Scott Thomas: Kill CreekUm seine hippe Horror-Website mit einem noch nie dagewesenen Event zu pushen, trommelt Mr. Wainwright die vier erfolgreichsten Horrorschriftsteller der USA1 zusammen, um mit ihnen ein Interview zu führen, das live im Internet übertragen werden soll. Ort dieser denkwürdigen Zusammenkunft ist das Haus am Kill Creek, ein Geisterhaus par excellence, dessen unheimliche Präsenz geradezu körperlich spürbar ist, je mehr man sich ihm nähert.

Die Besetzungsliste könnte nicht gegensätzlicher sein: Sebastian Cole, der »Elder Statesman of Horror« und die personifizierte Vaterfigur für die drei Küken, die in seine Fußstapfen treten möchten: T.C. Moore, eine extrem aggressive Nonkonformistin (sowohl in Bezug auf ihre Bücher als auch auf ihre persönlichen Auftritte), der übergewichtige Familienmensch Daniel Slaughter, dessen Output sich eher an ein jüngeres Publikum wendet, sowie Sam McGarver, der scheinbar konventionellste von allen.

Nach anfänglichem Zögern willigen alle vier in die Bedingungen des Veranstalters ein. Natürlich stellt sich dies im Nachhinein als schwerer Fehler heraus. Im Haus werden die Gäste von unheimlichen Visionen geplagt. Und es kommt noch schlimmer.

Das Haus gehörte zuletzt zwei alten, sehr zurückgezogen lebenden Schwestern, von denen eine an den Rollstuhl gefesselt war. Die Menschen in der Umgebung des Hauses raunen sich hinter vorgehaltener Hand allerlei Schauergeschichten über das Haus und ihre dort spukenden Bewohner zu. Aufgabe unserer Top 4 ist es nun, der ganzen Sache auf den Grund zu gehen. Leider stellt sich heraus, dass das Haus nur auf eine solche Gelegenheit gewartet hat. Die Geister, die in Kill Creek umgehen, lassen ihre Gäste nicht mehr allein …

Denkt man in literarischer Hinsicht an Spukhäuser, fallen einem natürlich sofort die Klassiker des Genres ein, wie z. B. »The Haunting of Hill House« von Shirley Jackson oder »Shining« von Stephen King. Die amerikanische Presse versteigt sich schon zum Vergleich von »Kill Creek« mit der kingschen Variante des Geisterhauses. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Erstling tatsächlich in die Phalanx der ganz Großen einbrechen kann.

Fest steht: »Kill Creek“ ist ein gutes Buch und bietet ebensolche Unterhaltung. Das Setting internetbasiert anzulegen ist modern und wird sicher viele jüngere Horrorfans anziehen. Die Geschichte ist spannend bis zum Schluss und man merkt, dass der Autor sich seine ersten Sporen im Medium Film verdient hat. Manche der Szenen – vor allem im Haus – schreien geradezu nach einer Verfilmung. Teilweise liest sich das Ganze wie ein Drehbuch ohne Regieanweisungen. Die Gruseleffekte hingegen wiederholen sich des öfteren, und beim Lesen ertappt man sich gelegentlich bei dem Gedanken, zu wissen, was als Nächstes kommt.

Dennoch: »Kill Creek« ist ein interessantes Debüt. Mal sehen, wie es mit diesem Autor weitergeht.

1 Die Verwendung der wahren Top 4 des amerikanischen Horrors hätte neben Glaubwürdigkeitsproblemen vermutlich auch rechtliche Schwierigkeiten nach sich gezogen. Abgesehen davon wären die realen Horrormeister wohl auch schon viel zu alt, um sich in ein solch ungastliches Gemäuer zu begeben.

Scott Thomas: Kill Creek | Deutsch von Kristof Kurz
Heyne 2019 | 544 Seiten | Jetzt bestellen

1 Kommentar

  1. Mir hat das Buch auch gut gefallen, besonders die Idee, jeden Autor einen Zweig der modernen Horrorliteratur verkörpern zu lassen. So fand ich den theoretischen Ansatz oftmals interessanter, als die tatsächlichen Ereignisse. Aber man muss neidlos bewundern, wie es Scott Thomas gelungen ist, aus dem ausgelutschten Spukhaus-Genre noch etwas Frisches herauszuholen. Deshalb bin auch ich auf sein nächstes Buch gespannt, selbst wenn er sich darin Zombies widmen würde.

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