
»The Royal Tenenbaums«, »Moonrise Kingdom« und »The Grand Budapest Hotel« sind Titel, die jeden Filmfan aufhorchen lassen. Inzwischen erkennt man ein Werk von Wes Anderson auf den ersten Blick. Egal, ob es sich um einen Kinofilm handelt, die Roald-Dahl-Kurzfilme für Netflix oder die Werbeclips für Mont Blanc. Sie besitzen eine ganz eigene Bildsprache und Ästhetik. Außerdem verfügen sie über eine beeindruckende Schauspielerriege, die selbst in kleinsten Nebenrollen auftritt. Wie es früher bei Woody-Allen-Filmen der Fall war.
Der großformatige Band behandelt jeden Film ausführlich in einem eigenen Kapitel und enthält zahlreiche Fotos aus den Filmen und von den Dreharbeiten. Man erfährt viel über die Entstehungsgeschichte, Besetzung und Stab, die Dreharbeiten selbst und auch über die Aufnahme bei Publikum und Kritikern. Insbesondere die Angaben zu Budget und Einspielergebnis sind nicht unwesentlich, denn man nimmt zufrieden zur Kenntnis, dass Andersons Filme genug Geld einspielen, um weitere Projekte zu garantieren.
Sein neuestes Werk »Der phönizische Meisterstreich« ist nicht mehr enthalten, aber ansonsten wirklich alles von ihm, also auch die Kurzfilme und Werbespots. Über die Werbung brauchte man in seinem Fall nicht die Nase rümpfen, weil es sich um echte Anderson-Filme handelt, in denen bestimmte Produkte erscheinen, also kaum anrüchiger als ein Blockbuster mit penetrantem Product placement.
Neben den Filmen werden in einzelnen Kapiteln auch Themen behandelt, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk ziehen. Seien es die häufig dysfunktionalen Familienverhältnisse, technische Aspekte wie das Stop-Motion-Verfahren bei »Der fantastische Mr. Fox« und »Isle of dogs« oder das immer ausgeklügeltere Setdesign, dass die Optik seiner Filme so einzigartig macht. Es dürfte wenig verwundern, dass bei Anderson-Filmen die Ausstattung, Kostüme und die Requisiten ein großes Thema sind, aber auch kuriosen Anekdoten wird viel Platz eingeräumt.
Autor Christophe Narbonne beleuchtet außerdem Bezüge zwischen den Filmen und Andersons Kindheit oder privaten Vorlieben, sodass man faszinierende Einblicke in den Schaffensprozess dieses Ausnahmekünstlers erhält. »Wes Anderson – Alle Filme, alle Fakten« ist ein prächtiger Bildband mit vielen interessanten Hintergrundinformationen, der vor allem große Lust macht, sich diese großartigen Filme erneut anzusehen.
Christophe Narbonne: Wes Anderson – Alle Filme, alle Fakten
Deutsch von Anita Weinberger-Schwendenwein
Prestel Verlag 2025 | 288 Seiten | Jetzt bestellen
