wortmax Cosima Schneider

Vor einer Woche hatte ich Abschied von Harry genommen, als sein Sarg in die im Februarfrost erstarrte Erde hinabgelassen wurde. Ich traute also meine Augen nicht, als ich ihn in London im Menschengewühl des »Strand« ohne ein Zeichen des Wiedererkennens an mir vorübereilen sah. Oben genannte Zeilen schrieb Graham Greene zunächst auf einen alten Briefumschlag. Als der Filmproduzent Alexander Korda…

Im März 2017 veröffentlichte die Edition Büchergilde den Graham-Greene-Klassiker »Der dritte Mann«, in einer Neuübersetzung von Nikolaus Stingl und mit Illustrationen von Annika Siems. Bei der Vorstellung des Buches am 24. März im Museum für Druckkunst in Leipzig stand uns Annika Siems für ein Kurz-Interview zur Verfügung. Frau Siems, für die Nachkriegsgeneration zählt der »Der dritte Mann« von Carol Reed…

»Ich konnte Tschick von Anfang an nicht leiden. Keiner konnte ihn leiden. Tschick war ein Asi, und genau so sah er auch aus.« Im Laufe eines Lebens begegnen der Leseratte die unterschiedlichsten literarischen Figuren. Manche trifft sie nur auf ein kurzes Intermezzo. Einige begleiten den Bibliomanen länger oder er sieht sie buchstäblich immer wieder. Solche Helden sind wandlungsfähig, scheinen sich…

Es summte unerträglich. Immer wieder schlug meine Hand zu, doch sie zielte schlecht. Ohr, Nase Mund – unerbittlich griff sie alles an. Ich drehte mich weg, drehte mich wieder zurück. Keine Chance. Mörderisch. Der Autor Jakob Arjouni (1964 – 2013) war gerade mal 21 Jahre alt, als sein türkischstämmiger Frankfurter Privatdetektiv Kemal Kayankaya zum ersten Mal ermittelte. Dass »Happy Birthday,…

»...die interessanteste Sache der Welt ist, rauszukriegen, wie dein Gegenüber sein Brot verdient.« Disko Troop (Kapitän der »We're Here«) Harvey Cheyne ist der Erbe eines Millionenvermögens. Seinem Vater gehören Eisenbahnen, Bergwerke und Wälder. Er ist verwöhnt, überaus privilegiert und verzogen. Wie kann sich so ein Mensch entwickeln? Rudyard Kipling gibt die Antwort darauf in seinem Bildungsroman »Über Bord«, höchst rasant…

»To lose a passport was the least of one's worries: to lose a notebook was a catastrophe.« (Bruce Chatwin: »The Songlines«) Der englische Schriftsteller Bruce Chatwin reiste für Interviews und Berichte um die ganze Welt. Seine berühmten Notizbücher, die ihn überall hin begleiteten, nannte er liebevoll »carnets moleskines«. Im Jahr 1977 brach er in die Volksrepublik Benin auf, um über…

Zugegeben, der Rezensentin Sympathie für Taschenbücher hält sich in Grenzen. Es sei denn, man findet ein Exemplar, das sich ob seines gestalterischen Mutes erheblich von den anderen unterscheidet: wie der im März erschienene Sammelband »April, Sturm und andere Turbulenzen«, herausgegeben von Heike Guderjahn bei der Edition Büchergilde. Bevor sich der Leser den dreizehn Geschichten von der Liebe zuwenden kann, verführt…

Anlässlich ihres neunzigjährigen Bestehens brachte die Büchergilde Gutenberg im Herbst drei Novellen von Heinrich von Kleist in einem Band heraus, illustriert von drei Künstlern dreier Generationen. Mit einem der schönsten und aussagekräftigsten Gildenbücher dieses Jahres hat sich die Buch-Genossenschaft einmal mehr selbst übertroffen. Dank Buchgestalterin Cosima Schneider vermittelt das bibliophile Kleinod dem Leser eine moderne Sicht auf Kleists Erzählungen (geprägter…

Eine Analphabetin findet in der Jackentasche ihres Mannes einen Brief, dessen Handschrift auf eine Frau schließen lässt. Ihre ungewöhnliche Reaktion hat Michail Sostschenko in einer Herz erwärmenden Geschichte verpackt, die sich in Mario Frühs (Hrsg.) Sammelbändchen »Meine Kühe können fliegen« in wunderbarer Gesellschaft befindet. Das Buch ist Anfang März bei der Edition Büchergilde erschienen. Die Autoren, deren Erzählungen der Chef…

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