Als bekennende Leseratte und T.C.Boyle-Fan bin ich vor Jahren im Netz auf www.tcboyle.de gestoßen und habe diese Seiten fortan regelmäßig besucht. Ehrlich gesagt, habe ich mir zu dieser Zeit keine Gedanken darüber gemacht, wer diese Website betreibt oder des Autors Blogbeiträge übersetzt. Zu groß war die Freude über Neuigkeiten meines amerikanischen Lieblingsschriftstellers, Vorankündigungen eines neuen Buches oder gar einer Lesung.

Im Jahr 2009 ergab sich für mich in Hannover erstmals die Möglichkeit, T.C. Boyle die Hand zu schütteln, einen Berg von Büchern mit seinem Kringel versehen zu lassen und ihm beim Lesen aus seinem damals aktuellen Buch »Die Frauen« zuzuhören. Sein Gespür für das weibliche Geschlecht schenkte mir seine ganze Aufmerksamkeit. Umsichtig zog er sogar die Anwesenheit eines »Stalkers« in Betracht, als mein Mann uns fotografierte.

Inzwischen bevorzugte ich Lektüre, die im Buchblog von www.tcboyle.de besprochen wurde (dem Boylevard, später wortmax) und hatte die Website unter meinen Favoriten abgelegt. Irgendwann in der Vorweihnachtszeit suchte ich dort nach Büchern zum Verschenken und entdeckte das Preisausschreiben, bei dem es Boyles Roman »Dr. Sex« zu gewinnen gab. Weil die Geschichte über Alfred Kinsey in meinem Boyle-Schrein noch fehlte und ich sie bis dahin auch noch nicht gelesen hatte, gehörte das Buch sofort mir. Außer Boyle ein paar Weihnachtsgrüße in englischer Sprache zu senden, musste man nichts dafür tun? Ich sah mich mit dem Buch-Päckchen in der Hand und griff nach meinem Wörterbuch.

Bis Mitte Januar des darauffolgenden Jahres glaubte ich nicht an selbst erfüllende Prophezeiungen, zumal meine Gewinne aus Preisausschreiben offensichtlich immer jemand anders bekam. Bis eine sympathische männliche Stimme am Telefon nach meiner Anschrift fragte. Wie ein Kind habe ich mich über dieses Buch gefreut!

Von da an las ich jeden Blogeintrag. Welche Bücher Boyle-Fans in seinen Schaffenspausen konsumieren und weiterempfehlen, war für mich so spannend, dass ich bald selbst mitmachen wollte. Das Studium der deutschen Sprache und Literatur aus grauer Vorzeit und regelmäßige Konzertrezensionen für die »Magdeburger Volksstimme« dienten als Fundament für meine ersten Schritte als Bloggerin. Mein zerschlissenes »Wörterbuch der Literatur« von 1980 hielt als Krückstock für meinen ersten Blogeintrag her. Weiß noch jemand, welches Buch ich damals besprochen habe? 1

Ich lernte neue Freunde kennen, baute Kontakte zu Verlagen, Autoren und Illustratoren auf und entdeckte meine Liebe für die schöne Buchgestaltung. Zu meinen Lieblings-Events gehört die Leipziger Buchmesse, die für mich mit dem »Ritual« Pressefrühstück der Stiftung Buchkunst beginnt.

Mein schönstes Erlebnis bis heute? Die vier Begegnungen mit T.C. Boyle in Wien während der Gratis-Buchaktion »Eine Stadt – Ein Buch 2013« (siehe Foto). Mein bester Kommentar dort auf der Suche nach dem nächsten Veranstaltungsort? Die Feststellung, dass meine Freundin und ich nicht zum Essen in Österreichs Hauptstadt gekommen waren. Mein wertvollstes Buch? Eines der 100.000 dort verteilten unscheinbaren Taschenbuch-Exemplare des Romans »The Tortilla Curtain« (dt. »América«).

Dass ich, was den Buchblog von www.tcboyle.de betrifft, fast von Beginn an dabei bin, war mir nie bewusst. Dass wortmax seit nunmehr zehn Jahren besteht, macht mich zufrieden, stolz und dankbar zugleich. Zum einen, weil es immer noch spannend ist, was Boyle-Fans gerade lesen, wenn dessen Feder ruht. Zum anderen, weil hinter der sympathischen Stimme vom Telefon ein engagierter Vorreiter (nicht nur) in Sachen Buchblog steckt, der die Fäden in der Hand hält, sie hier und da verknotet und aufpasst, dass sie sich nicht verheddern. Da knüpft man gerne weiter mit!

1 »Rücken an Rücken« von Julia Franck

Foto: Claudia Langner

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