Wir sind Helden: Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen… über Hysterie und Alltag einer Band, die größer wurde, als sie dachte. Albern wie ein entgleister Abend im Backstage, melancholisch wie eine Nacht im Tourbus, erhellend wie ein Praktikum in der Musikbranche und wundersam wie ein Roman.

Zuerst sollte ich sagen, dass ich mir dieses Buch nicht etwa gekauft habe, weil ich ein Fan der Band »Wir sind Helden« wäre. Das soll auch nicht heißen, dass ich kein Fan bin, also die Band nicht mag; um ehrlich zu sein, kannte ich die Band einfach gar nicht, bevor mir dieses Buch über den Weg lief. Der einzige Grund, warum ich es gelesen habe, ist die eingangs zitierte Formulierung auf dem Klappentext, dass die Lektüre »erhellend wie ein Praktikum in der Musikbranche« sei.

Als ich sechzehn war, wollte ich immer ein Praktikum in der Musikbranche machen, wozu es, abgesehen von einem Ferienjob bei einem Musikalienhändler, leider nie gekommen ist, also dachte ich, ich nutze die Gelegenheit und hole das jetzt nach. Könnte ja hilfreich sein als Recherche, wenn man einen Roman schreibt, in dem ein, zwei Musiker vorkommen sollen, wenn auch nur als Nebenfiguren.

Auch ohne die Band zu kennen, fand ich das Buch sehr interessant oder vielleicht noch interessanter, als es Fans finden können. Es besteht nämlich zu großen Teilen aus Tagebucheinträgen der Bandmitglieder, die diese über die Jahre hinweg für ihre Website geschrieben haben und deshalb den meisten Fans vielleicht schon bekannt sind. Die Einträge kommentieren das Leben der Band seit ihrer Entstehung und bieten tatsächlich wertvolle Einblicke in die einzelnen Abläufe, die nötig sind, um eine Band natürlich erst einmal zu gründen, dann bekannt zu machen, um Alben zu entwickeln, aufzunehmen und Konzerte zu spielen.

Es war eigenartig für mich, Einzelheiten, auch technische, über die Songs der Band zu lesen, ohne sie jemals gehört zu haben; ich bin gespannt, ob die Musik, wenn ich sie tatsächlich einmal höre, dem Eindruck entspricht, den ich vom Lesen habe, oder ob ich eine ähnliche Überraschung erleben werde, wie als ich nach der Lektüre von Thomas Manns »Dr. Faustus« zum ersten Mal die Musik von Schönberg hörte…

So etwas wie das »Wir sind Helden«-Tagebuch mit »Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen« sollte es von jeder Band geben, es wirkt wesentlich echter und aufrichtiger als die (in)offiziellen oder (un)autorisierten Künstlerbiographien, die über andere Musiker erhältlich sind. Bis die anderen Bands so weit sind, kann man sich mit den Berichten über Begegnungen der Helden mit anderen berühmten Musikern trösten, die ab und zu am Rande in diesem Buch auftauchen.

Wir sind Helden: Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen
Fischer Taschenbuch 2008 | 416 Seiten | Jetzt bestellen

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