Percival Everett: God's CountryWilder Westen 1871: ein Spieler, Trinker und Betrüger namens Jock Marder verliert wegen einer als Indianer verkleideten randalierenden Bande Frau, Hof und Hund. Er will sich rächen und engagiert deswegen Bubba, den besten Fährtenleser der Gegend. Der ist Afroamerikaner und in einer Epoche, da die dunkle Hautfarbe allein schon als Verbrechen gilt, ein tougher Zeitgenosse. Die beiden Protagonisten des Westerns »God’s Country« von Percival Everett brechen gemeinsam auf, um nach den Angreifern und nach Marders Frau zu suchen. Im Schlepptau das als Junge verkleidete Mädchen Jake, deren Eltern von den falschen Indianern getötet wurden.

Für Jock Marder und seine dunkelhäutige Spürnase beginnt eine bizarre Odyssee, die sie von einem schrägen Abenteuer ins nächste stolpern, pardon, reiten lässt. Dabei kann sich der Leser auf keines der Klischees, die er aus einschlägigen Western-Filmen und –Büchern kennt, verlassen.

Da, wo der Oberstleutnant des US-Heeres General George A. Custer (1839-1876) und Dichter Walt Whitman (1819-1892) ihren Gastauftritt haben, lässt Everett Legenden und gewohnte Perspektiven aus den Fugen geraten, rückt mit seiner großartigen Geschichte einen Außenstehenden in den Vordergrund und provoziert beim Leser Grübeln über eigene moralische Standpunkte.

Jock Marder hat indes nur seinen Vorteil im Visier und bringt sich damit immer wieder in brenzlige wie tragikomische Situationen. Die Suche nach seiner Frau Sadie gerät bald in den Hintergrund, bis er es gar auf die hübsche Prostituierte Loretta und die Belohnung, die auf die Räuberbande ausgesetzt ist, abgesehen hat.

Percival Everett ist in Frankreich, Italien und seinem Heimatland Amerika längst zum Kultautor aufgestiegen. Im Rahmen der Reihe »Weltlese« hat Ilija Trojanow als Herausgeber die vorliegende Westernparodie nun bei der Edition Büchergilde erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht.

Percival Everett setzt seine Geschichte meisterhaft in Szene und provoziert scharfe Bilder einer Zeit, in der Gleichberechtigung und Menschenrechte Fremdwörter waren. Des Autors findiger Methaphernschatz, angereichert mit genug schwarzem Humor, und seine unverblümt durchsichtige Sprache lassen das Lesen dieses Buches zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden.

Am Ende avanciert Bubba zum Helden mit Herzenswärme in dieser rauen Westernwelt und stellt sich mutig dem wilden Kugelhagel aus Marders Waffe. Das Leserherz schlägt schon ein paar Seiten länger für ihn und wünscht sich nichts sehnlicher als sein Überleben…

»Ich geh jetzt da raus und leb irgendwo mein Leben. Hast mich genug belogen und betrogen und meine Brüder umgebracht. So viel liegt mir nicht an dir, dass ich dich umbring … Und du oder einer, der aussieht wie du oder denkt wie du oder ist wie du, findet mich und räuchert mich aus, schießt mich nieder oder lyncht mich vielleicht. Aber weißt du was? Umbringen könnt ihr mich nicht …«

Percival Everett: God’s Country | Hrsg: Ilija Trojanov | Deutsch von Susann Urban
Edition Büchergilde 2014 | 260 Seiten | Jetzt bestellen

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