Joe R. Lansdale: Drive-In - Die TrilogieEin Autokino von der Größe von zehn Fußballfeldern, in dem auf sechs Leinwänden grottenschlechte Filme gezeigt werden. Als eines Abends ein Komet über das vollbesetzte Autokino hinwegzieht, verändert sich plötzlich alles für die Besucher. Das Autokino wird durch eine Barriere hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. Wer versucht, diese Barriere zu durchbrechen, verschwindet einfach, bzw. das Körperteil, das er hindurchgesteckt hat.

Anfangs läuft alles noch in einigermaßen geregelten Bahnen, man verdämmert den Tag, leidet unter der Dauerberieselung der Filme und steht in der Schlange für die Essenausgabe am Kiosk. Die eintönige Ernährung durch Hot Dogs und Popcorn hat nicht nur gesundheitliche Folgen, aber noch schlimmer wird es, als sich die Vorräte zum Ende neigen.

Und dann im Innern des Autokinos – könnt ihr euch sechs riesige Drive-In-Leinwände vorstellen, sechs Stockwerke hoch, mit sechs verschiedenen Filmen, die alle gleichzeitig

laufen?

Selbst wenn ihr euch das alles vorstellen könnt, habt ihr nicht die geringste Chance – es sei denn, ihr wärt dabei gewesen –, euch vorzustellen, was da abging, sobald Freitagnacht

war …

Endzeitdramen um den Zusammenbruch der Zivilisation sind momentan sehr angesagt und es gibt unzählige Romane, in denen sich meist Familien durch den amerikanischen Kontinent schlagen müssen. Doch während die Protagonisten dort von relativ nachvollziehbaren Gefahren wie Plünderern, Viren oder radioaktivem Fallout bedroht werden, gibt es bei »Drive-In« keine logischen oder naturwissenschaftlichen Grenzen.

Die Handlung ist billigster Trash, so wie die Filme, die in dem Autokino gezeigt werden, und folgt auch deren Dramaturgie. Das bedeutet, man darf seine Erwartungen an eine gewohnte Hollywood-Story über Bord werfen und muss sich auf völlig absurde Entwicklungen einstellen. Dass am Ende von Teil 1 plötzlich ein Dinosaurier auftaucht, ist nicht einmal annähernd die größte Überraschung.

Doch Lansdales Stil hebt das Buch aus diesen Untiefen hervor. Aber es gibt zwei Probleme. Das erste besteht darin, dass es sich im Grunde um drei Bücher handelt, die mit großem Abstand zueinander geschrieben wurden und auch qualitativ voneinander entfernt sind. Das zweite Problem ist die Länge dieses Taschenbuches, denn irgendwann ist man einfach übersättigt von den ganzen verrückten Ideen. Deshalb auf jeden Fall die Empfehlung, nicht alles an einem Stück zu lesen.

Lansdale hat großen Erfolg mit seiner Krimireihe um die texanischen Tagelöhner Hap und Leonard. Seine Einzelromane wie »Dunkle Gewässer« oder »Das Dickicht« landen regelmäßig auf den Krimibestsellerlisten und sein Roman »Die Wälder am Fluss« ist eine großartige Mischung aus Stephen Kings »Stand by me« und Mark Twains »Tom Sawyer«. Darüber hinaus ist Lansdale in vielen anderen Genres tätig und lässt sich nicht festlegen. Einige seiner Bücher wurden inzwischen verfilmt, und ich warte seit Jahren sehnsüchtig auf die Übersetzung seiner Steampunk-Bücher um Ned the seal.

»Drive-In« zeigt eine weitere Facette dieses großartigen Autors.

Joe R. Lansdale: Drive-In – Die Trilogie | Deutsch von Dietmar Dath und Alexander Wagner
Heyne 2015 | 736 Seiten | Jetzt bestellen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Close