wortmax Deutschstunde

Dieser Roman von der Altmeisterin ist eine Familiensaga, deren Handlung zur Zeit des Ersten Weltkrieges spielt. Präzise, teilweise minutiös wird der Aufstieg und Fall einer jüdischen Unternehmerfamilie geschildert. Der Tuchhändler Johann Isidor Sternberg zeigt, dass er ein gutes Händchen für das Geschäft hat. Er ist erfolgreich. Streng in der Welt und dem Glauben der damaligen Zeit verhaftet, bemüht er sich…

Vielen mag das tragische Ende des Hans Hermann von Katte bekannt sein. Katte war Leibgardist des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. und eng mit dessen Sohn, dem Kronprinzen Friedrich, befreundet. Dieser hatte unter der Tyrannei seines Vaters so sehr zu leiden, dass er - auf die Thronnachfolge verzichtend - ins Ausland entfliehen wollte. Katte unterstütze ihn dabei und bezahlte dafür…

Einige Dadaisten spielten Verstecken, andere rempelten Besucher an oder tänzelnden schattenboxend um sie herum. (...) Über die Albernheiten der Dada-Clowns konnten die Besucher noch schmunzeln, als sie aber Max Ernsts sogenannte Bilder sahen, mussten sie regelrecht lachen vor Entsetzen, nein, sie schüttelten die Köpfe, wandten sich verärgert ab. Man reichte den Gästen trockenes Gebäck, damit die durstigen Besucher ihren Orangensaft…

»Eine gute Rede und sie kommt unversehrt zu ihnen zurück. Eine schlechte oder mittelmäßige Rede und sie ist tot. So einfach ist das.« Die Frau des deutschen Botschafters in Namibia ist entführt worden. Die Täter verlangen von ihrem Mann, dass er eine Rede hält, in der er der Volksgruppe der Nama und Hereros Reparationen zusichert für das Unrecht, das ihnen…

»Wohin geht jemand, der nicht weiß, wohin er gehen soll?« Gleich zweimal findet man diese Frage in Jenny Erpenbecks neuestem Roman »Gehen, ging, gegangen«. Unübersehbar breitet sie sich auf zwei ansonsten leeren Seiten aus und lässt im Kopf des Lesers gleich eine Hand voll neue aufkommen: Was wird aus dem Menschen? Wer kümmert sich um ihn? Was hat er bisher…

Liselotte Foster, geboren 1928 und langjährige Herausgeberin der Schwabmünchner Allgemeinen, erzählt im ersten Teil ihrer Memoiren »Oft erschreckt mich Abendrot« von ihrer Kindheit, die von Nationalsozialismus und Krieg geprägt ist. Dabei zitiert sie immer wieder aus ihren Original Tagebucheinträgen aus der Zeit und nimmt den Leser mit in die Wahrnehmung des Kindes, das oft noch nicht weiß, welche Reaktionen und…

Raimund kam wieder und stellte mir einen Kaffee hin, es war der falsche Kaffee, eine verlängerte Plörre aus dem Espressovollautomaten, ein Quatschkaffee, den man als solchen gleich an den vielen sinnlosen Schaumbläschen erkannte, die darauf herumschwammen. Raimund hatte Recht, das Eiscafé »La Romantica« war grottig, ein Musterbeispiel für die Talentlosigkeit der Altonaer Gastronomie, die einen irgendwie immer an Schultheateraufführungen erinnerte.…

»Du denkst, du siehst’n Krimi, dabei passiert das gerade jetzt tatsächlich irgendwo in Bremen ...« Was da in Bremen, Gladbeck, Köln und Umgebung vor 25 Jahren geschah, ist ein Stück unrühmliche deutsche Zeitgeschichte, die der Journalist und Autor Peter Henning mit seinem im Sommer beim Aufbau Verlag erschienenen Roman »Ein deutscher Sommer« noch einmal lebendig werden lässt. Henning zieht den…

Bald waren die zuschauenden Eltern außer Rand und Band. Noch vor der Halbzeit lag St. Peter 1:4 zurück, und Mütter wie Väter waren aufgesprungen, um ihren Kindern Worte an den Kopf zu werfen, die man Kindern nicht sagen sollte. Hier ging es nicht um Fußball, sondern um die Dorfehre. Die Spielereltern sprangen auf und ab, schlugen ihre Hände zusammen, legten…

München zeigte sich gänzlich ungerührt von den welthistorischen Ereignissen, die dem Fall der Mauer gefolgt waren. München kannte keine Hauptnachrichten, München war eine Vorabendserie, einschließlich der Werbepausen. In ihrem trunkenen Konsum bot die Stadt die denkbar größte Entlastung bei unseriösen Vorhaben. Der Erzähler von »Im falschen Bett« beobachtet als Student und Praktikant beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen im München am Ende des…

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