nostromoTo him, as to all of us, the compromises with his conscience appeared uglier than ever in the light of failure.

»Nostromo« schildert in eindringlicher Weise, wie der Versuch, in einem Land, das von Korruption und Gewalt regiert wird, eine stabile politische Ordnung und dadurch materiellen Wohlstand und soziale Gerechtigkeit herbeizuführen, nicht nur scheitern muss, sondern auch diejenigen verdirbt, die den Versuch unternehmen – mit welchen Absichten auch immer.

So versucht in Joseph Conrads fiktivem südamerikanischen Staat Sulaco der Engländer Charles Gould, mit Hilfe eines Silberbergwerks und des Kapitals, das er aus der Miene schlägt, politische Stabilität in das Land zu bringen.

Während seine Frau das Silber tatsächlich nur als Mittel zum Zweck sieht, um die Situation der einheimischen Bevölkerung zu verbessern, die von Regierenden ausgebeutet wird, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind, wird für Charles Gould allmählich der zivilisatorische Fortschritt zum Mittel für den Endzweck, sich selbst und seine ausländischen Investoren bereichern zu können. Soziale Verbesserungen werden für Gould zur Nebensache oder allenfalls zur Grundlage, um weiter wirtschaftlich arbeiten zu können.

Nach und nach fallen fast alle Figuren in »Nostromo« unter den Bann des Geldes und gehen dadurch zugrunde. Die Titelfigur Nostromo lässt sich eine Zeit lang von den europäischen Machthabern ausnutzen und instrumentalisieren – er sorgt für sie bei der einheimischen Bevölkerung für eine geregelte Arbeitsweise – weil er durch seine Autorität ein übergroßes öffentliches Ansehen genießt.

Als er jedoch merkt, dass er ausgenutzt wurde und von den Europäern nur als Mittel für ihre eigenen Zwecke gesehen wird, stiehlt er einen Teil des Silbers – und wird dadurch nicht etwa reich, sondern geht daran zugrunde, für seinen Reichtum lügen und heimlichtun zu müssen. Nur dem Arzt Dr. Monygham, Opfer von politischer Folter, gelingt es, seine Liebe trotz aller Korruption um ihn herum zu bewahren und wirklich selbstlos zu handeln.

»Nostromo« wurde schon öfter als einer der größten Romane des 20. Jahrhunderts bezeichnet und ist heute vielleicht aktueller denn je. Es ist ein zutiefst pessimistischer Roman, was seine politische Vision angeht, und ein psychologisch tiefgründiges Buch, was die wahren und scheinbaren Motive anbelangt, die Menschen zu ihren Handlungen treiben – und welche Auswirkungen diese Motive auf den Umgang mit Erfolg und Misserfolg haben. Dazu kommt einer der seltsamsten Selbstmorde in der Literaturgeschichte.

Joseph Conrad: Nostromo. A Tale of the Seaboard | Englisch
Penguin Classics 2001 | 480 Seiten | Nur noch antiquarisch erhältlich

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