Torsten Sträter: BrainspamWir mussten für die amerikanische Zollbehörde eine Erklärung im klassischen Ankreuzverfahren durchackern, die unter anderem folgende Fragen aufwarf:

Sind Sie jemals wegen eines Verbrechens im Zusammenhang mit dem Holocaust verurteilt oder angeklagt worden? Leiden Sie unter ansteckenden Krankheiten? Führen Sie Südfrüchte oder Fleisch ein?

Ich konnte alles verneinen, hatte aber eine vage Vorstellung, was ein Altnazi mit Gürtelrose, der unter dem einen Arm eine Ananas, unter dem anderen einen Rollbraten transportierte, durchmachen musste, um ins Land zu gelangen.

Torsten Sträter ist inzwischen ein bekannter Poetry Slammer und Comedian und trägt seine Geschichten zu recht vor ausverkauften Hallen vor. Für mich Grund genug, mich auf dem BuchmesseCon in Dreieich mit seinem Frühwerk einzudecken, das drei Erzählbände mit Horror-Geschichten und einen Band mit grotesken Kurzgeschichten umfasst. Letzteren möchte ich hier bewerben. Wer schon einmal einen Auftritt von ihm gesehen oder eines seiner Hörbücher gehört hat, wird keine Zeile von ihm lesen können, ohne dabei diese einprägsame Stimme und den wunderbar lakonischen Tonfall zu hören. Bei mir ist es jedenfalls so und dafür bin ich dankbar. (Im Gegensatz zu so manch anderen Stimmen, die ich in meinem Kopf hören muss.)

Statt eines Vorworts wird dem gespannten Leser eine Bewertungsskala mit Sternchensystem geboten, damit er vor der Lektüre schon weiß, was ihn inhaltlich erwartet. Die Kategorien reichen von Anspruch und Metapherndichte über Romantik bis zu Action und Sex. So reicht die Kategorie Lerneffekte von »* Lehrreich wie ein Sack Schrauben« bis zu »**** McGyver staunt« (für die jüngeren Leser dieses Blogs: McGyver war ein Fernsehheld der Achtziger mit außerordentlichen naturwissenschaftlichen und technischen Kenntnissen, der aus einer Büroklammer und einem Kaugummipapier, je nach Bedarf, einen funktionierenden Paragleiter oder ein Raketenabwehrschild basteln konnte). Die Bewertungsskala für den Bereich Action beinhaltet so schöne Einteilungen wie »** Stellenweise ruckartige Bewegungen« und die höchste Bewertungseinheit in der Kategorie Sex lautet »**** DAS geht?«.

Schon allein diese Bewertungsskala lohnt den Kauf und vor allem das Lesen dieses Buches, aber obendrauf bekommt man noch 25 Kurzgeschichten und das alles zu einem sehr günstigen Preis. (Das klingt, als würde ich auf dem Fischmarkt in meiner Hand eine gefaltete Zeitung mit allerlei Leckereien füllen, und genau so möchte ich es auch verstanden wissen.)

Torsten Sträter: Brainspam. Aufzeichnungen aus dem Königreich der Idiotie | Deutsch
Eldur Verlag 2006 | 188 Seiten | Jetzt bestellen

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Close