<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>wortmax | Beiträge von Hardy Crueger</title>
	<atom:link href="https://www.wortmax.de/author/hardy-crueger/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.wortmax.de/author/hardy-crueger/</link>
	<description>Buchvorstellungen und Beobachtungen</description>
	<lastBuildDate>Fri, 14 Jun 2024 07:40:43 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.1</generator>

<image>
	<url>https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2021/02/cropped-wortmax-favicon-32x32.png</url>
	<title>wortmax | Beiträge von Hardy Crueger</title>
	<link>https://www.wortmax.de/author/hardy-crueger/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Ingvar Ambjørnsen: Echo eines Freundes</title>
		<link>https://www.wortmax.de/ingvar-ambjornsen-echo-eines-freundes/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Jun 2024 07:40:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Ingvar Ambjørnsen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=15551</guid>

					<description><![CDATA[<p>»Echo eines Freundes« ist der fünfte Roman um den holprigen Helden Elling. Ingvar Ambjørnsen lässt uns tief in das Leben und die Gedankenwelt Ellings eintauchen, der die Menschen um sich herum oft besser durchschaut, als sich selbst. Dabei fordert der Autor den Lesenden durch schnelle Perspektivwechsel einiges an Aufmerksamkeit ab.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/ingvar-ambjornsen-echo-eines-freundes/">Ingvar Ambjørnsen: Echo eines Freundes</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2024/06/Echo-eines-Freundes.jpg" alt="Ingvar Ambjørnsen: Echo eines Freundes" title="Ingvar Ambjørnsen: Echo eines Freundes" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-15553" /><em>»Wie oft war ich umgezogen, seit ich seinerzeit, in einem Alter von einunddreißig, aus meinem Elternhaus vertrieben worden war? Es kam darauf an, wie ich das zählte. Und was man als neues Heim betrachtete. &#8230; Auf jeden Fall ist das hier, diese Sockelwohnung, die du im nächsten Augenblick betreten wirst, aller Wahrscheinlichkeit nach dein letzter Aufenthaltsort auf Erden. Diese Erkenntnis stimmte mich feierlich und ehrfürchtig &#8230;«</em></p>
<p>Reichlich ausgestattet mit Neurosen, Ticks und Fantasie ist Elling zurück. Zurück in Oslo, wo er einst bei seiner Mutter lebte, auch nach deren Tod noch längere Zeit zusammen mit ihrem Leichnam. Danach folgten Aufenthalte in der Psychiatrie, betreute Wohngruppen, Freundschaften, Fortschritte und Rückschritte. Jetzt ist er Ende Fünfzig und hat sich bei einer älteren Dame in deren Sockelwohnung, die an einem Hang liegt, eingemietet. Nach hinten raus Garten, nach vorne raus Keller. Ein schimmliges Schlafzimmer, das Bad nicht viel besser. Wird Elling das aushalten? </p>
<p>Eindringlich erzählt Ambjørnsen die Geschichte seines skurrilen Helden auch in diesem Roman. Lässt ihn weiter in manchmal kaum erträglichen kleinen Schritten um ein selbstbestimmtes Leben kämpfen. Denn in Ellings Kopf kann schon mal das Aufschließen der Wohnungstür zu einem Drama werden: Was wäre, wenn der gerade erhaltene Schlüssel im Schloss abbricht? </p>
<blockquote><p><em>»Mit einer solchen Nachricht nach Annelore Frimann-Clausen zurückzukehren ist ausgeschlossen. Es ist ganz einfach unmöglich. Du auf der Flucht hinunter nach Sandaker und weiter. In freiem Fall in ein Dasein als drogensüchtiger Obdachloser. Der Weg ist kurz. Darüber lesen wir in der Zeitung. Sehen es im Fernsehen. Jede menschliche Zerstörung beginnt mit etwas, das im Ausgangspunkt wie eine alltägliche Bagatelle wirken kann.«</em></p></blockquote>
<p>Aber er hat gelernt mit diesen ausschweifenden, trüben Gedanken umzugehen, muss sich immer wieder überwinden, wenn er nicht in einem Heim leben will. Sich immer wieder selbst beweisen, dass er es schafft. Das ist manchmal tragisch, aber oft auch auf eine charmante Weise komisch, denn Elling wird nicht als Hans-Wurst dargestellt. </p>
<blockquote><p><em>»Die Welt ist voller Idioten, und die allermeisten davon sind bei Facebook.«</em></p></blockquote>
<p>Zu der Wohnung gehört auch ein Internetanschluss. Erst möchte er ja nicht, aber dann ist die Neugier stärker und er meldet sich bei Facebook an. Natürlich unter einem falschen Namen. Eröffnet Gruppen, schreibt Kommentare und erhält Kenntnisse über seine Mitmenschen, die ihm lieber verborgen geblieben wären. </p>
<blockquote><p><em>»Das Dasein wächst einem über den Kopf. Man endet im Chaos.«</em></p></blockquote>
<p>Ingvar Ambjørnsen lässt uns tief in das Leben und die Gedankenwelt des Elling eintauchen, der die Menschen um sich herum oft besser durchschaut, als sich selbst. Dabei fordert der Autor den Lesenden durch schnelle Perspektivwechsel einiges an Aufmerksamkeit ab. Er nimmt die Leserschaft mit auf einen spannenden und sprachlich fulminanten Roadtrip durch die Gedankenwelt eines psychisch angeschlagenen Mannes, der gelernt hat, sich selbst zu disziplinieren. Das klappt nicht immer und Elling stolpert manches Mal nicht weniger ungeschickt durch sein Leben, als wir alle durch unseres. </p>
<p>Eine klare Leseempfehlung!</p>
<p>Editorisches: »Echo eines Freundes« ist der fünfte Roman um den holprigen Helden Elling. Die Reihe, die nicht als solche angelegt war, begann 1993 mit <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783492225755.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Ausblick auf das Paradies«</a>, es folgten <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783596307210.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Ententanz«</a> (1995), <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783596302987.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Blutsbrüder«</a> (1996), <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783492234313.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Lieb mich morgen«</a> (1999) und erst zwanzig Jahre später der hier besprochene Band. Die Romane wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet und sowohl »Ausblick auf das Paradis« (Oscar-Nominierung 2002) als auch »Ententanz« wurden verfilmt und im Theater gespielt.</p>
<p><strong>Ingvar Ambjørnsen: Echo eines Freundes: Ein Elling-Roman</strong> | Deutsch von Gabriele Haefs<br />
Nautilus 2019 | 320 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783960541837.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783960541837.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/4cfdeb827c5f62c60008e4c2deadb403.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/ingvar-ambjornsen-echo-eines-freundes/">Ingvar Ambjørnsen: Echo eines Freundes</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tore Kvæven: Eisiges Land</title>
		<link>https://www.wortmax.de/tore-kvaeven-eisiges-land/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Feb 2024 11:33:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Tore Kvæven]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=15370</guid>

					<description><![CDATA[<p>Tore Kvævens Roman beginnt im Jahre 1293. Er erzählt die Geschichte des jungen Arnar Vihljamsson. Der versucht trotz der strengen Ordnung, der Hierarchien und der alten Gesetze der Kolonie - in der unter anderem Land-, Jagd- und Fischereirechte geregelt sind - die Ideen seines Lebens um- und durchzusetzen. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/tore-kvaeven-eisiges-land/">Tore Kvæven: Eisiges Land</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2024/02/eisiges-land-cover.jpg" alt="Tore Kvæven: Eisiges Land" title="Tore Kvæven: Eisiges Land" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-15372" /><em>Er ist fünfzehn Jahre alt, es ist seine erste Walrossjagd. Sein Antlitz ist makellos und glatt&#8230; Als ob das Land, das ihn nährt, noch keinen Schaden an ihm angerichtet hätte. Als ob es damit noch warten wollte. Ein junger Jäger aus einem Bergdorf der Westsiedlung. Hin und wieder wirft er einen Blick über die Schulter, aber das Walross ist noch nicht zu sehen.</em></p>
<p>Knapp 400 Jahre lang waren die Küstenstreifen im Süden und Westen Grönlands von Wikingern besiedelt. Möglich wurde das unter anderem, weil dort zu der Zeit ein milderes Klima herrschte als heute. Ein paar hundert Familien bauten Häuser, hielten Pferde, Hunde, Kühe und Schafe. Jagten Walrosse, Robben, Rentiere und Moschusochsen. Waren gespalten in Odin-Gläubige und Christen, und kämpften, vielleicht mangels fremder Gegnern, ab und zu gegen sich selbst.</p>
<p>Tore Kvævens Roman beginnt im Jahre 1293. Er erzählt die Geschichte des jungen Arnar Vihljamsson. Der versucht trotz der strengen Ordnung, der Hierarchien und der alten Gesetze der Kolonie &#8211; in der unter anderem Landrechte, Jagdrechte und Fischereirechte geregelt sind &#8211; die Ideen seines Lebens um- und durchzusetzen. Dafür legt er sich mit den regionalen Häuptlingen und den rauen Sitten an. Das erzeugt viel Spannung, und man ist neugierig, ob er seine gesteckten Ziele erreichen wird, einen eigenen Hof zum Beispiel. Und natürlich, ob er die Frau, in die er sich schon als Teenie verliebt hat, entgegen aller Wahrscheinlichkeit bekommen wird.</p>
<blockquote><p><em>Drei Winter waren seit der Walrossjagd in Botnsvik vergangen. Sowohl für die Odinshöfe als auch für die Fjordhöfe waren es harte Winter gewesen. Schnee und Frost waren schon früh im Herbst gekommen, und im Frühjahr hatte es lange gedauert, bis die Weiden grün geworden waren und die Tiere hatten herausgelassen werden können. Auf mehreren Höfen waren Tiere gestorben, als das Winterfutter ausgegangen war.</em></p></blockquote>
<p>Arnars am weitesten gestecktes Ziel ist ein Fahrt nach Vinland, dem schon früh entdeckten Nordamerika. Dazu braucht er natürlich ein großes seetüchtiges Boot oder Schiff. Aber es gibt nur noch morsche und lecke alte Kähne. Denn eines der großen Probleme ist: Auf Grönland wachsen keine Bäume. Die letzte Lieferung des begehrten Rohstoffs kam aus Norwegen und liegt bereits ein paar Jahre zurück. Lediglich das durch Meeresströmungen angeschwemmte Holz ist verfügbar. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs der Schwierigkeiten bei der Umsetzung seiner Pläne. Denn als sich herausstellt, dass seine Angebetete dem riesenhaften, bärenstarken Sohn eines Stammesführers versprochen ist, werden seine Nöte immer größer und brutaler. Für seinen Lebensplan kämpft Arnar, blutig, verbissen und mit viel Glück. Aber eben auch Pech.     </p>
<p>Tore Kvæven hat einen spannenden Roman über die Facette einer Epoche geschrieben, über die man im Allgemeinen, wenn die Wikingerzeit nicht Passion ist, wenig weiß. Hin und wieder schreibt er aus Sicht von Tieren. Da gibt es den Moschusochsen oder den alten Wal, der wegen eines ungestümen Jägers den Inuit entkommt, was eine fatale Folge für eine der Nordmann-Familien nach sich zieht. Da gibt es den fast verhungerten Eisbär, der auf einem Eisberg Richtung Atlantik treibt. Oder den dreihundert Jahre alten Grönlandhai. Und oft wirkt sich das Schicksal dieser Tiere direkt auf die Menschen aus. Das ist toll gemacht und gibt dem Roman kurz einen anderen Drall, um sich dann wieder Arnars Geschichte zu widmen. </p>
<p>Allerdings habe ich die Stimmung des Buches als eher düster wahrgenommen. Was vielleicht daran lag, dass ich es im Winter gelesen habe. Aber die Lebensumstände der Kolonisten waren alles andere als einfach. Es gab kein Getreide, also auch kein Brot und kein Bier. Das musste importiert werden. Aber, wie schon erwähnt, gab es keinen Schiffsverkehr mit dem Kontinent mehr, ergo auch keinen Nachschub. Die Siedlungen waren dem Untergang geweiht. Etwa hundert Jahre später waren die Wikinger dort verschwunden.</p>
<p>Der Roman »Eisiges Land« ist toll geschrieben und von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann vorzüglich aus dem Norwegischen übersetzt. Nicht umsonst hat das Buch dort alle renommierten Literaturpreise abgesahnt. Ein erfrischender historischer Roman, der aus dem momentanen Einheitsbrei des Genres wohltuend heraussticht.</p>
<p><strong>Tore Kvæven: Eisiges Land</strong> | Deutsch von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann<br />
Piper 2023 | 544 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783492072359.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783492072359.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/c62a2c1463bd3d59925db126987676db.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/tore-kvaeven-eisiges-land/">Tore Kvæven: Eisiges Land</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jo Nesbø: Blutmond</title>
		<link>https://www.wortmax.de/jo-nesbo-blutmond/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jan 2023 12:17:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Jo Nesbø]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=14826</guid>

					<description><![CDATA[<p>Harry Hole nimmt den etwas kuriosen, aber hochdotierten Auftrag an, mit Geld eine Frau in den USA aus den Fängen skrupelloser Geldeintreiber zu befreien. In zehn Tagen muss er den Fall gelöst haben, sonst wird sie umgebracht. Eine etwas plumpe und trotz der Dekoration sichtbar konstruierte Dramaturgie, um Tempo in die Story zu bringen. Aber sie funktioniert ...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/jo-nesbo-blutmond/">Jo Nesbø: Blutmond</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2023/01/Blutmond.jpg" alt="Jo Nesbø: Blutmond" title="Jo Nesbø: Blutmond" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-14828" /><em>»Durch all die Fälle, die er gelöst hat, ist er auch öffentlich bekannt. Vermutlich als einziger Ermittler. Und er gilt als kompromisslos, als ein Mann mit einer Scheißegal-Integrität. Das mag übertrieben sein, aber die Menschen lieben solche Narrative. Bei diesem Image würde wohl kaum der Verdacht aufkommen, dass seine Ermittlungen gekauft und bezahlt sind.«</em></p>
<p>Der das sagt, ist der Anwalt eines reichen Mannes, der beschuldigt wird, zwei Frauen ermordet zu haben. Und der Ermittler, über den er spricht, ist kein anderer als der suspendierte norwegische Polizeibeamte Harry Hole.</p>
<p>Weil das Buch der erste Krimi ist, den ich aus der mittlerweile 13 Bände umfassenden Reihe um den hiob-mäßig leidenden Ermittler gelesen habe, kenne ich dessen Lebensgeschichte nicht. Aber so geschickt, wie der Spiegel-Bestseller Autor sie in den vorliegenden Teil einfließen lässt, macht er schon Lust darauf, mehr über das furchtbare Schicksal zu erfahren.</p>
<p>Harry Hole &#8211; womit wahrscheinlich nicht das englische »Loch« gemeint ist &#8211; nimmt den etwas kuriosen, aber hochdotierten Auftrag an, um mit dem Geld eine Frau in den USA aus den Fängen skrupelloser Geldeintreiber zu befreien. In zehn Tagen muss er den Fall gelöst haben, sonst wird sie umgebracht. Eine etwas plumpe und trotz der Dekoration sichtbar konstruierte Dramaturgie, um Tempo in die Story zu bringen. Aber sie funktioniert und schnell hatte ich die ersten 150 Seiten gelesen.</p>
<p>Harry stellt ein Team von skurrilen alten Bekannten zusammen, die Spiegel-Bestseller-Leserinnen -Leser aus den vorigen Bänden wahrscheinlich bestens bekannt sind, um den Fall in der vorgegebenen Zeit zu lösen: Ein Dealer, ein korrupter Polizist und ein Psychiater mit Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium arbeiten gemeinsam, um die Serienmorde aufzuklären.</p>
<p>Kurios ist Holes Auftrag, weil er das Honorar, immerhin fast eine Million Dollar, auch bekommen soll, wenn er herausfindet, dass der reiche Mann wirklich der Täter ist. Das erschließt sich einem nicht wirklich, aber man vergibt es dem Autor, der es meisterhaft versteht, die Handlungsstränge zu verknüpfen und die Story ganz langsam zu entblättern. Allerdings manchmal etwas zu langsam und 100 Seiten weniger hätten dem Krimi sicher gut getan. Hole-Fans sehen das sehr wahrscheinlich ganz anders.</p>
<p>Langsam entspinnt sich eine Geschichte um Rache, so viel sei verraten, und der Verdacht gegen den reichen Mann erhärtet sich immer mehr. Als sich herausstellt, dass er homosexuell ist, was aber unter keinen Umständen bekannt werden soll, führt das Harry in die Schwulenszene von Oslo, und Jo Nesbø schrammelt mit seinen Schilderungen scharf am Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit vorbei. In manchen Augen sicher nicht »vorbei«, sondern mitten rein. Aber ein Spiegel-Bestseller-Autor darf das wohl.</p>
<p>Zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle nicht sehr viel mehr erzählen, weil das ohne zu spoilern kaum möglich wäre. Nur soviel, da hat der Autor ein riesiges, interessantes, abgefahrenes Thema für einen schnöden Rachefeldzug vergeudet. Echt schade. Und bis zum Schluss frage ich mich, was eigentlich der Titel »Blutmond« mit dem Buch zu tun hat. </p>
<p>Aber damit genug gemeckert. Nesbø ist ein sehr guter Dramaturg und Erzähler. Für einen Krimi hat das Buch außergewöhnliche Qualitäten und macht über weite Strecken wirklich Spaß zu lesen. Spannende, gut gemachte Unterhaltung &#8211; was will man mehr?</p>
<p><strong>Jo Nesbø: Blutmond</strong> | Deutsch von Günther Frauenlob<br />
Ullstein 2022 | 544 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783550201554.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783550201554.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/166a0a379424b5fac864fcfc1b062e9c.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/jo-nesbo-blutmond/">Jo Nesbø: Blutmond</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mats Strandberg: Das Heim</title>
		<link>https://www.wortmax.de/mats-strandberg-das-heim/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Dec 2022 10:48:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Mats Strandberg]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen King]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=14779</guid>

					<description><![CDATA[<p>»Das Heim« ist ein toller Roman und bestätigt einmal mehr die Theorie: Schreibe einen ernsten Roman über ein ernstes Thema und du wirst nur wenige LeserInnen finden; schreibe einen Horror- oder Kriminalroman über ein ernstes Thema, dann werden es sehr viel mehr sein. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/mats-strandberg-das-heim/">Mats Strandberg: Das Heim</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2022/12/Das-Heim.jpg" alt="Mats Strandberg: Das Heim" title="Mats Strandberg: Das Heim" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-14780" /><em>»Sein Mund ist trocken, das Bettzeug schweißgetränkt. Beim Anblick der geschlossenen Tür atmet er langsam auf. Er hat sich den Schrei bestimmt nur eingebildet. Ein böser Traum, an den er sich schon nicht mehr erinnern kann.«</em></p>
<p>»Der schwedische Stephen King« verkündet ein Sticker auf dem Buch, und ich muss ehrlich sagen, dass mich genau der zum Lesen dieses Buches animiert hat. Was für eine plumpe Werbemasche, dachte ich, und wollte einfach sehen, wie der Verlag darauf kommt, so etwas Infames zu behaupten. Denn natürlich kann es nur einen King geben, und sich mit ihm zu vergleichen, ist schon ein bisschen frech. Also, Buch besorgen, Zettel und Stift bereitlegen, damit ich mir die Stichworte für den Verriss notieren kann, und los geht&#8217;s.</p>
<p>Nach vielen Jahren kommt Joel zurück in die kleine Stadt, in der er aufgewachsen ist, um sich um seine Mutter zu kümmern, deren Demenzkrankheit nach einem Herzinfarkt immer schlimmer wird. Traurig organisiert er ihren Umzug in ein nahegelegenes Pflegeheim. Dort arbeitet Nina, mit der er früher mal dick befreundet war und erfolgreich Musik gemacht hatte, bis er ihre gemeinsame Musikerkarriere &#8211; einen Plattenvertrag schon in der Tasche &#8211; durch eine Drogenkarriere ersetzte, während Nina Mutter, Ehefrau und Altenpflegerin wurde und auf der Dementen-Wohngruppe viel zu viele Dienste schiebt &#8230; </p>
<p>So so, denke ich, nachdem ich fast hundert Seiten gelesen habe und notiere: Ziemlich gut geschrieben, wechselnde und leicht nachvollziehbare Perspektiven und Zeitebenen, empathische Beschreibung dementer Menschen. Aber ich denke auch, wo bleibt denn da der Horror? Sollte dieser Fettfleck an der Wand im Schlafzimmer von Joels Mutter der Einstig in die Geisterbahn sein? Oder sind es doch mehr die alten Frauen auf der Dementenstation, deren Macken, Marotten und Demenz-Symptome der Autor so treffend beschreibt, dass man den Verdacht hegt, er könne selber für einige Zeit auf solch einer Station gearbeitet haben? Flüssiger Stil, gute Charakterbeschreibungen, klasse Figurenentwicklung, notiere ich weiter auf meinen Zettel und füge hinzu: Aber wo ist der Thrill? Ich lese trotzdem interessiert weiter und bekomme die Antwort nur wenige Seiten später, denn mit Joels Mutter Monika stimmt etwas ganz und gar nicht:</p>
<blockquote><p><em>»Sie schreit laut auf, als Monikas Augen sie direkt anstarren. Monika sitzt aufrecht im Bett. Das alte Gesicht ist zu einer Grimasse verzogen. Ihr Mund ist weit geöffnet. Die Halssehnen sind so gespannt wie Drahtseile. Ihre Hände umklammern das Bettgitter. Ein leises, metallisches Klirren erklingt, und Johanna erkennt, dass das ganze Bett bebt. Das kann doch nicht sein! Johanna geht näher an das Bett heran &#8230; Hallo, sagt sie. Hallo, hören Sie mich? Das Herz hämmert Johanna in der Brust. Sie streckt die Hand aus. Zieht sie rasch zurück, als Monika ein langgezogenes, tief aus der Brust kommendes Stöhnen von sich gibt. Ich muss jemanden zu Hilfe holen. Hoffentlich hat Adrian Dienst.«</em></p></blockquote>
<p>Die alte Dame benimmt sich immer merkwürdiger, weiß plötzlich um die furchtbaren Geheimnisse, die nicht nur ihr Sohn mit sich herumschleppt. Schatten huschen umher, Lichter flackern und auch die Mitbewohnerinnen scheinen in ihrer Krankheit immer mehr einem Wahn aus Engeln und Geistern zu verfallen. Joel und seine Ex-Freundin finden nur ganz langsam heraus, um was es hier eigentlich geht. Und nachdem sie sich wieder zusammengerauft haben, nehmen sie den Kampf auf, in dem es um nichts anderes geht, als die Welt zu retten. </p>
<p>Den Schauplatz für einen Horrorroman auf eine Wohngruppe für demenzkranke Menschen zu legen, finde ich ziemlich gewagt, denn diese Krankheit ist schon Horror genug. Aber Mats Strandberg versteht es außerordentlich gut, vor platten Splatter-Szenen abzubiegen und das »jetzt, jetzt beißt sie zu / jetzt schlägt sie zu / jetzt sticht sie ihr das Messer in die &#8230;«, und die Erwartungshaltung der Leserschaft in diese Richtung gerade nicht zu erfüllen. Allerdings zieht er sich ein paar Mal auf einschlägig bekannte Horrorelemente und -motive zurück, wie etwa aus »Der Exorzist«, lässt sie die Protagonisten sogar erwähnen, denn sie kennen natürlich diese Filme und Bücher &#8211; auch die von Stephen King.</p>
<p>»Das Heim« ist ein toller Roman und bestätigt einmal mehr die Theorie: Schreibe einen ernsten Roman über ein ernstes Thema und du wirst nur wenige LeserInnen finden; schreibe einen Horror- oder Kriminalroman über ein ernstes Thema, dann werden es sehr viel mehr sein. Das Buch ist vielleicht nicht unbedingt für Menschen zu empfehlen, die gerade einen Angehörigen in ein Pflegeheim gebracht haben und der Slogan »Der schwedische Stephen King« etwas übertrieben, hat mich aber zu einem Autor gebracht, der sein Handwerk versteht und von dem ich noch den ein oder anderen Roman lesen werde.</p>
<p><strong>Mats Strandberg: Das Heim</strong> | Deutsch von Nina Hoyer<br />
Fischer Tor 2021 | 432 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783596703777.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783596703777.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/feffd3ec8e7961836e3fbb49da1cab58.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/mats-strandberg-das-heim/">Mats Strandberg: Das Heim</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Franzobel: Das Floß der Medusa</title>
		<link>https://www.wortmax.de/franzobel-das-floss-der-medusa/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 May 2021 12:58:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Alexandre Corrèard]]></category>
		<category><![CDATA[Franzobel]]></category>
		<category><![CDATA[Henri Savigny]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=13769</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ende Juni 1816 bricht eine kleine Flotte von Frankreich auf, um koloniale Gebiete im Senegal und in Gambia nach dem Sturz Napoleons wieder für die französische Krone in Besitz zu nehmen. Geführt wird das Geschwader von dem total unfähigen, aber adeligen Kapitän des Flaggschiffes <em>Medusa</em>, der damit seine erste Seereise absolviert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/franzobel-das-floss-der-medusa/">Franzobel: Das Floß der Medusa</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2021/05/das_floss_der_medusa.jpg" alt="Franzobel: Das Floß der Medusa" title="Franzobel: Das Floß der Medusa" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-13770" /><em>»Es war nur eine ruhige Strecke entlang der Küste Richtung Afrika. Aber die See war weiblich, unberechenbar, konnte wie seine Frau von einem Moment auf den nächsten die Stimmung wechseln, aus der friedlichsten Ruhe ins Toben kommen, Charliiiiie brüllen.«</em></p>
<p>Aber was zu dem Schiffbruch und den grauenvollen Ereignissen führte, war nicht die weibliche See, sondern ganz einfache männliche Überheblichkeit, Dummheit und Arroganz. Denn der Kapitän der <em>Medusa</em>, den Franzobel einen »affektierten Geck« nennt, hatte wohl den größten Anteil an dem furchtbaren Desaster, das der Österreicher in einen meisterhaft fabulierten, grotesken und wortgewaltigen historischen Roman gegossen hat. Aber was genau war passiert?</p>
<p>Ende Juni 1816 bricht eine kleine Flotte von Frankreich auf, um koloniale Gebiete im Senegal und in Gambia nach dem Sturz Napoleons wieder für die französische Krone in Besitz zu nehmen. Geführt wird das Geschwader von eben dem total unfähigen, aber adeligen Kapitän des Flaggschiffes <em>Medusa</em>, der damit seine erste Seereise absolviert.</p>
<p>An Bord dieser Fregatte sind ca. 400 Menschen: Matrosen, Soldaten, Handwerker, ein paar Auswanderer, Kaufleute mit Familien und der neue Gouverneur nebst einem Stab von Verwaltungsbeamten. Ungeduldig, endlich seinen neuen Posten antreten zu können, drängt der Gouverneur den Kapitän dazu, den kürzesten Weg einzuschlagen, der über ein bekanntes Seegebiet voller Untiefen und Sandbänke an der Ostküste Afrikas führt, während die anderen Schiffe eine sicherere Route wählen. Natürlich läuft die Fregatte dort auf Grund und ist nicht wieder flott zu kriegen, unter anderem weil der Kapitän die schönen Kanonen nicht über Bord werfen will.</p>
<blockquote><p><em>Die Medusa selbst steckte im Sand wie ein Frühstücksei im Becher &#8211; es war nur eine Frage der Zeit, bis sie zerschlagen wurde.</em></p></blockquote>
<p>Wie es sich für ein ordentliches Schiffsunglück gehört, reichen die Bei- und Rettungsboote nicht für alle Menschen an Bord aus. Also wird aus den Rahen und Masten ein riesiges Floß zusammengezimmert. Der Plan ist, es mit den Rettungsbooten bis zu der vielleicht 80 Seemeilen entfernten Küste zu ziehen. Man braucht nicht besonders viel Esprit, um sich vorzustellen, wer ein Platz in einem der Boote bekommt und wer auf das Floß muss.</p>
<p>Die Rahen sind schwer und haben nur wenig Auftrieb, die 150 Menschen, die auf das Vehikel beordert werden, stehen bis zur Hüfte im Wasser. Als die aufgelaufene Fregatte auseinander zu brechen droht, gibt der Kapitän den Befehl zum Verlassen des Schiffes und besteigt als einer der ersten das größte Beiboot. Dann werden alle Boote hintereinander mit dem Floß vertäut, die Ruderer geben alles und es tut sich &#8230; nichts. Das Floß ist viel zu schwer. Also werden die Leinen gekappt und die 150 Flößer dem Treiben der See überlassen, mit ein paar Pfund Zwieback, einem Fass Wasser und zwei Fässern Wein. Nur fünfzehn werden die knapp zwei Wochen überleben. Während sich die Adeligen und Kaufleute von ausgesuchten Seeleuten an Land rudern lassen, stehen die Soldaten, Matrosen und Handwerker im Atlantik und wissen nicht was sie tun sollen. </p>
<blockquote><p><em>Rings um sie herum war nur Meer. Eine sich hebende und senkende graublaue, aber gleichgültige Fläche unter einem hellblauen Himmel. Eine majestätische Pracht, ein unendlicher blauer Acker mit Silberschlieren.</em></p></blockquote>
<p>Aber es sind auch einige Offiziere darunter und der Wundarzt Henri Savigny, dem wir den schriftlich niedergelegten Augenzeugenbericht verdanken, auf den sich Franzobels Roman bezieht. Und bei aller Fabulierkunst und den mit großer schelmischer Lust wunderbar plastisch dargestellten Personen hat sich der Autor ziemlich genau an diese grausamen Aufzeichnungen gehalten. Denn schon nach der ersten Nacht sind weniger Menschen an Bord als vorher. Sie werden verrückt vor Durst und Hunger, werfen sich gegenseitig ins Meer, massakrieren sich, schlachten sich ab, zerschlagen die Wassertonne, werfen den Zwieback ins Meer. Ein paar erobern ein Weinfass, werden mit dem Tode bestraft. Als der Hunger allzu groß wird, werden die Toten zerlegt. Bei denen, die noch moralische Bedenken haben, überwiegt die Angst, denn <em>»wenn ich nichts esse, werde ich schwach und dann bin ich der nächste Happen«.</em></p>
<p>Soweit die Geschichte, wie sie sich wirklich zugetragen hat. Franzobel hat daraus einen ganz wunderbaren Seefahrer-Roman gemacht, der nebenbei das Leben an Bord brillant und drastisch beschreibt. </p>
<blockquote><p><em>Er war zwischen schrecklichen Menschen gelandet &#8211; lieblose, rohe Burschen. Kaltherzig, derb und auf dem kulturellen Stand von Zuckerrüben.</em></p></blockquote>
<p>Der Autor benutzt ein großes Figurenensemble, dem er auf seine ganz eigene Art und Weise Leben einhaucht. Da ist der naive Schiffsjunge, der sadistische Koch und sein Untergebener, der tumbe Kapitän und sein hochstaplerischer Freund, die drei fetten Schwestern, der arroganten Gouverneur, der treue Seemann, die Adelstochter mit dem Feuermal, der »Negersoldat«, der skurrile Matrose. Und es bleibt sogar noch Platz für eine zart angedeutete Liebesgeschichte. Franzobel ist mit dem Roman wirklich ein famoses Stück Unterhaltung gelungen.</p>
<p>Das vermeidbare Schiffsunglück der <em>Medusa</em> wurde im frühen 19. Jahrhundert in ganz Europa als Sinnbild auf die herrschenden politischen Verhältnisse diskutiert und in vielen künstlerischen Werken verarbeitet, wobei das berühmteste sicher das hochdramatische Gemälde »Das Floß der Medusa« des Malers Théodore Géricault ist. Wer sich für die wahre Gesichte hinter dem Roman interessiert, dem empfehle ich die <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783957574220.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Original-Aufzeichnungen von Henri Savigny und Alexandre Corrèard</a> aus dem Jahre 1818.</p>
<p><strong>Franzobel: Das Floß der Medusa</strong> | Deutsch<br />
btb 2019 | 592 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442717194.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442717194.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/db2bc819e172266f7695527575196e4c.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/franzobel-das-floss-der-medusa/">Franzobel: Das Floß der Medusa</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dmitry Glukhovsky: Text</title>
		<link>https://www.wortmax.de/dmitry-glukhovsky-text/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Dec 2020 09:23:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Dmitry Glukhovsky]]></category>
		<category><![CDATA[Franziska Zwerg]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=11640</guid>

					<description><![CDATA[<p>Schmuddelige Moskauer Tristesse im tiefen Herbst 2016: »Über den dritten Verkehrsring wälzten sich Millionen von Autos, die Scheinwerfer brannten auch bei Tageslicht, in der Luft hing der Reifendreck, aus den Unterführungen quollen die Menschen, Moskau quirlte, atmete, war lebendig. Ilja wollte es anfassen, alles nacheinander anfassen, darüberstreichen. Sieben Jahre hatte er sie berühren wollen, die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/dmitry-glukhovsky-text/">Dmitry Glukhovsky: Text</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2020/12/text.jpg" alt="Dmitry Glukhovsky: Text" title="Dmitry Glukhovsky: Text" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-11641" />Schmuddelige Moskauer Tristesse im tiefen Herbst 2016: »Über den dritten Verkehrsring wälzten sich Millionen von Autos, die Scheinwerfer brannten auch bei Tageslicht, in der Luft hing der Reifendreck, aus den Unterführungen quollen die Menschen, Moskau quirlte, atmete, war lebendig. Ilja wollte es anfassen, alles nacheinander anfassen, darüberstreichen. Sieben Jahre hatte er sie berühren wollen, die Stadt Moskau.«</p>
<p>Nach sieben Jahren wird der junge Ilja Gorjunow aus einer Haft entlassen, in die ihn kein Verbrechen, sondern ein skrupelloser Polizist gebracht hatte. Nur um ein paar Stufen auf der Karriereleiter empor zu kraxeln, hat Petja Chasin den gerade examinierten Russisch-Student geopfert und dessen Leben zerstört. Als Ilja nach Hause kommt &#8211; ein fader Wohnblock in einem Moskauer Vorort, in dem er zusammen mit seiner Mutter wohnt &#8211; muss er erfahren, dass sie kurz vor seiner Ankunft an einem Herzinfarkt gestorben ist. Dieses Ereignis bringt das Wut-Fass in Ilja zum Überlaufen und anstatt sich in sein Schicksal zu fügen, beginnt er den Mann zu suchen, der ihm seine Lebensjahre geraubt hat, um sich an ihm zu rächen. </p>
<p>Allerdings begann diese Suche auf »Vkontakte« (einer russischen social-media Plattform) bereits im Gefängnis, und tatsächlich gelangte es ihm dort, einen frühen Account des Polizeioffiziers zu finden. Nun hangelt er sich auch durch dessen Einträge und Selfies bei Facebook und Instagram, findet heraus, welche Diskothek er immer wieder aufsucht und legt sich dort mit einem Wurstmesser seiner Mutter in der Tasche auf die Lauer.</p>
<p>Ilja verletzt Petja Chasin lebensgefährlich und sieht ihm zu, wie er im Todeskampf sein Smartphone entsperrt. Er nimmt es ihm ab, wirft den Sterbenden in einen Gully und flieht. Wieder Zuhause beginnt das Telefon zu summen. Natürlich nimmt Ilja das Gespräch nicht an. Aber gleich darauf geht eine WhatsApp-Nachricht an Petja Chasin ein: »Alles in Ordnung bei dir? Mache mir Sorgen. Mama.« Bam!</p>
<p>Ilja beginnt sich mit dem Telefon zu beschäftigen. Liest die Chats auf WhatsApp und Signal, taucht immer tiefer in das Leben des Beamten ein. Begegnet seinem Opfer in der digitalen Welt und eignet sich dessen Sprachduktus an, damit er unbemerkt im Namen des Getöteten kommunizieren kann: mit dessen Eltern, seiner Freundin, dem Chef, den Kollegen und Drogenhändlern. Denn Ilja braucht Geld. Um seine Mutter zu begraben, und für die Flucht. </p>
<p>Unglaublich kompakt erzählt Dmitry Glukhovsky die nur ein paar Tage dauernde Odyssee seines Protagonisten durch ein spätherbstliches Moskau und knüpft dabei einen Schicksalsschlag an den nächsten: Tod, verlorene Liebe, Mord, Eifersucht, Flucht, Drogenhandel, Verrat, Lüge. Er spinnt ein dichtes Netz dramatischer Vorfälle von solcher Intensität, dass man den Roman förmlich verschlingt, weil man wissen möchte, ob es am Ende nicht doch einen kleinen, wärmenden Hoffnungsschimmer für Ilja Gorjunow gibt. Denn der stolpert von einem Schlamassel in den anderen, verstrickt sich immer tiefer in das Leben des Polizeiagenten. Glukhovsky verpackt so äußerst geschickt eine verheerende Kritik an den russischen Staat und dessen korruptes Beamtenwesen.</p>
<p>Einer in Deutschland lebenden Leserschaft, unbefleckt von der Gewalt einer diktatorischen Regierung und an rechtsstaatliche Verfahrensweisen gewöhnt, fällt es sicher nicht immer leicht, den ineinander verwobenen und verknoteten Handlungssträngen voller Intrigen zu folgen. Gerade wenn es um die Machenschaften eines staatlichen Sicherheitsapparates geht und den feinen, aber gefährlichen und manchmal tödlichen Druck, den er ausübt. Der riesige Unterschied zwischen Respekt oder eben Angst der Bürger gegenüber ihres Staates und seiner Organe wird hier mehr als deutlich, nicht nur durch die mit umgehängten Maschinenpistolen in der Stadt auf Wache stehenden Polizisten symbolisiert, sondern auch, wenn aus heiterem Himmel mal eben für zwei Stunden Straßen gesperrt und S-Bahnen gestoppt werden, nur weil der Präsident &#8211; bezeichnenderweise »Zar« genannt &#8211; mit seinem Gefolge durch Moskau prescht.</p>
<p>Selbst wenn man die Systemkritik wegstreicht, die übrigens nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt, und lediglich die (kriminalistisch geprägte) Handlung betrachtet, ist dem Autor mit »Text« ein großartiger, zeitgenössischer Roman gelungen, der außerdem, soweit ich das beurteilen kann, von Franziska Zwerg hervorragend übersetzt wurde. Eine unterhaltsame, spannende, rasante und beklemmende Fahrt durch die finstere Seite der russische Seele ist das Buch allemal, ebenso ein eiskalter, gnadenloser Thriller, wie gemacht für lange dunkle Winterabende.</p>
<p><strong>Dmitry Glukhovsky: Text</strong> | Deutsch von Franziska Zwerg<br />
Ullstein 2020 | 368 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783548060040.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783548060040.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/e10e7e8df8fbb72ec80aa7f552f490c1.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/dmitry-glukhovsky-text/">Dmitry Glukhovsky: Text</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Martin Beyer: Und ich war da</title>
		<link>https://www.wortmax.de/martin-beyer-und-ich-war-da/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jan 2020 16:35:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Beyer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=10900</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Vater hat nie zu uns gesagt: »Es ist gut!«; wir waren niemals fertig, und niemals war das, was wir taten, nach seinen Maßstäben genug. Einen Erfolg genießen, zu ruhen, all das kann ich bis heute nur sehr schlecht &#8211; der Vater konnte es überhaupt nicht. (&#8230;) Diese Art zu Arbeiten stieß uns alle auf [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/martin-beyer-und-ich-war-da/">Martin Beyer: Und ich war da</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2020/01/und_ich_war_da.jpg" alt="Martin Beyer: Und ich war da" title="Martin Beyer: Und ich war da" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-10901" /><em>Der Vater hat nie zu uns gesagt: »Es ist gut!«; wir waren niemals fertig, und niemals war das, was wir taten, nach seinen Maßstäben genug. Einen Erfolg genießen, zu ruhen, all das kann ich bis heute nur sehr schlecht &#8211; der Vater konnte es überhaupt nicht. (&#8230;) </p>
<p>Diese Art zu Arbeiten stieß uns alle auf eine Spirale, von der wir nicht mehr abspringen konnten. Der Druck erhöhte sich immer mehr, bis es endlich Winter wurde und uns die Natur eine Verschnaufpause verordnete. Wenn aber nicht Winter war, reichte jeder Funke, um das mit Sprengstoff randvoll gefüllte Vaterfass explodieren zu lassen.</em></p>
<p>Und das tut es. Mehr als einmal lässt Martin Beyer den Vater seines Protagonisten zuschlagen. Gestürzt, die Treppen heruntergefallen, ausgerutscht, wird dem Arzt erzählt, der kurz nach dem Jungen schaut.</p>
<p>August Unterseher wächst zusammen mit seinem Bruder mutterlos (sie ist bei seiner Geburt gestorben) in einem Dorf in der Nähe von München auf. Der Vater &#8211; despotisch, gewalttätig und wortkarg &#8211; verweigert sich dennoch des aufkeimenden und rasend schnell heranwachsenden Faschismus. Allerdings sind seine Motive dafür ebenso wenig edel, denn als die beiden Söhne von der HJ gezogen werden, fehlen sie für die Arbeit auf dem Hof. Bruder Konrad erlangt in der Organisation Kraft und Selbstbewusstsein, die schließlich zur Auflehnung gegen den Vater führt; August macht mit, um der brutalen Tristesse zu entgehen. Aber er lernt in der HJ Paul kennen, einen Außenseiter mit unklarer Abstammung, der deshalb von Anfang an ins Visier des HJ-Führers gerät. </p>
<p>Ein von August in Pauls Rucksack eingeschleustes verbotenes Buch soll den Anlass liefern, den obskuren Jungen loszuwerden. Doch August weigert sich, platziert das Buch nicht in dessen Rucksack, nimmt die Strafe für diesen Ungehorsam auf sich und wird dafür mit Pauls Freundschaft belohnt. Der ihn zu sich nach Hause einlädt, in eine ganz andere Welt, bunt und von Bildung geprägt. Als Pauls Familie schließlich nach Italien flieht, schlägt August das Angebot mitzugehen leider aus, denn der Autor hat anderes mit ihm im Sinn.</p>
<p>Und das ist nur eine Episode der Geschichte des August Unterseher, die doch allein schon fast für einen Roman gereicht hätte. Aber das war nicht die Idee des Martin Beyer. Er will mehr, zu viel erzählt er auf so wenigen Seiten, dass sein Protagonist dabei fast auf der Strecke bleibt. Dessen Gefühle, dessen persönliche Entwicklung lassen sich kaum nachvollziehen. Unter anderem lernt er plötzlich eine junge Frau im Wald kennen, die im Widerstand ist und auch die versucht er zu schützen, dann wiederum ist er emotionslos an der massenhaften Erschießung von Juden beteiligt.</p>
<p>Stilistisch ist der Roman sehr gut erzählt. Zeilen wie »ein Zorn von bemerkenswerter Kraft und Reinheit« bleiben im Kopf. Die Dramaturgie der ersten Hälfte ist ausgefeilt, aber dann hetzt der Autor seine Hauptfiguren durch die Zeit und scheint nur noch Klischees abzuhaken, wie die homosexuellen Neigungen seines Vorgesetzten, die Gräueltaten der Wehrmacht, das Leben im Dritten Reich. Eine hastige Erzählung, die schließlich damit endet, dass man den Menschen vor sich hat, der als Henkershelfer an der Ermordung von Sophie Scholl beteiligt war.</p>
<p>Letztendlich erfährt man nicht, warum August Unterseher das Leben geführt hat, das er führte. Ist er doch der Überlebende, der seine Geschichte selbst erzählt. Die Frage, was für ein Mensch August ist, wird von Martin Beyer nicht beantwortet. August reflektiert nicht, er hinterfragt nicht, verweigert sich nicht, sein Gewissen, das ja durchaus vorhanden ist, meldet sich nicht, er wird vom Fluss seines Lebens einfach mitgespült.</p>
<p>Der Roman wirkt eher wie eine Zusammenfassung, ein erweiterter Entwurf zu dem, was ein großer Roman hätte werden können. Ein Roman über den namenlosen Mann der half, Sophie Scholl zu ermorden. Der nicht einmal eine Randnotiz in der Geschichte ist, aber »er war da«, wie so viele andere, und das ist es, was den Roman letztendlich doch lesenswert macht.</p>
<p><strong>Martin Beyer: Und ich war da</strong> | Deutsch<br />
Ullstein 2019 | 192 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783550200397.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783550200397.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/578e345f2326e5e4645914baaaf98df5.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/martin-beyer-und-ich-war-da/">Martin Beyer: Und ich war da</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Marcus Imbsweiler: Fjørdmusik</title>
		<link>https://www.wortmax.de/marcus-imbsweiler-fjordmusik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Feb 2019 08:42:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Marcus Imbsweiler]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=10145</guid>

					<description><![CDATA[<p>»Ob es eine gute Probe ist, weiß ich nicht, es ist auf jeden Fall eine ereignisreiche. Irgendwann will Puppe noch mal eine Stelle aus dem ersten Satz hören, den Übergang von der langen Solopassage zum folgenden Abschnitt. Irina stürzt sich also in ihre halsbrecherischen Läufe, es knirscht und schrillt &#8211; und auf dem Höhepunkt meldet [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/marcus-imbsweiler-fjordmusik/">Marcus Imbsweiler: Fjørdmusik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2019/02/fjordmusik.jpg" alt="" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-10147" /><em>»Ob es eine gute Probe ist, weiß ich nicht, es ist auf jeden Fall eine ereignisreiche. Irgendwann will Puppe noch mal eine Stelle aus dem ersten Satz hören, den Übergang von der langen Solopassage zum folgenden Abschnitt. Irina stürzt sich also in ihre halsbrecherischen Läufe, es knirscht und schrillt &#8211; und auf dem Höhepunkt meldet sich das Fagott zu Wort. Ganz samtig und schön tief. Als wenn einem ein Kumpel die Hand auf die Schulter legte: Nun fahr mal wieder runter, Brüderchen.«</em></p>
<p>Weil dem Uni-Orchester Musiker fehlen, verteilt Ann Flyer auf dem Campus. Eine Orchesterfahrt nach Norwegen mit drei Konzerten und anschließendem Fußballspiel steht an. Die Truppe braucht unbedingt Verstärkung. Nicht nur auf Drängen seines besten Freundes Leo nimmt der Jurastudent Ole Jakobsen einen Flyer mit, obwohl er sich für einen der schlechtesten Bratscher hält, denn Ann hat es ihm sofort angetan. Liebe auf den ersten Blick, könnte man sagen.</p>
<p>Nach dem Vorspielen geht es los, eine Woche Spaß in Norwegen, statt eine wichtige Semesterarbeit zu schreiben. Das muss man erst einmal dem Vater, ebenfalls Jurist, beibringen. Aber Ole kann das. Was er nicht kann, ist, sich gegen den Widersacher Gernot durchsetzen, dem Pauker des Ensembles, dem es Ann ebenfalls angetan hat. Aber was ist los mit der zierlichen Frau &#8211; blondes Strubbelhaar, spitze Nase? Warum scheint sie mit beiden Typen zu spielen? Und warum ist Leo oft so mürrisch?</p>
<p>Die Lage wird für Ole fast unerträglich, als er sich mit dem Nebenbuhler ein Zimmer teilen muss. Trotz des Fisches »Kveite«, den Gernot von einem freundlichen norwegischen Fischer geschenkt bekam, versucht Ole eine gute Miene zu machen. Sogar bei dem Wunsch, endlich einen echten, lebenden Elch zu sehen, unterstützt er ihn, und gemeinsam verpassen sie die Weiterfahrt in den Bussen. Ausgesetzt im Fjell, in der Weite Norwegens, werden sie von einem Auerhahn bedroht, bevor ein alter Norweger sie mit seinem klapprigen Auto wieder in die Zivilisation zurückbringt.</p>
<p>Aber das sind nur die Abenteuer am Rande, die Ole erlebt und die Imbsweiler schön flott und erfrischend erzählt, ohne in eine peinliche klischeebeladene Jugendsprache abzugleiten, oder gar in ein schwülstiges Liebesgesäusel.</p>
<p>Und auch die Passagen, in denen die Truppe die Stücke von Schostakowitsch und Sibelius übt (eine mir gänzlich unbekannte Welt, denn ich habe noch nie als zweite Geige in einem Orchester gesessen) sind unterhaltsam, weil der Autor das nämlich menschlicher Sicht schreibt, nicht aus einer spezifisch kulturellen.</p>
<p>Aber in Wirklichkeit geht es in dem Roman um die Entwicklung seiner Protagonisten. Als Höhepunkt der Geschichte, quasi der Paukenschlag des Romans, erklärt Ann Ole, warum sie mal hü und mal hott sagt. Letztendlich findet Ole sogar die Kraft, seinem Vater zu beichten, dass Jura nichts für ihn ist. Beide bleiben sie noch ein paar Tage bei dem inzwischen schwer verletzten Gernot in Norwegen.</p>
<p>»Fjørdmusik« ist ein Buch, nach dem ich weiß, was es heißt, die zweite Geige zu spielen. Eine wohlkomponierte Reise durch Norwegen ist der Roman allemal. Zum Schmunzeln, Wundern und voll jugendlicher Frische, fern von jedem Kitsch eines Liebesromans. Und am Ende tritt doch noch ein Kobold auf, herrlich!</p>
<p><strong>Marcus Imbsweiler: Fjørdmusik</strong> | Deutsch<br />
Conte Verlag 2018 | 426 Seiten | <a href="https://www.book2look.com/book/9783956021343(wortmax.de)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leseprobe und mehr</a> | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783956021343.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783956021343.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/c72b65b1d282027b0df0d11ff5ca3fe5.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/marcus-imbsweiler-fjordmusik/">Marcus Imbsweiler: Fjørdmusik</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Franz Simon Meyer: Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens</title>
		<link>https://www.wortmax.de/franz-simon-meyer-die-ganze-geschichte-meines-gleichgueltigen-lebens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Nov 2018 08:18:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Simon Meyer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=9940</guid>

					<description><![CDATA[<p>»Die Wüsten von Afrika, die seit dem 16ten Jahrhunderte keinen Schnee mehr gesehen, waren schuhhoch damit bedeckt und die Bewohner von Bordeaux, von Toledo und von Sevilla hatten das seltene Vergnügen, auf den erstarrten Fluten der Garonne, des Tajo &#8230; sich im Schlittschuhlaufen zu üben. Wie die angehängte Übersicht zeigt, war der Winter 1829 á [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/franz-simon-meyer-die-ganze-geschichte-meines-gleichgueltigen-lebens/">Franz Simon Meyer: Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2018/11/die-ganze-geschichte-meines-gleichgueltigen-lebens.jpg" alt="Franz Simon Meyer: Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens" title="Franz Simon Meyer: Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-9941" /><em>»Die Wüsten von Afrika, die seit dem 16ten Jahrhunderte keinen Schnee mehr gesehen, waren schuhhoch damit bedeckt und die Bewohner von Bordeaux, von Toledo und von Sevilla hatten das seltene Vergnügen, auf den erstarrten Fluten der Garonne, des Tajo &#8230; sich im Schlittschuhlaufen zu üben. </p>
<p>Wie die angehängte Übersicht zeigt, war der Winter 1829 á 1830 einer der fürchterlichsten und längsten, der die Menschheit betrübten. Auch war die Not so groß, doch auch die Hilfe stellte sich großherzig ein und Gaben an Geld, Kleidung und Holz flossen reichlich den Armen zu. Alle Vergnügen wurden eingestellt und die dazu bestimmten Kosten den Armen zugewendet.«</em></p>
<p>So beschrieb der Bankier Franz Simon Meyer aus Baden im Dezember 1830 den vorherigen Winter, der lang und mit bis zu -31 Grad Celsius bis dato einer der kältesten in seinem Leben gewesen sein muss. In seinem »gleichgültigen« Leben, das der 1799 in Rastatt geborene Bankier von 1816 &#8211; 1871 aufschrieb. Und uns damit die wunderbare Möglichkeit eröffnet, 55 Jahre eines Menschenlebens im 19. Jahrhundert aus nächster Nähe zu erleben.</p>
<p>Die Rückschau eines jeden Jahres beginnt Meyer meist mit dem Wetter. Beschreibt eisekalte Winter, verregnete oder heiße Sommer (1842/37,5 Grad) mit Dürreperioden »bis in den Oktober hinein« und deren Auswirkung auf die Preise für Korn, Kartoffeln und Wein. Berichtet von einem roten Polarlicht, das am 7. Januar 1831 um 9 Uhr Abends am Himmel zu sehen war. Dann folgt ein kurzer Bericht der politischen Weltlage. Und spätestens hier kann man sich dem Bann der geschichtlichen Ereignisse nicht mehr entziehen, den Erzählungen eines Menschen, der dabei war, eines »Zeitgenossen«, der die Dinge nicht nur so schildert, wie er sie in der Zeitung gelesen haben mag. Franz Meyer hatte durch seine Tätigkeit als Bankier einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, der sich wegen der »Heilbäder« in Baden aus gutsituierten Europäern zusammensetzte.</p>
<p>Vom Weltgeschehen kommt er dann schnell zur verstorbenen Ehefrau, deren Tod ihn noch über die Heirat mit einer neuen Frau hinaus schmerzte. Kinder sterben an Krankheiten wie Diphtherie, Typhus und Tuberkulose, und man bedankt sich innerlich, das wir heute davon ebenso verschont sind, wie von den Kriegen, die im damaligen Europa immer wieder ausgefochten wurden.</p>
<p>Im Nahen Osten hat sich, wie&#8217;s scheint, nicht viel geändert, es sah im Prinzip aus wie heute: <em>»Während grausame Naturereignisse ganze französische Landstriche verheerten, während der Krieg in Syrien blühende Städte zerstörte, während alle Völker sich zum Kampfe rüsteten, blieb nur Deutschland unberührt.«</em> Und <em>»im Osten wächst riesengroß Russlands furchtbarer Coloss«</em>, bis Russland, <em>»nachdem es viele andere Staaten zertrümmert, an seiner eigenen Größe untergeht«</em>, wie er unkt.</p>
<p>Franz Simon Meyer ärgert sich über die Eisenbahn und die Spekulanten; freut sich 1839 über die Anfänge der Fotografie, der »LichtZeichnung« mittels eines Daguerreotype; erwähnt erste Dampfschiffe auf der Donau; berichtet von gewaltigen Kanalbauten und erwähnt die erfolgreiche Fahrt eines großen Ballons, der <em>»Eisenbahn und Kanalbauten wohl überflüssig machen könnte«</em>.</p>
<p>Durchdrungen von dem Wunsch und der Hoffnung auf ein vereinigtes Deutschland beschreibt Meyer die gleichen Bestrebungen in Italien, wo die Bürger ebenso unter der Zersplitterung ihres Landes litten. Einen großen Teil des Buches aber nehmen die Revolutionsjahre 1848/49 ein. Und hier werden die Aufzeichnungen interessanter als viele historische Romane oder Geschichtsbücher. Denn es berichtet ein Zeitzeuge, der als Reaktionär und überzeugter Monarchisten aus heutiger Sicht wohl auf der falschen Seite stand. Erzählt, wie er sich nach den ersten Unruhen in einer Versammlung im März 1848 für den Großherzog von Baden eingesetzt und dafür als »VolksVerräther« beschimpft wurde.</p>
<p>Auch hat er manches Zeitdokument seinem großen Buch beigelegt, wie etwa die Forderungen der »Hohen Zweiten Kammer der Badischen Stände« nach »Preßfreiheit« und der »Herstellung eines teutschen Parlaments«. Und die Entgegnung des Großherzogs, in der die »irregeleiteten« Aufständischen des Hochverrats bezichtigt werden und wegen der Umstände eine provisorische Verordnung erlassen wird. In der sich der Monarch das Recht nimmt, das Kriegsrecht zu verhängen, mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Wo etwa die Verbreitung von (heute nennen wir sie) Fake News, ebenso unter Strafe steht, wie das »Verleiten der Soldaten zur Untreue«.</p>
<p>Es folgen Verhaftungen der Rädelsführer, was wiederum bei den »Aufrührern« gar nicht gut ankommt und man kann durch die Schilderungen Meyers hautnah miterleben, wie die Situation immer weiter eskaliert. Bis die ersten Schüsse fallen und sich Revoluzzer und Armee gegenüber stehen. Die Bezeichnung »Wutbürger« bekommt eine ganz neue Dimension, als Städte von bewaffneten Freischärlern besetzt und mit Kanonen von den Soldaten wieder »befreit« werden.</p>
<p>Und mittendrin der Bankier Franz Simon Meyer, der alles aufgeschrieben hat. Wie die Revolutionäre in sein Haus einquartiert werden, wie Menschen gelyncht werden, wie er plötzlich nicht mehr nach Hause zurückkehren kann, weil die Stadt belagert wird, wie er mit ansehen muss und vor Angst fast verrückt wird, wie die Stadt bombardiert wird, in der seine Familie festsitzt.</p>
<p>Als alles vorbei ist, wird aufgeräumt. Den Rädelsführern, sofern sie nicht in die Schweiz oder nach Amerika geflohen sind, der Prozess gemacht und nicht wenige erschossen. Leute werden verhaftet, wenn sie Sympathien für die Revolution äußern, andere ohne Prozess weggesperrt, Zeitungen verboten und die Steuern angehoben, eben das ganze Arsenal totalitärer Macht, und so schreibt Meyer am 11. September 1849: <em>»Wir leben hier in einer Atmosphere von Blut.«</em></p>
<p>Nach der Lektüre der »ganzen Geschichte meines gleichgültigen Lebens« weiß man mehr. Mehr vom Deutschen Bürgerkrieg, der 1848/49 nicht nur auf den Barrikaden in Berlin ausgefochten wurde und vielen tausend Menschen das Leben kostete. Mehr über eine Gesellschaft, die mit Waffengewalt für ihre Freiheit kämpfen musste, und darüber, wie die Fürsten mit allen Mitteln ihre alte Ordnung verteidigten &#8211; und siegten. Ein sehr lehrreiches Buch über ein wichtiges Kapitel deutscher Geschichte.</p>
<p>Allen, die sich entschleunigen möchten, die sich informieren, die vergleichen und die etwas über Deutsche Geschichte und den schweren Weg der Einheit unseres Landes wissen möchten, sei dieses Buch wärmstens empfohlen.</p>
<p><strong>Franz Simon Meyer: Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens<br />
Band 2: 1829 &#8211; 1849. In Zeiten der Revolution</strong> | Hrsg. Sebastian Dizol | Deutsch<br />
Solivagus Praeteritum 2017 | 559 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783981707960.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783981707960.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/bbe05383c0ab5b9b3f5b2d9104d2fe6c.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/franz-simon-meyer-die-ganze-geschichte-meines-gleichgueltigen-lebens/">Franz Simon Meyer: Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>John le Carré: Das Vermächtnis der Spione</title>
		<link>https://www.wortmax.de/johne-le-carre-das-vermaechtnis-der-spione/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Hardy Crueger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jan 2018 09:57:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[John le Carré]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=9173</guid>

					<description><![CDATA[<p>Folgendes ist eine nach besten Wissen und Gewissen verfasste, wahrheitsgetreue Darstellung meiner Rolle in der britischen Operation mit dem Codenamen WINDFALL, die Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre gegen das ostdeutsche Ministerium für Staatssicherheit (STASI) geführt wurde und mit dem Tod des besten britischen Geheimagenten und der unschuldigen Frau endete, für die er sein [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/johne-le-carre-das-vermaechtnis-der-spione/">John le Carré: Das Vermächtnis der Spione</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2018/01/das_vermaechtnis_der_spione.jpg" alt="John le Carré: Das Vermächtnis der Spione" title="John le Carré: Das Vermächtnis der Spione" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-9174" /><em>Folgendes ist eine nach besten Wissen und Gewissen verfasste, wahrheitsgetreue Darstellung meiner Rolle in der britischen Operation mit dem Codenamen WINDFALL, die Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre gegen das ostdeutsche Ministerium für Staatssicherheit (STASI) geführt wurde und mit dem Tod des besten britischen Geheimagenten und der unschuldigen Frau endete, für die er sein Leben ließ.</em></p>
<p>So beginnt der neueste Agenten-Roman des gewieften Schreibers John le Carré, in dem er die Zeit des Kalten Krieges wieder aufleben lässt. Der in die Jahre gekommene Spion Peter Guillam wird 2017 aus seinem Pensionärs-Domizil in Frankreich in das Britische Innenministerium berufen. Wegen eines schwer verpfuschten Auftrags vor vielen Jahren droht dem Geheimdienst ein Untersuchungsausschuss, den die Kinder der damals zu Tode gekommenen Menschen anstrengen wollen. Dabei geht es neben der Reputation auch um eine hohe Schadensersatzklage.</p>
<p>Aber nun ist es bei einem Geheimdienst wohl so, dass eigentlich alles geheim und niemandem zu trauen ist. Das kennen wir aus aktuellen Vorkommnissen. Also wurden auch hier nicht alle Akten der fraglichen Operation WINDFALL im Archiv gefunden, nein, sogar das Wenige, das vorhanden ist, scheint mächtig manipuliert zu sein. Also wird einer der noch lebenden Beteiligten zu dem Fall vernommen, der ehemalige Assistent des Super-Spions Georges Smiley und jetzige Rentner Guillam.</p>
<p>Das ist nicht nur ein toller Plot, sondern auch eine tolle Umsetzung, denn der 1931 geborene le Carré schreibt sehr plastisch und erzählt uns den Stoff aus der Ich-Perspektive. Er verwebt meisterlich die beiden Zeitebenen, lässt den Protagonisten in inneren Monologen an die Vergangenheit erinnern, und sie mit den Akten vergleichen, die er teilweise selbst manipuliert hat. Das ist toll gemacht und verführt zu langen Lesezeiten am Stück.</p>
<p>Schnell merkt man, dass man es mit einem ausgebufften Romancier zu tun hat, der ganz genau weiß, wie der Prosa-Hase läuft. Knappe, treffende Beschreibungen der Umgebung und der Menschen wenn <em>»&#8230; eine agile Mittvierzigerin mit kurzen Haaren im Geschäftskostüm hereinsaust &#8230;«</em> oder <em>»ein milchgesichtiges, bebrilltes Privatschulbürschchen unbestimmten Alters in Hemd und mit Zahnspange«</em> hinter seinem Schreibtisch aufspringt.</p>
<p>Allerdings hätte ich mir hin und wieder eine differenziertere Sprache gewünscht, wenn Aussagen unterschiedlichster Menschen aus alten Akten und Verhören zitiert werden, aber das nur am Rande. Im Vordergrund steht die verzwickte Arbeit der Geheimdienste, und allein beim Lesen wird man wegen der oft absurd scheinenden Arbeit von Agenten und Doppelagenten fast verrückt: die Fallen, die sie sich gegenseitig stellen, die Gegenmaßnahmen, die Chimären, die Lügerei.</p>
<p><em>»Das Problem bei euch Spionen, nicht persönlich gemeint, ist, dass keiner von euch Wahrheit von Märchen unterscheiden kann. Was es einem furchtbar schwer macht euch zu verteidigen.«</em> Lässt es der Autor dann auch eine Anwältin auf den Punkt bringen.</p>
<p>Und noch krasser den Sohn eines Getöteten. <em>»Ihr seid alle krank, ihr Spione. Ihr seid nicht das Heilmittel, ihr seid die verfluchte Krankheit.«</em></p>
<p>Alles in allem ein Roman, der auch für nicht eingefleischte Liebhaber von Agenten-Geschichten geeignet ist, und der das wirre Geflecht &#8211; vielleicht auch aktueller Geheimdienstarbeit &#8211; entlarvt. So oder so ähnlich könnte sie aussehen.</p>
<p><strong>John le Carré: Das Vermächtnis der Spione</strong> | Deutsch von Peter Torberg<br />
Ullstein 2017 | 320 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783550050121.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783550050121.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/a53694e870cc7b45b68caef2372858f5.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/johne-le-carre-das-vermaechtnis-der-spione/">John le Carré: Das Vermächtnis der Spione</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
