wortmax Michael Chabon

Mit vierzehn hatte Theodolphus Rose auf einem Bett aus moosigem Schiefer geschlafen. Er hatte mehrere hundert Arten gelernt, eine Frau zu töten, ohne den Mann zu wecken, der neben ihr schlief. Jeden Morgen war der vierzehnjährige Theodolphus Rose eine Stunde vor Sonnenaufgang aufgestanden, um mit einer Urne mit dem Urin seines Lehrers auf dem Kopf fünfzehn Kilometer zu laufen, und…

Der Bücherstapel neben meinem Bett scheint momentan zu wachsen, wie seit Jahren nicht mehr. Vielleicht liegt das an meinem chronischen Zeitmangel, vielleicht befindet er sich auch nur in der Pubertät. Irgendwann ist der Stapel so hoch, dass ich die unteren Bücher ungelesen ins Regal stelle; nicht ohne eine gewisse Verärgerung natürlich – denn schließlich hatte ich für die nun brachliegende…

Diejenigen, die nur Hochkultur in ihrem Bücherregal stehen haben, habe ich immer gehasst. Es gibt eine ganze Menge Menschen, die in ihrem Wohnzimmer nur Thomas Mann, Herrmann Hesse, Marcel Proust und Konsorten dulden. Am besten nach Farben geordnet. Wie sympathisch ist es dagegen, wenn direkt neben Goethes »Faust« eine zerlesene Ausgabe von »Hanni und Nanni« steht! Vielen ist so etwas…

In der achten Klasse erhielt ich einen Schulverweis, weil ich mein Sperma in den Biologieunterricht mitgebracht hatte. Wir sollten Lebewesen unter dem Mikroskop untersuchen. Mrs. Wheeler hatte Tümpelwasser als Beispiel vorgeschlagen. Die Probe meines Freundes Paul Dill war ein kleiner Fisch, der sich zu Tode gefressen hatte. Zunächst drückte Paul sein Erstaunen darüber aus, dass ich die Erfahrung eines Orgasmus…

»Na gut«, sagte Archy. Er warf sich den Riemen der Reisetasche über die Schulter und sah Gwen an. »Danke.« Dann wandte er sich ab, ihn schnürte sich die Kehle zu, er versuchte es mit einem Husten zu tarnen, hustete wie sein El Camino. Sein kaputtes altes Auto, sein kaputter Friseurladen voll alter kaputter Platten und die kaputte zweifarbige Zwillingsstadt Brokeland:…

»Was macht den Mann zum Mann?« Das ist eine Frage, die sich nicht nur Deutschrocker stellen, sondern Millionen frustrierter Frauen. Bestsellerautor Michael Chabon kann zwar keine Antworten anbieten, doch er erzählt so freimütig aus dem eigenen Erfahrungsschatz, dass der geneigte Rezensent an vielen Stellen nur zustimmend mit dem Kopf nicken konnte. Nehmen wir nur die berühmte Männerhandtasche. Jeder Mann weiß:…

Michael Chabon ist ein geborener Geschichtenerzähler. Seine Erzählungen bersten nur so vor skurrilen Charakteren, schrägen Anekdoten und nutzlosem Wissen, mit denen er seine Bücher verziert wie ein Zuckerbäcker seine Lebkuchenhäuser. Diesen Überfluss an Ideen und die Freude am Erzählen findet man auch in seiner Essaysammlung »Maps & Legends«, die den vieldeutigen Untertitel »Lesen und Schreiben entlang der Grenzgebiete« trägt. Das…

Beiläufig wie ein fluchender Seemann griff der Afrikaner hinter sich nach seiner Wikingeraxt (deren mit Runen in den Eschenholzstiel geschnitzter Name sich in etwa mit »Schänder deiner Mutter« übersetzen ließ), doch dann waren es drei kleine Worte, die die innige Verbindung zwischen Kopf und Hals des Eindringlings bewahrten, eines drahtigen, mit einem kurzen Schwert bewaffneten alten Kerls, dem Aussehen nach…

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