James Herbert: BesessenDavid Ash, Experte in Parapsychologie und in Diensten des ebenso renommierten wie verschwiegen dezenten Instituts für psychische Forschungen, fährt mit dem Zug nach Ravenmoor, einem kleinen Dorf, in dessen Nähe der Landsitz Edbrook Hall angeblich von Geistern heimgesucht wird.

Der Auftraggeber, die dort ansässige Haushälterin Miss Webb, hätte wahrlich keine bessere Wahl treffen können, denn Ash glaubt nicht an Geister und sein ganzes Wirken bis dato ist von dem unbezähmbaren Willen geprägt, die zahlreichen Schwindler und Betrüger zu entlarven, die mit angeblichem Spukaufkommen ihre Mitmenschen in Angst und Schrecken versetzen oder – im Falle von Seáncen – zusätzlich auch noch finanziell ausnehmen. Nicht ein einziger Fall in seiner investigativen Laufbahn brachte auch nur annähernd die Evidenz übernatürlicher Erscheinungen. Nun also geht es nach Edbrook Hall …

Die Bewohner des alten Gemäuers haben wahrlich schwere Zeiten hinter sich. Dort leben neben der bereits erwähnten Haushälterin nur noch die Waisen Robert, Simon und Christina Marriell (letztere wird David im weiteren Verlauf noch gehörig den Kopf verdrehen). Ihre Eltern kamen vor Jahren bei einem schrecklichen Autounfall ums Leben und in der Folgezeit nahm sich Miss Webb ihrer an. Sie zog sie nach bestem Wissen und Gewissen groß, doch trotz ihrer Fürsorge blieben die Kinder nicht ohne seelische Defizite, welche sich auch in ihren Umgangsformen manifestierten.

Zunächst bleibt alles ruhig inmitten der alten Mauern, aber nach und nach wird David Ash während seiner Untersuchungen mit Erscheinungen konfrontiert, die ihn nötigen, seine selbstauferlegte Skepsis gründlich zu überdenken. Ekelerregende Fäulnisgerüche und plötzliche Kälteabfälle sind erst der Anfang zu einem wahren Horrortrip. Als dann auch noch eine seiner Kolleginnen, ein hochbegabtes Medium, ihren geschätzten Kollegen in großer Gefahr wähnt, eilt sie ebenfalls gen Edbrook, nicht ahnend, welches Inferno sie mit ihrer Präsenz dort auslösen wird.

James Herbert zieht in diesem 1988 erstmals veröffentlichten Roman alle Register seines Könnens. Meiner Meinung nach ist er am stärksten, wenn er eine urbritische Geistergeschichte kredenzt, so wie hier. »Haunted«, so der Originaltitel des Buches, ist von der ersten Seite an spannend und lädt ein zu einer (mit 224 Seiten leider recht kurzen) herrlich unheimlichen Gespenstertour durch ein äußerst ungastliches Haus.

In den letzten Kapiteln zieht Herbert die Spannungsschraube nochmal gewaltig an und ich kann nur empfehlen, am Ende des Romans beim Lesen das Licht brennen zu lassen.

Unter dem Titel »Haunted – Haus der Geister« ist das Buch übrigens vor Jahren sehr gelungen verfilmt worden. Wer den Film bereits kennt, dem sei dennoch das Buch zusätzlich empfohlen, denn der Film weicht in einigen Punkten deutlich von der literarischen Vorlage ab.

James Herbert: Besessen | Deutsch von Andreas Brandhorst
Heyne 1998 (Neuauflage) | 224 Seiten | Nur noch antiquarisch erhältlich

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