Neil Gaiman: American GodsShadow sitzt wegen schwerer Körperverletzung eine mehrjährige Freiheitsstrafe ab, während der er sich nichts zu Schulden kommen lässt. Zwei Tage vor dem eigentlichen Entlassungstermin wird er zum Gefängnisdirektor zitiert. Dieser informiert ihn darüber, dass er frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird. Aber für Shadow ist dies kein Anlass zur Freude, denn es gibt einen tragischen Grund für diese Maßnahme: Seine Frau ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, zusammen mit seinem besten Freund, in dessen Fitnessstudio Shadow nach Absitzen seiner Strafe einen Job sicher hatte. So ist er nun zwar ein freier Mann, aber sein Leben liegt in Trümmern: Frau tot, Job weg – und nun?

Im Flugzeug lernt er einen Mann kennen, der sich Mister Wednesday nennt. Dieser weiß Dinge über Shadow, die er eigentlich gar nicht wissen kann. Er bietet Shadow einen Job an: Er soll zukünftig als eine Art Mädchen für alles fungieren – Mister Wednesday beschützen, für ihn Besorgungen erledigen, Erkundungen durchführen … und manchmal, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, soll er auch Menschen wehtun, die es verdient haben. Nach längerem Zögern willigt Shadow in das Angebot ein, wohl wissend, dass er ein frischgebackener Ex-Knacki ist und bei der kleinsten Verfehlung direkt wieder zurück in die Zelle wandern wird.

Und so beginnt eine abenteuerliche Reise quer durch die USA, in der Shadow den absonderlichsten Charakteren mit zum Teil nicht minder sonderlichen Namen begegnet. Alle scheinen einem geheimen Plan zu folgen und für Shadow mehren sich die Hinweise auf eine große Schlacht, die von essentieller Bedeutung ist.

In »American Gods« hat Neil Gaiman exzessiv seiner Vorliebe für Mythologie gefrönt (man muss nicht zwingend sein Sachbuch zu diesem Thema gelesen haben, aber hin und wieder sorgt dessen Kenntnis für einen Aha-Effekt, und nicht selten ertappt man sich dann selbst bei einem vergnügten Grinsen) und taucht tief in die Ursprünge Amerikas ein, seiner multikulturellen Bewohner und vor allem der Geister und Götter, welche die Neuankömmlinge mit in ihre neue Heimat gebracht haben.

Ich habe den »Director’s Cut« gelesen, was dann wohl die umfassendste Version dieses Buches ist. Da ich nur diese Version kenne, kann ich keine Vergleiche zu anderen Versionen ziehen. Die hier besprochene Ausgabe ist auf jeden Fall absolut lesenswert. Neil Gaiman nimmt uns mit auf einen fantastischen Trip ins Herz von Amerika. Das Buch ist mit zahlreichen wichtigen Preisen bedacht worden. Meiner Meinung nach zu Recht.

Neil Gaiman: American Gods | Deutsch von Hannes Riffel
Eichborn 2015 | 672 Seiten | Jetzt bestellen

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