Andreas Zwengel: Böser ClownArlo Panofsky stellt in der eher mittelmäßig erfolgreichen Vorabendserie »Zander-Squad« einen bösartigen Clown namens »Onkel Manny« dar. Bis er von einem Hoteldach stürzt und sich dabei schwer verletzt. Er verkauft seinen Anteil an die ebenso mäßig florierende Produktionsfirma, die die Fantasy-Serie für das Fernsehen umsetzte und wohnt nun in einem herunter gekommenen Haus.

Zu seinen ehemaligen Kollegen hat er keinen Kontakt mehr. Fern vom Medienrummel sucht er sich einen neuen Job und ist seitdem als Schädlingsbekämpfer tätig. Die Geschichte eines Aussteigers? Eines schrägen Typen? Weit gefehlt! Dies ist der Einstieg in Andreas Zwengels Roman »Böser Clown«, dessen raffinierte Verwicklung aus verschiedenen Handlungssträngen den Leser knapp 500 Seiten lang mit bisweilen knisternden Spannungsbögen bestens unterhält.

Vor Jahren wurden die Darsteller der Fernsehserie »Zander-Squad« von einem vermutlich fanatischen Fan ermordet. Dass Panofskys Kompagnon Tim Kaiser bei einem Autounfall ums Leben kam, schürt neue Gerüchte. Dessen Vater Bernie nimmt Arlo als Geisel, um mit ihm gemeinsam die wahre Todesursache herauszufinden. Bernie sorgt dafür, dass sich die Medien wieder für »Onkel Manny« interessieren. Wider Willen schlüpft Arlo noch einmal in das Clowns-Kostüm, blamiert sich in einer Talkshow und begibt sich auf der Suche nach einem geheimnisvollen Video in Lebensgefahr. Entsprechen Bernies Verschwörungstheorien etwa der Wahrheit?

Andreas Zwengel fabuliert mit feinsinniger Ironie und bedient erfolgreich gängige Klischees. Er entwickelt und überzieht charismatische Charaktere. Seine Protagonisten wirken bald tragisch, erregen des Lesers Mitgefühl oder sind vielleicht auch ein wenig verrückt. Es menschelt. Hier und da scheint sich der Autor im Dschungel des Handlungsgeflechts zu verlieren. Die Ereignisse überrollen den Leser.

Da ist der Spielzeugkonzern »LupoTek«, der eine Neuauflage der Fernsehserie in Spielfilmlänge plant. Der Regisseur agiert so verdächtig wie Konzern-Chef Leydecker, dazwischen Hüskers, der Problemlöser. Hüskers hat alle Hände voll zu tun. Nicht nur mit dem ausgemusterten, alkoholsüchtigen und liebeskranken Schauspieler Vince Vanderbeek. Und da ist die junge Journalistin Sophie Volt, die als Volontärin von der skrupellosen Klatschreporterin Pixie Fletcher ausgebeutet und erniedrigt wird.

Kaum zu glauben, dass Sophie die Chance auf eine Exklusiv-Story bekommt. Ausgerechnet Konstantin Zander lädt sie zu einer Besichtigung des Hauptquartiers der Zander-Squad ein. Moment, denkt der Leser, die Zander-Squad existiert wirklich?, und verschlingt das Kapitel, in dem Sophie das Zeppelin »Jules Verne« anschaut. Mit dem jagen die genialen Zanders nach den Bösewichten der Welt. Fiktion und Realität verschmelzen und schon wird man Zeuge einer Verschwörung. Auch Sinola und sein Gefolge leben tatsächlich und transportieren ihre Intrigen in die Realität. Die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel …

Zwengels Mischung aus Abenteuer, Thriller und Mediensatire gewinnt an Fahrt. Anlehnungen an Action-Helden aus Superheldenserien sorgen für Lesespaß, überbordende Geheimnis- und Thriller-Einlagen sowie skurrile Erfindungen reißen den Leser im Strudel der Ereignisse mit.

Andreas Zwengel: Böser Clown | Deutsch
Verlag Saphir-im-Stahl 2015 | 512 Seiten | amazon-info

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