Katharina Kutil: Oidweibasummer»Es ist darüber nachzudenken, was richtig und falsch ist. Richtig und falsch. Wenn man es mit einer Genauigkeit nimmt, so war es falsch, dass die Rosa ihren Ehe-Ernsti mit einer Amethystdruse erschlagen hat. Aber auf der anderen Seite…« (Rosa Blau)

Zu ihrem zwölften Geburtstag bekam die Wiener Schauspielerin und Theaterregisseurin Katharina Kutil von ihrer Großmutter ihr erstes Tagebuch geschenkt. Das hat ihre Leidenschaft zum Schreiben entfacht. Zahlreiche Kurzgeschichten, Romane und Theaterstücke entstammen inzwischen ihrer Feder. Letztere begleitet die Wienerin häufig als Regisseurin bis zur Uraufführung.

Von Rosa Blau liest man vorerst nur. Und das mit großem Vergnügen. Während sich die ein wenig kauzig wirkende Protagonistin mit dem poetischen Namen in ihrer ersten Geschichte »Rosa Blau beißt sich durch« im wahrsten Sinne des Wortes gegenüber ihrem Ehe-Ernsti behauptet, ermittelt sie im vorliegenden Band »Oidweibasummer« auf eigene Faust in einem Mordfall.

Dazu verschlägt es Rosa Blau nach Niederösterreich in das malerische Wolfsegg. Dort sterben nacheinander mehrere alleinstehende alte Damen scheinbar auf natürliche Weise. Alle werden von einer Heimhilfe betreut. Deswegen sorgt sich Rosa Blaus beste Freundin Leni um ihre Tante. Mit der hat sich Leni jedoch zerstritten (»Iba de red i net, g’stuabn is fia mi, hab i g’sagt.«) und ist in Wolfsegg nicht mehr willkommen. Wer, wenn nicht die unvoreingenommene Rosa, könnte ihren Urlaub dort verbringen und bei der Grudl nach dem Rechten sehen? Gesagt, getan.

Hat es Rosa Blau hier tatsächlich mit einem augenfälligen Pflegeskandal zu tun? Während der unbedarften Ermittlungen der Hobby-Kriminalistin begegnet der Leser merkwürdigen Typen und erlebt Seltsames. Da verschwindet auch schon mal ein toter Hund im Gucci-Sackerl. Außer der Heimhilfe Liesl gibt es natürlich auch noch andere potentielle Mörder. Gerät etwa Dr. Tschermak, der Arzt der toten Damen in Verdacht? Oder hat die merkwürdige alte Dreindl alle vier Damen ermordet? Als Rosa Blau hinterhältig niedergeschlagen wird, nimmt der Fall eine ganz überraschende Wende.

Freizeit-Detektivin Rosa fragt und sucht so lange arglos herum, bis sie einen ihr bekannt vorkommenden Ohrring findet. Sie erinnert sich an deren Besitzerin und steht vor einer schweren Entscheidung.

Katharina Kutil hat die Charaktere ihrer Protagonisten sorgfältig und feinfühlig entwickelt. Dabei zieht es den Leser geradezu in die eigenwillige Atmosphäre des Waldviertels. Die lässt lebendige Bilder im Kopf entstehen. Im Verlauf der Handlung gewöhnt man sich an die etwas umständliche und doch gewitzte Denkweise von Rosa Blau, die mit der herrlichen, zum Teil auf die Spitze getriebenen naiven Sprache einen großartigen Wiedererkennungswert besitzt. Welch erfrischender Humor! Als Topping serviert die Autorin Mundart-Stückchen wie Schokolade und lässt einfühlsam die niederösterreichische Seele spüren. Man schmunzelt, lacht, fiebert, und ja, man ermittelt auch mit.

Am Ende fühlt sich der Leser bestens unterhalten, hat eine neue Freundin gefunden, auf deren nächsten Fall er gespannt warten darf.

Katharina Kutil: Oidweibasummer | Deutsch
Brighton Verlag 2016 | 180 Seiten | Jetzt bestellen

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