Moderne Literatur
Thomas Ramge: Montags könnt ich kotzen
Wir sind doch alle in unseren Beruf reingescheitert. Lukas Frey hat von einer Werbeagentur in die Marketingabteilung einer Firma, genannt Konzern AG, gewechselt. Dort soll er an der Werbekampagne für die Einführung eines neuen Produkts mitarbeiten. Das Problem: Niemand außer den Ingenieuren in der...
T.C. Boyle: Hart auf hart
Er trug seinen Kampfanzug und hatte das Messer umgeschnallt. Die Stiefel waren schmutzig, und Gesicht und Kopfhaut waren gebräunt wie bei einem Rettungsschwimmer. Hinter ihm, in dem Flur, der zum Wohnzimmer führte, sah sie die dunklen Umrisse seines Rucksacks und den schmalen Schatten des Gewehrs,...
Mrs. Stephen Fry: Darling, fesselst du schon mal die Kinder?
Waren heute Abend im Kino. Konnten zwischen einem Woody Allen und »Avatar« wählen, aber ich kann diese blöden Brillen nicht ab, also sind wir in »Avatar« gegangen. Was wir bisher über Stephen Fry zu wissen glaubten: Er ist ein britischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Hörbuchsprecher,...
John Niven: Straight White Male
»Nun, lassen Sie es mich anders formulieren«, sagte Brendle und klickte mit dem Kugelschreiber. »Warum befleißigen Sie sich als ein intelligenter Mann, der Sie doch sind und dessen Job unzweifelhaft einen Gutteil Selbstanalyse erfordert, beständig eines Benehmens, von dem Sie genau wissen, dass es...
T.C. Boyle: Drop City
»No rules,« he shouted, »no zoning laws, no taxes, no county dicks and ordinances. You want to build, you build. You want to take down some trees and put up a cabin by the most righteous far-out turned-on little lake in the world, you go right ahead and do it and you don't have to go groveling for...
Dennis Lehane: In der Nacht
»Wir sind süchtig danach. Wonach? Nach der Nacht - sie ist unwiderstehlich. Wer sich für den Tag entscheidet, der muss nach ihren Regeln spielen. Darum haben wir uns für die Nacht entschieden und spielen nach unseren eigenen. Das Dumme ist nur, wir haben im Grunde keine Regeln.« Vielleicht ist...
Michael Chabon: Telegraph Avenue
»Na gut«, sagte Archy. Er warf sich den Riemen der Reisetasche über die Schulter und sah Gwen an. »Danke.« Dann wandte er sich ab, ihn schnürte sich die Kehle zu, er versuchte es mit einem Husten zu tarnen, hustete wie sein El Camino. Sein kaputtes altes Auto, sein kaputter Friseurladen voll alter...
Nicolas Robel: Topo Limbo
»...und was für einen Zweck haben schließlich Bücher, in denen überhaupt keine Bilder und Unterhaltungen vorkommen?« (Lewis Caroll, Alice im Wunderland) In den Jahren 1991 – 2012 wurden die »Tollen Hefte« von dem Verleger und Illustrator Armin Abmeier herausgegeben. Sie erschienen zunächst im Maro...
Christopher Buckley: Hohes Gericht
Am Dienstagmorgen saß Senator Dexter Mitchell in seinem Büro auf dem Capitol Hill, als das Telefon läutete. Es war Graydon Clenndennynn, der anrief, der Obermandarin persönlich. Die beiden Männer kannten – und verabscheuten – einander. Graydon bezeichnete Mitchell (natürlich niemals öffentlich)...
Radek Knapp: Reise nach Kalino
»Unsere Mitmenschen da draußen wollen kein Gold mehr, sondern ein hübsches Gesicht und das Gefühl, dass sie so bis in alle Ewigkeit weitermachen können ...« (F. Osmos, Gründer von Kalino) Die Geschichte mutet genauso mysteriös wie futuristisch an. Der erfolglose und altmodische Detektiv Julius...
T.C. Boyle: Talk Talk
Talk Talk, Ausdruck aus der Amerikanischen Gebärdensprache (ASL), in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) »gebärden«, bedeutet ein entspanntes Gespräch unter Gehörlosen mittels Gebärden. Der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle liebt das Wechselspiel. Hat er gerade einen Band mit Kurzgeschichten...
Noah Hawley: Der Vater des Attentäters
Wir sehen die Vergangenheit durch das Prisma unserer Wahrnehmung. Wenn einem Menschen vorgeworfen wird, ein Verbrechen begangen zu haben, sucht man sein Leben nach entsprechenden Mustern ab. Vorfälle, die einem bis dahin bedeutungslos erschienen sind, spielen mit einem Mal eine Rolle. Paul Allen,...
T. C. Boyle: World’s End
»Your mother was a saint, yeah. Selfless. Good. Righteous. Those eyes of her. But maybe too good, too pure, you know what I mean? Maybe she made me feel like shit in comparison, made me feel like hurting her – just a little, maybe. Like your Jessica, right? Am I right? Goody-good?« Walter van...
Niccolò Ammaniti: Lasst die Spiele beginnen
Die Bestien des Abaddon saßen in der Pizzeria Jerry 2 in Oriolo Romano und hielten eine Versammlung ab. Die Lage war kritisch. Wenn es nicht gelang, das Ruder wieder in die Hand zu bekommen, dann war das vielleicht die letzte Zusammenkunft der Sekte. In letzter Zeit war die Gruppe bedrohlich...
Martin Mosebach: Das Blutbuchenfest
Als Schopenhauer und Kraus sich über die Sprachverschluderung erregten, da hatten sie ein Publikum, das verstand, was sie sagten. Aber das war eine abgeschlossene historische Epoche. Jetzt verständigte man sich irgendwie. Normalerweise mag ich keine Bücher, die mir das Gefühl geben, dass der Autor...
Rolf Dobelli: Massimo Marini
Massimo Marini wird als Baby eines italienischen Gastarbeiterehepaares in einem Koffer in die Schweiz geschmuggelt. Neun Jahre müssen seine Eltern seine Existenz verheimlichen, um ihre Arbeitsbewilligung zu behalten. Massimos Vater, ein harter Arbeiter, schafft den Aufstieg zum...
Marc Oliver Rühle, Katharina Jourdan: Über uns der Himmel, in Luft aufgelöst: World End Party
Stell dir vor, es ist Krieg. Stell dir vor, das Grauen entreißt dir den liebsten Menschen, ohne den du nicht mehr leben kannst und willst. Dein Körper verzehrt sich nach seinem, sein Duft ist dir Nahrung, eure Seelen sind verschmolzen ... ein Alptraum, der täglich auf der Welt geschieht,...
Thomas Pynchon: Gegen den Tag
»Vorspring und Achterleine loswerfen!« »Frischauf jetzt … langsam und vorsichtig … sehr schön! Fertig machen zum Ablegen!« »Windy City, wir kommen!« »Hurra! Wir fliegen!« Unter derlei lebhaften Ausrufen stieg das wasserstoffbetriebene Luftschiff »Inconvenience«, seine Gondel mit patriotischen...

















