Daniel T. Max: Jede Liebesgeschichte ist eine GeistergeschichteIch habe David Foster Wallace nie kennengelernt. Unser einziges Zusammentreffen fand 1996 bei einer Party zum Erscheinen des Unendlichen Spaßes statt – die Verlagsparty, über die er später Don DeLillo schrieb, es sei die erste, die er je besucht hatte, »und wenn es einen Gott im Himmel gibt, auch meine letzte.«

Die Lebensgeschichte von David Foster Wallace. Er war ein hochbegabter Schüler, ein erfolgreicher Tennisspieler und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Literatur. Sein Selbstmord im Jahre 2008 ließ viele Fragen offen und einige von ihnen werden in diesem Buch beantwortet.

Der Autor stellt sehr schön den Bezug zwischen dem Werk und dem Leben von Wallace dar. Seine Verehrung für Thomas Pynchon in der Anfangszeit, die später einer noch größeren Bewunderung für Don DeLillo wich, mit dem er auch im regen Briefwechsel stand. Seine Freundschaft und sein Konkurrenzkampf mit Jonathan Franzen. Seine unzähligen Liebschaften, bis er nur wenige Jahre vor seinem Tod die große Liebe fand. Sein langer Kampf gegen Alkohol, Drogen, Angstattacken und Depressionen. Seine Süchte bekam er unter Kontrolle, doch die Depression gewann schließlich.

Eindringlich beschreibt der Autor, wie sehr Wallace an seinem Werk und seiner Krankheit gelitten hat. Heutzutage, da Wallace allerorts als Genie gefeiert wird, erscheint es schwer zu glauben, mit welchen Widerständen durch Lektoren und Kritiker er zu Beginn seiner Karriere zu kämpfen hatte. Nach der weltweiten Anerkennung für »Unendlicher Spaß« veröffentlichte er zehn Jahre lang erfolgreiche Sachtexte und Erzählungen, während alle auf den Nachfolgeroman warteten. »Der bleiche König« erschien erst posthum als unvollendeter Roman.

»Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte« ist ein sehr gut recherchiertes und unterhaltsam geschriebenes Buch. Ungeheuer detailliert und informativ, bis im letzten Drittel das Tempo angezogen wird. Das Ende erfolgt im Buch dann ebenso abrupt, wie es auf die Menschen in David Foster Wallaces Umgebung gewirkt haben muss.

Daniel T. Max: Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte
David Foster Wallace. Ein Leben
| Deutsch von Eva Kemper
Kiepenheuer & Witsch 2014 | 512 Seiten | Jetzt bestellen

1 Kommentar

  1. Ein absolut lesenswertes Buch für jeden, der sich näher mit diesem faszinierenden Autor beschäftigen möchte. Ich habe mal ein ca. zweistündiges Interview mit ihm gesehen, welches in irgendeinem Hotelzimmer geführt worden ist. Zweierlei ist mir davon im Gedächtnis geblieben: zum einen, wie unglaublich fertig er ausgesehen hat (verschwitztes Gesicht, angefettete Haare, billige Kassengestellbrille – ich weiß nicht, aus welchem Jahr das Interview war, aber aus dem dort Besprochenen muss es Jahre nach „Infinite Jest“ gewesen sein); zum anderen die unglaubliche Intensität und Klugheit seiner Aussagen. Definitiv eine der ganz wenigen Persönlichkeiten, die ich sehr gerne persönlich kennengelernt hätte.

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