Guy Vanderhaeghe: HomesickIn this house there’s no fooling yourself that being different could be like it is in the movies. In the movies, no matter what kind of shit you’re taking from people up on the screen, there’s always the audience that knows the truth about you, is hoping for you, even admires you. There’s no audience in this house. In this house it’s too hard to be a rebel.

Als Veras Mutter stirbt, nimmt ihr Vater sie aus der Schule, damit sie sich um ihn und ihren kleinen Bruder Earl kümmern kann. Vera verübelt es ihrem Vater ihr Leben lang. Rabiat wie sie ist, verlässt sie schon bald die Familie in dem kleinen kanadischen Provinznest Connaught und nutzt den Beginn des Zweiten Weltkriegs, um eine erfolgreiche und spannende Karriere beim Militär zu verfolgen. Nach Kriegsende jedoch hangelt sie sich aufgrund ihrer fehlenden Schulbildung von einem Billigjob zum nächsten. Sie heiratet einen Mann, der den ihr entgangenen Traum höherer Bildung verkörpert, doch er stirbt nur zwei Jahre später, und Veras finanzielle Situation wird als alleinerziehende Mutter nicht besser. Aus Sorge um ihren Sohn Daniel, für den sie die Karriere vorgesehen hat, die ihr selbst nicht möglich war, reist sie zurück zu ihrem Vater Alec nach Connaught, als Daniel zwölf wird, denn sie fürchtet, dass Daniel, zu unbeaufsichtigt in der Großstadt und im Umgang mit den falschen Freunden, auf die schiefe Bahn geraten könnte.

Vera steht mit ihrem Vater nach wie vor auf Kriegsfuß, doch Daniel schließt Freundschaft mit seinem Großvater. Er hat unter der – manchmal fast kindisch anmutenden – Feindseligkeit zwischen Alec und Vera Einiges zu leiden und ist ständig bemüht, sich den Zorn keiner der beiden zuzuziehen. Schließlich bekommt er aufgrund seiner ungewollten diplomatischen Zwischenstellung von Alec die Aufgabe übertragen, Vera nach seinem Tod zu erklären, was aus ihrem Bruder Earl geworden ist. Alec selbst kann es ihr nicht sagen, hofft aber, sich dadurch nachträglich das Verständnis seiner Tochter zu sichern.

»Homesick« konzentriert sich auf die Perspektiven der drei Familienmitglieder Daniel, Vera und Alec, und schildert eindrücklich, wie schlicht Unausgesprochenes zu Missverständnissen führen und zwischenmenschliche Beziehungen auf Dauer ruinieren kann. Ein Hauptthema des Romans ist wohl die Schwierigkeit oder gar Unmöglichkeit, anderen Leuten mitzuteilen, wer, was oder wie man wirklich ist, besonders, wenn der alltägliche Umgang zu eingefahren ist. Wie Daniel feststellt, gibt es im wirklichen Leben, im Gegensatz zu Filmen (oder Büchern), eben keine audience, die stets die Wahrheit über einen weiß und einen verstehen kann.

Am Ende des Romans kann man nur hoffen, dass die Kommunikation, die zwischen Vera, Alec und Earl so lange nicht funktionierte, dass sie selbst im Angesicht des Todes nicht mehr hergestellt werden kann, zwischen Daniel und seiner Mutter besser laufen wird.

Guy Vanderhaeghe: Homesick | Englisch
Ticknor & Fields 1990 | 292 Seiten | Nur noch antiquarisch erhältlich

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