Thorsten Nesch: Als sich Gott das Leben nahmIn einem Berliner Hinterhof passieren seltsame Dinge. Mitten in einen knacke heißen Sommertag hinein klatscht ein Mann auf das vertrocknete Gras der Beton-Rabatte. Der Tod des Mannes wird von mehreren Hausbewohnern beobachtet. Es wird versucht Hilfe zu holen, aber aufgrund der enormen Hitzewelle sind Rettungswagen und auch die Polizei nicht erreichbar. Was also tun mit einer Leiche im Hof?

Sieben ganz verschiedene Charaktere lässt der Autor um den Toten herum agieren. Da ist die junge Frau, die an einer Karriere als Schauspielerin arbeitet, der frustrierte Frührentner, die idealistische Fahrradkurierin, die alte Frau mit dem Kanarienvogel, der Taxifahrer aus Afrika, die beiden hormon- und partygesteuerten Jugendlichen. Alle bekommen sie vom Autor die ihrem Alter und ihrer Stellung angemessene Sprache und Gedanken verpasst. Das ist ihm gut gelungen und das allein sorgt schon für genug Abwechslung in dem Berliner Hinterhof. Aber er lässt uns auch in die Köpfe und in die Wohnungen der Menschen schauen, öffnet uns nach und nach die Päckchen, die ein jeder für sich zu tragen hat, wie im richtigen Leben.

Und da liegt die Stärke des Romans: Er lässt uns teilhaben an den ganz verschiedenen Lebenswegen und den Erlebnissen seiner spannenden Protagonisten. Denn immer wieder passiert etwas Unerwartetes, das die Tür zu einem handfesten Thriller öffnet, aber eben nur öffnet. Eine latent vorhandene Spannung, zwischen den Akteuren sowie in ihren Handlungen, ist so gut wie immer vorhanden. Durch den immer noch im Hof daliegenden Leichnam entwickelt sich eine fast schon klaustrophobische Szenerie, ein absurdes Theaterstück á la Samuel Becketts »Warten auf Godot«.

Zum Ende hin fügen sich die Schicksale der Protagonisten, für die einen positiv, für die anderen negativ. Wie im richtigen Leben. Und was mit der Leiche passiert? Das verrate ich hier natürlich nicht.

Der mehrfach ausgezeichnete Jugendbuchautor Thorsten Nesch präsentiert mit dem Roman »Als sich Gott das Leben nahm« eine ebenso unterhaltsame wie existentialistische Story für Erwachsene.

Thorsten Nesch: Als sich Gott das Leben nahm | Deutsch
epubli 2012 | ca. 169 Seiten | Nicht mehr lieferbar

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