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	<description>Buchvorstellungen und Beobachtungen</description>
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	<title>wortmax</title>
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		<title>Susanne Goga: Leo Berlin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Frank Bergers]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2026 10:05:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Susanne Goga]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>»Leo Berlin« von Susanne Goga, erstmals veröffentlicht bereits im Juli 2012, ist der erste Band der Reihe um Kommissar Leo Wechsler, der im Berlin der Weimarer Republik seine Fälle löst. (...) Vom ersten Satz an taucht man fasziniert in das Berlin der Zwanziger Jahre ein.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/leo-berlin.jpg" alt="Susanne Goga: Leo Berlin" title="Susanne Goga: Leo Berlin" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-16507" />»Leo Berlin« ist der erste Band der Reihe um Kommissar Leo Wechsler, der im Berlin der Weimarer Republik seine Fälle löst. Als der Wunderheiler Gabriel Sartorius in seiner Wohnung tot aufgefunden wird, nachdem ihm ein Unbekannter mit seinem eigenen Jade-Buddha erschlagen hat, ruft dieses Verbrechen Kommissar Leo Wechsler auf den Plan, der sich der Lösung des Falls annimmt.</p>
<p>Wer mag ein Interesse daran haben, den heimlichen Heilsbringer der Upper Class aus dem Verkehr zu ziehen? Ein Motiv ist zunächst nicht zu erkennen, was die Ermittlungsarbeit nicht einfacher macht. Klar ist aber: die zahlungskräftigen Kundinnen und Kunden haben in der Regel wenig Interesse daran, ihr Faible für abseitige Behandlungsmethoden (sowie die Bereitschaft, dafür einiges zu zahlen) der Öffentlichkeit preiszugeben.</p>
<p>Hinzu kommt für Leo dann auch noch die Schwierigkeit, in den eigenen Reihen einen ihm zugewiesenen Mitarbeiter zu haben, der sich gegen seinen Chef zu profilieren versucht, was zu enormen Spannungen führt, und auch zuhause ist nicht alles so, wie es sein sollte: Leo ist Witwer, seine Schwester Ilse wohnt bei ihm und kümmert sich im Wesentlichen um seine beiden kleinen Kinder, die ihren Vater eher selten zu Gesicht bekommen. Auch hier sind Spannungen an der Tagesordnung, denn mehr und mehr sieht sich Ilse nur noch als bloße Erfüllungsgehilfin, als Ersatzmutter und Hausmädchen, während ihr eigenes (Liebes-)Leben brach liegt.</p>
<p>Als dann auch noch eine alte Prostituierte brutal ermordet wird, steigt der Druck auf das Kommissariat weiter und sowohl Presse als auch Vorgesetzte erwarten schnellstmöglich Ergebnisse. Leo Wechsler wird zur Zielscheibe der Kritik, was dann natürlich auch seinem intriganten Kollegen in die Karten spielt.</p>
<p>Vom ersten Satz an taucht man fasziniert in das Berlin der Zwanziger Jahre ein. Sowohl die Schauplätze des Romans als auch seine Protagonisten sind so gut beschrieben, dass sie für mich zwischen den Buchdeckel real wurden. »Leo Berlin« gibt es aktuell in der 13. Auflage. Insgesamt umfasst die Reihe inzwischen zehn Bände und ich kann mir sehr gut vorstellen, erneut mit Leo Wechsler auf Verbrecherjagd zu gehen.</p>
<p><strong>Susanne Goga: Leo Berlin</strong> | Deutsch<br />
dtv 2012 | 304 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783423213905?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Makoto Shinkai/Naruki Nagakawa: Das Geschenk eines Regentages</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Bosenick]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2026 08:07:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Makoto Shinkai]]></category>
		<category><![CDATA[Naruki Nagakawa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt tatsächlich das Genre des Japanischen Katzenromans: 猫文学, »kiterature«. »Das Geschenk eines Regentages« der Autoren Makoto Shinkai und Naruki Nagakawa reiht sich da ein: In vier zusammenhängenden Episoden erzählen sie von Beziehungen zwischen schicksalsgeplagten Frauen und ebensolchen Katzen. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/das-geschenk-eines-regentages-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16499" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/das-geschenk-eines-regentages-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/das-geschenk-eines-regentages-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Es gibt tatsächlich das Genre des Japanischen Katzenromans: 猫文学, »kiterature«. »Das Geschenk eines Regentages« der Autoren Makoto Shinkai (新海 誠) und Naruki Nagakawa (永川 成基) reiht sich da ein: In vier zusammenhängenden Episoden erzählen die Autoren von Beziehungen zwischen schicksalsgeplagten Frauen und ebensolchen Katzen. Es liest sich wie die Verschriftlichung eines Mangas, basiert aber grob auf 彼女と彼女の猫, »Kanojo to Kanojo no neko«, »Sie und ihre Katze«, wie auch das Buch eigentlich heißt, einem 25 Jahre alten kurzen Anime Shinkais: Die Sprache ist leicht, die Inhalte sind schwer. Am Ende steht mehr als nur Hoffnung auf Verbesserung – es obsiegen Humor und Liebe.</p>
<p>Mit dem Ereignis des deutschen Titels beginnt der Reigen: Eine Büroangestellte eilt als einzige nicht an dem Karton mit der verwahrlosten weißen Katze auf der verregneten Straße vorbei, sondern nimmt sich ihrer an und sie mit nach Hause. Die Erzählperspektive wechselt von nun an zwischen der Frau und der Katze, und so bleibt es auch in den folgenden drei Episoden. Man verfolgt die deprimierenden Leben der Japanerinnen und eines Japaners und erlebt, wie deren Gefolgstiere darauf reagieren, während diese ihren eigenen Herausforderungen nachgehen.</p>
<p>Einen starken Kontrast zu den teilweise erschütternden Lebensumständen der Frauen bildet die beinahe kindgerechte Sprache, die jene Situationen abbildet: Es wirkt, als habe jemand versucht, ein Manga in einen Fließtext umzuwandeln. In kurzen Sätzen und beinahe lapidar versetzen die Autoren ihre Leserschaft mitten in eine japanische Lebensrealität, die schmerzhafter und verletzender kaum sein könnte und die Protagonistinnen teilweise sogar in tiefste Depressionen stürzt, sofern sie sie nicht mit einer stoischen Langmut ausstattet, die man als ebenso abschreckend betrachtet. Parallel wandeln die Katzen in ebenfalls bedrohlichen Lagen durch ihre Reviere, verletzt, schwach, von stärkeren Katzen bedroht, des Nachwuchses beraubt, einsam – und doch stark genug, dem Leben zu trotzen; ein Vorbild für die Menschen mithin.</p>
<p>Beide Perspektiven eröffnen der Leserschaft neue Horizonte, in Bezug auf die Menschen insbesondere der nicht-japanischen und in Bezug auf die Katzen wohl so ziemlich allen. In Sachen Verhalten, Rituale, Gepflogenheiten und Emotionalität auf Seiten der Menschen sieht man sich oft Situationen ausgesetzt, die man schwer schluckend als gegeben hinnehmen muss. Schroffe Zurückweisung, abrupte Stimmungswechsel, das kennt man bereits, wenn man einige Animes guckte und sich über sprunghaftes Verhalten der Figuren wunderte. Dazu gehört auch, wie schnell die Figuren, hier menschlich wie tierisch, in Wut geraten, teils über Dinge, die man selbst anders lösen oder wenigstens gleichgültiger auf sie reagieren würde. Wenn es dann aber dazu kommt, dass eine von ihrem treulosen Gatten verlassene Frau bis zur Selbstaufgabe ihre aggressiven Schwiegereltern bis zu deren Tod pflegt, eine Frau als Einstellungsvoraussetzung mit dem Chef in spe zu schlafen hat oder ein Mann in einer Firma bis weit unterhalb der Grenze zur Leibeigenschaft ausgebeutet wird, er diese Firma heimlich verlässt und damit seinen Vater in Unehre stürzt und gegen sich aufbringt, ist man entsetzt.</p>
<p>Die Katzen haben ihre eigenen Probleme zu bewältigen, das schiere Überleben ist da stets das übergeordnete. Die erste Katze etwa sieht sich gleich zu Beginn bereits in den Himmel aufsteigen, bevor sie gerettet wird. Die Geburt des Nachwuchses stürzt eine Katze in lebensbedrohliche Zustände, die nur von der menschlichen Besitzerin und einem beherzten Arztbesuch abgewendet werden können. Das Verteilen der fünf Kinder auf die Nachbarschaft versetzt die Mutterkatze ebenfalls in emotionalen Trubel. Dann gibt es eine Boss-Katze, vor der alle Katzen des Reviers mindestens Respekt haben, und erst später wird jene ihrerseits Hauptfigur einer Episode und man erfährt von ihren eigenen Zweifeln.</p>
<p>Unerwarteterweise installieren die Autoren eine ganz besondere Figur im Zentrum der Katzen, nämlich den Hund John. Er ist alt und weise, hat eine große fürsorgliche Macht und erreichte den Frieden unter den Katzen, indem er deren Reviere sicherte. Sie suchen gern seine Gesellschaft, legen sich zu ihm vor seine Hütte und lauschen seinen philosophischen Erzählungen. Die auch ganz schön hart sein können: Er würde niemanden pflegen, der sich nicht auch um sich selbst kümmern könnte, sagt er, und kündigt damit eine Konsequenz an, mit der er vermeiden will, selbst einmal pflegebedürftig zu werden. Kurioserweise ist genau diese Episode auch die mit dem größten Humoranteil, der Dialog mit dem Streuner birgt eine Menge Witz. Zuletzt – so viel Spoiler sei gestattet – geht es für alle übriggebliebenen Beteiligten mindestens irgendwie weiter, meistens sogar positiv. Ein versöhnlicher, teils dennoch offener Ausgang für all die schicksalsgeplagten Wesen.</p>
<p>Sprechende, denkende, handelnde, kommunizierende Katzen speziell und Tiere allgemein kennt man in der Literatur bereits, und dennoch ist die Perspektive in diesem Buch etwas differenzierter. Obschon man das Innenleben von Katzen als menschlicher Autor ausschließlich mit einem menschlichen Blickwinkel und ganz viel Imagination abbilden kann, vermittelt das Buch den Eindruck von Recherche und Wissenschaft, von gut beobachtetem Katzenverhalten, das somit sogar noch lehrreich ist. Obschon man sich wundert, dass die Katzen – anders, als es das Titelbild suggeriert, sind sie übrigens überwiegend weiß – Milch zu trinken bekommen, nicht Wasser.</p>
<p>An mancher Stelle fällt es etwas schwer, den Dialogen oder den Perspektivwechseln zu folgen; da ist unklar, ob es am Original oder an der Übersetzung liegt. Darüber kann man aber verlustfrei hinweglesen. Am Ende liebt man Katzen in jedem Fall noch mehr und freut sich für die Menschen.</p>
<p>Das Buch heißt auf Englisch wie der nicht auf Deutsch erhältliche Film: »She And Her Cat«, was auch die korrekte Übersetzung von 彼女と彼女の猫 ist. Dem 1999 erschienenen fünfminütigen Film folgte 2016 eine vierteilige Anime-Serie mit dem Untertitel »Everything Flows«, parallel zu dieser Umsetzung die auch auf Deutsch erschienene Manga-Serie »She And Her Cat«, gezeichnet von Tsubasa Yamaguchi (山口つばさ). Autor und Regisseur Shinkai errang in Europa zuletzt berechtigte Aufmerksamkeit mit seinen großartigen Animes »Your Name.« – nur echt mit dem Punkt am Ende – und »Suzume«.</p>
<p><strong>Makoto Shinkai/Naruki Nagakawa: Das Geschenk eines Regentages</strong><br />
Deutsch von Dr. Heike Patzschke<br />
Fischer Taschenbuch 2025 | 256 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783596712793?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Maggie O’Farrell: Hamnet</title>
		<link>https://www.wortmax.de/maggie-ofarrell-hamnet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sabine Anders]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 May 2026 09:23:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Originale]]></category>
		<category><![CDATA[Maggie O’Farrell]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anfang 2026 wurde der Roman »Hamnet« verfilmt und bekam einen Oscar für die beste Hauptdarstellerin. Der Film ist sicher gut, aber schwere Kost. Er mutet dem Zuschauer ohne jede Pause oder Erleichterung eine ständige Abfolge von Geburt und Tod zu; das Buch liest sich wesentlich angenehmer.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/hamnet-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16490" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/hamnet-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/05/hamnet-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Die Idee an sich ist schon originell: William Shakespeare, der wohl berühmteste Autor der Weltliteratur, wird in dem Roman »Hamnet« der irischen Autorin Maggie O’Farrell zu einer absoluten Nebenfigur degradiert. In den Mittelpunkt rückt Farrell stattdessen Shakespeares Ehefrau, Anne Hathaway, von ihr Agnes genannt, weil sie im historischen Testament ihres Vaters auch mit diesem Namen bezeichnet wird. Insgesamt war die Schreibweise von Namen und generell Wörtern zu Shakespeares Zeit – er lebte von 1564 bis 1616 – viel weniger festgelegt und mehr im Fluss als heute. So sind auch der Name der Titelfigur des Romans, Shakespeares Sohn Hamnet, und der Titel seines berühmtesten Stücks Hamlet, damals völlig austauschbar.</p>
<p>Farrell schildert das Leben der Shakespeares vom Kennenlernen des Paares in Stratford upon Avon bis zur Uraufführung von Hamlet in London – historisch um 1602. Zentrales Ereignis ist dabei der Tod von Shakespeares Sohn Hamnet im Jahr 1596, der im zarten Alter von nur elf Jahren stirbt, vermutlich an der Pest. Die einzelnen Familienmitglieder von der Mutter über die Zwillingsschwester und die ältere Schwester bis zum Vater gehen sehr unterschiedlich mit dem Verlust um. Die Erzählung springt dabei zwischen der Zeit, zu der Hamnet sich infiziert und stirbt, und Rückblenden zu der Zeit hin und her, in der sich die Eltern zum ersten Mal begegnet sind.</p>
<p>O’Farrell ist in »Hamnet« stets extrem nah und ohne jede Zwischeninstanz an ihren Figuren dran, hält sich jedoch relativ eng an die wenigen historischen Fakten, die über Shakespeares Leben überliefert sind oder interpretiert sie zumindest in einem plausiblen Rahmen. Sie weicht dabei aber auf äußerst angenehme Weise von den gängigen Fantasien über Shakespeares Ehefrau ab, die sich seit den ersten Shakespeare-Biografien als dominante Erzählung verfestigt haben: Meistens wird seine Ehefrau als eine Hassfigur dargestellt, die den acht Jahre jüngeren Dichter austrickst, indem sie sich von ihm schwängern lässt, ihn dann zur Heirat zwingt und ihm das Leben in Stratford so sehr zur Hölle macht, dass er einen Großteil davon getrennt von ihr in London verbringt.</p>
<p>Gegen diese weit verbreitete Sichtweise spricht auch ein in den 1970er-Jahren entdeckter Brief, den Shakespeare-Forscher erst letztes Jahr dahingehend interpretierten, dass das Ehepaar durchaus zwischen 1600 und 1610 zusammen in London gewohnt haben könnte.</p>
<p>Anfang 2026 wurde der Roman verfilmt und bekam einen Oscar für die beste Hauptdarstellerin. Der Film ist sicher gut, aber schwere Kost. Er mutet dem Zuschauer ohne jede Pause oder Erleichterung eine ständige Abfolge von Geburt und Tod zu; das Buch liest sich wesentlich angenehmer.</p>
<p>Hier noch zwei Links für alle, die mehr über die historischen Gründe wissen möchten:</p>
<ul style="padding-left: 30px;">
<li><a href="https://www.bbc.com/news/articles/c5ygregz439o" target="_blank">Letter reveals William Shakespeare did not abandon his wife</a></li>
<li><a href="https://www.herder.de/g-geschichte/hefte/portraet/william-shakespeare-ein-portraet-ueber-den-grossen-dramaturgen-und-dichter/" target="_blank">William Shakespeare: Ein Porträt über den großen Dramaturgen und Dichter</a></li>
</ul>
<p><strong>Maggie O’Farrell: Hamnet</strong> | Englisch<br />
Headline Publishing Group 2020 | 384 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9781472223807?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
<p>Deutschsprachige Ausgabe:<br />
<strong>Maggie O’Farrell: Judith und Hamnet</strong> | Deutsch von Anne-Kristin Mittag<br />
Piper Verlag 2021 | 416 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783492318556?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Esther Schüttpelz: Grüne Welle</title>
		<link>https://www.wortmax.de/esther-schuettpelz-gruene-welle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Renate Bojanowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 11:48:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Esther Schüttpelz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für ihren ersten Roman »Ohne mich« wurde Esther Schüttpelz 2023 mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE ausgezeichnet. Jetzt erschien ihr zweites Buch »Grüne Welle«. Darin verfährt sich eine Frau nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin in einem alten Golf und findet den Weg zur Autobahn nicht.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/gruene-welle-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16481" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/gruene-welle-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/gruene-welle-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Für ihren ersten Roman <a href="https://www.wortmax.de/esther-schuettpelz-ohne-mich/">»Ohne mich«</a> wurde die im Münsterland lebende Autorin Esther Schüttpelz 2023 mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE ausgezeichnet. Im vergangenen Monat erschien beim Schweizer Diogenes Verlag ihr zweites Buch mit dem Titel »Grüne Welle«. Darin verfährt sich eine Frau nach einem gemeinsamen Kinobesuch mit ihrer Freundin in einem alten Golf in einer Umleitung und findet den Weg zur Autobahn nicht. Sie nimmt sich vor, bei der nächsten roten Apel anzuhalten und zu wenden, doch sie fährt immer weiter. Sie hat genau das, was sich alle Autofahrenden auf dem späten Heimweg wünschen: eine Grüne Welle.</p>
<p>Die namenlose Protagonistin trifft sich einmal im Monat mit ihrer einzigen Freundin im Kino. Sie ist Künstlerin, jedoch nicht besonders erfolgreich. Nun fährt sie auf einsamen Landstraßen durch die Dunkelheit und entfernt sich immer mehr von der naheliegenden Kleinstadt, in der sie mit ihrem Mann (einem Anwalt) eine Stadtvilla bewohnt. Die Frau fährt und fährt, vertraut ein wenig orientierungslos dem Zufall der roten Ampel und gibt sich ihren dahinschlängelnden gedanklichen Monologen hin. </p>
<blockquote><p><em>Was, wenn sie stimmen, dachte sie, die vielen Geschichten vom Ende der schönsten Dinge, was, wenn es uns längst nicht mehr gibt, wir es nur nicht wahrhaben wollen? Die Frau wurde panisch. Was war das Leben für ein Betrug. Gibt uns das beste nur, damit wir es wieder verlieren. Ganz ohne Grund, nur weil es anscheinend genug ist. Ganz ohne Grund hatten die Frau und die Freundin sich nichts zu sagen. Genau wie es vorher ohne Grund so viel zu reden gegeben hatte. In ihrem Mund erstickte die Frau ihre Fragen mit dem Rauch ihrer sechsten oder siebten oder siebzehnten Zigarette und schluckte sie runter in ihren Bauch.</em></p></blockquote>
<p>Was für eine gespenstische Atmosphäre, die gleichzeitig einen solchen Sog erzeugt, dass man ohne Pause weiterliest. Während man dem einnehmenden Selbstgespräch folgt, passiert man mit ihr die alte Wohngemeinschaft, die Galerie, in der sie einst arbeitete und erfährt so mit jeder Seite etwas mehr. Da brodelt es unfassbar unter der Oberfläche. Man spürt direkt das bedrohliche Rauschen im Hintergrund. Von häuslicher Gewalt ist die Rede und beim Lesen entstehen Bilder im Kopf. Diese Frau fährt nicht einfach so weg. Sie ist unvorbereitet und hat doch eine Idee. Man erahnt die Metapher hinter der Grünen Welle. Ist die Frau ehrlich zu sich? Was treibt sie weg von ihrer Ehe, von der Enge ihres Lebens?</p>
<p>Ganze vierundzwanzig Stunden ist die Frau unterwegs. Im Morgengrauen überfährt sie ein Reh und lädt es in ihren Kofferraum. An einer Dorftankstelle nimmt sie zwei abenteuerlustige Anhalterinnen mit, die die bedrückend-getriebene Begrenztheit ihrer Gedanken und die des Autos durchbrechen. In einem zweiten Handlungsstrang sucht die beste Freundin den Ehemann der Protagonistin auf. Ihm gibt Esther Schüttpelz im gesamten Geschehen nur wenig Raum.</p>
<p>Schnörkellos, bildstark und kompakt auf nur 208 Seiten erzählt die Autorin ihre Geschichte und rückt am Ausgangspunkt die Psyche ihrer Protagonistin in den Fokus. In vierundzwanzig Kapiteln, konzentriert, direkt im Handlungskern beginnend und mit einem außergewöhnlichen Sound ist sie nah an ihrer Protagonistin und deren Freundin, während die anderen Figuren weiter entfernt scheinen. Am Ende muss die Protagonistin eine Entscheidung treffen. Doch wie chaotisch läuft die Entscheidungsfindung in ihrem Kopf ab? Weil Abwägen in ihrer Situation schwierig ist, wird es von der Ampel übernommen.  Die bleibt diesmal ewig rot.</p>
<p>Eine sehr lesenswerte, betörende Geschichte, die einen auch nachdenklich zurücklässt. Können wir die Situation der Frau objektiv bewerten? Soll man die Wahrheit aussparen, weil es sie nicht gibt? Wie ehrlich sind wir mit uns selbst, wenn wir uns entscheiden müssen? </p>
<p><strong>Esther Schüttpelz: Grüne Welle</strong> | Deutsch<br />
Diogenes 2026 | 208 Seiten | <a href="https://www.book2look.com/book/9783257073812(wortmax.de)" target="_blank">Mehr lesen</a> | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783257073812?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Bestellen</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Richard Russo: Diese gottverdammten Träume</title>
		<link>https://www.wortmax.de/richard-russo-diese-gottverdammten-traeume/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Detlef Knut]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 10:32:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Russo]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Richard Russo lädt in seinem Buch dazu ein, das Leben einer US-Kleinstadt aus nächster Nähe zu erleben – mit all seinen Hoffnungen, Enttäuschungen und vertrauten Alltagskämpfen. Und er zeigt, dass menschliche Sehnsüchte und Schwierigkeiten überall dieselben sind, ganz gleich, wo man lebt. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/richard-russo-diese-gottverdammten-traeume/">Richard Russo: Diese gottverdammten Träume</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/diese-gottverdammten-traeume-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16473" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/diese-gottverdammten-traeume-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/04/diese-gottverdammten-traeume-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Richard Russos Roman »Diese gottverdammten Träume« spielt in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Maine. Der Autor entwirft darin einen lebendigen Mikrokosmos voller Figuren, wie sie typisch für das Leben in einem solchen Ort sind. In einer solchen Kleinstadt bildet ein Pub oder Restaurant meist den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Dort erfährt man Neuigkeiten, tauscht sich aus und hört, was im Ort passiert. So ist es auch in Empire Falls – einer Kleinstadt, die im Wesentlichen von einer einzigen Familie geprägt wurde. Die letzte verbliebene Vertreterin dieser Dynastie, Mrs. Whiting, besitzt hier bis heute den Großteil der Immobilien, schafft Arbeitsplätze und unterstützt großzügig das gesellschaftliche Leben.</p>
<p>Zum Besitz von Mrs. Whiting gehört auch der Empire Grill an der Empire Avenue. Zwar ist dieses Grillrestaurant kein Pub, doch es gilt als kulturelles Zentrum der Stadt. Hier arbeitet Miles Roby als Geschäftsführer. Er hat noch Pläne: Sein nächstes Ziel ist eine Lizenz zum Ausschank alkoholischer Getränke. Miles’ Mutter hat jahrelang in der Textilfabrik der Whitings gearbeitet und wurde später Haushälterin von Mrs. Whiting. Diesem Verhältnis dürfte Miles seinen Job zu verdanken haben. Sein Mitarbeiter erinnert ihn regelmäßig daran, dass Mrs. Whiting eine geborene Robideaux ist – und irgendwo müsse ja auch der Name Roby herkommen. Damit spielt er auf eine mögliche Verwandtschaft an, die Miles allerdings strikt von sich weist.</p>
<p>Im Empire Grill begegnen sich die unterschiedlichsten Menschen: neben Geschäftsführer Miles Roby seine Angestellten, der Sheriff und die örtlichen Polizisten, dazu ihre Familien – Ehepartner, Kinder, Verwandte und Freunde. Russo zeichnet ihre Welt mit einer solchen Liebe zum Detail und einer so erzählerisch angenehmen Leichtigkeit, dass man sich beim Lesen mitten in Empire Falls wähnt und die meisten Figuren fast persönlich zu kennen glaubt. Schritt für Schritt entfaltet Russo die Geschichte jener Menschen, die Empire Falls einst aufgebaut haben und bis heute prägen – oder deren Nachkommen das Erbe weitertragen. Dies geschieht teils in Rückblenden, teils in den Gedanken einzelner Figuren, auf einfühlsame, humorvolle und stets unterhaltsame Weise.</p>
<p>Die Frage, worauf das alles hinausläuft, stellt sich in »Diese gottverdammten Träume« nicht im klassischen Sinn. Statt einer geradlinigen Handlung entfaltet sich beim Lesen allmählich das Bild einer Kleinstadt, die einst wohlhabender war und in der sich Tragödien und Verluste ereignet haben. Dabei treten andere, viel grundlegendere Fragen in den Vordergrund: Was wird aus den Menschen von Empire Falls? Was geschieht mit einer Stadt, wenn ihre Fabriken verschwinden? Und wer trägt die Verantwortung für die kleinen und großen Katastrophen des Lebens? </p>
<p>Russo fügt viele kleine Geschichten und Einzelschicksale zu einem großen Romanmosaik zusammen. Manche Bewohner von Empire Falls träumen noch von einem besseren Leben, von Liebe, Erfolg oder Neubeginn – doch vielleicht sind es alles nur diese »gottverdammten Träume«.</p>
<p>»Diese gottverdammten Träume« lädt dazu ein, das Leben einer amerikanischen Kleinstadt aus nächster Nähe zu erleben – mit all seinen Hoffnungen, Enttäuschungen und vertrauten Alltagskämpfen. Und Russo zeigt, dass menschliche Sehnsüchte und Schwierigkeiten überall dieselben sind, ganz gleich, wo man lebt. Ein kluger, warmherziger Roman, den ich nur empfehlen kann. »Opulent, humorvoll und elegant« urteilte die New York Times.</p>
<p><strong>Richard Russo: Diese gottverdammten Träume</strong> | Deutsch von Monika Köpfer<br />
DuMont 2016 | 752 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783832164355?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<item>
		<title>Ken Kesey: Seemannslied</title>
		<link>https://www.wortmax.de/ken-kesey-seemannslied/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Zwengel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2026 10:54:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Ken Kesey]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Newman]]></category>
		<category><![CDATA[Quentin Tarantino]]></category>
		<category><![CDATA[T.C. Boyle]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Pynchon]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Robbins]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Wolfe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>700 Seiten lang erlebt man den turbulenten Alltag der amerikanischen und indigenen Bewohner, den Culture-Clash zwischen Dörflern und Hollywood-Crew, den Kampf gegen eine raue und gnadenlose Natur, die es gleichzeitig zu erhalten gilt. Verfasst in einem prallen und ironischen Erzählton, den man nur lieben kann.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/03/seemannslied.jpg" alt="Ken Kesey: Seemannslied" title="Ken Kesey: Seemannslied" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-16463" />In dem kleinen Fischerörtchen Kuinak in Alaska ist das Leben hart, aber die Bewohner machen das Beste daraus. Die unbarmherzige Natur, die schwindenden Lachsvorkommen und der allgemeine Zustand der Welt sind schon schlimm genug, aber dann trifft auch noch eine Filmcrew aus Hollywood mit einer gigantischen Luxusyacht ein, um im Ort ein Kinderbuch zu verfilmen. Angeführt von Nicholas Levertov, der aus Kuinak stammt und dessen Motive eher finsterer Natur sein dürften. Das vermuten zumindest Ike Sallas und Alice Carmody. Er ein abgehalfterter Ökoterrorist, der sich einst mit Levertov eine Gefängniszelle teilte, sie eine Künstlerin und Unternehmerin mit cholerischem Temperament – und außerdem Levertovs Mutter.</p>
<p>Ken Kesey ist vor allem durch die Verfilmungen seiner ersten beiden Romane bekannt. <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783499150616?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">»Einer flog übers Kuckucksnest«</a> war als Film und Buch ein Welterfolg. <a href="https://www.graff.de/shop/item/9780140045291?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">»Manchmal ein großes Verlangen«</a> konnte daran nicht anknüpfen, wurde aber immerhin mit Paul Newman verfilmt. Danach dauerte es dreißig Jahre bis zu diesem Roman (1993) und weitere dreißig Jahre, bis er auf Deutsch erschien. </p>
<p>Kesey hat nur drei Romane verfasst, zu mehr war bei einem derart ereignisreichen Leben wohl keine Zeit. Man werfe dazu nur einen Blick in Tom Wolfes Doku-Roman <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783453406216?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">»Unter Strom«</a>, der die berühmte Reise Keseys mit seinem buntbemalten Bus durch die USA beschreibt, meist unter LSD-Einfluss.</p>
<p>Kesey erschafft in seinem Buch eine Welt, in die man hineinkriechen möchte. Keine heile Welt, beileibe nicht, denn dazu sind die Bewohner und ihre Lebensumstände zu erschreckend. Die meisten von ihnen sind »nur« seltsam, aber einige eben auch brandgefährlich. »Ausgerechnet Alaska« in der Tarantino-Version.</p>
<p>Das Landleben versprüht ähnliche Vibes wie in <a href="https://www.wortmax.de/thomas-pynchon-vineland/">Pynchons »Vineland«</a>, die herrlich exzentrischen Figuren könnten direkt aus einem Roman von Tom Robbins herübergewechselt sein und die Handlung ist so wild und ungestüm wie in den frühen Romanen von T.C. Boyle. Man möge mir das ausufernde <em>name dropping</em> nachsehen, aber »Seemannslied« liest sich wie ein Best-of meiner Neunziger.</p>
<p>700 Seiten lang erlebt man den turbulenten Alltag der amerikanischen und indigenen Bewohner, den Culture-Clash zwischen Dörflern und Hollywood-Crew, den Kampf gegen eine raue und gnadenlose Natur, die es gleichzeitig zu erhalten gilt. Verfasst in einem prallen und ironischen Erzählton, den man nur lieben kann. »Seemannslied« ist mein Lieblingsbuch 2025.</p>
<p><strong>Ken Kesey: Seemannslied</strong> | Deutsch von Milena Adam<br />
März Verlag 2025 | 703 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783755000556?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<item>
		<title>Markus Thielemann: Von Norden rollt ein Donner</title>
		<link>https://www.wortmax.de/markus-thielemann-von-norden-rollt-ein-donner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Matthias Bosenick]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 13:33:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Thielemann]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Roman »Von Norden rollt ein Donner« von Markus Thielemann ist eine Art Abbild dessen, was das Leben in der Heide ausmacht, kombiniert mit einer metaphysisch angereicherten Charakterzeichnung und einer bisweilen ins Poetische neigenden Erzählweise.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/03/von-norden-rollt-ein-donner.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16456" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/03/von-norden-rollt-ein-donner.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/03/von-norden-rollt-ein-donner-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Wer wie der Rezensent in der Lüneburger Heide aufzuwachsen gezwungen war, kann die bitteren Details in Markus Thielemanns zweitem Roman »Von Norden rollt ein Donner« bestätigen, und da vieles darin Beschriebene auf eine Weise in diese Schäferei-Geschichte eingebaut ist, dass man wie der hypersensible Hütehund mit der Nase darauf gestoßen wird, fallen einem die Ungeheuerlichkeiten wie Genickschläge zurück ins Bewusstsein. So ist das Buch eine Art Abbild dessen, was das Leben in der Heide ausmacht, kombiniert mit einer metaphysisch angereicherten Charakterzeichnung und einer bisweilen ins Poetische neigenden Erzählweise. Hermann Löns, die Heide brennt!</p>
<p>Jede Familie trägt wohl irgendein Ereignis mit sich herum, eine Schuld, eine Erbsünde, über die nicht gesprochen wird, die als allenfalls angedeutetes Geheimnis vage Schatten wirft, die aber das Verhalten der Verursachenden beeinflusst und die sich in die Erziehung der Nachkommen und deren Nachkommen einschleicht wie eine psychische Krankheit. So ergeht es Jannes, der gerade in die Erwachsenenwelt übergegangenen Hauptfigur in »Von Norden rollt ein Donner«. Seine Oma – bezeichnenderweise heißt sie wie die Kulturpflanze, die sein Leben bestimmt: Erika – kommt in ein Altenheim, seinem Opa Wilhelm haftet das Gestrige an, wohingegen dessen vergleichsweise progressiver Schwiegersohn, Jannes‘ Vater Friedrich, nach unbestimmten Untersuchungen mit Ergebnissen vom Nervenarzt zurückkehrt, über die zwar niemand spricht, die aber dazu beitragen, dass er auch von seiner Gattin Sibylle aus der Verantwortung herausgenommen wird.</p>
<p>Jannes‘ alte Freunde führen andernorts neue Leben, die einzigen verbliebenen Gemeinsamkeiten sind die Trinkveranstaltungen, zu denen sie sich gelegentlich und zusehends seltener via WhatsApp verabreden. In der Heide nahe Unterlüß geblieben und dann auch noch, wie seine Vorfahren, Schäfer geworden ist nur Jannes. Mit zwei Collies als Begleitung führt er haufenweise Heidschnucken durch die unendliche Lüneburger Heide – und begegnet immer wieder einer mystischen Frau, deren Erscheinung er als real empfindet, die sich alsbald indes als fiebriges Trugbild herausstellt und die, in Kombination mit den demenzbedingten vermeintlich wirren Äußerungen der Oma, auf ein katastrophales Familiengeheimnis hindeutet, dessen Schuld bis hin zu Jannes quer durch die Generationen unbewusst die Seelen peinigt.</p>
<p>Während Jannes nun glaubt, wie sein Vater einer Nervenkrankheit aufgesessen zu sein, und versucht, diese vor seiner Familie zu verbergen, findet ringsum das aktuelle Heideleben statt. Heißt hier: Es gibt eine diffuse, weil bisher unbegründete Angst vor dem zurückgekehrten Wolf, der mit den Heidschnucken die Existenzgrundlage der Bauern reißen würde, und gegensätzliche Haltungen dazu, auch innerhalb Jannes‘ Familie. Ein Team vom NDR dreht mit jener eine Reportage über die Schäferei, da kommt dies auch zur Sprache. Eine Bürgersprechstunde bringt die Positionen gegeneinander auf, Jannes‘ Vater greift die Anregung eines neuen Nachbarn auf und veranstaltet ein Osterfeuer, das den Wolf vertreiben und die Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam machen soll. Und von Norden rollt ein Donner, der bisweilen auch von der Kampfmittelindustrie in der Nähe rühren könnte.</p>
<p>Die fiebertraumartigen Begegnungen mit Rose, jener mythischen Erscheinung, und Jannes‘ Versuche, hinter deren Botschaft zu kommen, bestimmen den Kern dieser Geschichte. Der Heidealltag und die Heidehistorie sind Randerscheinungen, die die Leserschaft mitnehmen muss, weil es Jannes eben nicht besser ergeht, und viele dieser Randerscheinungen sind äußerst unbequem. Einige so alltäglich wie überall, andere spezifisch auf die Gegend beschränkt.</p>
<p>Die Verehrung des nationalistischen und antisemitischen so genannten Heidedichters Hermann Löns ist da nur ein bitterer, aber naheliegender Aspekt, der indes an Bitterkeit zulegt, sobald der neue Nachbar ganz unverdächtig für Löns zu schwärmen beginnt – und Jannes beinahe beiläufig Insignien des Rechtsradikalen bei dem hilfsbereiten, freundlichen Neuheidjer ausmacht, etwa die Wolfsangel oder bestimmte Shirt-Aufschriften. Niemand in diesem Buch nimmt allerdings Anstoß daran, erkennt gar die Zeichen, obschon Jannes kurz eher neugierig als kritisch nachfragt, denn der Nachbar hütet sich, konkret zu werden, und greift vielmehr die ihm passende Grundstimmung der Gegend auf und verstärkt sie. Ausgerechnet dort, wo Hitlers Schergen das Konzentrationslager Bergen-Belsen betrieben, nisten sich zunehmend mehr rechtsoffene bis rechte Familien ein und unterwandern die Dörfer, das ist eine aktuelle Realität in der Heide, die im blaubraunen Rauschen aus dem Osten reichlich in den Hintergrund tritt. In diesem Buch allerdings auch, und man kann dem Autor dennoch abnehmen, dass er da kritischer ist als seine Protagonisten. Immerhin erspart er den Lesenden so die erwartbar aussichtslose Auseinandersetzung mit dem Rechtsbösen, das hätte hier den Rahmen auch nur gesprengt. Als unterschwellige Bedrohung schwingt es dennoch mit.</p>
<p>Wie so einiges ist dies ja ohnehin lediglich ein Randaspekt der Geschichte, und da beweist Thielemann in den Details eine erschreckend gute Ortskenntnis: Er weiß, wie es ist, in der Ödnis aufzuwachsen. Er weiß auch, wie es ist, wenn Heerscharen von Touristen einfallen und dem Hirten zu Leibe rücken; so etwas erlebte der Rezensent als Begleiter eines befreundeten Heidschnuckenschäfers selbst einmal. Fußball-Gucken in der CD-Kaserne in Celle, das strukturschwache militärische Umfeld im Süden der Heide und die Freizeitparkattraktionen in deren Norden, lokale Besonderheiten, Thielemann kennt sie, als sei er selbst Heidjer, ganz wie Jannes. Das historisch bedingte Thema Schuld ist ihm nicht minder fremd, nicht nur die während des Zweiten Weltkriegs angehäufte, sondern auch danach, als die Flüchtlinge aus den Ostgebieten in die Heide fielen und das fahrende Volk, wie es hier freundlich umschrieben ist, um das mit Z beginnende Wort zu vermeiden, das stattdessen zum Sprachgebrauch gehörte, den Heidebauern zum Feindbild wurde. Auch solche Geschichten hatte sich der Rezensent dereinst »von früher« anzuhören. Der Wolf ist da nun im Buch nurmehr ein Sündenbock, den man loswerden will wie eine drückende Erinnerung.</p>
<p>Der noch sehr junge Jannes ist ein sympathischer, besonnener, vernünftiger Mensch, mit dem sich zu identifizieren angenehm leicht fällt. So mäandert man mit ihm durch die Geschichte, die mit dem den Alltag begleitenden zunehmenden Wahn an Sogkraft zulegt. Zeitlich verankert ist die Handlung zehn Jahre vor Erstellung des Romans, also um 2014, und dauert einen Winter lang, bis hin zur nächsten Heideblüte. Man begleitet den Jungschäfer, und zwar gleichsam nahe, da man sein Innenleben miterlebt, wie distanziert, da Jannes die typische Orientierungslosigkeit der Jungadoleszenten inneliegt, mit der er die für ihn noch rätselhafte Welt des Erwachsenseins von außen betrachtet, sie aber mit einem souveränen Wertesystem meistert.</p>
<p>Thielemann beginnt Jannes‘ Reise auf eine Weise zu erzählen, die zunächst zeitlos wirkt, die auch zu Zeiten von Löns‘ Geburt hätte spielen können, in die dann noch vor Ablauf der ersten Seite der Geschützdonner des Kampfmittelherstellers bricht und die Lesenden zunächst verwirrt. Beinahe poetisch beginnt dieser Roman, und das Poetische behält Thielemann dezidiert eingesetzt bei, etwa in Landschafts- und Wetterbeschreibungen, selbst bei Schilderungen alltäglicher Verrichtungen, in denen der Autor einen Detailreichtum an den Tag legt, der seine Kenntnis unterstreicht und dennoch nicht langweilt, sondern das Gesamtbild anreichert. Als Kontrast dazu schildert Thielemann das Leben dort in einer zeitgenössischen Sprache, lässt die Figuren im Lokalkolorit kommunizieren, mit »wie« statt »als«, mit Einschüben von Heidjerplatt, mit – bereits 2014 – aktuellen Begriffen, Inhalten und Strömungen.</p>
<p>So begibt man sich mit Thielemann und Jannes zurück in die Heide, in die alte Heimat, oder für Fremde: in die Touristengegend, deren Blüte gefärbt ist wie ein Hämatom, wie Thielemann seinen Jannes feststellen lässt. Obschon Schuld über der Handlung schwebt, alte wie aktuelle, und obschon unschöne Realitäten Teil der Sache sind, gelingt es Thielemann, weder die Lönsfans zu bedienen, noch die Gegend und ihre Bewohnenden komplett zu zerlegen. Man sollte eben keinen Heimatroman erwarten, nur weil er in der Heide spielt. Die brennt ja ohnehin bereits.</p>
<p><strong>Markus Thielemann: Von Norden rollt ein Donner</strong> | Deutsch<br />
C.H.Beck 2025 | 287 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783406837364?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/item/9783406837364?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/affiliate/qrcode/oQBpG59Pt0GhCE6U" /></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Rachel Khong: Real Americans</title>
		<link>https://www.wortmax.de/rachel-khong-real-americans/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Renate Bojanowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 15:11:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rachel Khong]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rachel Khong hat die amerikanische Gesellschaft sehr genau beobachtet. Unaufdringlich richtet sie ihren Spot dabei auf Familie, Identität und Rassismus. Die  Protagonist*innen in ihrer außergewöhnlich komponierten Geschichte sind nicht außergewöhnlich und hinterlassen doch einen außerordentlichen Eindruck.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/03/real-americans-vb.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16450" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/03/real-americans-vb.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/03/real-americans-vb-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Die Aktion »Deutschland liest ein Buch« vom Verlag Kiepenheuer &#038; Witsch in Kooperation mit der ZEIT wählt halbjährlich ein Buch, das bei Lesungen, Diskussionsrunden und Events Lesebegeisterte ins Gespräch bringen soll. Im Newsletter des Verlages auf den Plot einer Familiengeschichte über drei Generationen aufmerksam geworden, entschied ich mich für die Teilnahme. Der umfangreiche Roman »Real Americans« von Rachel Khong, der von Tobias Schnettler einfühlsam ins Deutsche übertragen wurde, entpuppte sich im Verlauf als komplexer und spannender Pageturner.</p>
<p>Rachel Khong lebt in Kalifornien, wurde als Tochter einer chinesischen Familie in Malaysia geboren, kam als Kleinkind in die USA und studierte an der Yale-Universität. Die Lesenden tauchen durch drei Teile hinweg (jeder aus einer anderen Perspektive erzählt) in die Geschichte der chinesisch-amerikanischen Familie Chen ein und verfolgen ihre schicksalsbedingte Verbindung zu der überaus reichen, in Deutschland verwurzelten Familie Maier. Ihnen gehört ein einflussreiches Pharma-Unternehmen, das in Wissenschaft und Gesellschaft hervorragend vernetzt ist und am menschlichen Genom experimentiert. </p>
<p>Doch wer sind nun eigentlich die »echten Amerikaner«? Donald Trumps berüchtigte Vollstreckungsbehörde für Zoll- und Einwanderungsangelegenheiten oder diejenigen, die sich unter Lebensgefahr dagegenstellen? Die First Nations oder die Einwanderer aus Europa? Diejenigen, die ihre eigene Herkunft und Identität verleugnen? Im Verlauf von Rachel Khongs Roman setzen sich die drei Protagonist*innen mit grundlegenden Fragen wie »Wer sind wir?«, »Wo kommen wir her?«, »Wieviel davon können wir selbst bestimmen?«, auseinander. Jede/r für sich trifft schwerwiegende Entscheidungen über Zugang zu Macht und Vermögen und wirft dabei die eigenen Skrupel in die Waagschale.</p>
<p>Manhattan 1999: Die 22-jährige Lily Chen arbeitet als unbezahlte Praktikantin für ein Online-Reisemagazin. Ihre monatliche Miete kann sie nur schwer aufbringen. Auf der Firmen-Weihnachtsfeier lernt sie den »verstörend attraktiven« Matthew kennen. Er lädt sie in ein Luxusrestaurant ein und fliegt nur wenig später in einem Jet mit ihr nach Paris. Dass Matthew in Wirklichkeit mit Nachnamen Maier heißt und Erbe des einflussreichen Pharma-Riesen ist, erfährt Lily, als sie längst von ihm eingenommen ist.</p>
<p>Fragen nach ihrer Herkunft nagen an Lilys Identität, erst recht, als ihr in New York immer wieder asiatische Frauen mit weißen Männern begegnen. Warum weiß sie so wenig über die Herkunft ihrer Eltern? Warum passten sie sich nach ihrer Ankunft in den USA so radikal an? Sind sie die typischen Amerikaner? Als Lily mit ihrem Mann Matthew Peking besucht, trifft sie einen ehemaligen Freund ihrer Mutter. Was steht in dem Brief, den er ihr für sie mitgibt? Warum und wohin verlässt Lily mit dem kleinen Sohn ihren Mann? </p>
<p>Eine abgelegene Insel an der Westküste der USA 2021: Hier lebt Lily Chen mit ihrem inzwischen halbwüchsigen Sohn Nick, allein und spartanisch. Ohne Internetzugang und Smartphones. Lily verschweigt ihrem Sohn den Namen seines Vaters. Weil er über sein Aussehen (blauäugig, blond und seiner Mutter wenig ähnlich) immer wieder nachdenkt, entscheidet er sich heimlich für einen DNA-Test. Er findet seinen Vater Matthew, der inzwischen der Maier-Familienstiftung vorsteht. Für den Zugang zur renommierten Yale University nutzt Nick die Privilegien seines Vaters und verstrickt sich gegenüber seiner nichtsahnenden Mutter immer mehr in ein Lügengeflecht. Sind die darauffolgenden Schuldzuweisungen und Kontaktabbrüche lediglich die Reaktionen eines pubertierenden Jugendlichen? Wer beantwortet die Fragen nach Nicks Herkunftskultur? Ist er ein »echter Amerikaner«?</p>
<p>In den Kapiteln über Nicks Zeit am Campus verwebt Rachel Khong leichtfüßig Themen wie Rassismus oder die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sozialen Herkunft oder ihrer Stellung in der Gesellschaft und skizziert so die Aktualität.</p>
<p>San Francisco 2030: Nick arbeitet in einem Biotech-Unternehmen und bekommt mit, wie dort während einer Party mit offensichtlichen Anspielungen an die faschistischen Rassentheorien über Möglichkeiten von Gentherapie und Reproduktionsmedizin gesprochen wird. Er hat seine (totgeglaubte) Großmutter May gefunden, die ihm als Achtzigjährige ihre verstörende Lebensgeschichte erzählt. Die führt zurück bis in das China von Maos Kulturrevolution, wo May im bäuerlichen Süden zwischen Hungersnot und Frauenfeindlichkeit aufwächst. Die unaufhaltsamen Roten Garden vernichten selbst Blumen und gehen mit unvorstellbarer Brutalität vor. Nicht nur hier ist es dem Übersetzer Tobias Schnettler gelungen, die düstere Stimmung adäquat einzufangen. </p>
<p>Welche Konsequenzen haben all die folgenschweren Entscheidungen, die Lilys Mutter und einstige eine ehrgeizige Forscherin in ihrem Leben getroffen hat? Was hat sich erfüllt von den Hoffnungen nach Selbstverwirklichung und dem Wunsch einzigartig zu sein? Wie frei hat sie all ihre Entscheidungen getroffen? Gespannt verfolgt man im letzten Teil, wie Nicks Großmutter am Schicksal ihres Enkels mitbestimmt hat und wie sie am Ende ihres Lebens dazu steht. </p>
<blockquote><p><em>Das war unser Traum gewesen, …unseren Kindern die bestmögliche Zukunft zu ermöglichen. Doch es war ein Fehler zu glauben, dass man für jemand anderen entscheiden konnte, ganz gleich, wie gut man es meinte. Und was hatten wir wirklich entschieden? Man hatte uns gesagt, was wir wollten: Propaganda war überall. Vor allem in diesem Land, wo die Propaganda lautete, dass es keine gab – dass wir frei waren. Aber stimmte das? Wenn wir doch bestimmte Leben mehr schätzten als andere; wenn wir dazu gebracht wurden, unnachgiebig immer mehr zu wollen? Was, wenn ich verstanden hatte, dass ich schon genug besaß?</em></p></blockquote>
<p>Rachel Khong hat die amerikanische Gesellschaft sehr genau beobachtet. Unaufdringlich richtet sie ihren Spot dabei auf Familie, Identität und Rassismus. Die  Protagonist*innen in ihrer außergewöhnlich komponierten Geschichte sind nicht außergewöhnlich und hinterlassen doch einen außerordentlichen Eindruck.</p>
<p><strong>Rachel Khong: Real Americans</strong> | Deutsch von Tobias Schnettler<br />
Kiepenheuer &#038; Witsch 2026 | 528 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783462005721?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/item/9783462005721?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/affiliate/qrcode/oQBpG59Pt0GhCE6U" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/rachel-khong-real-americans/">Rachel Khong: Real Americans</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Christophe Narbonne: Wes Anderson – Alle Filme, alle Fakten</title>
		<link>https://www.wortmax.de/christophe-narbonne-wes-anderson-alle-filme-alle-fakten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Zwengel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 12:32:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Film & Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Illustrierte Ausgaben]]></category>
		<category><![CDATA[Christophe Narbonne]]></category>
		<category><![CDATA[Wes Anderson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der großformatige Band behandelt jeden Film ausführlich in einem eigenen Kapitel und enthält zahlreiche Fotos aus den Filmen und von den Dreharbeiten. Man erfährt viel über die Entstehungsgeschichte, Besetzung und Stab, die Dreharbeiten selbst und über die Aufnahme bei Publikum und Kritikern.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/02/wes-anderson-vb-2.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16445" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/02/wes-anderson-vb-2.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/02/wes-anderson-vb-2-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>»The Royal Tenenbaums«, »Moonrise Kingdom« und »The Grand Budapest Hotel« sind Titel, die jeden Filmfan aufhorchen lassen. Inzwischen erkennt man ein Werk von Wes Anderson auf den ersten Blick. Egal, ob es sich um einen Kinofilm handelt, die Roald-Dahl-Kurzfilme für Netflix oder die Werbeclips für Mont Blanc. Sie besitzen eine ganz eigene Bildsprache und Ästhetik. Außerdem verfügen sie über eine beeindruckende Schauspielerriege, die selbst in kleinsten Nebenrollen auftritt. Wie es früher bei Woody-Allen-Filmen der Fall war.</p>
<p>Der großformatige Band behandelt jeden Film ausführlich in einem eigenen Kapitel und enthält zahlreiche Fotos aus den Filmen und von den Dreharbeiten. Man erfährt viel über die Entstehungsgeschichte, Besetzung und Stab, die Dreharbeiten selbst und auch über die Aufnahme bei Publikum und Kritikern. Insbesondere die Angaben zu Budget und Einspielergebnis sind nicht unwesentlich, denn man nimmt zufrieden zur Kenntnis, dass Andersons Filme genug Geld einspielen, um weitere Projekte zu garantieren.</p>
<p>Sein neuestes Werk »Der phönizische Meisterstreich« ist nicht mehr enthalten, aber ansonsten wirklich alles von ihm, also auch die Kurzfilme und Werbespots. Über die Werbung brauchte man in seinem Fall nicht die Nase rümpfen, weil es sich um echte Anderson-Filme handelt, in denen bestimmte Produkte erscheinen, also kaum anrüchiger als ein Blockbuster mit penetrantem Product placement.</p>
<p>Neben den Filmen werden in einzelnen Kapiteln auch Themen behandelt, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk ziehen. Seien es die häufig dysfunktionalen Familienverhältnisse, technische Aspekte wie das Stop-Motion-Verfahren bei »Der fantastische Mr. Fox« und »Isle of dogs« oder das immer ausgeklügeltere Setdesign, dass die Optik seiner Filme so einzigartig macht. Es dürfte wenig verwundern, dass bei Anderson-Filmen die Ausstattung, Kostüme und die Requisiten ein großes Thema sind, aber auch kuriosen Anekdoten wird viel Platz eingeräumt.</p>
<p>Autor Christophe Narbonne beleuchtet außerdem Bezüge zwischen den Filmen und Andersons Kindheit oder privaten Vorlieben, sodass man faszinierende Einblicke in den Schaffensprozess dieses Ausnahmekünstlers erhält. »Wes Anderson – Alle Filme, alle Fakten« ist ein prächtiger Bildband mit vielen interessanten Hintergrundinformationen, der vor allem große Lust macht, sich diese großartigen Filme erneut anzusehen.</p>
<p><strong>Christophe Narbonne: Wes Anderson – Alle Filme, alle Fakten</strong><br />
Deutsch von Anita Weinberger-Schwendenwein<br />
Prestel Verlag 2025 | 288 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783791391731?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Marc Olden: Edgar Allan Poe muss sterben</title>
		<link>https://www.wortmax.de/marc-olden-edgar-allan-poe-muss-sterben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Frank Bergers]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 11:05:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Dickens]]></category>
		<category><![CDATA[E.A. Poe]]></category>
		<category><![CDATA[Marc Olden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Was vom Festa Verlag als Horrorroman beworben wird (ja, ein bisschen gruselig ist es manchmal), funktioniert hier in erster Linie (das aber ganz hervorragend) als eine Mischung aus Abenteuerroman (die Jagd nach einem dämonenbeschwörenden Magier) und Psychogramm Edgar Allan Poes.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2026/03/edgar-allan-poe-muss-sterben.jpg" alt="Marc Olden: Edgar Allan Poe muss sterben" title="Marc Olden: Edgar Allan Poe muss sterben" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-16433" />Ein Preisboxer aus der Unterschicht, der ein Empfehlungsschreiben von Charles Dickens mit sich führt, um es im Amerika des 19. Jahrhunderts Edgar Allan Poe zu überreichen, der ihm helfen soll, den Magier zu finden, der seine kleine Familie bestialisch gemeuchelt hat und damit noch nicht genug: besagter Magier, Jonathan, geht über Leichen, um Salomons Thron in seinen Besitz zu bringen, um die Kontrolle über die Hölle und alle ihr innewohnenden Dämonen zu erlangen. Denn dummerweise hat Jonathan den übelsten von ihnen, Asmodeus, heraufbeschworen und wird ihn nun nicht mehr los. Sind Sie noch da? Prima! Denn diese auf den ersten Blick vollkommen unpassend anmutende Melange von Charakteren und Ereignissen funktioniert wider Erwarten ganz hervorragend.</p>
<p>Pierce James Figg, ein ehemaliger Preisboxer, der mittlerweile dem Ring den Rücken gekehrt hat und stattdessen junge Männer die Kunst der Selbstverteidigung lehrt, ist am Boden zerstört, als seine Frau und sein Sohn Opfer des wahnsinnigen Jonathan werden. Er schwört blutige und tödliche Rache. Der Schriftsteller Charles Dickens, der sowohl mit ihm als auch dem hochbegabten und gleichzeitig bettelarmen Poe bekannt ist, gibt Figg ein Schreiben an den Meister der dunklen Literatur mit, damit dieser ihm mit seinem klugen Geist und kriminalistischen Spürsinn zur Seite steht. </p>
<p>Doch ehe die beiden sich zusammenraufen, sind einige Kämpfe zu überstehen, zu unterschiedlich sind sie – der einfache, ehrbare, des Redens wenig mächtige Boxer und der dem Alkohol sehr zugetane Schriftsteller, der seine scharfe Zunge niemals zügeln kann und auf dem Boden jedes alkoholischen Behältnisses seine unendliche Trauer zu vergessen sucht. </p>
<p>Leserinnen und Leser werden auf eine hochspannende Reise in die verdreckten, dunkelsten Ecken New Yorks mitgenommen, und was vom Verlag als Horrorroman beworben wird (ja, ein bisschen gruselig ist es manchmal), funktioniert in erster Linie (das aber ganz hervorragend) als eine Mischung aus Abenteuerroman (die Jagd nach dem dämonenbeschwörenden Magier) und Psychogramm Edgar Allan Poes. Denn dem Roman kommt zugute, dass Marc Olden zeitlebens ein großer Bewunderer des Verfassers solcher Klassiker wie »Der Rabe«, »Das verräterische Herz« oder »Maske des roten Todes«. Man bekommt einen tiefen Einblick in das Seelenleben des amerikanischen Dichters und in seinen Alltag – ein Dasein, das von viel Leid geprägt war und welches erahnen lässt, woher die Inspirationen für sein angsteinflößendes Werk gekommen sind. </p>
<p>Abgerundet wird das Buch von seiner grandiosen Gestaltung – gehalten in schwarz-rot (wie passend) und vor einem Hintergrund, der neben Raben auch noch ganz andere Kreaturen andeutet, prangt das abgehärmte sorgenvolle Gesicht Edgar Allan Poes. Bei dieser 2025 im Festa Verlag veröffentlichten Ausgabe passt einfach alles. Erstmals auf deutsch veröffentlicht wurde der Roman schon 1999 im Verlag Bastei Lübbe, damals unter dem Titel »Salomons Thron«.</p>
<p><strong>Marc Olden: Edgar Allan Poe muss sterben</strong> | Deutsch von Susanne Picard<br />
Festa Verlag 2025 | 576 Seiten | <a href="https://www.festa-verlag.de/edgar-allan-poe-muss-sterben.html" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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