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	<title>wortmax | Tom Sharpe</title>
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	<description>Buchvorstellungen und Beobachtungen</description>
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	<title>wortmax | Tom Sharpe</title>
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		<title>Tom Sharpe: Lauter Irre</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Matthias Bosenick]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jun 2023 11:51:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Elmore Leonard]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Sharpe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für sein vorletztes Buch vor seinem Tod, der vor ziemlich exakt zehn Jahren eintrat, ging der britische Autor Tom Sharpe mit seinem eigenen Baukastensystem, nach dem er üblicherweise seine schwarzhumorigen gesellschaftskritischen Romane verfasste, reichlich schludrig um. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2023/06/lauter-irre.jpg" alt="Tom Sharpe: Lauter Irre" title="Tom Sharpe: Lauter Irre" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-15058" />Für sein vorletztes Buch vor seinem Tod, der vor ziemlich exakt zehn Jahren eintrat, ging der britische Autor Tom Sharpe mit seinem eigenen Baukastensystem, nach dem er üblicherweise seine schwarzhumorigen gesellschaftskritischen Romane verfasste, reichlich schludrig um. Man erkennt die Mechanismen wieder, nur ordnet er sie viel zu willkürlich an, um daraus eine überzeugende Geschichte erwachsen zu lassen. »Lauter Irre« aus dem Jahr 2009 wirkt lustlos, mechanisch, wie unter Zwang verfasst, und es fällt sogar schwer, überhaupt eine nacherzählbare Handlung zu extrahieren. Irgendwann geht es um eine Frau, die auf dem Stammsitz ihrer matriarchalisch ausgerichteten, selbstredend degenerierten Familie mit ihrem entführten nichtsnutzigen Neffen eine neue Genration an Stammesmüttern zeugen will. Und dann ist das Buch auch schon vorbei.</p>
<p>Wie ein Tom-Sharpe-Roman funktioniert: Ein Mensch weicht in 1) a) Wort, b) Tat von 2) a) seinen gewohnten, b) den gesellschaftlich anerkannten königlich-britischen Pfaden ab, indem er 3) a) etwas äußert, b) etwas vollführt, das 4) a) Angehörige, b) Kollegen, c) Polizisten, d) andere fehldeuten, weil es 5) a) doppeldeutig formuliert, b) verdächtig ausgeführt, c) nicht vollständig durchdacht ist. Dieser betroffene Mensch unter 1) muss nun auf kompromittierende Umstände reagieren, die er 6) a) aus Dummheit, b) aus Faulheit, c) aus Eigennutz, d) versehentlich auslöste, und sowohl er als auch sein Umfeld unter 3) reagieren darauf aufgrund weiterer Positionen 4) wegen 6) abermals mit 1) und 5), und so schraubt sich die Katastrophenspirale herrlich konstruiert in den Abgrund. Das Ganze präsentiert Sharpe in einer wohlformulierten Sprache, die einen großen Teil des Lesevergnügens ausmacht.</p>
<p>Mit diesem Vorgehen nimmt sich Sharpe gern gesellschaftlich anerkannte Posten oder hochrangige Personen vor, die er mit größtmöglicher Schadenfreude an ihrer eigenen Gier zugrunde gehen lässt, und da sich solche Leute zumeist in einer Art systemischem Haifischbecken bewegen, gehört der Beifang seinerseits zur mit Vorliebe filetierten Beute. Mit seinem Debüt <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442449156.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Tohuwabohu«</a> (<em>Riotous Assembly</em>) nahm er 1971 Apartheid und Kolonialgebaren in Südafrika aufs Korn, fortgesetzt zwei Jahre später mit <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442449132.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Mohrenwäsche«</a> (<em>Indecent Exposure</em>). Im Jahr darauf nahm er sich mit <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442134267.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Schwanenschmaus in Porterhouse«</a> (<em>Porterhouse Blue</em>) den Universitätsbetrieb in Cambridge vor, in <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442134267.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Klex in der Landschaft«</a> (<em>Blott On The Landscape</em>) die politischen Verstrickungen um den geplanten Bau eines Motorways durch das Gebiet eines Adligen.</p>
<p>Mit dem Roman danach gelang Sharpe 1976 der internationale Durchbruch, wie man so sagt: <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442449149.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Puppenmord«</a> (<em>Wilt</em>), der Auftakt der fünfteiligen Reihe um den Berufsschullehrer Henry Wilt, die Sharpe mit <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442479221.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Henry haut ab«</a> (<em>The Wilt Inheritance</em>) als seinem letzten Roman 2010 abschloss. Seine Rezeptur verfeinerte Sharpe von »Puppenmord« aus in diversen Geschichten, bis er in den Neunzigern begann, etwas zu freihändig seine Gewürzmischung ins Gebräu zu rühren. Zudem fühlte er sich offenbar dazu gezwungen, sich in den Absurditäten steigern zu müssen, und übertrieb es auf eine teilweise abstoßende, also weit über ein leicht überdrehtes Maß an Satire hinaus abscheuliche Weise. Irgendwas mit Sexualität und Perversion geht da ja immer, und man fragte sich alsbald, ob es wirklich die Gesellschaft war, deren Prüderie Sharpe herausarbeitete, oder ob er nicht vielmehr seine eigene Fassungslosigkeit über das, was Menschen in der Moderne so praktizieren, entlarvte.</p>
<p>So spielt Sexualität natürlich auch in »Lauter Irre« eine Rolle, unerfüllte vorrangig, die sich in zwei Fällen wie aus dem Hut gezaubert doch noch erfüllt, obwohl es dafür keinen erkennbaren Anlass gibt, außer dem, dass Sharpe mit dem Buch irgendwann selbst fertig war und es zum Abschluss bringen wollte. Er beginnt es nun damit, die Historie des Familienclans der Gropes – daher der Originaltitel – ab den Wikingern nachzuerzählen, bis weit über eine reine Intro-Funktion hinaus. Er bringt einen unüberblickbaren Reigen an Personen auf, die mit der eigentlichen Handlung indes nichts mehr zu tun haben. Zur Verdeutlichung der spärlichen Motive, die die späteren Hauptfiguren haben, hätte ein kurzer Anriss ausgereicht; zudem nimmt dieses Intro beinahe die Hälfte dieses ohnehin nicht sonderlich seitenstarken Buches ein. Besonders viel Humor steckt in der Darstellung des Frauenclans leider ebenfalls nicht.</p>
<p>Irgendwann vergisst man die Zusammenhänge, weil sie keinerlei Bedeutung zu haben scheinen, und findet sich dann doch in einer Geschichte wieder, von der man sich fragt, wer die Leute überhaupt sind, die darin vorkommen. Man verdrängt diesen Gedanken, folgt den Geschehnissen, die grob nach dem oben genannten Regularium abfolgen, und trifft kurz vor Schluss dann doch noch einmal auf dem Grope-Anwesen ein. Was jetzt die katastrophalen Umstände auslöst, hat man wieder vergessen: Irgendein Bankangestellter verzweifelt an seinem Sohn, der ihm so ähnlich zu werden droht, dass er ihn umbringen will, was die Gattin verhindert, indem sie den geliebten Sprössling zu ihrem Bruder entsendet, einem zwielichtigen Autohändler, den die Polizei schon lange im Auge hat, der den Bengel zur Begrüßung fürstlich abfüllt und sich selbst ins Koma säuft, was seine Gattin wiederum dazu veranlasst, mit dem benebelten Neffen im Schlepptau das Weite zu suchen – und ihr Glück eben in Grope Hall. Der erste Mann flüchtet heimlich aus dem Land und findet seine sexuelle Erfüllung in Barcelona. Und der entführte Neffe seine auf Grope Hall, das er erpresserisch zu übernehmen gedenkt, jedoch nicht damit rechnet, dass er damit offene Scheunentore einrennt. Buch vorbei.</p>
<p>So richtig Lust auf diese Geschichte scheint Sharpe selbst nicht gehabt zu haben, dabei ist die Liste der vielversprechenden Ansätze gar nicht so gering. Der entflohene Horace etwa begibt sich auf Europaodyssee, um seine Spuren zu verwischen, und seine Erlebnisse wären eigentlich eine eigene Geschichte wert. Natürlich ist er zu ungebildet, um vernünftig zu planen, fällt aber instinktiv Entscheidungen, die gut für ihn sind; eine warmherzige Ausnahme mithin im Sharpe-Universum, das ansonsten für Instinkthandlungen nur Katastrophen bereithält. Der ganze Rest ist viel zu bemüht, um mitzureißen, und viel zu willkürlich, um humorvoll zu sein. Schade, denn es ist eigentlich eine Stärke Sharpes, die im ersten Moment überzeugenden Pläne seiner Figuren in etwas münden zu lassen, das sie nicht vorhersahen, das jedoch ebenfalls überzeugend in den Abwägungen fehlte und alle Pläne torpediert. Ähnlich ergeht es auch den Figuren in Elmore Leonards Romanen, die indes US-amerikanische Hardboiled-Themen abgrasen. Sharpes Humor ist hier nun bedauerlicherweise nicht mehr tiefschwarz, sondern blassgrau.</p>
<p><strong>Tom Sharpe: Lauter Irre</strong> | Deutsch von Marie-Luise Bezzenberger<br />
Goldmann 2010 | 224 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783442476732.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Christopher Brookmyre: Wer andern eine Bombe baut</title>
		<link>https://www.wortmax.de/christopher-brookmyre-wer-andern-eine-bombe-baut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Holger Reichard]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Aug 2018 09:40:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Genreliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Christopher Brookmyre]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Sharpe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für Thriller und Krimi-Literatur sind hier in der Regel Andreas und manchmal auch Detlef im Einsatz. Meine Wenigkeit verirrt sich nur gelegentlich in eines dieser Genres. Beim schottischen Autor Christopher Brookmyre mache ich gerne eine Ausnahme, seit mir im Herbst 2014 sein »Angriff der unsinkbaren Gummienten« in die Hände fiel. Was mir an Brookmyres Büchern [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2018/08/wer_andern_eine_bombe_baut.jpg" alt="Christopher Brookmyre: Wer andern eine Bombe baut" title="Christopher Brookmyre: Wer andern eine Bombe baut" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-9818" />Für Thriller und Krimi-Literatur sind hier in der Regel <a href="https://www.wortmax.de/author/andreas-zwengel/">Andreas</a> und manchmal auch <a href="https://www.wortmax.de/author/detlef-knut/">Detlef</a> im Einsatz. Meine Wenigkeit verirrt sich nur gelegentlich in eines dieser Genres. Beim schottischen Autor Christopher Brookmyre mache ich gerne eine Ausnahme, seit mir im Herbst 2014 sein <a href="https://www.wortmax.de/christopher-brookmyre-angriff-der-unsinkbaren-gummienten/">»Angriff der unsinkbaren Gummienten«</a> in die Hände fiel.</p>
<p>Was mir an Brookmyres Büchern gefällt, ist zunächst einmal natürlich sein schwarzer Humor, der zuweilen pythnonesk daherkommt, manchmal – mit viel Situationskomik &#8211; aber auch an die Geschichten von Tom Sharpe erinnert. Vor allem jedoch, und das lässt sich schwerer in eine Schublade packen, mag ich die wütende Gesellschaftskritik, die er geschickt in die Köpfe seiner Protagonisten stopft.</p>
<p>Und so beginnt auch sein neuester Roman »Wer andern eine Bombe baut« (Orig.: <em>A Big Boy Did It And Ran Away</em>) weniger wie ein Krimi oder Thriller, als vielmehr wie ein großartiger Rant auf die heutige Konsumgesellschaft, darauf, dass wir alle »armselige Vorstadtsklaven« sind, materialistisch, egozentrisch, karrieregeil, letzten Endes gefangen in der Geschäftswelt großer Konzerne.</p>
<blockquote><p>Gerade hing ihm so einer auf der Stoßstange, ließ die Lichthupe seines MX3 aufblitzen, riss dazu die Augen auf und schnaubte. Was für ein Pfosten! Riskierte sein Leben bei einem Überholmanöver kurz vor dem Ende der Kriechspur, damit er eine Stelle &#8211; eine Stelle &#8211; weiter vorne an der Ampel stand. Was sagte einem das über das Leben, das er da gerade riskierte?</p></blockquote>
<p>Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte Brookmyre bis zur letzten Seites seines Buches so weiterzetern können und ich hätte es einem Ehrenplatz in meinem Regal zugeteilt. Aber irgendwann beginnt dann doch die Geschichte, die er erzählen will, und es wird klar: Die einleitenden Schimpftiraden sind der Figur Simon Darcourt zuzuordnen. Sein ehemaliger Freund Raymond Ash sichtet ihn eines Tages am Flughafen, doch das kann eigentlich nicht sein. Denn Simon ist seit drei Jahren tot, ums Leben gekommen bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz in Norwegen.</p>
<p>Es ist eine Begegnung mit Folgen, insbesondere für Raymond. Er gerät in das Visier von Profikillern. Anfangs kann er sich dies nicht erklären, doch schon bald stellt sich heraus, dass es einen Zusammenhang geben muss zwischen der Begegnung mit dem vermeintlich toten Simon, den Attacken auf seine Person und einer Serie von monströsen Anschlägen in der ganzen Welt, geplant und ausgeführt von einem geheimnisvollen Auftragsterroristen namens »Black Spirit«.</p>
<p>Raymond war früher Schlagzeuger in einer Band und versuchte jahrelang als Computerspiel-Experte sein Glück. Als junger Familienvater sieht er sich jedoch gezwungen, in den ungeliebten Lehrerberuf zu wechseln. Als er in der Schule, in der er arbeitet, eines Tages spurlos verschwindet und mit ihm zwei seiner Schüler, ist das Buch endgültig in der Genreliteratur angekommen. Die Polizistin Angelique de Xavia wird auf den Fall angesetzt. Den vermissten Raymond macht sie schon bald ausfindig. Gemeinsam versuchen sie nun, die Rätsel um Simon Darcourt und einen weiteren von »Black Spirit« geplanten Anschlag auf die Spur zu kommen.</p>
<p>In detaillierten Rückblicken arbeitet Brookmyre die Biografien seiner Figuren auf und macht ihr Verhalten Seite für Seite nachvollziehbarer. Immer wieder gibt er seiner Geschichte auf überraschende Weise einen neuen Verlauf. Spannend und unterhaltsam bleibt sie so bis zum Schluss, zumal er sie mit viel Rock’n’Roll und Elementen aus der Welt der Gamer garniert. Thriller- und Krimifans werden ihre Freude daran haben. Meine Freude an dem Buch wäre noch größer gewesen, hätte Brookmyre es so wirkungsvoll fortgeführt und beendet, wie er es begonnen hat. Es wäre dann allerdings auch ein ganz anderes Buch geworden.</p>
<p><strong>Christopher Brookmyre: Wer andern eine Bombe baut</strong> | Deutsch von Hannes Meyer<br />
Galiani 2018 | 512 Seiten | <a href="https://www.book2look.com/book/9783869711638(wortmax.de)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leseprobe und mehr</a> | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783869711638.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bestellen</a></p>
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		<title>John Niven: Old School</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Zwengel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jan 2016 10:10:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hörbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Köster]]></category>
		<category><![CDATA[John Niven]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Sharpe]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Waits]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ethel Merriman, siebenundachtzig, saß strahlend in ihrem elektrischen Rollstuhl. Ihren »Greifer« – einen Teleskoparm mit einer mechanischen Greifzange am Ende, der ihr Zugriff auf Dinge außerhalb ihrer Reichweite bot – hatte sie hinter ihrem Rücken verstaut, so wie früher ein Kutscher seine Muskete &#8230; Vorn an ihrem Rollstuhl verkündete ein Aufkleber: »Kein Schwanz ist so [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2015/12/old_school.jpg" alt="John Niven: Old School" title="John Niven: Old School" width="120" height="120" class="alignleft size-full wp-image-7116" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2015/12/old_school.jpg 120w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2015/12/old_school-100x100.jpg 100w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2015/12/old_school-60x60.jpg 60w" sizes="(max-width: 120px) 100vw, 120px" /><em>Ethel Merriman, siebenundachtzig, saß strahlend in ihrem elektrischen Rollstuhl. Ihren »Greifer« – einen Teleskoparm mit einer mechanischen Greifzange am Ende, der ihr Zugriff auf Dinge außerhalb ihrer Reichweite bot – hatte sie hinter ihrem Rücken verstaut, so wie früher ein Kutscher seine Muskete &#8230; Vorn an ihrem Rollstuhl verkündete ein Aufkleber: »Kein Schwanz ist so hart wie das Leben!« Auf der Rückseite verkündete ein anderer: »Ich bremse für niemand!«</em></p>
<p>Geldsorgen und die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben plagen eine Gruppe älterer Damen. Da wäre Susan, deren Mann gerade durch den unsachgemäßen Umgang mit Sexspielzeug den Tod gefunden hat und deren scheinbar gesicherte Existenz sich als ein Berg aus Schulden entpuppt. Ihre beste Freundin Julie arbeitet in einem Altenpflegeheim, in dem auch die dauerfluchende, trinkende und rauchende Ethel lebt, ein Musterbeispiel an Hedonismus. Komplettiert wird die Damenrunde durch Jill, die dringend Geld für eine lebensrettende Operation ihres Enkelkindes benötigt.</p>
<p>Gemeinsam beschließen sie einen Banküberfall. Als professionellen Berater engagieren sie ein Unikum namens Nails, der mit Abstand die abgefahrenste Figur zwischen all diesen Exzentrikern ist und ein eigenes Buch verdient hätte. Was folgt, ist wohl die witzigste Beschreibung eines Banküberfalls mit anschließender Verfolgungsjagd, die ich jemals gelesen bzw. gehört habe.</p>
<p>Nach erfolgter Tat setzen die Damen sich nach Frankreich ab. Ein cholerischer Sergeant und sein braver Assistent müssen ihnen ins verhasste Nachbarland folgen. Die alten Damen pendeln durch die hochklassigsten Hotels Südfrankreichs, dicht gefolgt von dem gereizten Sergeant und seinem zunehmend frankophiler werdenden Assistenten. Auf der Suche nach neuen Pässen geraten Susan und ihre Freundinnen an einen russischen Gangster, der sehr schnell herausbekommt, um wen es sich bei seinen Kundinnen tatsächlich handelt. Er möchte daraufhin auch einen Anteil an der Beute und zwar genau einhundert Prozent.</p>
<p>Hervorheben muss man bei diesem Hörbuch Sprecher Gerd Köster, der jeder der Hauptfiguren eine eigene Stimme verleiht und auch die Frauenrollen unverwechselbar gestaltet. Der Hörer weiß auch ohne Angabe immer, wer gerade spricht. Das ist besonders beeindruckend, da Kösters Stimme eigentlich so feminin klingt wie die von Tom Waits.</p>
<p>»Old School« ist eine Komödie der alten Schule und damit meine ich britischen Humor im Stil von Tom Sharpe, mit abstrusen Verwicklungen und Verstümmelungen im männlichen Genitalbereich. Kritisch anzumerken wäre nur, dass das Buch seinen Höhepunkt schon etwas zu früh erreicht. Obwohl es noch einige sehr schöne Szenen gibt, wie zum Beispiel eine Verfolgungsjagd in Rollstühlen am Flughafen, erreicht das Buch in der zweiten Hälfte nie mehr die Rasanz und Komik des Banküberfalls.</p>
<p>Trotzdem ein sehr empfehlenswertes Buch, das die Fangemeinde von John Niven in Deutschland erfreuen und vergrößern wird. Nivens erster Roman »Kill your friends« wurde inzwischen verfilmt und kommt demnächst in die Kinos.</p>
<p><strong>John Niven: Old School</strong> | Deutsch von Stephan Glietsch<br />
Random House Audio 2015 | Gelesen von Gerd Köster | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783837130348.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Niccolò Ammaniti: Lasst die Spiele beginnen</title>
		<link>https://www.wortmax.de/niccolo-ammaniti-lasst-die-spiele-beginnen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Zwengel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 May 2014 09:22:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Niccolò Ammaniti]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Sharpe]]></category>
		<category><![CDATA[Umberto Eco]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Bestien des Abaddon saßen in der Pizzeria Jerry 2 in Oriolo Romano und hielten eine Versammlung ab. Die Lage war kritisch. Wenn es nicht gelang, das Ruder wieder in die Hand zu bekommen, dann war das vielleicht die letzte Zusammenkunft der Sekte. In letzter Zeit war die Gruppe bedrohlich geschrumpft. ­Paolino Scialdone, genannt der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2014/02/lasst_die_spiele_beginnen.jpg" alt="Niccolò Ammaniti: Lasst die Spiele beginnen" title="Niccolò Ammaniti: Lasst die Spiele beginnen" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-4568" /><em>Die Bestien des Abaddon saßen in der Pizzeria Jerry 2 in Oriolo Romano und hielten eine Versammlung ab. Die Lage war kritisch. Wenn es nicht gelang, das Ruder wieder in die Hand zu bekommen, dann war das vielleicht die letzte Zusammenkunft der Sekte. In letzter Zeit war die Gruppe bedrohlich geschrumpft. ­Paolino Scialdone, genannt der Sensenmann, war als Erster ­ab­­gesprungen. Kurz danach hat­­te sich Antonello Agnese, genannt Molten, eine gebrauchte ­Harley Davidson gekauft und war zu den Hells Angels in ­Su­­biaco gegangen. Und zu guter Letzt hatte Pietro Fauci, genannt Nosferatu, Mantos&#8216; rechte Hand und Gründungsvater der Bestien, geheiratet und in Abetone ein Sanitärgeschäft er­­öffnet. Nun waren sie nur noch zu viert.</em></p>
<p>Die »Bestien von Abaddon«, eine italienische Satanssekte, ist von akutem Mitgliederschwund bedroht, während ihre Konkurrenten, die »Kinder der Apokalypse«, immer mehr Zulauf bekommen. Mantos, der Anführer der »Bestien«, wird ständig von seiner Ehefrau gegängelt und von dem übermächtigen Schwiegervater tyrannisiert, in dessen Möbelhaus er arbeitet. Deshalb sucht er nach einer Idee für eine aufsehenerregende Aktion.</p>
<p>Er erfährt von einem Immobilienhai, der ein Fest in seiner Villa mit Park und Privatzoo veranstalten will, wie sie zu Zeiten der alten Römer gefeiert wurden. Die gesamte italienische High Society wird antreten für eine mehrtägige Party voller kulinarischer Ausschweifungen samt einer Tigerjagd mit Elefanten. Genau dort plant Mantos die öffentliche Enthauptung einer Abtrünnigen der Satanistenszene, die inzwischen als Popsängerin ein Millionenpublikum hat. Die Aktion soll ein Selbstmordkommando sein, was nicht allen Mitgliedern der Sekte bekannt ist.</p>
<p>Ebenfalls auf der Feier ist der berühmte Schriftsteller Fabrizio Ciba, der in ständiger Angst vor fehlender Anerkennung und verblassendem Ruhm lebt. Ein neuer Literaturshootingstar sitzt ihm im Nacken, quasi eine jüngere Version seiner selbst, und schreibt einen Hit nach dem anderen, während Ciba seit drei Jahren nichts Erwähnenswertes mehr verfasst hat. Außerdem droht auch noch ein Sexvideo im Netz zu erscheinen, das ein abgebrühter Teenager von seiner Mutter und Ciba aufgenommen hat.</p>
<p>Die Handlungen werden parallel erzählt und so folgt man abwechselnd dem Satanisten Mantos und dem Schriftsteller Ciba durch eine Szenerie wie aus einem Fellini-Film. Voller grotesker Szenen und aberwitziger Verwicklungen. Alles deutet auf eine vergnügliche Sause in Tom-Sharpe-Manier hin, doch so einfach macht es der Autor seinem Leser nicht. Die witzige Ausgangslage wird immer dramatischer und die Ereignisse mit blutigem Ernst vorgetragen. Statt einer überdrehten Satire erlebt der Leser eine harte Abenteuergeschichte.</p>
<p>Das Tempo zieht nach dem ersten Drittel unglaublich an. Doch es war gerade dieser Anfangsteil, der sich der Vorstellung der beiden Hauptfiguren widmet, der mich für dieses Buch so eingenommen hat. Dort wird auf vergnügliche Art beschrieben, wie schnell das Glück umschlagen kann. Nachdem die Figuren positioniert sind, lässt Ammaniti die Zügel schießen und hetzt von einer Sensation zur nächsten. Was durchweg spannend, amüsant und in einem ausgezeichneten Stil geschrieben ist.</p>
<p>»Lasst die Spiele beginnen« könnte keinen treffenderen Titel besitzen und macht neugierig auf weitere Werke von Ammaniti, der nach Umberto Eco der erfolgreichste Autor Italiens ist.</p>
<p><strong>Niccolò Ammaniti: Lasst die Spiele beginnen</strong> | Deutsch von Petra Kaiser<br />
Piper 2013 | 336 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783492306430.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Heiko Wolz: Spinnerkind</title>
		<link>https://www.wortmax.de/heiko-wolz-spinnerkind/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Frank Bergers]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Mar 2008 00:27:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Heiko Wolz]]></category>
		<category><![CDATA[John Irving]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Sharpe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Familie in Amerika: Der junge Jakob McGhee fristet sein Dasein zwischen seinem verrückten Vater Guinness, einem chronisch erfolglosen Erfinder, und seiner eigenwilligen Mutter, die alles und jeden verklagt, der ihrem Sohn auch nur ein Haar krümmt. Notfalls wird die Sachlage für ihre Zwecke optimiert. Schließlich ist sie Anwältin und insofern mit der Verfremdung der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2008/03/spinnerkind.jpg" alt="Heiko Wolz: Spinnerkind" title="Heiko Wolz: Spinnerkind" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-3866" />Eine Familie in Amerika: Der junge Jakob McGhee fristet sein Dasein zwischen seinem verrückten Vater Guinness, einem chronisch erfolglosen Erfinder, und seiner eigenwilligen Mutter, die alles und jeden verklagt, der ihrem Sohn auch nur ein Haar krümmt. Notfalls wird die Sachlage für ihre Zwecke optimiert. Schließlich ist sie Anwältin und insofern mit der Verfremdung der Realität bestens vertraut.</p>
<p>Langeweile kommt weder beim Protagonisten noch beim Leser auf, wenn z. B. der Vater bei einem seiner zahlreichen erfolglosen Rekordversuche seinen Sohn in eine Kanone stopft und versucht, ihn über das Dach des Hauses zu katapultieren. Keinen Deut besser sind natürlich die Versuche seiner Mutter, aus seinen bei realen oder erfundenen Unfällen zugezogenen Blessuren finanzielle Vorteile für die Familie rauszuschlagen. Da wird dann kurzerhand im Garten des verhassten Nachbarn ein Beinahe-Ertränkungstod-Drama uraufgeführt, garniert mit einer angedrohten Klage beim zuständigen Gericht. Überflüssig zu erwähnen, dass sie damit dem allamerikanischen Volkssport des maßlosen »Ich verklage Dich auf das dreifache Bruttosozialprodukt der Vereingten Staaten, weil Du mich schief von der Seite angeschaut hast und ich deswegen bei Sonnenschein immer Pickel kriege!« fröhnt. Immerhin scheint sie in dieser Disziplin recht erfolgreich zu sein.</p>
<p>»Spinnerkind« ist eine Geschichte der Gescheiterten: Ein Vater, der einmal im Leben Erfolg haben möchte (und diesen ganz zum Schluss  auch tatsächlich hat – wenngleich auf völlig andere Weise); eine Mutter, die ihre krankhafte, obsessive Liebe zu ihrem Kind nie in den Griff bekommt und sich so alles und jeden, inklusive der eigenen Familie, zum Feind macht; Jakobs Freunde, wie z. B. Gwendoline, die ihm ständig nachstellt und eigentlich eine heile Welt sucht, die in ihrer Familie längst nicht mehr existiert; Dexter, der Junge aus gutem Hause, der sich vor lauter Langeweile zeitweilig sogar mit Doug, dem Abschaum der Gesellschaft, zusammentut, um eben diese Langeweile zu bekämpfen; und nicht zu vergessen die unscheinbare Ruth, die sich gegenüber anderen nur mittels ihrer beachtlichen Oberweite definiert (und genau diese Oberweite ist es dann auch, die Jakob in seinen jugendlichen Träumen verfolgt).</p>
<p>Das Buch beschreibt die Jugend eines Jungen, der nicht das gleiche Schicksal erleiden möchte, wie es von seiner Umgebung vorgelebt wird. Jakob hangelt sich von einem Kuriosum zum nächsten, was für den Leser höchst vergnüglich anzuschauen ist. Das Buch endet mit einem Paukenschlag, dessen Tragik sich nahtlos einfügt in das vorher Gelesene. Aber auch hier gilt wie im wirklichen Leben: Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne. In diesem Fall ist es Jakobs erster Schritt ins Erwachsenenleben.</p>
<p>»Spinnerkind« ist Heiko Wolz&#8216; erster Roman. Er hat damit einen guten Start hingelegt. Die Geschichte liest sich flott, ist amüsant (manchmal erstaunlich tiefgründig, was man nach dem Lesen des Klappentextes nicht unbedingt erwartet hätte) und macht definitiv Lust auf mehr.</p>
<p>Ich weiß nicht, ob man einem so jungen Autor einen Gefallen tut, wenn man ihn gleich zu Beginn seiner Karriere mit jemandem wie John Irving vergleicht (siehe Buchrücken). Ich sehe einen solchen Bezug schon deshalb nicht, weil »Spinnerkind« auf gerade mal 170 Seiten kommt, während die Werke des großen amerikanischen Erzählers 800 bis 1.000 Seiten umfassen; abgesehen davon, fehlt mir bei »Spinnerkind« dieses gewisse Charles-Dickens-Flair, das bei John Irving immer unter der Oberfläche lauert (vielleicht liegt das an der immensen Menschlichkeit seiner Figuren). Wenn man partout einen Vergleich ziehen muss (muss man es?), würde mir eher Tom Sharpe einfallen, was beileibe auch keine Schande wäre.</p>
<p>Lassen wir es doch so, wie es ist: Heiko Wolz&#8216; Erstling ist ein prima Einstand. Es ist ihm zu wünschen, dass sein Buch möglichst viele Leser findet. Kompliment auch an den Verlag für die schöne Gestaltung und das angenehme Schriftbild. Ich bin schon jetzt gespannt auf den nächsten Wolz-Roman. Das weitere folgen werden, steht wohl außer Frage.</p>
<p><strong>Heiko Wolz: Spinnerkind</strong> | Deutsch<br />
Addita 2007 | 170 Seiten | Nur noch antiquarisch erhältlich</p>
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