Er hat ihrer Freundschaft mit Didier, dem Mann von gegenüber, niemals im Weg gestanden. Eileen ist noch nicht fertig mit diesem Teil des Lebens, mit Sex, so wie Lloyd. Sie ist achtzehn Jahre jünger als er, und früher hat ihn diese Kluft scharf gemacht, jetzt mit...
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Andreas Zwengel
Jonathan Lethem: Chronic City
Die ersten Klümpchen fielen drei Stunden vor der Dinnerparty des Bürgermeisters vom Himmel. Es waren keine Flocken, sondern frostgesponnene Puzzleteile, die da ins Blickfeld rotierten, als hoffte ein unsichtbarer Revisor darauf, sie bei der Ankunft zusammenzusetzen....
Horst Evers: Die Welt ist nicht immer Freitag
Montagmorgen, 11.00 Uhr. Bin schon seit drei Stunden wach, sitze auf dem Sofa und starre auf meine Liste mit all den Sachen, die ich heute erledigen will. Bin extra um 8 Uhr aufgestanden, um mal alles fertig zu kriegen, stattdessen sitze ich auf dem Sofa, starre auf...
Jonathan Tropper: Sieben verdammt lange Tage
Ich muss lächeln, auch wenn ich mich wie immer über die für meine Familie so typische Unfähigkeit aufrege, in Krisensituationen Gefühle zu zeigen. Jeden Anlass, der eigentlich nach aufrichtig zum Ausdruck gebrachten Emotionen verlangt, schmälern oder pervertieren wir...
Roberto Bolano: Lumpenroman
Jetzt bin ich Mutter und auch eine verheiratete Frau, aber vor gar nicht langer Zeit war ich eine Kriminelle. Mein Bruder und ich hatten unsere Eltern verloren. In gewisser Weise rechtfertigt das alles. Wir hatten niemanden. Und das buchstäblich von heute auf morgen....
Steve Toltz: Vatermord und andere Familienvergnügen
Wir sind einfach zu weit weg. Ein berühmter australischer Historiker hat das einmal die »Tyrannei der Entfernung« genannt. Er meinte damit, dass Australien einer von allen vergessenen alten Frau ähnelt, die tot in ihrer Wohnung liegt. Sollten alle Einwohner...
Toni Mahoni: Gebratene Störche
Ungefähr zu dieser Zeit kamen ein paar nervige Gangster-Rapper aus Neukölln namens »Makro G.« in Drivers Studio, um dort Aufnahmen zu machen. »Isch schlag in deine Fresse bis deine Knochen splittern, dann knall isch deine Alte und kack ihr auf die Titten, dein Leben...
Joe Hill: Teufelszeug
Ignatius Martin Perrish hatte die ganze Nacht gesoffen und fürchterliche Dinge getan. Am nächsten Morgen erwachte er mit Kopfschmerzen und fasste sich an die Schläfen. Dort spürte er etwas Fremdartiges – zwei gebogene, spitze Auswüchse. Ihm war so übel, dass er sich...
Douglas Coupland: Generation A
Ich konnte mich noch an die Bienen erinnern. Ich weiß noch, wie ich sie im Frühjahr zwischen Blutwurz, gelbem Geißbart und Sumpfdotterblumen im Graben hinter dem Haus meiner Großmutter gesehen habe – glücklich, emsig, leicht pelzig und so was von zum Aussterben...
Thomas Pynchon: Natürliche Mängel
Doc hatte auf dem Pasadena Freeway frisierte Rolls-Royce' voll aufgebrachter Heroindealer abgehängt, einzig darauf bedacht, mit über hundertsechzig im Nebel unbeschadet durch all die simpel konstruierten Kurven zu kommen, er war östlich des L.A. River mit nichts als...
Helmut Krausser: Kartongeschichte
Regen trommelte aufs Dach der Penthousewohnung, als Eris Vater starb. ›Ruuuf den Notar‹, so seine letzten Worte, er richtete sich noch einmal auf, röchelte, presste beide Hände auf sein Herz und verschied. ›Ruuuf den Notar.‹ Mitten in der Nacht. Wozu hatte er einen...
Rolf Bauerdick: Wie die Madonna auf den Mond kam
Dass die Visionen des Ilja Botev nicht der lichten Gabe des prophetischen Sehens entsprangen, sondern dem Wahn des irrlichternden Verstandes, daran zweifelte in Baia Luna niemand. Am wenigsten ich, sein Enkel Pavel. In früher Jugend hatte ich die Einbildungen meines...
Ned Beauman: Flieg, Hitler, flieg!
Wie alle Kapitalisten behandle ich den freien Markt wie eine reiche alte Großmutter; ich betone, wie sehr ich die alte Schlampe verehre, bezeichne sie als rüstig, nutze aber ihre Lethargie und Demenz mutwillig aus, um Profit daraus zu schlagen. Im Hauptberuf bin ich...
Vikas Swarup: Immer wieder Gandhi
Nicht alle Tode sind gleich, und selbst für Mord gilt das Kastenwesen. Wird ein armer Rikschafahrer abgestochen, ist das nur etwas für die Statistik, eine Meldung, die irgendwo im hinteren Teil der Zeitung verschwindet. Der Mord an einem Prominenten aber macht sofort...
Michael Chabon: Schurken der Landstraße
Beiläufig wie ein fluchender Seemann griff der Afrikaner hinter sich nach seiner Wikingeraxt (deren mit Runen in den Eschenholzstiel geschnitzter Name sich in etwa mit »Schänder deiner Mutter« übersetzen ließ), doch dann waren es drei kleine Worte, die die innige...
James Frey: Strahlend schöner Morgen
Maddie und Dylan versuchen zu sparen. Sie wollen an einem sichereren und sauberen Ort wohnen. Der größte Teil ihres Geldes geht für Miete und Essen drauf, doch sie achten auf jeden Cent, die meisten Mahlzeiten kaufen sie im 99-Cent-Laden, neue Kleider sind nicht drin....
Gordon Dahlquist: Die Glasbücher der Traumfresser
»Was für ein Mumpitz! Erst behaupten Sie, ich sei eine Mörderin, eine Agentin, die sich gegen Sie verschworen hat, und jetzt bin ich bloß ein verirrtes Mädchen mit Liebeskummer? Was von beidem wollen Sie denn nun glauben? Sagen Sie es mir, damit ich Sie umso...
Sven Regener: Der kleine Bruder
Kein besonders ausgefeilter Plan, dachte er gerade, als Wolli aufhörte zu reden und sie gemeinsam schweigend in das sehr dunkle Dunkel der Transitstrecke durch die DDR starrten, hat ein paar Schönheitsfehler, der Plan, dachte er, aber dann fiel ihm auf, dass Wolli...

















