G. Jacobs, W. Stadiem: Mr. S: My Life with Frank SinatraGeorge Jacobs war 13 Jahre lang Frank Sinatras Mädchen für alles. In diesen Jahren hat der junge Farbige die Großen dieser Welt aus nächster Nähe erleben dürfen. Nur eben aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Jacobs war überall dabei, reiste um die Welt, lernte Stars wie Marilyn Monroe, Dean Martin, Billie Holliday, Cole Porter, Judy Garland und Humphrey Bogart kennen – und natürlich auch deren dunkle Seiten. Die widersprüchlichste Person in diesem Buch ist jedoch Sinatra selbst. Die Stimmungen und Ansichten des Sängers konnten blitzartig umschlagen. Wer dann in seiner Schusslinie stand, musste mit allem rechnen. Jacobs dachte fälschlicherweise, dass seine bedingungslose Loyalität ihn schützen würde. Doch auch er sollte den Zorn von »Old Blue Eyes« zu spüren bekommen.

Besonders interessant ist die Schilderung des Kennedy-Clans. Joseph Kennedy, ehemaliger Schnapsschmuggler und Patriarch der Politikerdynastie, war laut Jacobs ein Kotzbrocken und Rassist reinsten Wassers, der Jacobs spüren ließ, dass er für ihn ein Mensch zweiter Klasse war. Sein Sohn John war hingegen aus anderem Holz geschnitzt. Der spätere Präsident bestand darauf, dass Sinatras Diener ihn Jack nannte und wollte von ihm wissen, was die schwarzen Wähler wollen. Als Jacobs wiederum fragte was denn Kennedy will, antwortete der nur grinsend: »I want to fuck every woman in Hollywood«. Als Wahlkampfhelfer wurde Sinatra von den Kennedy-Brüdern toleriert. Als sie jedoch im weißen Haus saßen, wurde der Entertainer sang- und klanglos fallengelassen. Auch hier war Jacobs immer dabei.

Natürlich verrät er auch saftige Details aus dem Liebesleben des Weltstars. So überraschte der junge Mann eines Tages die nackte Marlene Dietrich mit Greta Garbo knutschenderweise in Sinatras Pool. Für seinen Boss arrangierte er die Abtreibungen seiner zahlreichen Geliebten und war stets zur Stelle, wenn Sinatra einen Aufpasser für die aktuelle Frau an seiner Seite brauchte. Sinatra war damals einer der Götter des Showbusiness. Und manchmal war er ein zorniger Gott. Für jeden Wutausbruch gab es jedoch auch großzügige Gesten und Geschenke. »Mr. S« ist neben allem Klatsch eine Zeitreise in eine längst vergangene Welt, in die Schwarze normalerweise keinen Zutritt hatten.

Selbst in seinen Memoiren steht Jacobs noch hundertprozentig hinter seinem einstigen Brötchengeber. Der feuerte ihn, nachdem in der Zeitung Fotos erschienen, auf denen Jacobs und Sinatras damalige Frau Mia Farrow eng umschlungen in einem Nachtclub tanzten. Dabei spielte er an jenem Abend für die gelangweilte Kindfrau lediglich das Kindermädchen.

Unmittelbar nach dem Erscheinen der Fotos bekam Jacobs vom Anwalt des Entertainers seine Kündigung zugestellt, verbunden mit der Auflage, nie wieder Kontakt mit ihm aufzunehmen. Selbst bei der Beerdigung des Sängers durfte er nicht erscheinen. Diesen Bruch hat Jacobs bis heute nicht verkraftet. Noch immer trauert er seinen Jahren im Schatten eines großen Mannes nach. Wie viele seiner Landsleute ist auch er dem Charme Sinatras erlegen. Gerade das macht das Buch so anrührend.

George Jacobs, William Stadiem: Mr. S: My Life with Frank Sinatra | Englisch
It Books 2004 (Reprint) | 288 Seiten | Nur noch antiquarisch erhältlich

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