Lars Vollmer: Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen2016 legte der Gründer und Wirtschaftsvordenker Lars Vollmer mit »Zurück an die Arbeit« eine scharfsichtige Analyse der Arbeitswelt vor, in der er eindrücklich klarmachte, warum das Managementtheater, das die meisten Unternehmen praktizieren, ihre Angestellten immer mehr von der eigentlichen Arbeit abhält. Die Leser von »Zurück an die Arbeit« haben ihn inzwischen so oft gefragt, wie man dieses Theater abstellen könne, dass er nun eine Art Fortsetzung nachgeliefert hat: »Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen«.

In dem schmalen Büchlein von unter 100 Seiten stellt er sieben Gedanken vor, wie Unternehmen eine Alternative zu festen Hierarchien und unzeitgemäßer Bürokratie finden und dadurch produktiver arbeiten können. Jeden Gedanken illustriert er unterhaltsam mit einem Beispiel – vom Film »Ocean’s Eleven« über Fußball bis hin zu Essensauslieferern in Indien. Seine Tipps stehen den Regeln, die man von Unternehmen gewohnt ist, teilweise diametral entgegen.

So empfiehlt er zum Beispiel, nicht Prämien und Boni für die Leistung Einzelner auszusetzen, sondern den Gewinn immer gleichmäßig an das ganze Team zu verteilen – einleuchtend für jeden, der schon erlebt hat, dass Mitarbeiter sonst oft alles daransetzen, besser dazustehen als ihre Kollegen, und dafür auch bereit sind, dem Gesamtprojekt eher zu schaden, zum Beispiel indem sie Informationen geheim halten. Überhaupt sieht Vollmer im freien Zugang zu allen Informationen für alle eine wichtige Voraussetzung für den Unternehmenserfolg. Nur so können Mitarbeiter gute Entscheidungen treffen und Wissen wird nicht zum Machtinstrument.

Auch hört man von Vorgesetzten immer wieder gerne, dass jeder im Unternehmen ersetzbar sei. Vollmer zeigt überzeugend, warum das gerade nicht so ist, wenn ein Team wirklich gut funktionieren soll. Außerdem empfiehlt er, Mitarbeitern Prinzipien statt Regeln an die Hand zu geben und sich auf die Zukunft vorzubereiten anstatt für sie zu planen – und er erklärt auch den jeweiligen Unterschied zwischen den beiden.

Interessant ist auch sein Gedanke, warum feste Zuständigkeiten meist zu Dienst nach Vorschrift führen. Stattdessen sollte einfach immer derjenige eine Aufgabe erledigen, der gerade Bock auf sie oder im Moment die größte Kompetenz dafür hat. Das klingt nicht gerade so, als würde es in der Praxis funktionieren, oder? Aber lesen Sie Vollmers Buch und lassen Sie sich überraschen – oder schauen Sie sich eine Tierherde an, da läuft es auch ganz ähnlich.

Vollmer ist kein praxisferner Träumer, sondern gibt offen zu, in welchen Situationen seine Gedanken nicht anwendbar sind, zum Beispiel bei Notoperationen oder Flugmannschaften. Aber vielleicht klappt es ja in Ihrem Unternehmen.

Zum Abschluss, im siebeneinhalbten Gedanken, stellt Vollmer sein nächstes Buch in Aussicht: Es sei ihm beim Schreiben aufgefallen, dass seine Ideen nicht nur für Unternehmen, sondern auch die ganze Gesellschaft relevant seien. Da darf man gespannt sein. Bleibt zu hoffen, dass der Verlag dieses neue Buch dann wieder in etwas größerer Schrift druckt: Für »Wie Menschen sich organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen« braucht man ziemlich gute Augen.

Lars Vollmer: Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen
Deutsch | Frank Urbansky Verlag 2017 | 84 Seiten | Jetzt bestellen

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