Axel Simon: Tatütata für Peter Sputnik»Es … es gibt wie so oft auch hierbei eine gute und eine schlecht Nachricht. Wenn dieses Inferno losgelassen wird, müssen wir keine peniblen Differenzierungen vornehmen in puncto Primär- und Kollateralschäden. Wenn V diese Hölle tatsächlich entfesselt, kostet das … Wie viele sind wir zurzeit? … Kostet das 6,8 Milliarden Menschen das Leben.«

Die zwölf schwiegen. Schließlich war es Biggs, der seine Sprache als Erster wieder in Gang brachte: »Und was, Serkov, ist die gute Nachricht?«

Serkov zog eine Braue hoch. »Das war die gute Nachricht.«

Peter Sputnik, Busfahrer aus Leidenschaft und Superheld wider Willen, hat neben seinem alltäglichen Krokantbecher im Eissalon Cortina und seiner unerfüllten Liebe zur Bedienung Fräulein Gitti nur wenige Interessen. Sputniks Leben verliert seine Routine, als er eines Tages eines seiner selbstgedichteten Lieder über Gitti aufnimmt und ihr anonym zuschickt. Sie erkennt seine Stimme und ist nicht begeistert. Dann wird auch noch ein neuer, hypermoderner Bus eingeführt und Sputnik fällt prompt durch die Prüfung.

Entsprechend gering ist seine Begeisterung, als man ihm das Schicksal der Welt in seine Hände legt. Ein Schurke namens V droht mit der Zerstörung des gesamten Planeten und aller Menschen, die darauf leben. Der Weltrat zieht die klügsten Köpfe des Planeten zusammen, um die drohende Vernichtung doch noch abzuwenden. Darunter ein unbeholfener Held, der von einem Computer ausgewählt wurde. Hat der Erzschurke V möglicherweise den Computer des Weltrates manipuliert, um einen harmlosen Busfahrer zum Weltenretter zu bestimmen?

Rette uns mal. Werden wir nicht gerettet, war alles umsonst: (…) Die Liebesgedichte, die Erfindungen und die Volksmusik. Da hätte man gleich Lurch bleiben können. Hätte sich das immens aufwendige Verlassen der evolutionären Faulschlämme und die Zwischenergebnisse schenken können. Die Filterzigarette, die Milchschokolade, die blickdichte Feinstrumpfhose, das aromatisierte Toilettenpapier, das tragbare Telefon für zwischendurch, die Mandelbaum-Diät, die Tütensuppe, alles umsonst gewesen. Wenn nicht er, Sputnik, das rettete.

Die beiden Handlungsstränge stehen sich im ersten Drittel des Romans gegenüber wie »James Bond« und »Neues aus Uhlenbusch«. Doch der Autor nimmt die groteske Handlung und seine sonderbaren Figuren völlig ernst und erschafft dadurch keine alberne Parodie, sondern einen herrlich überdrehten Roman mit Weltbedrohungen á la Tom Clancy, Figuren, die von Tom Robbins stammen könnten, und sogar einigen verrückten Liedern wie bei Thomas Pynchon.

Ein schillerndes Lesevergnügen mit einem einfach grandiosen Titel.

Axel Simon: Tatütata für Peter Sputnik | Deutsch
rororo 2011 | 288 Seiten | Jetzt bestellen

1 Kommentar

  1. Lieber Andreas,

    das Buch hat mich ebenso fasziniert wie unterhalten!
    Leider gibt es noch keine Fortsetzung. Man dürfte gespannt sein, was der Sohnemann so alles anstellt.

    Weiter so!

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