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	<title>wortmax | Beiträge von Axel Klingenberg</title>
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	<description>Buchvorstellungen und Beobachtungen</description>
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	<title>wortmax | Beiträge von Axel Klingenberg</title>
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	<item>
		<title>Dreimal Politik</title>
		<link>https://www.wortmax.de/dreimal-politik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Mar 2025 14:32:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Philippe Kindler]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Sonneborn]]></category>
		<category><![CDATA[Nico Semsrott]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Mertens]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nico Semsrott (»Brüssel sehen und sterben. Wie ich im Europaparlament meinen Glauben an (fast) alles verloren habe«), Jean-Philippe Kindler (»Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf - Eine neue Kapitalismuskritik«), Peter Mertens (»Meuterei – Wie unsere Weltordnung ins Wanken gerät«)</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2025/03/Dreimal-Politik.jpg" alt="" width="748" height="350" class="aligncenter size-full wp-image-16039" srcset="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2025/03/Dreimal-Politik.jpg 748w, https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2025/03/Dreimal-Politik-480x225.jpg 480w" sizes="(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) 748px, 100vw" /></p>
<p>Endlich zu Ende gelesen: <strong>»Brüssel sehen und sterben«</strong> von Nico Semsrott. Semsrott ist Comedian und hat sich eine Weile als Berufspolitiker betätigt – nämlich für die Partei Die Partei, über die er es 2019 eher zufällig und unfreiwillig in das Europaparlament schaffte. Irgendwie stand er auf dem Listenplatz 2 und irgendwie durfte die Partei zur Überraschung aller statt einem gleich zwei Abgeordnete entsenden. Wodurch Semsrott plötzlich Parlamentarier in Brüssel und Straßburg war. Über den Umstand des Pendels zwischen den beiden Tagungsorten hat sich Martin Sonneborn, der große Vorsitzende der Partei, schon das ein oder andere Mal lustig gemacht. Das war auch durchaus amüsant anzusehen, wie der ganze parlamentarische Tross mit Sack und Pack und Zimmerpflanze auf große Reise ging. </p>
<p>Sonneborn konnte diesem Irrsinn also durchaus komische Seiten abgewinnen. Auch Semsrott kommt aus dem komischen Fach, hat aber anscheinend weit weniger Humor, denn er nimmt alles persönlich: die lächerliche Bürokratie, die Mittelmäßigkeit seiner Kolleginnen und Kollegen, ihre Korruptionsanfälligkeit. Woran liegt&#8217;s? Nun, Semsrotts Bühnenfigur ist depressiv und der Künstler selbst ist es auch. Und er wird nicht müde, darauf hinzuweisen. Vielleicht ist es das, was es schwermacht, seinen Ausführungen zu folgen. Er weiß nichts mit den Möglichkeiten anzufangen, die ihm qua Amt gegeben worden sind: von den außerordentlich hohen Diäten über die zahllosen zusätzlichen Privilegien (ich sag nur: Fahrtkostenerstattung) bis zu einem opulenten Mitarbeiterstab, den er sich zusammenstellen durfte. Das ist schade, denn zum einen hat er es so versäumt, in den fünf Jahren seines Parlamentarierdaseins etwas daraus zu machen – medial wahrgenommen wurde vor allem das Zerwürfnis mit Martin Sonneborn – und zum anderen, weil das Buch, das er darüber geschrieben hat, weit weniger lustig ist als es sein könnte.</p>
<p>Jean-Philippe Kindler ist ebenfalls Comedian und auch er hat ein Buch geschrieben, in dem er sich mit politischen Themen beschäftigt. <strong>»Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf«</strong> heißt es. Und auch dieses ist weit weniger lustig als es klingt, dafür aber trotzdem deutlich lesenswerter. »Eine neue Kapitalismuskritik« lautet der gänzlich unkomische Untertitel zu dem schmalen Werk. Gerade weil es nicht nur auf lustig macht, ist es so lesenswert. Billige Witze hat es nämlich nicht nötig, denn Kindler brilliert durch seine Analysen. Zwar nicht des Kapitalismus im Ganzen, aber doch seiner aktuellen Ausprägungen – und vor allem, wie diese sich in ihren vermeintlichen Kritikern widerspiegeln. Armut, Glück, Klimakrise und Demokratie müssten repolitisiert werden, schreibt Kindler, dann könne es das gute Leben für alle geben. Auch Kindler war (oder ist) depressiv (das erzählt er selbst in diesem Buch), doch kreist seine Welt eben nicht nur um diesen höchstbedauerlichen Umstand. Sein Blick ist weiter: Armut, schreibt er, ist nicht das Resultat persönlichen Versagens, sondern ist den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zuständen geschuldet. Die kapitalistischen Mechanismen sind es, die viele Menschen arm machen und einige wenige sehr reich. </p>
<p>Die Klimakrise ist dementsprechend nicht das Resultat persönlichen Fehlverhaltens (wie zum Beispiel der ökologische Fußabdruck suggeriert), sondern das Ergebnis einer Wirtschaftsform, die auf unbegrenztes Wachstum angelegt ist. In diesem Zuge wendet sich Kindler auch gegen die sogenannte Identitätspolitik, wie sie von linker Seite gerne betrieben wird: </p>
<blockquote><p><em>»Man kann einem heterosexuellen Cis-Mann nur schwerlich erklären, wieso er wahnsinnig privilegiert ist, wenn er von Bürgergeld in einer viel zu kleinen Wohnung im Hochhaus wohnt. Es zeigt sich hier ein wiederkehrendes Problem der Identitätspolitik. Während es auf struktureller Ebene unbestreitbar richtig ist, dass weiße heterosexuelle Männer gesellschaftlich übervorteilt sind, kann man diese Erkenntnis nur schwerlich eins zu eins auf den einzelnen Menschen übertragen.«</em></p></blockquote>
<p>Und weiter: »Betroffenheit von Diskriminierung« werde »mit einer absoluten Deutungshoheit über politisch zu verhandelnde Sachverhalte« gleichgesetzt. Diese Herangehensweise verhindere, dass linke Politik mehrheitsfähig werde. Und genau darauf komme es an. »Das gute Leben«, konstatiert Kindler, »ist etwas, was es aus der Masse heraus zu erkämpfen gilt.« Das klingt ein bisschen wie der neue Kurs der Linkspartei, die klassenpolitische Fragen in den Mittelpunkt ihres letzten (sehr erfolgreichen) Wahlkampfes gestellt hat – ohne Abstriche bei antirassistischen und feministischen Positionen zu machen. Und tatsächlich – bei Wikipedia ist zu lesen, dass Kindler Mitglied der Partei Die Linke ist und im Büro der Bundestagsabgeordneten Heidi Reichinnek in der Textproduktion arbeitet.</p>
<p>Peter Mertens hingegen ist kein Comedian, er ist Politiker. Und auch er hat ein Buch geschrieben. »Selbstbewusstsein, Klasse und Internationalismus« – darum geht es ihm in <strong>»Meuterei – Wie unsere Weltordnung ins Wanken gerät«</strong>. Was er damit meint, erfahren wir schon im Vorwort. »Die Linke«, schreibt Mertens, »muss es wagen, aus der Stärke ihrer Überzeugungen heraus zu sprechen. (&#8230;) Sie muss bereit sein, zu kämpfen, bis sie gewonnen hat, und sie muss wirklich gewinnen wollen.« Das ist tatsächlich etwas, woran es manchmal zu mangeln scheint. Das muss natürlich nicht sein, denn es gibt auch durchaus hoffnungsvolle Anzeichen, nicht zuletzt in der Partei, dessen Generalsekretär Peter Mertens ist: der belgischen Partei der Arbeit (PVDA-PTB), die in den letzten Jahren nicht nur durch beeindruckende Wahlerfolge, sondern auch durch enorme Mitgliedergewinne aufgefallen ist.</p>
<p>Der zweite Punkt – Klasse – hängt eng damit zusammen. »Wer baut die Stühle, die Häuser, die Schiffe? Wer baut die Handys, Elektroautos und Halbleiter zusammen? Wer baut das Lithium ab? Wer hält die Gesellschaft am Laufen?«, fragt er und beantwortet die Frage gleich selbst: »die Arbeiterklasse«. »Die Arbeiterklasse«, schreibt Mertens, »ist unsere Klasse. Unser Standpunkt ist ein Klassenstandpunkt, unverhohlen und stolz. Unser Modell für die Gesellschaft ist die Befreiung der Arbeit durch den Sozialismus.« Womit er nicht gesagt haben will, dass es nicht auch andere Formen der Unterdrückung als die Ausbeutung durch die Lohnarbeit gäbe: »Ja, wir bekämpfen Sexismus, ja, wir benennen jede Form der Ausgrenzung. Aber wir tun dies immer aus der Perspektive, dass die Schlagkraft und die Einheit der Arbeiterklasse gestärkt und gefestigt werden muss. Eine gespaltene Arbeiterklasse kann nicht gewinnen. Sie konnte es nie und kann es auch heute nicht.«</p>
<p>Der dritte von ihm angesprochene Punkt, ist der schwierigste: Internationalismus: »Niemand kann frei sein, solange Palästina nicht frei ist«, behauptet er, womit er einen ethnisch und religiös aufgeladenen Konflikt in den Mittelpunkt stellt, der genau der Identitätspolitik entspricht, der er an anderer Stelle in dem Buch so vehement widerspricht. Tatsächlich wusste schon Marx, dass die Arbeiterklasse kein Vaterland hat. Damals nicht und heute hat sie es auch nicht. Auch kein palästinensisches. Klasse ist eine Kategorie, die auf sozialen, auf ökonomischen Grundlagen beruht. Alle arbeitenden Menschen auf der Welt haben die gleichen Interessen. Es gibt kein politisches Element, das universeller und verbindender ist. Der Konflikt zwischen Israel und Palästina hat hingegen offenkundig kein emanzipatorisches Potential. Die israelischen und die arabischen/palästinensischen Konfliktparteien begründen ihren Krieg nationalistisch und religiös. Damit sind sie beide Feinde der Arbeiterklasse (um in Mertens Sprachgebrauch zu bleiben).</p>
<p>Selbstverständlich muss der israelische Nationalismus, wie er von der Regierung Netanjahu vertreten wird, bekämpft werden (so wie jeder andere Nationalismus auf der Welt), aber die Hoffnung, ein palästinensischer Nationalismus (der zudem auch noch religiös aufgeladen ist) sei eine Art Katalysator für eine weltweite linke Bewegung, trügt. Wer den Kapitalismus bekämpfen will, muss ihn als Kapitalismus bekämpfen. Und damit das Privateigentum an Produktionsmitteln und die damit zusammenhängende Lohnarbeit. »Der Kapitalismus kann keinen Ausweg aus den großen Herausforderungen bieten, vor denen wir stehen«, schreibt Mertens ganz richtig. »Das kann nur der Sozialismus.«</p>
<p>Mertens betreibt auf den fast 300 Seiten des Buches viel Aufwand, um die soziale Ungleichheit zu beschreiben, die der Kapitalismus hervorbringt. Und er führt viele Kronzeugen dafür an: Ökonominnen, Gewerkschafter, Politikerinnen, Verwaltungsbeamte, Schriftsteller und Nobelpreisträger. Er zitiert aus Berichten der Vereinten Nationen und der NGO Oxfam. Und er beschreibt und versucht zu erklären, wie Reichtum entsteht: »Man wacht am Morgen auf, geht zur Arbeit, schläft, und wacht am nächsten Tag wieder auf, mit 20 Millionen Dollar Plus auf dem Bankkonto – das ist so in etwa das, was sich zwischen 2020 und 2022 Tag für Tag bei den Cargills abgespielt hat. Zwei Jahre lang wuchs das Vermögen der Familie jeden Tag um 20 Millionen Dollar.« Das ist natürlich absurd, da hat Mertens völlig recht, denn niemand kann pro Tag (oder über Nacht) 20 Millionen Dollar erarbeiten. Es stimmt also: Kapitalisten schaffen keinen Reichtum – sie schöpfen ihn ab.</p>
<p>Mertens bemüht sich, diese Dinge allgemeinverständlich zu erklären, doch stellt sich gerade dadurch die Frage, ob er damit nicht zu sehr an der Oberfläche bleibt. Mehr Marx – also mehr grundsätzliche Kritik der politischen Ökonomie – wäre vielleicht besser gewesen. Die Beispiele, die Mertens bringt, sind zwar erschreckend, aber sie sind eben doch nur Beispiele. Wobei er natürlich – das ist ihm hoch anzurechnen – in aktuelle Debatten einzugreifen versucht und sich mit der grotesken Behauptung auseinandersetzt, dass höhere Löhne höhere Preise nach sich ziehen, also abzulehnen seien. Wenn es danach gegangen wäre, würde wir immer noch zu Hungerlöhnen unter frühkapitalistischen Bedingungen schuften. </p>
<p>Auch mit Austerität, Neoliberalismus, Rohstoffhandel und dem Börsengeschehen setzt sich Mertens fundiert und verständlich auseinander, um schließlich auf die internationalen Beziehungen zu kommen. Ihm zufolge findet eine zweifache Meuterei statt: eine im Norden (die Rebellion der Arbeiterklasse) und eine im Süden (der unterdrückten Völker): </p>
<blockquote><p><em>»Auf der einen Seite ist da die Macht von unten, mit Volksbewegungen, die versuchen, eine progressive Agenda durchzusetzen. Sie tun dies jeweils in ihrem eigenen Kontext: von der Bewegung der landlosen Bauern MST in Brasilien über die große Frauenbewegung AIDWA in Indien bis hin zum Kampf der Metallarbeitergewerkschaft NUMSA in Südafrika. Es ist die Meuterei unter Deck. Sie verschafft sich lautstark Gehör für demokratische Rechte, eine Landreform und gut bezahlte Arbeit. Gleichzeit ist das ein Kampf für Freiheit, gegen reaktionäre und diktatorische Regime – das verdient unsere Unterstützung. Aber auch über Deck ist die südliche Welt in Aufruhr und sucht nach einer neuen Form der Blockfreiheit, einer Realpolitik, die den nationalen Interessen dient. Das ist die doppelte Meuterei, die hier vor sich geht.«</em></p></blockquote>
<p>In diesem Kontext sieht er auch den Nahostkonflikt. Israel versteht er als imperialistischen Staat, gegen den das kolonialisierte palästinensische Volk den Aufstand wagt. Tatsächlich ist derzeit weltpolitisch viel Bewegung. Die nach 1990 einzige verbliebene Weltmacht USA schwächelt und wird durch Länder wie Russland und vor allem China herausgefordert. Neue Machtblöcke bilden sich heraus, die Brics-Staaten und die Shanghai Cooperation Organisation zum Beispiel. Dabei wird er jedoch unsauber in seiner Argumentation. Dass diese Länder den Aufstand proben, liegt eben nicht daran, dass die Welt ungleicher wird (das wird sie vor allem innerhalb der Länder des globalen Nordens), sondern ganz im Gegenteil, dass die ehemaligen Kolonialländer des Südens stärker werden, weil ihre Wirtschaftsmacht zunimmt. </p>
<p>»Solange es Unterdrückung und Ungerechtigkeit gibt, wird es Widerstand geben«, schreibt Mertens im Abschlusskapitel. »Wir stehen an einem Scheideweg in einer polarisierten Welt, die jederzeit in alle Richtungen kippen kann. Die Ungeheuer sind nie weit weg. Hoffnung ist nur ein Wort, man muss daran arbeiten. Indem wir den Menschen helfen, aufrecht zu stehen, ihre Stimme zu erheben und sich zusammenzuschließen, sich zu bilden und zu handeln. Indem wir uns für das einsetzen, was in dieser Welt gerecht ist. Und indem wir diese Bewegungen, die nach einem neuen Sozialismus streben, zusammenbringen, in einer Gesellschaft ohne Plünderung, Hass und Unterdrückung, die die Quellen ihres Reichtums respektiert: die Arbeit und die Natur.« In diesem Sinne bildet das Buch eine gute Intervention in die Debatten um die aktuellen politischen Auseinandersetzungen, die vielleicht dazu beitragen können, »die Welt in die demokratische, soziale und ökologische Richtung (zu) lenken, die dieser Planet braucht.«</p>
<p><strong>Nico Semsrott: Brüssel sehen und sterben</strong> | Deutsch<br />
Rowohlt 2024 | 352 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783499014109?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
<p><strong>Jean-Philippe Kindler: Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf</strong> | Deutsch<br />
Rowohlt 2023 | 138 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783499012990?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
<p><strong>Peter Mertens: Meuterei – Wie unsere Weltordnung ins Wanken gerät</strong> | Deutsch<br />
Brumaire Verlag 2024 | 283 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/item/9783948608552?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank">Jetzt bestellen</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Sascha Seiler: Bornheim Blues. Jörg Fauser – Ein Essay</title>
		<link>https://www.wortmax.de/sascha-seiler-bornheim-blues-joerg-fauser-ein-essay/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jul 2024 08:51:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biographisches]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Portraits]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Bukowski]]></category>
		<category><![CDATA[Jörg Fauser]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Seiler]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wann habe ich selbst das erste Mal von Jörg Fauser gehört, etwas von ihm gelesen? Ich meine, es war im Frankfurter Social Beat-Magazin »Cocksucker«, irgendwann in den 90er Jahren. Da ging es um »Trotzki, Goethe und das Glück«, und ich lag in einem Braunschweiger Freibad und träumte von der Revolution und davon, ein großer Schriftsteller zu werden.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2024/07/Bornheim-Blues.jpg" alt="Sascha Seiler: Bornheim Blues" title="Sascha Seiler: Bornheim Blues" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-15591" />Der Literaturkritiker und Kulturjournalist Sascha Seiler stellt in seinem im Verlag Andreas Reiffer erschienenen Buch »Bornheim Blues« die Behauptung auf, dass man »sich &#8230; meistens daran erinnert, wann, wo und wie man seine Lieblingsplatten zum ersten Mal gehört oder unter welchen Umständen man einen wegweisenden (oder vielleicht auch verstörenden) Film erstmals gesehen hat.« Dies ginge ihm auch mit der Lektüre von <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783257070347.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Rohstoff«</a> so, also Fausers autofiktionalen Schlüsseltext, der das Rohmaterial enthält, mit dem er letztlich alle seine Werke unterfüttert hat, von der Lyrik und den Songtexten bis zur (Kurz-)Prosa und den Essays. Selbst seine hartgekochten Kriminalromane speisen sich aus der Weltsicht, die Fauser in »Rohstoff« offenbart hat.</p>
<p>Wann habe ich selbst das erste Mal von Fauser gehört, etwas von ihm gelesen? Ich meine, es war im Frankfurter Social Beat-Magazin »Cocksucker«, irgendwann in den 90er Jahren. Da ging es um <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783257239270.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Trotzki, Goethe und das Glück«</a>, und ich lag in einem Braunschweiger Freibad und träumte von der Revolution und davon, ein großer Schriftsteller zu werden. Und war natürlich auf der Suche nach dem Glück!</p>
<p>Jörg Fauser kann tatsächlich durchaus der deutschsprachigen Beat-Literatur zugerechnet werden, wie sie bis heute von kleinen Zeitschriften wie dem »Drecksack« und der »Maulhure« am Leben gehalten wird (auch wenn er dieses Etikett für sich natürlich und gut begründet abgelehnt hätte). In diesem Genre schwingt immer viel Elendsromantik mit, das hohe Lied des Niedergangs wird gesungen, Erwerbs- und Obdachlosigkeit werden verklärt, Alkoholismus, Armut und Einsamkeit geradezu glorifiziert. Die Protagonisten (und wenigen Protagonistinnen) stehen immer am Rande der Gesellschaft – und sie sind immer am Arsch. So war es damals und so ist es heute. Das mag auf die Dauer ein bisschen eindimensional wirken, aber dieser dunkle Glamour entbehrt durchaus nicht einer gewissen Faszination. Charles Bukowski hat es in diesem Genre zu den Höchstleistungen gebracht, die auch heute noch lesenswert sind.</p>
<p>Doch wie sieht es mit Jörg Fauser aus? Kennt man den Namen noch? Liest man heute noch seine Bücher? Wer kennt heute noch den <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783257247275.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Schneemann«</a> und das <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783257246544.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Schlangenmaul«?</a> Wer hört Achim Reichels »Spieler«? Wer liest – außerhalb literaturwissenschaftlicher Zirkel – <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783875122541.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">»Die Harry Gelb Story«</a>?</p>
<p>Sascha Seiler hat sich – seit er ihn auf der Tribüne einer Turnhalle während seiner Schulzeit das erste Mal gelesen hat – intensiv mit Fausers Werk und Leben (inklusive dem bizarren Unfalltod als Fußgänger auf einer Autobahn) auseinandergesetzt. Daraus ist ein gut lesbarer und kluger Essay entstanden, der sich kritisch mit Fauser beschäftigt und sich auch traut, die dunkleren Stellen zu beleuchten.</p>
<p>Es geht darin also zum einen um große Literatur und zum anderen um die Bedingungen, unter denen diese entstanden ist, um den »Zeitgeist«, wie man es damals nannte. Der 1943 geborene und 1987 gestorbene Fauser ist ganz Kind der alten Bundesrepublik. Sie stand zum einen unter den Nachwirkungen der Nazizeit, deren Täter und Mitläufer immer noch wort- und handlungsmächtig waren, wenngleich sie nach und nach von Vertretern der jüngeren Generation in Frage gestellt, unter Druck gesetzt und abgelöst wurden. In diesem Spannungsfeld schrieb Fauser also seine Texte, weshalb der Nationalsozialismus immer wieder durchscheint und seine schwarzen Schatten auf die braven Bürgerinnen und Biedermänner wirft, deren fades Leben zu langweilig ist für den jungen Jörg Fauser, der sich deshalb todesmutig (oder -sehnsüchtig) in das abenteuerliche Leben eines Drogensüchtigen und Künstlers stürzt.</p>
<p>»Die dunkle Realität hinter der glitzernden Großstadtfassade, die gleichzeitig für jeden sichtbar offenliegt, mit dem sich die Literatur aber – gerade in Deutschland – nicht gerne beschäftigen möchte«, schreibt Seiler, »ist das große Thema in Fausers Gedichten und führt als narrativer Faden bis hin zu seinen späten Kriminalromanen. Und mittendrin der Dichter, der auf der Suche nach dem Rausch, dem Sex, der Inspiration ist, und der das Gedicht stets als temporäre Erlösung begreift, wohlwissend, dass dies ein Trugschluss ist, dass er sich in einem ewigen Zyklus aus Sucht, Rausch, Einsamkeit, Verzweiflung befindet.« Wer sich von diesen Sätzen angesprochen fühlt, sollte unbedingt zum »Bornheim Blues« greifen. Und danach natürlich zu Fausers Gedichten und Romanen.</p>
<p><strong>Sascha Seiler: Bornheim Blues. Jörg Fauser – Ein Essay</strong> | Deutsch<br />
Verlag Andreas Reiffer 2024 | 134 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783910335097.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783910335097.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/02218a6f4c94f5addc47210a63778f46.png" /></a></p>
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		<title>Daniel Borgeldt: Cheyenne</title>
		<link>https://www.wortmax.de/daniel-borgeldt-cheyenne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 May 2024 07:37:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Borgeldt]]></category>
		<category><![CDATA[David Lynch]]></category>
		<category><![CDATA[Kimya Dawson]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Scorsese]]></category>
		<category><![CDATA[Quentin Tarantino]]></category>
		<category><![CDATA[Slayer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>»Cheyenne« – ist das ein Krimi? Wahrscheinlich nicht, auch wenn es gewissermaßen um einen Kriminalfilm geht. Ist es dann vielleicht ein Entwicklungsroman? Schon eher, aber auch das trifft es nicht so ganz. Oder ist es einfach nur Trash? Und warum eigentlich »nur«? »Heute führe ich ein ruhiges Leben«, berichtet die Ich-Erzählerin. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2024/05/Cheyenne.jpg" alt="Daniel Borgeldt: Cheyenne" title="Daniel Borgeldt: Cheyenne" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-15501" />»Cheyenne« – ist das ein Krimi? Wahrscheinlich nicht, auch wenn es gewissermaßen um einen Kriminalfilm geht. Ist es dann vielleicht ein Entwicklungsroman? Schon eher, aber auch das trifft es nicht so ganz. Oder ist es einfach nur Trash? Und warum eigentlich »nur«?</p>
<p>»Heute führe ich ein ruhiges Leben«, berichtet die Ich-Erzählerin. »Hat auch lange genug gedauert. Was ich hier aufschreibe, ist Jahrhunderte her. So fühlt es sich an. Ist aber in Wahrheit vor weniger als zehn Jahren passiert. Ich bin seit langem raus aus dem ganzen Scheiß. Doch wenn ich mich hinsetze und das aufschreibe, dann seh ich wieder das Mädchen vor mir, das ich damals war. Ich fang dann auch an so zu denken und zu reden oder besser, zu schreiben wie sie. Ich meine, ich hab ja in der Schule nie so viel aufgepasst. Und später musste ich eben arbeiten. Deswegen ist meine Sprache wohl ziemlich im Arsch. Aber ich versuche rauszuholen, was geht. Weil ich langsam irgendwem davon erzählen muss. Sonst werde ich bekloppt.«</p>
<p>Man merkt gleich: Dieser jugendliche Alltagsjargon klingt zeitlos, biedert sich nicht an. Die Geschichte spielt in einem migrantischen und kriminellen Unterschichtsmilieu, wobei sich Daniel Borgeldt nicht anmaßt, über die von ihm ersonnenen Charaktere zu urteilen. Vielmehr spielt er gekonnt mit Klischees, zieht eine Metaebene ein, mit der er Cheyenne mit ihren eigenen Augen beobachten kann. Dabei ist es keine Sozial- oder gar Klassenstudie, denn Borgeldt will vor allem unterhalten. Und ich bin weit davon entfernt, dies abfällig zu meinen.</p>
<p>Dass der Roman eine melancholische Grundstimmung hat, steht dazu keinesfalls in einem Widerspruch. Die Gattung »Popliteratur« ist heute etwas aus der Mode gekommen (zumindest die Begrifflichkeit), aber vielleicht lohnt es sich hier, die Bezeichnung wieder aufzugreifen, denn neben den alltäglichen Beschreibungen und zeitgeschichtliche Anklänge sind hier die popkulturellen Reminiszenen an die großen Kinofilme von Quentin Tarantino, Martin Scorsese und David Lynch, mehr als deutlich – und werden auch explizit genannt. Cheyenne liebt diese Gangsterfilme. Und lebt sie. Und die Musik von Kimya Dawson und Slayer mag sie auch. So widersprüchlich ist das Leben manchmal.</p>
<p>Es bleibt zu sagen, dass dieser Roman Witz und Charme hat und vor allem spannend bis zum Schluss ist. Ein großer Lesespaß also!</p>
<p><strong>Daniel Borgeldt: Cheyenne</strong> | Deutsch<br />
Ventil Verlag 2023 | 184 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783955752132.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783955752132.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/892852d6c77b351f88444a5801e4e680.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/daniel-borgeldt-cheyenne/">Daniel Borgeldt: Cheyenne</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
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		<title>Testcard #27: Rechtspop. Beiträge zur Popgeschichte</title>
		<link>https://www.wortmax.de/testcard-27-rechtspop-beitraege-zur-popgeschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jan 2024 15:07:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Film & Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Testcard]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hier einige Anmerkungen zur 27. Ausgabe des außerordentlich verdienstvollen Buchmagazins »Testcard: Beiträge zur Popgeschichte«, die sich mit einem Thema beschäftigt, das leider immer wichtiger zu werden scheint: Rechtspop. (...) Das Magazin gibt einen guten Einblick in die Thematik und wirft viele weitergehende Fragen auf.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/testcard-27-rechtspop-beitraege-zur-popgeschichte/">Testcard #27: Rechtspop. Beiträge zur Popgeschichte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2024/01/Testcard.jpg" alt="Testcard #27: Rechtspop. Beiträge zur Popgeschichte" title="Testcard #27: Rechtspop. Beiträge zur Popgeschichte" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-15330" />Hier einige Anmerkungen zur 27. Ausgabe des außerordentlich verdienstvollen Buchmagazins »Testcard: Beiträge zur Popgeschichte«, die sich mit einem Thema beschäftigt, das leider immer wichtiger zu werden scheint: Rechtspop. Es geht also um volkstümliche Schlager, rechtsextreme Populärkultur und Popmusik, um faschistische Ästhetik im Europa, Russland und den USA, um rechte Memes und Hakenkreuze, um Comics und Videospiele, um Querfront und Volksgemeinschaft, um Männlichkeit und Frauen in der identitären Szene, um Rechtsrock und Rap von rechts, um Refeudalisierung und Autoritarismus. Das ganze schmutzige Programm also.</p>
<p>Die testcard fühlt sich der Poplinken zugehörig. Doch was ist das überhaupt? Sind es Linke, die sich auf sozialwissenschaftlicher Basis mit Popkultur beschäftigen? Die selbst emanzipatorische Popkultur schaffen? Die in die Popkulturrezeption kritisch intervenieren wollen? »Popmusik galt als ästhetischer Ausdruck von Emanzipationsbewegungen«, heißt es im Editorial. »Vom herrschenden Status quo abweichendes Verhalten war als Vorschein auf ein besseres Morgen für alle sichtbar. (…) Popmusik als verändernde Kraft, und in diesem Sinne gesellschaftspolitisch linkes Projekt, war (und ist) nicht bloß ein (linker) Mythos.« Somit wäre Popkultur als Experimentierfeld und Agitationsmittel zu verstehen.</p>
<p>Doch reicht das aus als Standortbestimmung? Linke können sozialdemokratisch, sozialistisch oder kommunistisch sein. Oder anarchistisch, marxistisch oder stalinistisch. Vielleicht sogar antiimperialistisch oder antideutsch. Aber poplinks? Welcher gesellschaftspolitischen Analyse liegt dieser Definition zugrunde?</p>
<p>Abseits von möglichen Definitionen bleibt die grundsätzliche Frage, was eine Zeitschrift wie die Testcard bewirken kann. Dies gilt umso mehr für die aktuelle Ausgabe, die eben zeigt, dass Pop eben nicht per se links ist, sondern sehr wohl auch von rechts besetzt werden kann. Die Ausflüge zu den Anfängen des Faschismus in Italien und des Nationalsozialismus in Deutschland zeigen, dass dies auch gar keine neue Entwicklung ist, sondern dass faschistische Bewegungen schon immer gut darin waren, kulturelle Strömungen aufzugreifen und für sich zu vereinnahmen. So wie es auch heute geschieht, wie Jonas Vogel beobachtet: </p>
<blockquote><p><em>»In ihrem grollend-neidenden Angriff auf den ›links versifften Mainstream‹ adaptieren die Neuen Rechten den methodischen Gedanken der Gegenöffentlichkeit – um diesen als Konkurrenten für sich zu besetzen. Angesichts des von ihnen verstandenen anti-nationalen linken Mainstream wollen sie einen hegemonialen Diskurs des Nationalen etablieren, nur um infolgedessen ›wieder‹ nationale Politik, die sich also bedingungslos einer deutschen Volksgemeinschaft verpflichtet, realisieren zu können.«</em></p></blockquote>
<p>»Wie wir als Poplinke mit all dem theoretisch umgehen und was wir ihm praktisch entgegensetzen können, kann ich an dieser Stelle natürlich auch nicht sagen«, konstatiert Frank Apunkt Schneider. »Die hier lediglich in den allergröbsten Umrissen geschilderte Poprechte lässt sich von einer Poplinken, die sich selbst ernst und beim Wort nimmt, aber vermutlich effektiver bekämpfen als vom traditionell aktivistisch orientierten Antifaschismus, der natürlich trotzdem ein wichtiger Verbündeter ist. Den Pop-Antifaschismus und den Anti-Popfaschismus, den die Gegenwart braucht, wird er aber vermutlich nicht allein stemmen können. Wir können uns also keineswegs darauf herausreden, dass wir nicht wüssten, was wir zu tun hätten.«</p>
<p>Was kann also eine Popkultur – über die akribische Beschreibung von aktuellen Entwicklungen hinaus – leisten und bewirken? Kann sie eigene Handlungsoptionen entwickeln? Durch Aufklärung? Oder kann sie gar »emanzipative Ästhetiken« (Konstantin Jahn) entwickeln? Oder ist es nicht vielmehr so, dass jede Ästhetik mit beliebigem Inhalt gefüllt werden kann? So wie es die Rechten eben auch versuchen, in ihrem Streben nach kultureller und letztlich gesellschaftlicher und politischer Hegemonie?</p>
<p>Tatsächlich reicht es eben nicht aus, nur die Schlechtigkeit der Gegenseite aufzuzeigen, denn die »Gratiswerbung durch die kritische Berichterstattung der etablierten Massenmedien« (Steffen Hendel) darf nicht unterschätzt werden. Auch linke Bewegungen wie der Punk setzten schließlich auf das Mittel der Provokation, um einen größtmöglichen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Andererseits können Initiativen wie »Keinen Pixel dem Faschismus« durchaus wichtige Beiträge zu einer antifaschistischen Praxis liefern, in dem rechte Inhalte in Computerspielen benannt und gebannt sowie eigene Narrative und Ästhetiken in Spiele eingeflochten werden.</p>
<p>Was aber vielleicht am dringendsten benötigt wird, ist eine Populärkultur, die auch gezielt Menschen außerhalb der linken Blase erreicht. Verliert die Linke diesen Kampf um die kulturelle Hegemonie, droht eine neokonservative Ära, die zu Krisen und Kriegen führen wird, deren Folgen noch gar nicht abzusehen sind. Antifaschismus ist eben nicht Aktivismus um des Aktivismus willen, sondern muss auf strategischen und taktischen Überlegungen beruhen. Antifaschismus bedeutet, um mit dem Vokabular der sogenannten Neuen Rechten zu sprechen, »Metapolitik« und den »Krieg der Information« gezielt zu einem Betätigungsfeld der Linken zu machen. </p>
<p>Das passiert natürlich sowieso schon, aber es werden noch zu viele Fehler begangen, vielleicht auch deshalb, weil sich viele Linke genussvoll einer Art Untergangsstimmung hingeben, anstatt tatsächlich für den gesellschaftlichen Fortschritt einzutreten – und zu begründen, warum dieser nicht nur nötig, sondern auch möglich ist. In den letzten Jahrzehnten erzielte Erfolge dürfen dabei durchaus auch gewürdigt werden. Wer gesellschaftlichen Fortschritt nicht anerkennt, sondern leugnet, wird tatsächlich irgendwann nur noch auf der Stelle treten.</p>
<p>Die aktuelle Ausgabe der Testcard liefert einen guten Einblick in die Thematik Rechtspop. Und ist auch deshalb so lesenswert, weil sie viele weitergehende Fragen aufwirft.</p>
<p><strong>Testcard #27: Rechtspop. Beiträge zur Popgeschichte</strong> | Deutsch<br />
Holger Adam, Roger Behrens, Jonas Engelammn u.a.<br />
Ventil Verlag 2023 | 290 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783931555269.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Katinka Buddenkotte: Ihr wisst doch gar nicht, was ihr denkt!</title>
		<link>https://www.wortmax.de/katinka-buddenkotte-ihr-wisst-doch-gar-nicht-was-ihr-denkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Nov 2023 16:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Katinka Buddenkotte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das neue Buch von Katinka Buddenkotte ist erschienen. Den hier versammelten Geschichten merkt man an, dass ihre Autorin aus der Bühnenwelt kommt und dass sie in ihren Soloprogrammen eine Mischung aus Lesung und Stand-Up-Comedy zelebriert. Und »Comedy« meine ich hier durchaus nicht diskreditierend.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2023/11/Ihr-wisst-doch-gar-nicht.jpg" alt="Katinka Buddenkotte: Ihr wisst doch gar nicht, was ihr denkt!" title="Katinka Buddenkotte: Ihr wisst doch gar nicht, was ihr denkt!" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-15251" />Katinka Buddenkotte ist Kabarettistin, Comedienne und Roman-Autorin. Und sie hat an Poetry Slams teilgenommen. Sie ist aber keine Slammerin, glaube ich. Und sie ist komisch! Also lustig. Oder witzig. Jedenfalls hat sie Humor. Und den braucht man ja auch. Als Mensch. Und besonders als Frau. Außerdem ist sie Mitglied der Kölner Lesebühne »Rock‘n‘Read« und hatte mit der Kurzgeschichtensammlung »Ich hatte sie alle« auch schon mal einen veritablen Bestseller. Was gerecht ist. Ungerecht ist hingegen, dass sie viel zu wenig Kabarett-Preise gewonnen hat. Eigentlich nur einen. Einen zweiten Platz bei irgendwas. Darüber sollten die Jury-Mitglieder von Kabarett-Preisen mal nachdenken. Was sie da falsch gemacht haben. Es gehört sich nämlich nicht, Katinka Buddenkotte so zu ignorieren.</p>
<p>Aber auch die gemeinen Leserinnen und Leser sollten sich überlegen, ob sie nicht Katinka Buddenkottes neues Buch erwerben sollten. Vielleicht sogar lesen. Ganz bestimmt sogar lesen. Und dafür weniger fernsehen. Außer wenn diese besagte Dame wieder auftritt. Dann kann man das TV-Gerät mal wieder einschalten. Einschalten sollte man es jedoch nicht bei »Inspector Barnaby«. Diese Serie gilt als die langweiligste Krimiserie, die es jemals in das deutsche Fernsehprogramm geschafft hat. Frau Buddenkotte hat das in einem aufwändigen Selbstversuch herausgefunden. Wenn sie nicht eingeschlafen ist. Beziehungsweise weil sie eingeschlafen ist. Jedes Mal.</p>
<p>Nun hat sie ein neues Buch geschrieben. Es heißt »Ihr wisst doch gar nicht, was ihr denkt!« und ist im Satyr Verlag erschienen. Den hier versammelten Geschichten merkt man an, dass ihre Autorin aus der Bühnenwelt kommt und dass sie in ihren Soloprogrammen eine Mischung aus Lesung und Stand-Up-Comedy zelebriert. Und »Comedy« meine ich hier durchaus nicht diskreditierend.</p>
<blockquote><p><em>Nennt mich romantisch verklärt, aber genauso ergeht es mir mit Penissen. Ich habe einen sehr guten. Zu Hause. An dem auch das ganze Drumherum stimmt. Ehrlich gesagt gefällt mir das Gesamtarrangement so gut, dass ich da gar nicht mehr so genau auf dieses eine Detail achte. Ich meine, ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe, und vertraue meinem Mann, dass er ihn stets dabeihat. Aber ich durchwühle doch nicht seine Hose, um das zu überprüfen. Das zerstört doch das Vertrauen in einer Beziehung.</em></p></blockquote>
<p>So schreibt »die Buddenkotte«, wenn sie über das eigentlich sehr unlustige Phänomen der Dickpics nachdenkt, also über die Unsitte mancher Männer, weiblichen Personen ungebeten Bilder des eigenen Gemächts zu schicken.</p>
<p>Außerdem lässt sie sich zum Beispiel über Jugenderlebnisse, Konzertbesuche, Supermärkte, Kneipengänge, Vogelbeobachtungen, Gleichstellungsbeauftragte und ihre Altersvorsorge aus. Auch vor dem Gendern und dem Preppern macht sie thematisch nicht halt. Am wichtigsten scheint ihr jedoch das Familienleben der Buddenkottes zu sein. Vielleicht einfach deshalb, weil sich daran beispielhaft die Schwierigkeiten der humanoiden Kommunikation im Allgemeinen und die Unzulänglichkeiten der deutsche Sprache im Speziellen aufzeigen lassen. </p>
<p>Das sind die Themen, denen sich schon der große Loriot mit all seiner Schaffenskraft gewidmet hatte. Katinka Buddenkotte weiß dem allzumenschlichen Sein aber durchaus noch neue Seiten abzugewinnen. Das gilt für die Telefongespräche mit der Mutter  (auch »Mama« oder »Mutti« genannt) genauso wie für den Fernsehabend mit ihren Eltern. Wir sollten das also alle viel öfter tun. Nicht das Fernsehgucken, sondern das Lesen der Bücher von Katinka Buddenkotte. Speziell ihres neuen. Und auch die Mutter sollten wir viel öfter anrufen. Also nicht die der Autorin, sondern die eigene (wenn vorhanden).</p>
<p><strong>Katinka Buddenkotte: Ihr wisst doch gar nicht, was ihr denkt!</strong> | Deutsch<br />
Satyr Verlag 2023 | 176 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783910775022.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Krachkultur: Ausgabe Nr. 21</title>
		<link>https://www.wortmax.de/krachkultur-ausgabe-nr-21/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 07:20:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Film & Musik]]></category>
		<category><![CDATA[AC/DC]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Behrmann]]></category>
		<category><![CDATA[Bob Dylan]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Schäfer]]></category>
		<category><![CDATA[Josef H. Reichholf]]></category>
		<category><![CDATA[Kiss]]></category>
		<category><![CDATA[Marcus S. Kleiner]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Brinkmann]]></category>
		<category><![CDATA[Pink Cream 69]]></category>
		<category><![CDATA[Slayer]]></category>
		<category><![CDATA[Tanja Dückers]]></category>
		<category><![CDATA[The Scorpions]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Kummer]]></category>
		<category><![CDATA[Venom]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kann man über Musik angemessen schreiben? Kann man nicht nur, sollte man sogar! Das beweist das Buchmagazin »Krachkultur«, das diesem Thema eine ganze Ausgabe widmet. Die Herausgeber Martin Brinkmann und Alexander Behrmann decken dabei die ganze Bandbreite ab: Vom Gedicht über die Kurzgeschichte zum Essay. Und von HipHop über Jazz zur Klassik. Das seit Anfang [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2021/03/Krachkultur_21.jpg" alt="Krachkultur: Ausgabe Nr. 21" title="Krachkultur: Ausgabe Nr. 21" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-13671" />Kann man über Musik angemessen schreiben? Kann man nicht nur, sollte man sogar! Das beweist das Buchmagazin »Krachkultur«, das diesem Thema eine ganze Ausgabe widmet. Die Herausgeber Martin Brinkmann und Alexander Behrmann decken dabei die ganze Bandbreite ab: Vom Gedicht über die Kurzgeschichte zum Essay. Und von HipHop über Jazz zur Klassik.</p>
<p>Das seit Anfang der 90er Jahre erscheinende Magazin stammt natürlich selbst aus dem tiefsten Untergrund. Der Name – das verraten die Herausgeber im Vorwort – ist angelehnt an Musikstile wie Punk und Grindcore. Und so verwundert es auch nicht, dass sich einer der Essays dem Extreme Metal von Slayer und Venom widmet. Auch in der Kurzprosa von Frank Schäfer gibt es immer wieder Bezüge zu Hardrock-Bands wie Kiss, Pink Cream 69, AC/DC und den Scorpions.</p>
<p>Brinkmann und Behrmann geht es letztlich darum, »(w)ie die Musik die Literatur im Allgemeinen (&#8230;) inspiriert – und umgekehrt.« Dirk Bernemann schreibt zum Beispiel über Songtexte: »Wann ist die Tendenz entstanden, mit Albumtiteln Versuche zu unternehmen, die Welt zu erklären? In allem, in jeder HipHop-Zeile, Werbebotschaft, in jedem politischen Slogan wird immer versucht, möglichst viel zu indoktrinieren. Es gibt kaum mehr was, was ohne Agitation auskommt.« Wann das entstanden ist? Nun, vermutlich mit der allerersten literarischen Zeile, die gesprochen oder geschrieben wurde. Literatur transportiert nämlich seit Anbeginn der Zeiten Ideologie und Religion, produziert verbindende Mythen und konstruiert den <em>Common Sense</em> einer Gesellschaft.</p>
<p>Wenn dem tatsächlich so ist, dann kommt noch einiges auf uns zu. Marcus S. Kleiner schreibt in seinem Essay »Sexism Sells. Das Deutschrap-Dilemma« über Texte wie diese hier: »Deiner Bitch geht‘s finanziell nicht gut, ich sag ihr, komm in mein Bordell. (&#8230;) Ich bang dein Baby, sie erzählt ihr‘n Ladys von mei‘m Mordsständer.« »Männer setzen sich im Deutschrap meist mit einem hohen Maß an Konservatismus und Traditionalismus durch – im deutlichen Unterschied zu der progressiven musikalischen Weiterentwicklung in diesem Genre«, schreibt Kleiner und konstatiert, dass »(k)einen Deutschrap zu hören &#8230; manchmal auch eine Lösung ist.«</p>
<p>Allerdings geht es merkwürdigerweise nur selten um Songtexte. Dabei leitet sich Lyrik bekanntlich von der Lyra ab – Musik und Literatur haben also den selben Ursprung. Das weiß inzwischen auch die Naturwissenschaft, die den Genkomplex FOXP2 gefunden hat, der bei Singvögeln für den Gesang zuständig ist – und bei Menschen für die Sprache. »Gesang, Musik und Sprache haben also sehr tiefe gemeinsame Wurzeln«, schreibt Josef H. Reichholf. »Sie sind keine Spezialentwicklung beim Menschen, auch wenn sie bei uns eine spezielle Entfaltung durchgemacht haben. Vogelgesänge bezeichnen wir zu Recht als Gesänge, wie auch das Heulen der Wölfe, die ätherisch wirkenden Lieder von Walen im Meer und aller Wahrscheinlichkeit nach auch das, was Insekten zirpend und schnurrend von sich geben.«</p>
<p>Schön sind in der »Krachkultur« aber besonders die persönlichen Texte, wie zum Beispiel der von Tanja Dückers, in dem sie beschreibt, wie sie das Beatles-Album »Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band« kennen- und liebengelernt hat. Ob Tom Kummer hingegen Bob Dylan tatsächlich kennengelernt hat (oder ob uns der Text lediglich verrät, wie er sich diesen Liedermacher imaginiert), sei dahingestellt. Lesenswert ist das allemal, so oder so.</p>
<p><strong>Martin Brinkmann, Alexander Behrmann (Hrsg.): Krachkultur, Ausgabe Nr. 21</strong> | Deutsch<br />
Krachkultur 2020 | 200 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783931924164.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Bernd Riexinger: System Change</title>
		<link>https://www.wortmax.de/bernd-riexinger-system-change/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2021 09:23:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Antonio Gramsci]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd Riexinger]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Korte]]></category>
		<category><![CDATA[Raul Zelik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seine beiden Kollegen aus der Linkspartei haben es vorgemacht: Jan Korte und Raul Zelik haben in der letzten Zeit Bücher veröffentlicht, in denen sie sich Gedanken machen über die Möglichkeiten, Ziele und Strategien linker Politik in Deutschland. Die Bücher eint einiges, aber es gibt natürlich auch gewichtige Unterschiede. Als erstes stellt sich jedoch die Frage, [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/bernd-riexinger-system-change/">Bernd Riexinger: System Change</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2021/02/system_change.jpg" alt="Bernd Riexinger: System Change" title="Bernd Riexinger: System Change" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-11762" />Seine beiden Kollegen aus der Linkspartei haben es vorgemacht: Jan Korte und Raul Zelik haben in der letzten Zeit Bücher veröffentlicht, in denen sie sich Gedanken machen über die Möglichkeiten, Ziele und Strategien linker Politik in Deutschland. Die Bücher eint einiges, aber es gibt natürlich auch gewichtige Unterschiede.</p>
<p>Als erstes stellt sich jedoch die Frage, warum ausgerechnet jetzt derartige Publikationen erscheinen. Die kürzeste Antwort: Weil sich die Linke politisch neu ausrichtet. Und zwar weltweit. Jeremy Corbyn hat zum Beispiel die linken Sozialdemokraten und Sozialisten in der Labour Party geeint und auch für viele Neueintritte gesorgt, die die alte Arbeiterpartei – seit den 90er Jahren neoliberal ausgerichtet – deutlich nach links gerückt hat. Und auch in den USA geschieht ähnliches. Bernie Sanders ist dort die Symbolfigur, doch noch mehr ist langfristig mit Alexandria Ocasio-Cortez zu rechnen, die viel dazu beiträgt, die Linken innerhalb der Demokratischen Partei zu vernetzen und zu pushen.</p>
<p>In Deutschland ist der Fall natürlich etwas anders gelagert. Das Mehrheitswahlrecht in den USA führt dazu, dass Personen, die politisch deutliche Unterschiede aufweisen, trotzdem gemeinsam in einer Partei sind. Bei den amerikanischen Demokraten teilen sich also Neoliberale, Linksliberale und Linksradikale ein Parteilabel. In Deutschland ist das nicht so. Hier gibt es für Sozialdemokraten und Sozialisten zwei relevante Parteien: die SPD und die Linkspartei. Und auch die Grünen kann man zumindest noch partiell zu diesem »Lager« zählen, auch wenn die Parteiführung derzeit sehr mit der Union liebäugelt. Diese Konstellation sorgt dafür, dass man den Eindruck hat, dass sich die Politikerinnen und Politiker der beiden erstgenannten Parteien über die Organisationsgrenzen hinweg mitunter näher sind als innerhalb ihrer eigenen Parteien. Kevin Kühnert würde sich auch bei den Linken ganz gut machen und auch Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sind deutlich sozialer ausgerichtet als der aktuelle Kanzlerkandidat Olaf Scholz – auch wenn diese ihn selbst vorgeschlagen haben, als eine Art kleinsten gemeinsamen parteiinternen Nenner.</p>
<p>Bernd Riexinger macht in seinem Buch »System Change« deutlich, dass er sich dieser Situation bewusst ist. Eine Änderung des politischen Paradigmas – hin zu einer sozialen und ökologischen Politik – sei nur möglich ist, wenn Linke, SPD und die Grünen zusammenrücken. Und dabei ihre spezifischen Kernkompetenzen einbringen und ihre jeweiligen Zielgruppen mobilisieren. Doch Riexinger geht noch weiter: Er vertritt die Ansicht, dass die Übernahme einer Regierung alleine nur wenig bewirkt, wenn der Rest des Staates und die Zivilgesellschaft – hier erweist er sich als gelehriger Schüler des italienischen Philosophen und Politikers Antonio Gramsci – die Mitarbeit verweigert.</p>
<p>Doch was soll eigentlich geändert werden? Was ist dieser »Green New Deal« überhaupt, von dem Riexinger spricht? </p>
<blockquote><p><em>»Der Kerngedanke eines sozialen und ökologischen Systemwandels, eines linken Green New Deal ist einfach erklärt: Kein Mensch darf gezwungen werden, sich zwischen einem guten Leben im Hier und Jetzt und der Zukunft unseres Planeten entscheiden zu müssen. Keine Arbeiterin und kein Arbeiter darf gezwungen werden, sich zwischen einem guten Arbeitsplatz und der Zukunft ihrer oder seiner Kinder entscheiden zu müssen. Wir können das Klima nur retten, indem wir in sinnvolle Arbeit und soziale Sicherheit für alle investieren und dabei den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft und Infrastruktur voranbringen. Eine Mammutaufgabe.«</em></p></blockquote>
<p>Eine Mammutaufgabe, die er durchaus näher definiert. »Infrastruktursozialismus«, »funktionale Daseinsvorsorge«, Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkürzungen und die »Umverteilung von Einkommen und Vermögen« seien hier als Eckpunkte genannt, ebenso wie radikaler Umweltschutz und eine ökologische Transformation der Industrie. Dies gelingt, so Riexinger, wenn die Beschäftigten die Prozesse mitgestalten. Der linke Green New Deal setzt auf demokratische Mitbestimmung in »Arbeit, Wirtschaft und Kommunen«. Es ist an dieser Stelle nicht genug Platz, um Riexingers Argumentationsketten in Gänze nachzuzeichnen und die detaillierten Vorschläge im einzelnen vorzustellen. Umso mehr lohnt sich die Lektüre des Buches, das vom Verlag als »Flugschrift« annonciert wird. Es handelt sich also vor allem um ein leicht verständliches Sachbuch.</p>
<p>Gleichzeitig ist es jedoch auch ein Aufruf zum politischen Engagement: </p>
<blockquote><p><em>»Mehr Macht entsteht in gesellschaftlichen Bündnissen, die sich auf ein gemeinsames Projekt verständigen, in dem ihre Forderungen und Ziele enthalten sind und sich mit denen anderer Akteure verbinden. Dabei geht es um mehr als die bloße Summierung der einzelnen Bewegungen. Es geht um eine neue politische Qualität, um einen Schulterschluss von Gewerkschaften (…) sozialen, ökologischen, demokratischen Bewegungen und Initiativen für eine solidarische Gesellschaft (…). Nur wenn es gelingt, eine überwältigende Mehrheit der Menschen zu überzeugen und zu begeistern kann ein erneuerter demokratischer Sozialismus Erfolg haben.«</em></p></blockquote>
<p>Das ist nicht nur ein hehres Ziel, sondern in der Tat eine »Mammutaufgabe«, die jedoch langfristig durchaus zu bewältigen ist, da die Zeiten neoliberaler Hegemonie in der Gesellschaft definitiv vorbei sind. Die Finanz- und Wirtschaftskrisen der letzten Jahre, die katastrophalen sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie (die von der Regierung weitestgehend ignoriert werden) und der (un)aufhaltsame Aufstieg der Rechtsextremen in den letzten Jahren haben gezeigt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Die drohende Klimakatastrophe zwingt umso mehr zu einem zügig herbeigeführten Paradigmenwechsel in der Politik. Diese Buch beitet wertvolle Anregungen für dieses Umdenken.</p>
<p><strong>Bernd Riexinger: System Change</strong> | Deutsch<br />
VSA Verlag 2020 | 144 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783964880673.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt bestellen</a></p>
<p><a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783964880673.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><img decoding="async" src="https://www.graff.de/fileadmin/qrcodes/94451c3abe88071618da4e9183fe0dae.png" /></a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/bernd-riexinger-system-change/">Bernd Riexinger: System Change</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Samuel J. Kramer (Hrsg.): Poetry for Future</title>
		<link>https://www.wortmax.de/samuel-j-kramer-hrsg-poetry-for-future/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Jan 2021 10:28:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Moderne Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Anja Utler]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Wagner]]></category>
		<category><![CDATA[Katrin ohne H]]></category>
		<category><![CDATA[Lars Ruppel]]></category>
		<category><![CDATA[Laurin Buser]]></category>
		<category><![CDATA[Meral Ziegler]]></category>
		<category><![CDATA[Noah Klaus]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Heiniger]]></category>
		<category><![CDATA[Samuel J. Kramer]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian 23]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.wortmax.de/?p=11676</guid>

					<description><![CDATA[<p>Im Berliner Satyr Verlag ist eine neue Slam- und Lyrik-Anthologie erschienen. Da sie sich mit dem Thema Klimakatastrophe beschäftigt, ist das Buch stilecht und CO2-neutral auf Recylingpapier gedruckt und mit dem EU Ecolabel und dem Blauen Engel zertifiziert worden. 25 Prozent des Gewinns werden an Umweltschutzprojekte gespendet. Klingt diese Einleitung spöttisch? Soll sie gar nicht [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.wortmax.de/samuel-j-kramer-hrsg-poetry-for-future/">Samuel J. Kramer (Hrsg.): Poetry for Future</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.wortmax.de">wortmax</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2021/01/poetry_for_future.jpg" alt="Samuel J. Kramer: Poetry for Future" title="Samuel J. Kramer: Poetry for Future" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-11677" /><em>Im Berliner Satyr Verlag ist eine neue Slam- und Lyrik-Anthologie erschienen. Da sie sich mit dem Thema Klimakatastrophe beschäftigt, ist das Buch stilecht und CO2-neutral auf Recylingpapier gedruckt und mit dem EU Ecolabel und dem Blauen Engel zertifiziert worden. 25 Prozent des Gewinns werden an Umweltschutzprojekte gespendet.</em></p>
<p>Klingt diese Einleitung spöttisch? Soll sie gar nicht unbedingt, denn das Anliegen der Herausgeber ist durchaus löblich, und mit Slammern wie Lars Ruppel und Sebastian 23 sowie Lyrikern wie Jan Wagner und Anja Utler hat der Herausgeber Samuel J. Kramer einige exzellente Mitstreiter gefunden. Die meisten anderen Beiträger sind nicht ganz so prominent, aber das muss nichts aussagen über die literarische oder satirische Qualität des Sammelbands. Anders als vielleicht zu vermuten ist, sind hier nicht nur jüngere Autoren aus der Generation Z zu finden, auch die Generation X ist mit mehreren Vertretern ihrer Alterskohohorte beteiligt an diesem Werk, in dem sich Beiträge zwischen Poesie und Prosa, zwischen Rap-Poetry und literarischen Experimenten finden.</p>
<p>Einige der Texte sind mit QR-Codes versehen, die zu Audios und Videos führen. Das ist löblich, denn manche der Gedichte gewinnen deutlich durch den Vortrag, inbesondere wenn sie, wie zum Beispiel wie bei Peter Heiniger, Katrin ohne H und Laurin Buser Mundart-Anklänge aufweisen.</p>
<p>Inhaltlich bewegen sich die Beiträge zwischen Angriff und Verteidigung, zwischen Fremd- und Selbstgeißelung, zwischen Selbstbeweihräucherung und Selbstbezichtigung sowie zwischen Wissenschaft und Besserwisserei. Und natürlich zwischen Tragik und Komik. Das klingt manchmal vielleicht allzu ernst (möglicherweise fehlt es dem einen oder der anderen an ein bisschen Selbstironie). Und manche der Gedichte klingen vielleicht auch stilistisch einen Hauch zu brav. Es überwiegt natürlich eine negative Grundstimmung, wie sollte es anders sein bei diesem Thema. </p>
<blockquote><p><em>Wenn wir nämlich wirklich wollten, dann müssten wir schlicht und ergreifend unseren Lebensstandard herunterfahren. Wir dürften nicht mehr für 20 Euro nach Mallorca fliegen, nicht mehr im Durchschnitt 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr verdrücken, keine zwei Autos mehr in der Garage stehen haben, im Winter keine Erdbeeren aus Chile essen und keine 40 Liter Wasser am Tag das Klo runterspülen</em></p></blockquote>
<p>&#8230; schreibt Noah Klaus in ein »Ein zynischer Vorschlag«. Dieser Haltung widerspricht beispielsweise Meral Ziegler in ihrem Text »Ich habe keinen Bock, einen Umwelttext zu schreiben«:</p>
<blockquote><p><em>Es scheint, als wäre das Ziel dieses obskuren Wettstreits, so zu konsumieren, dass unser Planet denkt, wir hätten uns umgebracht. (&#8230;) Thorsten misst sein Konsumverhalten anhand eines selbst erstellten Barometers der Nachhaltigkeit und fragt sich: </p>
<p>Abbaubare Zahnpastakapseln oder Selbstmord?<br />
Unfassbar teure Winterbarfußschuhe oder Selbstmord?<br />
Wiederverwendbares Bambus-Zewa, das im Endeffekt nichts weiter ist als eine Rolle voll siffiger Lappen, die du nicht wegschmeißen darfst, weil wiederverwendbar, oder Selbstmord?</em></p></blockquote>
<p>Nicht jeder Text dieser Anthologie weiß gänzlich zu überzeugen, aber es sind doch genügend dabei, die den Erwerb und die Lektüre des Buches nahelegen. Das Buch reiht sich damit ein in die Reihe der thematischen Sammelbände aus dem Satyr Verlag, die sich mit sozialen Themen beschäftigen (<a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783947106387.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">»Wir sind gekommen, um zu schreiben«</a>, <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783947106301.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">»Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden«</a>, <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783944035918.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">»Lautstärke ist weiblich«</a>). Fehlt nur noch einer, der sich mit dem Thema Armut und Reichtum beschäfigt. Oder sollte das kein Thema für die deutschsprachige Poetry Slam-Szene sein?</p>
<p><strong>Samuel J. Kramer (Hrsg.): Poetry for Future &#8211; 45 Texte für übermorgen</strong><br />
Deutsch | Satyr Verlag 2020 | 192 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783947106608.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Raul Zelik: Wir Untoten des Kapitals</title>
		<link>https://www.wortmax.de/raul-zelik-wir-untoten-des-kapitals/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Nov 2020 09:10:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Antonio Gramsci]]></category>
		<category><![CDATA[George A. Romero]]></category>
		<category><![CDATA[Hannes Giessler Furlan]]></category>
		<category><![CDATA[Raul Zelik]]></category>
		<category><![CDATA[Wes Craven]]></category>
		<category><![CDATA[Zack Snyder]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>»Beim Zombie geht es um Kontrollverlust und absolute Fremdbestimmung«, schreibt Raul Zelik, »Die Untoten faszinieren uns, weil uns das Gefühl, maschinenhaft fremdgesteuert zu sein, allzu vertraut ist.« Der Zombie dient Zelik also als generelle Metapher für das entfremdete Dasein des Menschen. Aber er untersucht auch die spezifischen Ausprägungen dieser Horror-Figur: Was unterscheidet die Untoten aus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2020/11/wir_untoten_des_kapitals.jpg" alt="Raul Zelik: Wir Untoten des Kapitals" title="Raul Zelik: Wir Untoten des Kapitals" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-11631" />»Beim Zombie geht es um Kontrollverlust und absolute Fremdbestimmung«, schreibt Raul Zelik, »Die Untoten faszinieren uns, weil uns das Gefühl, maschinenhaft fremdgesteuert zu sein, allzu vertraut ist.« Der Zombie dient Zelik also als generelle Metapher für das entfremdete Dasein des Menschen. Aber er untersucht auch die spezifischen Ausprägungen dieser Horror-Figur: Was unterscheidet die Untoten aus George A. Romeros »Nacht der lebenden Toten« von 1968 von denen aus seinem zehn Jahre später entstandenen Film »Zombie«? Warum rekurriert Wes Craven 1988 in »The Sperpent and the Rainbow« auf den haitianischen Ursprungsmythos? Und warum sind Zack Snyders Remake-Zombies aus dem Jahr 2004 schneller als die Originale von 1978? Auch die Weißen Wanderer vergisst Zelik natürlich nicht: »So wie in Game of Thrones der Schrecken der umherstreifenden Eis-Zombies dafür sorgt, dass sich die Königreiche gegen die äußere Bedrohung vereinen, dient die politische Erzählung ›der anderen‹ durch Rechtsextreme wie Trump als ideologischer Kitt, mit dem die auseinanderdriftenden Marktgesellschaften zusammengehalten werden sollen. Die Konstruktion eines Außen verschleiert die sozialen und ökonomischen Widersprüche im Inneren.«</p>
<p>Womit wir beim eigentlichen Thema des Buches wären. Raul Zelik, der nicht nicht nur Schriftsteller und Übersetzer ist, sondern auch Politikwissenschaftler, untersucht natürlich nicht den Zombie-Mythos, sondern unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Das ist allein schon deshalb interessant, weil der Untergang der Staaten des sogenannten »realexistierenden Sozialismus« nunmehr dreißig Jahre her ist. Zeit also, Bilanz zu ziehen! Zumal in der Zwischenzeit auch eine ganze Menge passiert ist. Letztlich nähert Zelik sich auf diese Weise der Frage, wie eine bessere Gesellschaftsordnung aussehen und wie wir dorthin kommen könnten.</p>
<p>Seine Überlegungen lesen sich nicht nur aufgrund der Zombiefizierung des Essays so anregend, sondern auch, weil sich Zelik nicht mit unnötigen Details aufhält. Wer sich zum Beispiel intensiver mit der Geschichte des Sozialismus beschäftigen möchte, könnte ergänzend auf Hannes Giessler Furlans Abhandlung <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783866745773.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">»Verein freier Menschen? Idee und Realität kommunistischer Ökonomie«</a> zurückgreifen. Zelik interessiert mehr das große Ganze, nicht jedoch ohne gänzlich auf erhellende Exkurse zu verzichten. Am Beispiel Venezuela, das er aus eigener Anschauung kennt, beschreibt er den Aufstieg und Fall der dortigen Revolution. </p>
<p>Im vierten und längsten Kapitel des Buches widmet sich Zelik der Formulierung eines neuen »Sozialismusbegriffes«. Er resümmiert in diesem Zusammenhang noch einmal die inneren Gesetze, denen das kapitalistische Wirtschaftssystem unterliegt. Dazu gehören der Zwang zum Wirtschaftswachsum, zur Marktkonkurrenz und zur Ausbeutung der begrenzten natürlichen Ressourcen sowie die daraus resultierenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Krisen. Einfache Lösungen für diese komplexen Probleme gibt es für ihn nicht: </p>
<blockquote><p><em>Ausgangspunkt eines grünen Sozialismus muss also die Erkenntnis sein, dass gesellschaftliche und Naturverhältnisse materiell miteinander verschränkt sind. (…) Auf der einen Seite herrscht bei den Grünen und vielen Verbänden die Ansicht vor, ein ökologischer Umbau des Kapitalismus sei möglich und werde sogar neue Wachstumspotenziale freisetzen. (…) Auf der anderen Seite formulieren große Teile der Klimabewegung, ohne sich sichtbar von den Grünen abzusetzen, eine grundsätzliche Wachstumskritik, die das herrschende ökonomische Paradigma radikal infrage stellt.</em></p></blockquote>
<p>Raul Zelik geht jedoch noch einen Schritt weiter. Er fragt nicht nur, ob die Wirtschaft wirklich immer weiter wachsen muss (und wenn ja wie?), sondern auch, wie ein »Gutes Leben« jenseits des »konsumistischen Wohlstandsbegriff(es)« aussehen kann. Dies bedürfe nämlich einer »Wiederaneignung des Sozialen und der Stärkung des Öffentlichen«. Dabei geht Zelik angenehm undogmatisch vor und vermeidet den Eindruck, den unumstößlichen wirtschaftlichen Masterplan in der Tasche zu haben: </p>
<blockquote><p><em>Charakteristisch für ein linkes ökonomisches Projekt ist nicht, dass es auf »Planung« setzt, sondern dass es Herrschaftsverhältnisse schleifen und die gemeinsame demokratische Gestaltung des Lebens ermöglichen will.</em></p></blockquote>
<p>Dies setzt jedoch voraus, dass es überhaupt ein emanzipatorisches Projekt gibt, dass diese Selbstermächtigung ermöglicht. In diesem Zusammenhang diskutiert Zelik die Vor- und Nachteile liberaler und (räte)sozialistischer Modelle. Es spricht für seine Vorurteilsfreiheit, dass sich Zelik nicht vorschnell auf die eine oder andere Seite schlägt, sondern sich tatsächlich der zentralen Bedeutung der »Machtfrage« bewusst ist, weshalb er auch unkonventionelle Ideen diskutiert: </p>
<blockquote><p><em>Überträgt man Entscheidungen hingegen an Delegierte, übernehmen auch diese schnell die Funktion von Spezialist*innen. Dem ließe sich vielleicht durch die Anwendung des aleatorischen Prinzips, also die Auswahl von Delegierten per Los entgegenwirken.</em></p></blockquote>
<p>Zelik bezieht sich natürlich stark auf den italienischen Philosophen und Politiker Antonio Gramsci. »Im Zentrum seines politischen Denkens«, schreibt er, »stand das Konzept der ›Hegemonie‹, also die Fähigkeit zur ›intellektuellen und moralischen Führung‹ einer bestimmten Klasse oder Gruppe.« Er schließt daraus, dass das »entscheidende Kriterium … nicht die Radikalität der ›Differenz‹ ist, sondern die Fähigkeit, Menschen für solidarische Ziele zu mobilisieren.« </p>
<p>Ganz in diesem Sinne geht Zelik nicht davon aus, dass es den einen richtigen Weg zu einer befreiten Gesellschaft gibt, sondern dass die Schaffung selbstbestimmter Freiräume, konkrete Reformpolitik und die Perspektive eines radikalen Bruchs einander ergänzen. Zelik liefert mit seinem Essay wichtige Denkanstöße, weshalb diesem Buch möglichst viele Leserinnen und Leser zu wünschen sind – egal wie sie sich engagieren.</p>
<p><strong>Raul Zelik: Wir Untoten des Kapitals. Über politische Monster und einen grünen Sozialismus</strong><br />
Deutsch | Suhrkamp 2020 | 328 Seiten | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783518127469.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Jetzt bestellen</a></p>
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		<title>Rutger Bregman: Im Grunde gut – Eine neue Geschichte der Menschheit</title>
		<link>https://www.wortmax.de/rutger-bregman-im-grunde-gut-eine-neue-geschichte-der-menschheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Klingenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Aug 2020 08:11:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik & Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Jacques Rousseau]]></category>
		<category><![CDATA[Joseph Henrich]]></category>
		<category><![CDATA[Robert Frank]]></category>
		<category><![CDATA[Rutger Bregman]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Hobbes]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Menschheit ist schlecht, nur die dünne Tünche der Zivilisation hält die Menschen davon ab, übereinander herzufallen und sich gegenseitig zu massakrieren. Der Staat, die Armee und strenge Gesetze sind nötig, um die Menschen in Schach zu halten. Das glaubten Machiavelli und Thomas Hobbes, so steht es im »Herr der Fliegen« und so wurde es [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.wortmax.de/wp-content/uploads/2020/08/im_grunde_gut-1.jpg" alt="Rutger Bregman: Im Grunde gut – Eine neue Geschichte der Menschheit" title="Rutger Bregman: Im Grunde gut – Eine neue Geschichte der Menschheit" width="120" height="188" class="alignleft size-full wp-image-11298" />Die Menschheit ist schlecht, nur die dünne Tünche der Zivilisation hält die Menschen davon ab, übereinander herzufallen und sich gegenseitig zu massakrieren. Der Staat, die Armee und strenge Gesetze sind nötig, um die Menschen in Schach zu halten. Das glaubten Machiavelli und Thomas Hobbes, so steht es im »Herr der Fliegen« und so wurde es auch in diversen berühmt gewordenen Versuchsanordnungen nachgewiesen, zum Beispiel im Stanford-Prison- und im Milgram-Experiment. Diese negative Weltsicht beherrscht bis heute unsere Politik. Wer jemals auf einer Demonstration war, auf der einem das polizeiliche »Kommunikationsteam« mit geladenen Schusswaffen entgegentrat, weiß vielleicht, was ich meine.</p>
<p>Der niederländische Historiker Rutger Bregman – bekannt geworden durch den Bestseller <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783499633003.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">»Utopien für Realisten«</a> – hat es sich in seinem im Frühjahr erschienenen Buch »Im Grunde gut – Eine neue Geschichte der Menschheit« zur Aufgabe gemacht, das Narrativ des von Natur aus bösen Menschen einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Seine Ausgangsposition: </p>
<blockquote><p><em>»Wenn wir glauben, dass die meisten Menschen im Grunde nicht gut sind, werden wir uns gegenseitig auch dementsprechend behandeln. Dann fördern wir das Schlechteste in uns zutage. (&#8230;) In diesem Buch werde ich nicht behaupten, dass wir alle uneingeschränkt gut sind. Menschen sind keine Engel. Wir haben eine gute und eine schlechte Seite, die Frage ist, welche Seite wir stärken wollen.«</em></p></blockquote>
<p>So unterzog er die beiden eingangs genannten berüchtigten Experimente einer genaueren Untersuchung. Wie war die Versuchsanordnung? Wie war die Herangehensweise der Wissenschaftler? Was sagten im Anschluss die menschlichen Versuchsobjekte dazu? Und tatsächlich findet Bregman fundamentale Fehler, die erprobten wissenschaftlichen Prinzipien widersprechen. Auffallend ist vor allem, dass die Untersuchungsergebnisse schon von Beginn an festgestanden zu haben scheinen.</p>
<p>Doch damit nicht genug: Auch Beobachtungen zum Verhalten von Menschen bei Naturkatastrophen und anderen Unglücken sowie bei Soldaten und Zivilisten in verschiedenen Kriegen lassen Bregman daran zweifeln, dass der Mensch tatsächlich das brutale und egoistische Wesen ist, als das er immer definiert wird. Vielmehr scheint er auch ausgeprägte altruistische Züge zu haben, die es ihm ermöglichen, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer Personen hineinzuversetzen – und sich auch unter der Gefahr eigener Nachteile für sie einzusetzen.</p>
<p>In meiner Zeit auf dem Braunschweig-Kolleg stellte uns ein Lehrer folgende Frage: »Wer glaubt, dass der Mensch von sich aus böse ist? Und wer glaubt, dass er gut ist?« Ich plädierte für gut. Als einziger in der ganzen Klasse. Ich musste mich also irren. Alle anderen schätzten den Menschen an sich als böse ein, als egoistische Kreatur, die stets auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Nur ich offenbarte mich hier als ein gutmütiger Tagträumer. Ich schämte mich ein bisschen für meine Naivität. </p>
<p>Die folgenden Jahre verbrachte ich am Braunschweig-Kolleg mit einem Haufen zumeist ungemein freundlicher Mitschülerinnen und Mitschüler. Sie hatten manchmal ihre Macken, und es gab auch kleinere, letztlich unbedeutende Reibereien. Da sie jedoch geschlossen dafür gestimmt hatten, dass der Mensch an sich böse ist, sollte man doch aber davon ausgehen, dass sie sich selbst ebenfalls für schlechte Menschen hielten. Und sich auch so verhielten. Davon war jedoch nichts zu spüren. Hätten sie sich selbst nicht vielleicht sogar als »gut« eingeschätzt? Und wenn ja – warum hielten sie dann alle anderen für »schlecht«?</p>
<p>Also nochmal: Woran liegt es, dass der Mensch als egozentrisches Wesen angesehen wird? Das sei auf den Einfluss von Wirtschaftswissenschaftlern zurückzufahren, behauptet der Autor: </p>
<blockquote><p><em>»Ökonomen sahen den Menschen als Homo oeconomicus. Wir wären ständig mit unserem eigenen Gewinn beschäftigt, wie selbstsüchtige und berechnende Roboter. Auf der Grundlage dieses Menschenbildes errichteten die Ökonomen eine Kathedrale aus Theorien und Modellen, auf denen Unmengen von Gesetzen basieren. In der gesamten Zeit wurde nie untersucht, ob es überhaupt einen ›Homo oeconomicus‹ gab. Erst um das Jahr 2000 besuchten der Ökonom Joseph Henrich und seine Kollegen fünfzehn kleine Gemeinden in zwölf Ländern auf fünf Kontinenten. Sie führten auf der Suche nach jemandem, der dem egoistischen Menschenbild entsprach, dem die Wirtschaftswissenschaftler seit Jahrzehnten anhängen, allerlei Tests mit Bauern, Nomaden, Jägern und Sammlern durch. Ohne Ergebnis. Immer wieder verhielten sich die Menschen sozial und grundgut. (&#8230;) Bereits in den 1990er Jahren fragte sich der Ökonom Robert Frank, was das Bild vom Menschen als selbstsüchtigem Wesen mit seinen Studenten machte. Er ließ sie alle möglichen Aufgaben erledigen, bei denen ihre Großzügigkeit gemessen wurde, und was stellte sich heraus? Je länger sie Ökonomie studiert hatten, desto egoistischer waren sie geworden. ›Wir werden zu dem. was wir lehren‹, sagt Frank.« </em></p></blockquote>
<p>Doch Bregman geht noch weiter: Philosophen und Theologen, Sozialwissenschaftler und Politiker, Religionsstifter und Staatsgründer – sie alle waren und sind von der Schlechtigkeit des Menschen überzeugt. Unser zivilisiertes Verhalten sei uns nur aufgenötigt worden, doch sobald man uns ließe, würden wir wie Wölfe übereinander herfallen und uns gegenseitig zerfleischen, da sind sich Machiavelli und Hobbes mit Luther, Nietzsche und Freud einig, bei allen sonstigen Unterschieden. </p>
<p><em>»Erst seit einigen Jahrzehnten kommen Wissenschaftler aus völlig unterschiedlichen Disziplinen zu dem Schluss, dass unser düsteres Menschenbild reif für eine vollständige Überarbeitung ist«</em>, schreibt Bregman. Aber ist das überhaupt gewollt? <em>»Wer sich für den Menschen einsetzt, tritt auch gegen die Mächtigen der Erde an«</em>, stellt er fest: <em>»Für sie ist ein hoffnungsvolles Menschenbild rundherum bedrohlich. Staatsgefährdend. Autoritätsuntergrabend. Schließlich bedeutet es immer, dass wir keine egoistischen Tiere sind, die von oben herab kontrolliert, reguliert und dressiert werden müssen. Es könnte außerdem zur Folge haben, dass der Kaiser keine Kleidung trägt, dass ein Unternehmen mit selbstmotivierten Mitarbeitern vielleicht gut ohne Manager auskommt und eine Demokratie mit engagierten Bürgern keine Politiker mehr benötigt.«</em> </p>
<p>In seinem wegweisenden Buch kommt Bregman zu dem Schluss: <em>»Es ist Zeit für ein neues Menschenbild. Es ist Zeit für einen neuen Realismus.«</em> </p>
<p>Dabei wäre dieser Realismus gar nicht mal so neu. Im Grunde genommen lässt sich die Auseinandersetzung über die Natur des Menschen mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen. Auf der einen Seite haben wir den britischen Staatstheoretiker Thomas Hobbes, den Begründer der Fassadentheorie, und auf auf der anderen den französischen Gutmenschen Jean-Jacques Rousseau. Hobbes unterstellte, dass Menschen einen »Krieg eines jeden gegen jeden« (»Bellum omnium in omnes«) führen würden, wenn nicht ein Alleinherrscher, der Leviathan, sie davon abhielte. Rousseau hingegen glaubte an einen »Naturzustand«, in dem die Menschen einander mit Mitgefühl begegnet seien. Eben jener Hobbes beeinflusste nachhaltig die Wirtschaftswissenschaft. Von Rousseau ließen sich hingegen viele Pädagogen inspirieren. Im Grunde genommen können die beiden sogar als Urväter der Konservativen/Rechten (Hobbes) und Progressiven/Linken (Rousseau) angesehen werden. </p>
<p>Doch Bregman unternimmt auch Ausflüge in die Biologie und Verhaltensforschung und besucht hierfür eine Fuchszucht in Sibirien, bei der er ein »survival of the friendliest« erkennt. Seine Schlussfolgerung: <em>»Was Hunde im Vergleich zu Wölfen sind, sind wir verglichen mit Neandertalern.«</em> Denn was uns von vielen Tieren unterscheidet, so Bregman, ist das, was er »social learning« nennt: <em>»Menschen scheinen supersoziale Lernmaschinen zu sein.«</em> </p>
<p>Mehr noch: <em>»Unsere Emotionen treten offen zutage. Wir sind darauf ausgerichtet, Verbindungen mit den Menschen unserer Umgebung herzustellen. Und das ist kein Handicap, sondern unser größtes Kapital. Soziale Menschen sind nämlich nicht nur eine nettere Gesellschaft, sie sind letztlich auch klüger.«</em> Bregmans Schlussfolgerung: </p>
<blockquote><p><em>»Als ich das verstanden hatte, fand ich die Evolutionstheorie nicht mehr so deprimierend. Vielleicht gibt es keinen Gott, keinen Schöpfer und keinen kosmischen Plan. Vielleicht ist unsere Existenz nach Millionen Jahren blinder Evolution ein bizarrer Zufall. Aber wir sind zumindest nicht allein. Wir haben einander.«</em></p></blockquote>
<p>Man muss Bregman nicht in allen Gedankengängen und Schlussfolgerungen folgen, um anzuerkennen, dass hier ein wichtiges Werk geschaffen wurde. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass hier die Weltgesellschaft von morgen angedacht wird.</p>
<p><strong>Rutger Bregman: Im Grunde gut – Eine neue Geschichte der Menschheit</strong><br />
Deutsch von Ulrich Faure und Gerd Busse | Rowohlt 2020 | 480 Seiten<br />
<a href="https://www.book2look.com/book/9783498002008(wortmax.de)" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Leseprobe und mehr</a> | <a href="https://www.graff.de/shop/artikel/9783498002008.html?affiliate=oQBpG59Pt0GhCE6U" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Bestellen</a></p>
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