Beiträge von Sabine Anders

Wovon lassen wir, wenn wir gelassen sind? Anders herum gefragt: Was lässt uns? In unserer von Hektik geprägten Zeit wünschen sich fast alle mehr Gelassenheit. Aber was bedeutet das überhaupt? Der Literaturwissenschaftler Thomas Strässle nimmt sich in diesem Buch dem Begriff der Gelassenheit an und verfolgt seine facettenreiche Bedeutung durch verschiedene literarische, philosophische und religiöse Texte – von seiner ersten…

Er ist ich, aber ich bin noch nicht er. Er hat fünf Jahre eines Lebens hinter sich, die ich noch nicht kenne, die noch fest eingerollt sind und darauf warten, aufzuspringen und zuzubeißen. Und alle Freuden, die bereitlagen – er hat sie genossen; auf mich warten sie noch wie eine Schachtel unangetasteter Pralinen. Zeitreisen mal anders: als Krankheit. Aufgrund eines…

I think it’s as though everyone has a small place inside themselves, maybe, a private bit that they keep to themselves. It’s like a little fortress, where the most private part of you lives – maybe it’s your soul, maybe just that bit that makes you yourself and not anyone else ... You don’t show that bit of yourself to…

Das Vorspiel zu schrecklichen Ereignissen kann lächerlich sein, ganz wie Charley gesagt hatte, aber auch beiläufig und unauffällig. Es lohnt sich, das zu erkennen, denn es zeigt den Ursprung vieler schrecklicher Ereignisse an: einen Zentimeter vom Alltag entfernt. In Kanada analysiert der Ich-Erzähler Dell Parsons aus dem Rückblick vom Ende seines Lebens, wie seine Eltern 1960, als er 15 war,…

Beim Kiffen aus der Wasserpfeife musste ich immer husten, und wenn ich andere psychoaktive Substanzen nahm, bekam ich es meist mit der Angst zu tun, musste an den Tod des Sokrates denken und begann, die Sterbeszene aus Platons Phaidon im Original zu zitieren (»Ō Kríton, éphe, tō Akslepiō opheílomen alektryóna«), was meine Co-Drogisten zwar irgendwie beeindruckte, aber doch den Eindruck…

Worin lag das Verführerische gerade dieser Art des Verbrechens, unabhängig davon, wie es verstanden wurde und welche äußeren Gründe oder Impulse es veranlassten? Der Ich-Erzähler erschießt als 16-Jähriger Soldat im russischen Bürgerkrieg in einem Zustand absoluter Übermüdung – er hat mehrere Tage und Nächte nicht geschlafen – einen anderen Mann und rettet dadurch sein eigenes Leben. Obwohl er den Mann…

»Eine Art und Weise, kreativ zu sein, besteht darin, einmal genau und ehrlich zu beobachten, was wir tief im Innern glauben – und dann das Gegenteil davon anzunehmen.« Sollte es im Leben darum gehen, glücklich zu sein? Nein, meinen die Autoren von »Von Natur aus kreativ«. Vielmehr sei der Mensch »so gemeint«, kreativ zu sein. Als einen der Hauptantriebe für…

Vermutlich mochten die Damen ihn, gerade weil er ein Schweinehund war und nicht die geringste Anstrengung unternahm, das zu verheimlichen. Das war der Unterschied zwischen ihm und den anderen Männern: Von ihm wussten sie, dass er ein Schweinehund war, von allen anderen nahmen sie es nur an. Es gibt genügend Gründe, Harry junior unsympathisch zu finden. Der krasseste: Er stiehlt…

Mit 23 Jahren hatte Dexter Mayhew ähnlich nebulöse Zukunftsvorstellungen wie Emma Morley. Er hoffte, Erfolg zu haben, seine Eltern stolz zu machen und mit mehr als einer Frau gleichzeitig zu schlafen, aber wie ließ sich das alles vereinbaren? David Nicholls' »Zwei an einem Tag« ist ein Buch über die wohl wichtigste Frage im Leben: Was sollte beziehungsweise will man mit…

I don't get it. If you can go to Harvard, you go to Harvard. Wie viele kleine Jungs wünscht sich Keith Corcoran, der Protagonist von »The Infinite Tides«, nichts sehnlicher, als Astronaut zu werden. Anders als bei den meisten Kindern verliert sich bei ihm dieser Berufswunsch jedoch nicht mit dem Erwachsenwerden, sondern beruflicher Erfolg wird zu einem Ziel, über dem…

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