Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der StraßeDer namenlose Protagonist kehrt anlässlich einer Beerdigung zurück an den Ort seiner Jugend, wo er im Alter von fünf bis zwölf Jahren mit seinen Eltern und seiner Schwester gewohnt hat. Während das damalige Wohnhaus längst abgerissen ist, befindet sich am Ende der Straße nach wie vor ein alter Bauernhof, das Gehöft der Hempstocks. Er hat seit langer Zeit nicht mehr an diese Menschen gedacht, an die alte Frau Hempstock, ihre Tochter Ginnie und deren Tochter Lettie.

Lettie Hempstock. Wie hatte er das nur vergessen können? Nach und nach kommen die Erinnerungen wieder – an den unscheinbaren Teich hinter dem Haus, der in Wirklichkeit ein Ozean ist und an all die seltsamen Dinge, die sich in diesen Tagen zutrugen. In der Welt von Lettie Hempstock ist nichts so, wie es scheint. Da gibt es Flure in Häusern, die am nächsten Tag plötzlich ihre Lage verändert zu haben scheinen, Schattenwesen manifestieren sich aus dem Nichts mit dem Ziel, die Realität buchstäblich in Stücke zu reißen, und ein kleiner Junge läuft Gefahr, ein Portal zu werden – für eine böse, dunkle Macht, die sich mit aller Gewalt wie ein Widerhaken in unserer Welt festsetzen möchte. Ein ums andere Mal ist Lettie zur Stelle, wenn es um den kleinen Jungen geschehen zu sein scheint, aber auch Lettie ist ein wandelndes Geheimnis, wie so vieles im Dunstkreis des alten Bauernhofes.

Neil Gaiman ist mit »Der Ozean am Ende der Straße« ein wunderbares Märchen für Erwachsene in der Tradition der dunklen Romantik gelungen, in dem die profanen Schrecken der Kindheit mit Ängsten unermesslichen Ausmaßes konkurrieren. Zugleich handelt es sich aber auch um eine Geschichte über die Freundschaft und die heilende Kraft, welche ihr innewohnt. Des Öfteren fühlte ich mich an »Coraline« vom gleichen Autor erinnert, auch dort gelangt ein Kind in eine unheilvolle Parallelwelt und auch dort wimmelt es nur so vor unheimlichen Gestalten, wie sie vielleicht nur ein so begnadeter Comickünstler (der er ja auch zusätzlich ist) wie Neil Gaiman erschaffen kann.

Der »Der Ozean am Ende der Straße« ist neben seiner sprachlichen Schönheit auch ein sehr visuelles Buch.

Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße | Deutsch von Hannes Riffel
Bastei Lübbe 2016 | 316 Seiten | Jetzt bestellen

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