Seth Fried: Der MetropolistAls ich das Telefon anschaltete, leuchtete der Bildschirm auf, begleitet von einer lauten fröhlichen Melodie und bat mich, mein Newtech-Gerät zu registrieren.

Unter mir konnte ich die Schritte der zwei Männer hören, die sich auf der Treppe in ihrer fremden Sprache unterhielten. Ihr Tonfall war locker, sie hätten über alles Mögliche von Baseball bis hin zu ihren Plänen für den heutigen Abend, nachdem sie mich umgebracht hatten, plaudern können. (…) Es klang, als liefen die beiden Männer jetzt durch den Flur im zweiten Stock und zerschlügen dabei wahllos irgendwelche Gegenstände.

Das Handy wollte meinen bevorzugten Benutzernamen wissen, und ich tippte hektisch irgendwelche Tasten, bis ich die nötige Zeichenzahl erreicht hatte. Als ich auf Eingabe drückte, wurde der Text autokorrigiert zu: »Salattochterurindarm«.

Erneut kreiselte die Sanduhr. Die nächste Nachricht: »Der Benutzername Salattochterurindarm ist nicht mehr verfügbar.«

Nach einem Anschlag auf das Bundesamt für kommunale Infrastruktur (BKI) soll Henry Thompson, vorbildlicher Mitarbeiter und sturer Paragrafenreiter der Behörde, herausfinden, wer in den Städten Drohnen vom Himmel regnen lässt. Als Partner für diesen Auftrag erhält er OWEN, die Künstliche Intelligenz der Behörde, die sich in jeder erdenklichen Erscheinungsform projizieren kann. Henry ist ein Langweiler vor dem Herrn und war bisher noch nicht einmal nahe dran gewesen, einen wichtigen Fall zu bearbeiten. Und natürlich hat er gewaltige Probleme mit dem neuen Partner, der raucht, säuft und sich nicht um Regeln schert.

Die erste Spur des ungewöhnlichen Teams ist die bildschöne, blutjunge, multitalentierte Adoptivtochter des Bürgermeisters. Sie ist spurlos verschwunden, ebenso wie ihr Freund, ein mittelalter Dienststellenleiter mit Augenklappe, der nicht nur optisch in einer ganz anderen Liga spielt. Als die amerikanische Megacity Metropolis von Terror überzogen wird, müssen die beiden ungleichen Partner Henry und OWEN und ungeahnte Qualitäten entwickeln.

»Pulp Fiction trifft Science Fiction« wirbt der Klappentext. Das Buch hat nichts mit Pulp Fiction zu tun, weder inhaltlich noch formal, weder mit dem literarischen Subgenre noch mit dem gleichnamigen Film. Gut, zwei Typen in Anzügen laufen durch eine Stadt, aber reicht das aus als Bezug? Es gibt viele gute Ideen in »Der Metropolist«. Beispielsweise die Erklärung dafür, wie sich eine künstliche Intelligenz betrinken kann (für alle, die bei diesem Punkt in der Inhaltsangabe gestutzt haben). Aber viele dieser Ideen werden sinnlos verballert. Es kracht, knallt und quietscht fast ununterbrochen, aber das meiste bleibt oberflächliche Effekthascherei. Wie ein aufgeregtes Kind, das um einen herumspringt und ruft: »Kuck mal, wie toll ich das mache.«

»Der Metropolist« ist eine wilde und verrückte Geschichte, eigentlich ganz nach meinem Geschmack, aber die Umsetzung hat mich leider überhaupt nicht angesprochen. »Douglas Adams Light trifft Stadtverwaltung« wäre wohl ein treffenderer, aber zugegebenermaßen auch weniger verkaufsfördernder Slogan.

Seth Fried: Der Metropolist | Deutsch von Astrid Finke
Heyne 2019 | 316 Seiten | Jetzt bestellen

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