Anna Cypra Oliver: Assembling My Father»I think you knew my father?«
A pause. »What was his name?«
»Lewis Weinberger.«
Another brief pause, an intake of breath. »I did,« Lee Driver says.
»I understand that you saw him the day before he died?« I ask.
»I was living in the same house,« Lee says. »I had to clean up the mess.«
The intake of breath, this time, is mine.

Ein Mann erschießt sich, er ist 35 Jahre alt, das Jahr 1974, der Ort Taos in New Mexico, ein ehemaliges Zentrum der Hippie-Kultur. In diesem Buch versucht seine Tochter, die zum Zeitpunkt seines Todes erst fünf Jahre alt ist, herauszufinden, wer ihr Vater war. Sie befragt alle Leute, die sie finden kann, die jemals mit ihm in irgendeiner Form Kontakt hatten; das Ergebnis ist sowohl eine Biographie ihres Vaters, ihrer Mutter und ihres eigenen Lebens, eine Art Memoir, wie der eine Untertitel sagt, A Daughter’s Detective Story, wie der zweite Untertitel lautet, und eine Collage der amerikanischen Kultur der späten 60er und 70er Jahre.

Die Familien von Annas Vater und Mutter stammen aus jüdisch-liberalen Intellektuellen Kreisen New Yorks. Dort wachsen ihre Eltern auf und lernen sich kennen, ihr Vater studiert Architektur. Doch nach der Heirat zieht es Annas Mutter in die Counter-Culture, ihr Mann folgt ihr, sie ziehen nach New Mexico und leben dort in einer Lehmhütte in einer Hippie-Kommune, bis Annas Mutter ihren Mann verlässt. Anna, und ihren älteren Bruder Peter, der adoptiert ist, nimmt sie mit. Vier Jahre später erschießt ihr Vater sich, ihre Mutter wird zu einer fundamentalistischen Christin und lebt nacheinander mit einer Reihe von gewalttätigen Männern zusammen.

Erst nach ihrem 20. Lebensjahr, inzwischen selbst verheiratet, fängt Anna an, Nachforschungen über ihren Vater anzustellen. Im Laufe der Auseinandersetzung mit dem Leben ihres Vaters entdeckt sie die jüdisch-intellektuelle Seite ihrer Identität und legt den christlichen Fundamentalismus ihrer Mutter, in dem sie erzogen wurde, immer mehr ab.

Als erstes befragt sie die beiden engsten Schulfreunde ihres Vaters und natürlich den Kreis der engsten Verwandten, sie besucht die Schauplätze, an denen sich das Leben ihres Vaters abspielte, und kontaktiert später eben auch den Mann, der das Haus von den Überresten ihres Vaters säubern musste.

Annas Suche zieht sich über mehrere Jahre hin, am Anfang hat sie gar nichts von ihrem Vater und weiß so gut wie nichts über ihn, am Ende hält sie eine Geschichte in der Hand, oder besser gesagt, mehrere, unterschiedliche Versionen dieser Geschichte, die stark von der Sichtweise der jeweiligen Erinnerungsträger geprägt sind, außerdem haufenweise Fotos, Schmuckstücke, die ihr Vater angefertigt und verschenkt hat, ein Tonband mit seiner Stimme und eines seiner Tagebücher.

Der vielleicht psychologisch interessanteste Teil der Geschichte, nämlich wie Anna sich in den besten Freund ihres Vaters verliebt, und er sich in sie, sie sich beide von ihren jeweiligen Ehepartnern scheiden lassen und heiraten, wird allerdings nur mit so vielen Auslassungen und Andeutungen erzählt, dass man das Gefühl nicht los wird, es wäre der Autorin irgendwie unangenehm, dass dieser Mann eben auch der engste Freund ihres Vaters war.

Anna Cypra Oliver: Assembling My Father | Englisch
Houghton Mifflin 2004 | 368 Seiten | Nur noch antiquarisch erhältlich

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