Moderne Literatur
Sebastian Lörscher: Ziegenmilch und Zeichenstift
»Ich glaube, es war wegen der Ziegenmilch, warum ich so kräftig und stark geworden bin ...« Man nehme Geschichten aus den ersten 25 Jahren seines Lebens und bringe seinen Großvater dazu, seine Erlebnisse dieser Zeit zu erzählen. Man plaudere in lockerem Ton ungezwungen über Freundschaft, die erste...
Thomas Pynchon: Bleeding Edge
»DeepArcher, die Zentrale«, sagt Lucas mit einer ausladenden Darf-ich-vorstellen-Geste. Ursprünglich – und man wundert sich über ihren Weitblick – hatten die Jungs vor, einen virtuellen Ort zu erschaffen, an dem man vor den zahlreichen Misslichkeiten der wirklichen Welt Zuflucht finden kann. Ein...
Daphne du Maurier: Ein Tropfen Zeit
»In einer Nacht wie dieser ... eine Verabredung mit wem? Die heutige Welt schlief, und meine Welt erwachte erst, wenn die Droge mich in ihre Gewalt bekam ... Ich parkte den Wagen dicht am Graben, kletterte über das Tor zum Feld und suchte meinen Weg zu der Grube neben dem Steinbruch, denn hier...
Anthony Doerr: All the light we cannot see
Werner is succeeding. He is being loyal. He is being what everybody agrees is good. And yet every time he wakes and buttons his tunic, he feels that he is betraying something. Werner Pfennig, ein Waisenkind mit weißem Haar, wächst in den 1930er-Jahren zusammen mit seiner Schwester Jutta in einem...
Fadhil al-Azzawi: Der Letzte der Engel
»Ich bestehe darauf, dass ihr dieses Buch so bald wie möglich lest. Ich bin zufällig darauf gestoßen -, und es hat mich dermaßen beeindruckt, dass ich sofort an Hatchards geschrieben und zwei Dutzend bestellt habe. Ich habe mir vorgenommen, es jedem zu schenken, dem ich begegne.« Francis Wyndham:...
Thomas Ramge: Montags könnt ich kotzen
Wir sind doch alle in unseren Beruf reingescheitert. Lukas Frey hat von einer Werbeagentur in die Marketingabteilung einer Firma, genannt Konzern AG, gewechselt. Dort soll er an der Werbekampagne für die Einführung eines neuen Produkts mitarbeiten. Das Problem: Niemand außer den Ingenieuren in der...
T.C. Boyle: Hart auf hart
Er trug seinen Kampfanzug und hatte das Messer umgeschnallt. Die Stiefel waren schmutzig, und Gesicht und Kopfhaut waren gebräunt wie bei einem Rettungsschwimmer. Hinter ihm, in dem Flur, der zum Wohnzimmer führte, sah sie die dunklen Umrisse seines Rucksacks und den schmalen Schatten des Gewehrs,...
Mrs. Stephen Fry: Darling, fesselst du schon mal die Kinder?
Waren heute Abend im Kino. Konnten zwischen einem Woody Allen und »Avatar« wählen, aber ich kann diese blöden Brillen nicht ab, also sind wir in »Avatar« gegangen. Was wir bisher über Stephen Fry zu wissen glaubten: Er ist ein britischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Hörbuchsprecher,...
John Niven: Straight White Male
»Nun, lassen Sie es mich anders formulieren«, sagte Brendle und klickte mit dem Kugelschreiber. »Warum befleißigen Sie sich als ein intelligenter Mann, der Sie doch sind und dessen Job unzweifelhaft einen Gutteil Selbstanalyse erfordert, beständig eines Benehmens, von dem Sie genau wissen, dass es...
T.C. Boyle: Drop City
»No rules,« he shouted, »no zoning laws, no taxes, no county dicks and ordinances. You want to build, you build. You want to take down some trees and put up a cabin by the most righteous far-out turned-on little lake in the world, you go right ahead and do it and you don't have to go groveling for...
Dennis Lehane: In der Nacht
»Wir sind süchtig danach. Wonach? Nach der Nacht - sie ist unwiderstehlich. Wer sich für den Tag entscheidet, der muss nach ihren Regeln spielen. Darum haben wir uns für die Nacht entschieden und spielen nach unseren eigenen. Das Dumme ist nur, wir haben im Grunde keine Regeln.« Vielleicht ist...
Michael Chabon: Telegraph Avenue
»Na gut«, sagte Archy. Er warf sich den Riemen der Reisetasche über die Schulter und sah Gwen an. »Danke.« Dann wandte er sich ab, ihn schnürte sich die Kehle zu, er versuchte es mit einem Husten zu tarnen, hustete wie sein El Camino. Sein kaputtes altes Auto, sein kaputter Friseurladen voll alter...
Nicolas Robel: Topo Limbo
»...und was für einen Zweck haben schließlich Bücher, in denen überhaupt keine Bilder und Unterhaltungen vorkommen?« (Lewis Caroll, Alice im Wunderland) In den Jahren 1991 – 2012 wurden die »Tollen Hefte« von dem Verleger und Illustrator Armin Abmeier herausgegeben. Sie erschienen zunächst im Maro...
Christopher Buckley: Hohes Gericht
Am Dienstagmorgen saß Senator Dexter Mitchell in seinem Büro auf dem Capitol Hill, als das Telefon läutete. Es war Graydon Clenndennynn, der anrief, der Obermandarin persönlich. Die beiden Männer kannten – und verabscheuten – einander. Graydon bezeichnete Mitchell (natürlich niemals öffentlich)...
Radek Knapp: Reise nach Kalino
»Unsere Mitmenschen da draußen wollen kein Gold mehr, sondern ein hübsches Gesicht und das Gefühl, dass sie so bis in alle Ewigkeit weitermachen können ...« (F. Osmos, Gründer von Kalino) Die Geschichte mutet genauso mysteriös wie futuristisch an. Der erfolglose und altmodische Detektiv Julius...
T.C. Boyle: Talk Talk
Talk Talk, Ausdruck aus der Amerikanischen Gebärdensprache (ASL), in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) »gebärden«, bedeutet ein entspanntes Gespräch unter Gehörlosen mittels Gebärden. Der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle liebt das Wechselspiel. Hat er gerade einen Band mit Kurzgeschichten...
Noah Hawley: Der Vater des Attentäters
Wir sehen die Vergangenheit durch das Prisma unserer Wahrnehmung. Wenn einem Menschen vorgeworfen wird, ein Verbrechen begangen zu haben, sucht man sein Leben nach entsprechenden Mustern ab. Vorfälle, die einem bis dahin bedeutungslos erschienen sind, spielen mit einem Mal eine Rolle. Paul Allen,...
T. C. Boyle: World’s End
»Your mother was a saint, yeah. Selfless. Good. Righteous. Those eyes of her. But maybe too good, too pure, you know what I mean? Maybe she made me feel like shit in comparison, made me feel like hurting her – just a little, maybe. Like your Jessica, right? Am I right? Goody-good?« Walter van...

















