Moderne Literatur

S. Craig Zahler: Wie Schatten über totem Land

S. Craig Zahler: Wie Schatten über totem Land

Suppe, die nach Knoblauch, Schimmel und verrottetem Hühnchen schmeckte, floss der Frau über die Kehle und in den Magen. Sie wollte aufschreien, aber stattdessen spritzte sie saure Brühe durch ihre Nasenlöcher. »Bueno.« Der Mann mit der Holznase pumpte einen weiteren Schwall Suppe in sie, sah ihr...

mehr lesen
Lennardt Loß: Und andere Formen menschlichen Versagens

Lennardt Loß: Und andere Formen menschlichen Versagens

»HILFE!« Er presste die Augen zusammen, lauschte in den dunklen Pazifik. Nichts. Sohr hatte oft geschrien in seinem Leben. Als die erste Rohrbombe in die Luft ging, die er gebaut hatte. Als die Leichenwagen an ihm vorbei auf die JVA Stammheim zufuhren. Aber jetzt schrie er so laut wie nie zuvor:...

mehr lesen
Nana Kwame Adjei-Brenyah: Friday Black

Nana Kwame Adjei-Brenyah: Friday Black

Wenn du im Einzelhandel keine Lucy sein willst, musst du Wege finden, um die Trostlosigkeit ein bisschen abzumildern. Lucy ist die junge Frau, die letzten Monat in ihrer Mittagspause aus dem dritten Stock sprang. Sie war Kassiererin bei Taco Town. Inzwischen ist sie sprichwörtlich geworden – »Wenn...

mehr lesen
T.C. Boyle: Sind wir nicht Menschen

T.C. Boyle: Sind wir nicht Menschen

Ein Kurzgeschichtenband von T.C. Boyle ist wie das Album einer Lieblingsband, schrieb Marion Brasch über »Good Home«, einem älteren, 2018 veröffentlichten Erzählband von Boyle. Nicht jedes Stück sei ein Hit, aber in der Summe halte man etwas Großartiges in den Händen (aus der Erinnerung zitiert)....

mehr lesen
Maria Nurowska: Briefe aus Katyn

Maria Nurowska: Briefe aus Katyn

»Sollte mich jemand fragen, was ich vom Leben erwarte, würde ich antworten: Ich will nach meinen eigenen Regeln leben!« (Janina Lewandowska in »Briefe aus Katyn«) Der Haltepunkt Gnezdovo kurz vor der westrussischen Stadt Smolensk war zwischen März und Mai 1940 Endstation für 4400 polnische...

mehr lesen
Jan Costin Wagner: Sommer bei Nacht

Jan Costin Wagner: Sommer bei Nacht

»Ich werde ihn finden. Das hat er nicht nur der Schwester versprochen, es ist auch ein Versprechen, das ihm selbst gilt. Er muss ihn finden. Jannis. Aber vor allem den anderen. Den Entführer, den Täter. Der nicht zu sehen ist, der kommt und geht, ohne aufzufallen, ohne Interesse zu wecken.« Wenn...

mehr lesen
Markus Orths: Picknick im Dunkeln

Markus Orths: Picknick im Dunkeln

Und keiner, der Stanleys Filme sieht, dieses unschuldige Grinsen, diese weinerliche Flenngrimasse, keiner wird sich vorstellen können, dass er, der Schauspieler, der das unbedarfte Stan-Kind mimt, dass dieser Mensch im filmfernen Schattendasein nicht lassen kann, von der Versessenheit, Frauen zu...

mehr lesen
Ian McEwan: Kindeswohl

Ian McEwan: Kindeswohl

Darf man einen 17-Jährigen zwingen, gegen seinen Willen eine Bluttransfusion zu empfangen? Der leukämiekranke Adam Henry ist Zeuge Jehovas und will lieber sterben als gegen die Vorschriften seiner Religion zu verstoßen. Und seine Eltern? Die denken genauso. Die Entscheidung darüber liegt jedoch...

mehr lesen
Michael Kumpfmüller: Ach, Virginia

Michael Kumpfmüller: Ach, Virginia

»Liebster, ich bin mir sicher, dass ich wieder wahnsinnig werde: Ich habe das Gefühl, dass wir nicht noch eine dieser schrecklichen Zeiten durchmachen können. Und dieses Mal werde ich nicht wieder gesund werden. Ich fange an, Stimmen zu hören, und kann mich nicht konzentrieren. Also tue ich, was...

mehr lesen
Nicolás Giacobone: Das geschwärzte Notizbuch

Nicolás Giacobone: Das geschwärzte Notizbuch

Eine Person, die sich in ihrem Leben viel bewegt, die in ihrem Leben nicht ohne Bewegung sein kann, kann nicht schreiben. Eine Person, die nicht fähig ist, stundenlang auf einem Stuhl zu sitzen, auf einer Matratze zu liegen oder sich auf einem Sofa zu räkeln, kann nicht schreiben. Ich funktioniere...

mehr lesen
Ian McEwan: Die Kakerlake

Ian McEwan: Die Kakerlake

Nun ist es also soweit: Großbritannien verlässt die Europäische Union. Und weil sich das ganze Ausstiegsprozedere auf unfassbar lächerliche Weise in die Länge gezogen hat, gibt es brandaktuell zum B-Day sogar schon literarische Antworten darauf. Eine davon ist die Politsatire »Die Kakerlake« von...

mehr lesen
Raymond Federman: Der Pelz meiner Tante Rachel

Raymond Federman: Der Pelz meiner Tante Rachel

»...ich bin ein Literatur-Fußgänger, ich gehe sachte in den Worten spazieren und wenn mir manchmal die Galle hochkommt wegen der dummen Ärsche dann heißt das nicht dass ich keine Hoffnung für die Menschheit habe, auch wenn heutzutage die Menschheit nicht bei guter Gesundheit ist...« Er redet und...

mehr lesen
Martin Beyer: Und ich war da

Martin Beyer: Und ich war da

Der Vater hat nie zu uns gesagt: »Es ist gut!«; wir waren niemals fertig, und niemals war das, was wir taten, nach seinen Maßstäben genug. Einen Erfolg genießen, zu ruhen, all das kann ich bis heute nur sehr schlecht - der Vater konnte es überhaupt nicht. (...) Diese Art zu Arbeiten stieß uns alle...

mehr lesen
Isabel Bogdan: Laufen

Isabel Bogdan: Laufen

Ein Buch, das Mut macht: Isabel Bogdans zweiter Roman »Laufen« ist ganz anders als ihr Erstlingswerk, die amüsante Erzählung »Der Pfau«. »Laufen« ist nicht amüsant, sondern erzählt auf schmerzhaft realistische Weise die Geschichte einer Frau, die versucht, nach dem Suizid ihres Lebensgefährten...

mehr lesen
C. E. Morgan: The Sport of Kings

C. E. Morgan: The Sport of Kings

Hier ist die Auszeichnung »Anwärter für den Pulitzer Preis« auf jeden Fall einmal gerechtfertigt: Sprachlich, von seiner epischen Breite und vom künstlerischem Ernst her erinnert »The Sport of Kings« an William Faulkner und Cormac McCarthy und müsste jedem Fan dieser beiden Autoren gefallen....

mehr lesen
Ingrid Noll: Goldschatz

Ingrid Noll: Goldschatz

In unserem Freundeskreis wollte man bewusst gegen den Mainstream schwimmen und auf übertrieben Konsum sowie trendige Kleidung verzichten. Bei Smartphone, Computer und Auto wollten wir uns – auch aus finanziellen Gründen – mit Secondhandware begnügen, was zugegebenermaßen meistens nicht klappte ......

mehr lesen
Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

»Liebe ist kein Gefühl. Liebe ist keine Romantik Liebe ist eine Tat. Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten.« Fünf Frauen, fünf Geschichten, fünf Lebenslinien, die (sich) berühren und hier und da kreuzen. Alle fünf Frauen wurden Mitte der Siebziger Jahre geboren. Der Leser von Daniela...

mehr lesen
Michael Chabon: Moonglow

Michael Chabon: Moonglow

Es ist schon merkwürdig: Obwohl Michael Chabon im englischsprachigen Raum zu den ganz Großen gehört, konnte er in Deutschland nie ein Massenpublikum für sich begeistern. Das mag viele Gründe haben. Manche seiner Bücher sind deutschen Lesern vielleicht zu amerikanisch. Dazu gilt sein Interesse...

mehr lesen