Max Barry: SirupIch möchte berühmt sein, richtig berühmt. Ich möchte so berühmt sein, dass Filmstars mit mir rumhängen und mir vorjammern, wie beschissen ihr Leben ist. Ich möchte Fotografen verprügeln, die mich in irgendeiner Hotelhalle mit Winona Ryder auftun. Ich möchte mit bösen Gerüchten über Drew Barrymores Sexpartys in Verbindung gebracht werden. Und schließlich möchte ich in ein heruntergekommenes Krankenhaus in LA tot eingeliefert werden, weil ich mir ’ne Dosis Koks mit Matt Damon reingezogen habe. Ja, ich möchte einfach alles. Ich möchte den ganzen amerikanischen Traum.

Scat erfindet eine ultracoole neue Colasorte namens Fukk, die mit dem entsprechendem Image und einer ansprechenden Verpackung zum garantierten Verkaufsschlager werden könnte. Sehr schnell lernt er die ersten Lektionen in der Branche und bekommt zuerst seine Idee gestohlen und wird dann vor die Tür gesetzt. Das Personalkarussell dreht sich rasend schnell: Wer einen Flop landet, ist raus, ohne Rücksicht auf frühere Erfolge. Umgekehrt gelangt man mit einer guten Idee innerhalb kürzester Zeit an die Spitze und kann über Millionenbudgets entscheiden.

Völlig verzweifelt plant Scat einen genialen Coup, um sich bei den Leuten zu revanchieren, die ihn geschasst haben. Und ehe er sich versieht, soll er einen Werbefilm mit den größten Stars Hollywoods inszenieren.

»Sirup« ist eine brillante Satire auf Marketing-Firmen und das Filmgeschäft, mit zahlreichen Weis- und Wahrheiten über die Werbebranche. Der Roman erschien bereits Ende der Neunziger auf Deutsch unter dem Titel »Fukk«. Nun wird er unter dem Originaltitel erneut veröffentlicht und beim Name-dropping merkt man dem Buch sein Alter an. Doch davon abgesehen, hat es nichts von seiner Schärfe verloren und ist für mich immer noch das beste Buch des Autors, der inzwischen durch »Logoland«, »Chefsache« und zuletzt »Maschinenmann« einige Berühmtheit erlangt hat.

»Sirup« ist spannend, abwechslungsreich und voller witziger Dialoge. Man fragt sich oft, ob die Handlung übertrieben ist oder ob sie sich tatsächlich so zutragen könnte. Sinn und Unsinn von Marketingkampagnen werden hier auf die Spitze getrieben.

Scat, dem gleich zu Beginn des Romans so übel mitgespielt wurde, wünscht man den Erfolg. Im folgenden Auf und Ab werden nicht nur die Nerven der Protagonisten strapaziert, auch für den Leser bleibt Scats Kampf um Erfolg und Anerkennung bis zur letzten Seite spannend und amüsant.

»Sirup« ist hervorragende Unterhaltung, die man gar nicht genug anpreisen kann. Ein klarer Kaufbefehl. Besser als jedes vergleichbare Produkt. Ein garantierter Bestseller. Wenn man in diesem Jahr nur ein Buch lesen will, dann dieses. Die Lektüre bleibt garantiert ohne Nebenwirkungen. Versprochen.

Max Barry: Sirup | Deutsch von Friedrich Mader
Heyne 2012 | 352 Seiten | Jetzt bestellen

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