Beiträge von Renate Bojanowski

Auch ich wollte meinem Namen entfliehen. Das Erste, was ich in der Schweiz hasste, war mein Name. Immer diese Fragen. Ich wünschte mir, Julia, Sara oder Mia zu heißen, wie andere Mädchen in der Klasse. Bis heute leide ich darunter, manchmal hängt mein Name wie ein Stein an mir. Mein Name, mein Aussehen verraten meine Herkunft, auch wenn ich akzentfrei…

Verdammt, wenn man darüber nachdenkt, ist es wie beim Brexit. Wir werden noch zwei volle Jahre verhandeln, bis wir uns darüber einigen können, wo die Probleme überhaupt liegen. (Nick Hornby in »Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst«) Seit seinen ersten beiden Romanen wird der britische Schriftsteller Nick Hornby gern als Kultautor bezeichnet. Während in »Fever Pitch« der Fußball im…

Die Geschichten des Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen kennt jeder. Wie er auf einer Kugel durch die Lüfte flog, bei den Türken in Gefangenschaft geriet oder sich selbst mit seinem Pferd am eigenen Zopf aus dem Sumpf zog – seine unglaublichen Abenteuer wurden mit den unterschiedlichsten künstlerischen Mitteln in Szene gesetzt. Zudem gibt es Bücher in Hülle und Fülle.…

»Die Privilegien der englischen upper class sind so groß, so alt und so mit den persönlichen Biografien verwoben, dass sie ein Mitglied dieser Klasse eigentlich nicht hinterfragen kann, ohne damit seine ganze Identität zu gefährden. Die Grundbedingungen für eine Gesellschaft, die so langlebige und rigide Klassen hat wie die englische, ist die Vorstellung, dass Menschen natürlicherweise verschiedenen Klassen angehören –…

Ich erfasste also die große Bedeutung des Kredits und ich habe entdeckt, dass er sich gründet und ruht auf einer einzigen, zwar sonderbaren, aber sehr soliden Methode: dass man nämlich mit unverbrüchlicher Treue niemandem Schulden zahlen soll. (Aus: Honoré de Balzac - »Die Kunst seine Schulden zu zahlen«) Das Werk des französischen Schriftstellers Honoré de Balzac (1799 – 1850) umfasst…

»Sollte mich jemand fragen, was ich vom Leben erwarte, würde ich antworten: Ich will nach meinen eigenen Regeln leben!« (Janina Lewandowska in »Briefe aus Katyn«) Der Haltepunkt Gnezdovo kurz vor der westrussischen Stadt Smolensk war zwischen März und Mai 1940 Endstation für 4400 polnische Offiziere. Nur wenige Autominuten davon entfernt, in einem Waldstück in der Nähe des Dorfes Katyń, wurden…

»Ich werde ihn finden. Das hat er nicht nur der Schwester versprochen, es ist auch ein Versprechen, das ihm selbst gilt. Er muss ihn finden. Jannis. Aber vor allem den anderen. Den Entführer, den Täter. Der nicht zu sehen ist, der kommt und geht, ohne aufzufallen, ohne Interesse zu wecken.« Wenn das eigene Kind verschwindet, ist dies ohne Zweifel einer…

»Liebster, ich bin mir sicher, dass ich wieder wahnsinnig werde: Ich habe das Gefühl, dass wir nicht noch eine dieser schrecklichen Zeiten durchmachen können. Und dieses Mal werde ich nicht wieder gesund werden. Ich fange an, Stimmen zu hören, und kann mich nicht konzentrieren. Also tue ich, was das Beste zu sein scheint.« Die Schriftstellerin und Verlegerin Virginia Woolf gehört…

»...ich bin ein Literatur-Fußgänger, ich gehe sachte in den Worten spazieren und wenn mir manchmal die Galle hochkommt wegen der dummen Ärsche dann heißt das nicht dass ich keine Hoffnung für die Menschheit habe, auch wenn heutzutage die Menschheit nicht bei guter Gesundheit ist...« Er redet und redet, ohne Punkt und Komma. Distanzlos drängt sich der Protagonist in Raymond Federmans…

»Das härteste Schicksal eines Menschen, der seines Lebens beraubt wurde, ist es, keinen Frieden zu finden, weil er seinen Mörder verfolgen muss. Und dabei haben die Toten doch nur diesen einen Wunsch: in Frieden ruhen zu dürfen.« Selma Lagerlöfs 1904 erschienene Erzählung »Herrn Arnes Schatz« ist eines ihrer raffiniertesten Werke. Neben den menschlichen Abgründen rückt schnell die Frage nach Schuld…

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