Richard K. Breuer: Schwarzkopf5 Tage, 4 Nächte, 3 Leichen, 2 Männer, eine einzige Katastrophe …

Drehbuchautor Harald Schwarzkopf kommt nach Wien um ein Remake von »Der dritte Mann« zu drehen und gerät in einen Kriminalfall der deutliche Parallelen zur Filmhandlung des Klassikers besitzt. Unglücklicherweise scheint niemand außer ihm den Originalfilm zu kennen. Auf der Suche nach den Hintergründen legen Schwarzkopf und sein pillenschluckender Regisseur Ernesto eine Spur der Verwüstung durch Wien. Unter anderem schänden sie einen Sarg während einer Beerdigung, ruinieren das Konzert eines berühmten Dirigenten und verstören die österreichische Bevölkerung, weil ihre Missgeschicke aufgrund dummer Zufälle live im Fernsehen übertragen werden. Die Regierung versucht, den ersehnten Geldfluss aus Hollywood zu sichern und lässt das Chaos-Duo nach jeder Verhaftung wieder frei.

Kohlweg: »Und wer hat euch die Falle am Kanal g’stellt?«

Schwarzkopf: »Keine Ahnung. Macht keinen Sinn, oder? Genauso wie die Drogensache am Flughafen. Muss einer sein, der uns nicht in Wien haben will. Fällt Ihnen da einer ein?«

Kohlweg: »Einer? (blättert im Notizbuch) Der Kreis der Verdächtigen beläuft sich im Moment auf … 9.348 Personen.«

Schwarzkopf: »Absurde Zahl.«

Kohlweg: »Das sind die telefonischen Beschwerden über die zwei Hollywood-Terroristen, die seit den letzten Tagen bei uns eingegangen sind. Die Briefe haben wir noch net ‚zählt.«

Die beiden Hauptdarsteller Schwarzkopf und Ernesto haben mich an mehreren Stellen an einen berühmten Journalisten und seinen Anwalt auf ihrer Reise nach Las Vegas erinnert. Wenn Pillenjunkie Ernesto tatenfreudig aufbricht, um während einer Theatervorführung die Hauptdarstellerin zu retten, dann lächelt der Leser wissend in Erwartung dessen, was passieren wird. Schließlich kennt man seinen Tom Sharpe, weiß, was Peter Sellers in dieser Situation getan hätte, und ist durch Mr. Bean geschult.

Auch erinnert die Atmosphäre des Buches sehr an »Kottan ermittelt«, nicht nur wegen des Akzents der Figuren, sondern auch wegen der Anhäufung von Absurditäten. Überall herrscht Verwicklung, Verwechslung und Verwirrung. Am Ende kommt es sogar noch zu einem spannenden Showdown mit einem mysteriösen Serienkiller, der jedem Psychothriller zur Ehre gereichen würde.

»Schwarzkopf« ähnelt den Werken von Wolf Haas bzw. deren Verfilmungen, denn der Roman besteht hauptsächlich aus Dialogen und macht mehr den Eindruck eines Drehbuchs. Wenn Bücher Kopfkino sind, dann haben wir es hier mit einem talentierten Regisseur zu tun. Und wie man dem Nachwort entnehmen kann, steht auch eine Verfilmung in Aussicht. Wenn diese kommt, dann bitte bitte mit Josef Hader als Kripo-Major Kohlweg.

Das Buch liest sich zügig und unterhält glänzend, es gibt herrliche Slapstick-Szenen und viele Running Gags durch wiederholt auftretende Nebenfiguren und Gegenstände, einige im Kalauerbereich, aber die meisten wirklich komisch. »Schwarzkopf« ist turbulent wie ein Boulevardtheaterstück und erinnert in seiner nervösen Hektik an Billy Wilders »Eins, Zwei, Drei«. In diesem Sinne: Mission erfüllt – Sitzen machen!

Richard K. Breuer: Schwarzkopf | Deutsch
Selbstverlag 2009 | 314 Seiten | Jetzt bestellen

1 Kommentar

  1. […] und die Sprach gelungen. So nachzulesen in den deutschen Literatur-Portalen leser-welt und tcboyle oder in den drei Kritiken auf amazon.de – und zu guter Letzt hat mir die Literaturkritikerin […]

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