ziegenmilch_und_zeichenstift»Ich glaube, es war wegen der Ziegenmilch, warum ich so kräftig und stark geworden bin …«

Man nehme Geschichten aus den ersten 25 Jahren seines Lebens und bringe seinen Großvater dazu, seine Erlebnisse dieser Zeit zu erzählen. Man plaudere in lockerem Ton ungezwungen über Freundschaft, die erste Liebe im Besonderen oder das Verhältnis zu Frauen im Allgemeinen, über Kunst und Sport, seine ureigenen Ängste und Sorgen, beleuchte seine hehren Ziele wie die tiefsten Rückschläge.

Es ist bereits vier Jahre her, dass der Illustrator und Autor Sebastian Lörscher dieses Experiment beim Kunstanstifter Verlag zu einem Buch zusammengeführt hat. Die originell erzählten Erlebnisse wirken unabhängig von ihrem Erscheinungsjahr. Sie fesseln den Leser an die beiden auf den ersten Blick völlig unterschiedlichen Lebenswege. Der findige Grafiker weckt auch die frühen Talente seines Opas Ernst Körber wieder auf und bringt den 92-Jährigen zum Zeichnen zurück. Der Betrachter hat nun faszinierende Lebensbilder vor sich, die sich (auf den zweiten Blick) ähnlicher sind als anfangs vermutet.

Ernst Körbers Erinnerungen beginnen im Jahr 1919 mit einem Becher Ziegenmilch. Sebastian Lörscher zeichnet in seinem Elternhaus im Jahr 1980 eine Sonne an die Wand neben der Treppe. Opa Körber zwingt zum Weiterlesen mit seinen authentischen Kriegserlebnissen, Sebastians Berichte von seinem Neuanfang in Berlin sprechen all jenen Mut zu, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen.

Natürlich haben sich die Zeiten geändert und mit ihnen die Umstände, unter denen wir leben, lieben und arbeiten. Der Leser genießt zwei unterschiedliche humorvoll dargestellte Lebensporträts und taucht in die Bilder unterschiedlicher Zeiten ein. Im Vergleich der beiden Generationen liegt der eine besondere Reiz des Buches.

Die andere Anziehungskraft üben die zahlreichen persönlichen Erfahrungen aus, die Sebastian Lörscher und sein Großvater gemacht haben: mit dem Becher Ziegenmilch, mit der Wand neben der Treppe, dem Fußball aus alten Lumpen, Kaugummiautomaten, Daudi und Matze, dem Schwarzen Richard und Willy Rösler, der Zeichen- und Comicschule, den Juden und Türken, Starkbier und Caipirinha, dem Krieg und der ersten Liebe. Sie zaubern ein Lächeln in das Gesicht des Lesers und lassen Platz, selbst Erlebtes zu reflektieren und sich wieder zu finden, natürlich mit anderen Erfahrungen.

Ein wunderbares Buch, das noch viele Leser begeistern wird.

»So schwer auch alles manchmal ist, es gibt Dinge, die fallen einem erstaunlich leicht.«

Sebastian Lörscher: Ziegenmilch und Zeichenstift | Deutsch
Kunstanstifter Verlag 2011 | 140 Seiten | Jetzt bestellen

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