John Fowles: The French Lieutenant's WomanBut there was one noble element in his rejection: a sense that the pursuit of money was an insufficient purpose in life.

Charles ist ein reicher Gentleman im England des 19. Jahrhunderts, der, Anfang 30, nicht recht weiß, was er mit seinem restlichen Leben, seiner Zeit, seiner gesellschaftlichen Stellung und seinen finanziellen Ressourcen anfangen soll. Er steht kurz vor seiner Heirat mit Ernestina, einem zehn Jahre jüngeren Mädchen, das fast ganz und gar das Produkt seiner Zeit ist: eine Frau, die nichts über Sex weiß und auch kein Bedürfnis danach verspürt, sowie eine Frau, die intellektuell dem Mann unterlegen ist und die deshalb in allen Belangen auf ihn hört. Doch hat Ernestina einen winzig kleinen Rest von Ironie behalten, der sie – wenigstens zeitweise – erkennen lässt, dass sie eine Rolle spielt, die nicht in Ordnung ist. Diese Ironie ist auch der einzige Grund, warum Charles sie heiraten will, denn er hat die Rückständigkeit der historischen Zeit, in der Ernestina und er gefangen sind, wenigstens zum Teil erkannt und würde gerne dazu beitragen, sie zu verändern.

Die Handlung von »The French Lieutenant’s Woman« spielt im 19. Jahrhundert, im viktorianischen England, aber der Erzähler kommentiert das Geschehen aus der Perspektive unserer modernen Zeit. Das ist neben einer fast kriminalistisch spannenden Handlung einer der vielen Reize, der den Roman so lesenswert macht.

Kurz vor seiner Heirat trifft Charles Sarah Woodruff, eine Außenseiterin, eine »gefallene« Frau, die die Gesellschaft verstoßen hat, weil sie unehelichen Sex gehabt haben soll. Sarah durchschaut die fromme Fassade ihrer Mitmenschen und die Doppelmoral ihrer unmenschlichen Sittenvorschriften, und vor allem sagt sie, was sie denkt. Ihre Direktheit öffnet Charles die Augen für die Unzulänglichkeiten seiner eigenen Zeit noch ein wenig mehr. Er zweifelt plötzlich daran, ob er Ernestina heiraten soll. Es erscheint ihm die Entscheidung seines Lebens, die seine Zukunft festlegt:

Until that moment, all had been potential; now all was inexorably fixed.

Wie für viele Menschen, die aus einer festen Beziehung zu einem neuen Partner fliehen, tut Charles es, weil Sarah für ihn eine offene, ungewisse Zukunft verkörpert: Hier meint er, all das tun zu können, was er in seinem anderen vorhersehbaren Leben als Ernestinas Mann nicht tun kann, auch wenn er nur eine äußerst vage Vorstellung davon hat, was genau das sein soll. Psychologen würden sagen, er flieht unbewusst vor dem Älterwerden und dem Tod.

Doch da Sarah andere Pläne für ihr eigenes Leben hat, als sich dankbar aus ihrem Status als »gefallene« Frau retten zu lassen, wird Charles‘ Zukunft ungewisser und offener, als er es sich je träumen hätte lassen. Ungefähr zwei Jahre driftet er – nun ist er der wegen moralischen Gründen Verstoßene – ziellos durch die Welt, bis er Sarah wiedertrifft. Der Erzähler gibt zu, Sarah nicht zu verstehen, obwohl er sie selbst »erschaffen« hat. Die innere Widersprüchlichkeit ihrer Figur kann man als Stärke oder Schwäche des Romans sehen.

John Fowles: The French Lieutenant’s Woman | Englisch
Vintage Classics 2005 | 464 Seiten | Jetzt bestellen

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