Rita Kohlmaier: »Ich habe etwas zu sagen« - Frauen, die das Wort ergreifenDas Buch, das ich hier besprechen möchte, ist nicht lang. Knappe 140 Seiten, große Schrift mit vielen Zitaten und Bildern. Doch diese 140 Seiten haben es in sich. Sie porträtieren rund 30 Frauen und ihre Geschichten, ihr Engagement und ihre Reden. Dabei sind Frauen, denen ungeheure Gewalt angetan wurde, wie Laxmi Agarwal, die Überlebende eines Säure-Angriffs, oder die Friedensnobelpreisträgerinnen Malala Yousafzai und Nadia Murad.

Es kommen Parlamentarierinnen zu Wort, wie Michelle Obama oder Petra Kelly, und es sind viele, viele junge Stimmen abgebildet. Darunter fällt die US-Amerikanerin Emma Gonzáles, die sich nach einem Amoklauf an ihrer Schule Trump und der NRA in den Weg stellt, aber auch Manal al-Sharif, die sich hinter’s Steuer setzte, obwohl es Frauen in Saudi-Arabien zu dem Zeitpunkt immer noch verboten war, Autos zu fahren. Das war im Jahr 2011.

Diese Schicksale und noch viele weitere finden in dem Buch »Ich habe etwas zu sagen« – Frauen, die das Wort ergreifen Gehör und zeugen von der traurigen Realität, dass Frauen in dieser Welt noch immer nicht gleichberechtigt sind.

Solange Diskriminierung und Ungleichheit weltweit an der Tagesordnung sind – solange Mädchen und Frauen geringer geschätzt, schlechter und zuletzt ernährt, überarbeitet, unterbezahlt, nicht ausgebildet und Gewalt im eigenen Heim unterworfen sind – kann das Potenzial der Menschheit zur Schaffung einer friedlichen, prosperierenden Welt nicht voll entfaltet werden. – Hillary Clinton

In der Schule und auch im Beruf fehlt es oft an weiblichen Vorbildern. Dieses Buch zeigt, dass es genug Frauen gibt, die diese Lücken tadellos ausfüllen, aber dafür müssen ihre Geschichten erzählt werden. Dieser Band leistet dabei einen guten Aufschlag. Die Porträts sind leider nicht besonders ausführlich, dafür ist das Buch zu kurz, aber es liefert einen guten Überblick und eignet sich somit auch sehr zum Verschenken.

Die Kurzbiographien sind spannend erzählt und laden dazu ein, mehr über die einzelnen Schicksale zu erfahren und das Narrativ zu verschieben. Es mangelt nicht an weiblichen Vorbildern, doch damit es noch mehr werden, müssen wir Frauen und Mädchen weltweit die Möglichkeit geben, sich zu entfalten und ihren Interessen und Wünschen nachzugehen.

Wir sagen den Mädchen: Du darfst, ehrgeizig sein, aber nicht zu sehr. Du darfst erfolgreich sein, aber nicht zu erfolgreich, sonst stellst du eine Bedrohung für Männer dar. Das Problem mit den Geschlechterrollen ist, dass sie uns vorschreiben, wer wir sein sollen, statt anzuerkennen, wer wir sind. – Chimamanda Ngozi Adichie

Bis wirkliche Gleichberechtigung erreicht ist, liegt noch ein langer Weg vor uns. Denken wir Feminismus international und lenken wir den Blick auf all die Baustellen, an denen noch gearbeitet werden muss. Wenn wir uns dieses Buch anschauen und sehen, wie viel Frauen bereits allein und zusammen geleistet haben, dann macht das Mut. Dieser Mut besteht nicht nur darin, andere die Arbeit machen zu lassen, sondern selbst aktiv zu werden und die Zustände ein kleines bisschen zu verändern.

Rita Kohlmaier: »Ich habe etwas zu sagen« – Frauen, die das Wort ergreifen | Deutsch
Elisabeth Sandmann Verlag 2018 | 144 Seiten | Jetzt bestellen

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