Anita Desai: Fasting, FeastingThen Arun does see a resemblance to something he knows: a resemblance to the contorted face of an enraged sister who, failing to express her outrage against neglect, against misunderstanding, against inattention to her unique and singular being and its hungers, merely spits and froths in ineffectual protest. How strange to encounter it here, Arun thinks, where so much is given, where there is both licence and plenty. But what is plenty? What is not? Can one tell the difference?

Der Roman »Fasting, Feasting« der indischen Autorin Anita Desai erzählt die Geschichte von zwei Geschwistern einer indischen Familie. Der erste Teil befasst sich mit Umas Schicksal. Sie ist die älteste Tochter, eine ältere Schwester, die Ähnlichkeit mit der biblischen Leah hat. Wie diese ist sie gutmütig, kindlich, warmherzig und bereit, es allen recht zu machen, aber weder besonders hübsch noch intelligent, und wie bei Leah hat ihre Familie Schwierigkeiten, zuerst einen Ehemann für die ältere Tochter zu finden, wohingegen ihre jüngere Schwester Aruna von Freiern belagert wird. Obwohl wir uns im 20. Jahrhundert befinden, ist eine Heirat die einzige »Karriere«, die Uma offensteht. Auf das Betreiben ihrer Mutter gerät sie an zwei Heiratsschwindler, die nur auf die Mitgift aus sind; danach geben die Eltern es auf, verheiraten Aruna, und Uma fristet ungeliebt ein dienstmädchenartiges Dasein in ihrem Elternhaus.

Ihr jüngerer Bruder Arun, ein unerwartetes, spätgeborerenes Kind und der vom Vater lang ersehnte einzige Sohn, wird in ein anderes, aber kaum weniger rigides Karriereschema gepresst. In den Augen seines Vaters besteht Aruns Daseinszweck darin, eine möglichst gute Schulausbildung zu durchlaufen und im Ausland zu studieren, um einen genauso gut bezahlten und angesehenen Beruf ausüben zu können wie er selbst.

Der zweite Teil des Romans schildert aus Aruns Perspektive, wie es ihm in Amerika ergeht. Geprägt von der Besessenheit seiner Eltern, sein Leben bis ins letzte Detail für ihn zu verplanen und ihm in jeder Sekunde vorzuschreiben, was er zu tun hat, sucht Arun die totale Einsamkeit, Isolation und Anonymität. Er weist jegliche Kontakte zu anderen Studenten, indischen wie amerikanischen, zurück, bis er schließlich gezwungen ist, den Sommer in einer amerikanischen Gastfamilie zu verbringen, weil er wegen der Semesterferien nicht im Wohnheim bleiben kann. Erst hier wird Arun so richtig mit den Absurditäten der amerikanischen Wohlstandsgesellschaft konfrontiert: Er findet sich zwischen einer Mutter, die eine zwanghafte Einkäuferin ist und das Haus mit mehr Essen vollstopft, als die Familie je brauchen kann, während ihre Tochter unbemerkt von den Eltern an Bulimie zugrunde geht.

Als indische Autorin bietet Desai eine interessante Abwechslung zu Rushdies Romanen. Sie erzählt die beiden Geschichten ohne magischen Realismus, aber auch ohne in Klischees zu verfallen, aus einer humorvollen Distanz, die Pathos oder Drama verhindert und den Leser deswegen vielleicht umso mehr berührt.

Anita Desai: Fasting, Feasting | Englisch
Chatto & Windus 1999 | 227 Seiten | Jetzt bestellen

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