handlungskern beginnend und mit einem außergewöhnlichen Sound ist sie nah an ihrer Protagonistin und deren Freundin, während die anderen Figuren weiter entfernt scheinen. Am Ende muss die Protagonistin eine Entscheidung treffen. Doch wie chaotisch läuft die Entscheidungsfindung in ihrem Kopf ab? Weil Abwägen in ihrer Situation schwierig ist, wird es von der Ampel übernommen.  Die bleibt diesmal ewig rot.</p>
<p>Eine sehr lesenswerte, betörende Geschichte, die einen auch nachdenklich zurücklässt. Können wir die Situation der Frau objektiv bewerten? Soll man die Wahrheit aussparen, weil es sie nicht gibt? Wie ehrlich sind wir mit uns selbst, wenn wir uns entscheiden müssen? </p>
<p><strong>Esther Schüttpelz: Grüne Welle</strong> | Deutsch<br />
Diogenes 2026 | 208 Seiten | <a href="https://www.book2look.com/book/9783257073812(wortmax.de)" target="_blank">Mehr lesen</a> | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783257073812?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Bestellen</a></p>
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