wortmax Michael Chabon

Es ist schon merkwürdig: Obwohl Michael Chabon im englischsprachigen Raum zu den ganz Großen gehört, konnte er in Deutschland nie ein Massenpublikum für sich begeistern. Das mag viele Gründe haben. Manche seiner Bücher sind deutschen Lesern vielleicht zu amerikanisch. Dazu gilt sein Interesse nicht dem Gewöhnlichen, sondern dem Abseitigen und Sonderbaren. Während sein Kollege John Updike als »Chronist des Mittelstandes«…

Es gibt Künstler, deren Laufbahn man sein Leben lang interessiert verfolgt. Für mich sind das Leute wie Terry Gilliam, Robert Crumb, Michael Chabon oder Woody Allen. Auch ihre Fehlschläge sind zumindest interessant. Über die Jahre sind sie wie Freunde für mich geworden, auch wenn solche Freundschaften meist recht einseitig verlaufen. Harlan Ellison ist einer der wenigen Autoren, die schon zu…

Am 13. März 2018 trat Michael Chabon in der Kölner Volksbühne auf. Die wichtigste Nachricht zuerst: Es heißt nicht »Schäääbn«, sondern »Schebonn«. Als Michael Chabon im Rahmen der lit.COLOGNE in Köln auftritt, räumt Moderator Bernhard Robben gleich zu Anfang alle linguistischen Stolperfallen aus dem Weg. Obwohl er im anglophilen Raum eine immense Gefolgschaft hat, verlor der Amerikaner hierzulande stetig an…

Mit vierzehn hatte Theodolphus Rose auf einem Bett aus moosigem Schiefer geschlafen. Er hatte mehrere hundert Arten gelernt, eine Frau zu töten, ohne den Mann zu wecken, der neben ihr schlief. Jeden Morgen war der vierzehnjährige Theodolphus Rose eine Stunde vor Sonnenaufgang aufgestanden, um mit einer Urne mit dem Urin seines Lehrers auf dem Kopf fünfzehn Kilometer zu laufen, und…

Der Bücherstapel neben meinem Bett scheint momentan zu wachsen, wie seit Jahren nicht mehr. Vielleicht liegt das an meinem chronischen Zeitmangel, vielleicht befindet er sich auch nur in der Pubertät. Irgendwann ist der Stapel so hoch, dass ich die unteren Bücher ungelesen ins Regal stelle; nicht ohne eine gewisse Verärgerung natürlich – denn schließlich hatte ich für die nun brachliegende…

Diejenigen, die nur Hochkultur in ihrem Bücherregal stehen haben, habe ich immer gehasst. Es gibt eine ganze Menge Menschen, die in ihrem Wohnzimmer nur Thomas Mann, Herrmann Hesse, Marcel Proust und Konsorten dulden. Am besten nach Farben geordnet. Wie sympathisch ist es dagegen, wenn direkt neben Goethes »Faust« eine zerlesene Ausgabe von »Hanni und Nanni« steht! Vielen ist so etwas…

In der achten Klasse erhielt ich einen Schulverweis, weil ich mein Sperma in den Biologieunterricht mitgebracht hatte. Wir sollten Lebewesen unter dem Mikroskop untersuchen. Mrs. Wheeler hatte Tümpelwasser als Beispiel vorgeschlagen. Die Probe meines Freundes Paul Dill war ein kleiner Fisch, der sich zu Tode gefressen hatte. Zunächst drückte Paul sein Erstaunen darüber aus, dass ich die Erfahrung eines Orgasmus…

»Na gut«, sagte Archy. Er warf sich den Riemen der Reisetasche über die Schulter und sah Gwen an. »Danke.« Dann wandte er sich ab, ihn schnürte sich die Kehle zu, er versuchte es mit einem Husten zu tarnen, hustete wie sein El Camino. Sein kaputtes altes Auto, sein kaputter Friseurladen voll alter kaputter Platten und die kaputte zweifarbige Zwillingsstadt Brokeland:…

»Was macht den Mann zum Mann?« Das ist eine Frage, die sich nicht nur Deutschrocker stellen, sondern Millionen frustrierter Frauen. Bestsellerautor Michael Chabon kann zwar keine Antworten anbieten, doch er erzählt so freimütig aus dem eigenen Erfahrungsschatz, dass der geneigte Rezensent an vielen Stellen nur zustimmend mit dem Kopf nicken konnte. Nehmen wir nur die berühmte Männerhandtasche. Jeder Mann weiß:…

Michael Chabon ist ein geborener Geschichtenerzähler. Seine Erzählungen bersten nur so vor skurrilen Charakteren, schrägen Anekdoten und nutzlosem Wissen, mit denen er seine Bücher verziert wie ein Zuckerbäcker seine Lebkuchenhäuser. Diesen Überfluss an Ideen und die Freude am Erzählen findet man auch in seiner Essaysammlung »Maps & Legends«, die den vieldeutigen Untertitel »Lesen und Schreiben entlang der Grenzgebiete« trägt. Das…

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