gilliamesqueDer finanzielle Erfolg von »Time Bandits« in Verbindung mit dem Kritikerlob für die letzten drei Python-Filme machte mich als Regisseur plötzlich interessant und erweckte fälschlicherweise den Eindruck, dass ich wüsste, was ich tue. Aber so sehr Arnon und ich diese Kuh auch melken wollten, für »Brazil« bekamen wir den Eimer einfach nicht voll genug.

»Meine prä-posthumen Memoiren«, so lautet der Untertitel der Biografie des Ex-Monty-Python und Kultregisseurs Terry Gilliam. Der Schöpfer von Filmen wie »Time Bandits«, »Brazil«, »12 Monkeys« und – meinem persönlichen Favoriten – »König der Fischer« erzählt von seinem ereignisreichen Leben.

Gilliam hat als Regisseur so ziemlich alles erlebt, was einem an Katastrophen passieren kann. Ihm verstarb der Hauptdarsteller während der Dreharbeiten (Heath Ledger), er landete den teuersten Filmflop Europas (»Münchhausen«), und die Dreharbeiten zu seinem nie entstandenen Don Quichote-Film waren eine derartige Pannenserie, dass sogar eine Dokumentation darüber entstand (»Lost in La Mancha«).

Humorvoll und gelegentlich mit amüsantem Sarkasmus lässt er die Stationen seines Lebens Revue passieren. Selbst seine Kindheit und Jugend, die ich bei Künstlerbiografien gerne überspringe, besitzen hier einen hohen Unterhaltungswert.

Sympathisch an diesem Buch ist, wie auch am Autor selbst, dass hier keine schmutzige Wäsche gewaschen wird oder Gilliam das Buch zur Abrechnung mit alten Weggefährten nutzt. Kritisch kann ich lediglich bemerken, dass mir seine Regiearbeiten etwas zu kurz kamen, da hätte es bestimmt noch viele interessante Informationen zur Entstehung seiner Filme gegeben.

Was diese Biografie von anderen abhebt, ist die Aufmachung des Buches. Es ist großformatig und die Doppelseiten der Zwischenkapitel sind gestaltet wie die Trickfilme der Python-Filme. Zwischen den Texten sind die Seiten prall gefüllt mit Illustrationen, Cartoons, Briefen, Fotos und Skizzen, die immer wieder mit handschriftlichen Erläuterungen ergänzt wurden. Ein visuelles Feuerwerk für den Leser.

»Gilliamesque« ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk und eine Zierde für jedes Bücherregal.

Terry Gilliam: Gilliamesque | Deutsch von Berni Mayer
Heyne Hardcore 2015 | 308 Seiten | amazon-info

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