Eric Garcia: Anonymus Rex»Das ist der innovativste Roman, den ich je gelesen habe. Eine unglaubliche, nicht zu überbietende Lektüre.« – T.C. Boyle

Es gibt originelle Ideen und es gibt komplett durchgeknallte Ideen. Der Leser möge selbst entscheiden: Ein basilikumsüchtiger Dinosaurier im Menschenkostüm aus Latex arbeitet als Privatdetektiv in Los Angeles. Fast 5 Prozent der Bevölkerung sind Dinosaurier. Das Aussterben war nur vorgetäuscht und sie leben unerkannt unter uns. Wer diese Grundprämisse schluckt, kann mit dem Rest viel Freude haben. Vorausgesetzt er mag Geschichten mit einer Schnodderschnauze von Privatdetektiv, die nach zahlreichen Verwirrungen den Täter enttarnt.

So ziemlich alle Noir-Klischees inklusive Schlägertypen, wahnsinniger Wissenschaftler, ermordeter Partner und Femme Fatale werden hier verbraten. Und das ist auch schon der größte Minuspunkt des Buches: Die Kriminalgeschichte nimmt sich leider viel zu ernst, um als Parodie durchzugehen und der Showdown drückt genretypisch zu sehr auf die Tube: etwas Gemetzel, ellenlange Erläuterungen des Helden wieso-weshalb-warum und ein, zwei mäßig überraschende Überraschungen. Anscheinend war der Verlag selbst nicht so beeindruckt von der Auflösung des Falls und verrät sie deshalb bereits im Klappentext.

Das Buch ist immer dann am besten, wenn es sich auf die Grundidee beschränkt: Die Dinosaurier leben von den Menschen unerkannt und haben ein eigenes Netzwerk, um ihr Geheimnis zu wahren. Es gibt eine Footballmannschaft aus Brontosauriern, zahlreiche Prominente, die in Wahrheit Dinos sind (kennt man aus »Men in Black«), und das immer wiederkehrende Motiv der Tarnung, nicht nur durch die Verkleidung, sondern auch durch echte und gefälschte Duftsignaturen.

Die Probleme mit den Menschenkostümen sind zum Schreien komisch, einige saftig-dampfende Dino-Sex-Szenen lassen erahnen, was »Jurassic Park« verschwieg, und die Ansichten des Protagonisten zu Menschen im Allgemeinen lassen einen beim Lesen oft zustimmend nicken. Darüber hinaus besitzen die Kampfszenen zwischen Dinosauriern in Verkleidung eine Dramatik, die man in gewöhnlichen Krimis meist vergeblich sucht und mancher Spruch des Dino-Bogarts ist durchaus zitierfähig.

»Anonymus Rex« ist spannende und humorvolle Unterhaltung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine zerstreuende Lektüre für zwischendurch, die man nicht bereut. Ohne das Zitat von T.C. Boyle hätte ich allerdings keine Erwartungshaltung entwickelt, die das Buch nicht erfüllen kann. Man fragt sich während der Lektüre unentwegt, was Boyle selbst aus dem Stoff gemacht hätte.

In den USA gibt es bereits drei Bücher mit diesem Protagonisten und der vorliegende Roman wurde mit Daniel Baldwin, Issac Hayes und Faye Dunaway für das amerikanische Fernsehen verfilmt. In Deutschland wurden von Eric Garcia bisher nur »Tricks« (auch: »Ein brillanter Bluff«), die Geschichte eines neurotischen Trickbetrügers (von Ridley Scott mit Nicolas Cage verfilmt) und »Cassandra Frenchs Männerverbesserungsanstalt« veröffentlicht, das im August 2007 bei Fischer als Taschenbuch erscheint.

Eric Garcia: Anonymus Rex | Deutsch von Kristian Lutze
Goldmann 2002 | 385 Seiten | Jetzt bestellen

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