Ernest Cline: Ready Player OneJeder in meinem Alter erinnert sich daran, wo er war und was er gerade getan hat, als er zum ersten Mal von dem Wettbewerb hörte. Ich saß in meinem Versteck und schaute Zeichentrickfilme, als mir der Newsfeed dazwischenfunkte: In der vergangenen Nacht war James Halliday gestorben. Natürlich wusste ich, wer Halliday war. Jeder wusste das. Er hatte das Massively Multiplayer Online Game OASIS entwickelt, ein Computerspiel, aus dem nach und nach eine global vernetzte Virtuelle Realität hervorgegangen war, die von den meisten Menschen tagtäglich genutzt wurde. Der beispiellose Erfolg der OASIS hatte Halliday zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht. Anfangs verstand ich nicht, warum die Medien ein solches Theater um den Tod des Milliardärs machten.

Den Grund für die aufkommende Hysterie erfährt der 17-jährige Wade Watts recht schnell. Im Jahr 2044 verbringen die meisten Menschen den größten Teil ihres Lebens in Gestalt ihres Avatars online. Die reale Welt dagegen ist ein düsterer, wenig lebensfreundlicher Ort geworden. Halliday hatte keine Erben und will sein Vermögen, das sich auf 240 Milliarden Dollar beläuft, demjenigen vermachen, der als erstes den verstecken Schatz in seiner Cyber-Welt findet.

Halliday war ein fanatischer Fan der 1980er-Jahre und veröffentlichte vor seinem Tod einen Almanach, in dem alle seine Lieblingsserien, -filme und -spiele dieser Zeit aufgeführt sind. Wade verbringt Jahre mit deren Studium und ist der erste, der eines der Rätsel löst. Nachdem sein Name als erster in der Top-Ten-Liste des Onlinespiels auftaucht, bekommt er Werbeverträge und finanzielle Angebote anderer Schatzjäger.

Wade bleibt nicht lange der einzige erfolgreiche Sucher und die Konkurrenz wächst. Doch es sind nicht nur andere Schatzsucher, die Wade verfolgen, sondern auch der mächtige IOI-Konzern, der online und in der Realität Jagd auf ihn macht, während er Hallidays Schatz zu finden versucht.

Die Beschreibungen der Spielsequenzen sind spannend, das Leben in der 2044er-Welt ist reinster Cyberpunk. Was »ReadyPlayerOne« aber so lesenswert macht, sind die Entschlüsselungen der Popkultur-Rätsel auf Wades Online-Quest. Pure Nostalgie für alle, die die Achtziger bewusst erlebt haben und nicht nur die Musik, sondern auch die Filme, Fernsehserien und Bücher kennen.

Die Diskussionen über Atari-Klassiker, »Ewok«-Spin-off-Filme, das Gesamtwerk von John Hughes und alte »MacGyver«-Folgen sind einfach köstlich. Wer bei »The Big Bang Theory« immer weiß, worüber die vier sprechen (nicht bei dem wissenschaftlichen Kram, sondern bei dem unnützen Wissen), der wird hier oft schmunzelnd mit dem Kopf nicken und sich an die gute alte Zeit erinnern.

Ernest Cline: Ready Player One | Deutsch von Hannes und Sara Riffel
Penhaligon 2012 | 512 Seiten | Jetzt bestellen

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