T.C. Boyle: Drop City»No rules,« he shouted, »no zoning laws, no taxes, no county dicks and ordinances. You want to build, you build. You want to take down some trees and put up a cabin by the most righteous far-out turned-on little lake in the world, you go right ahead and do it and you don’t have to go groveling for anybody’s permission because there’s no-fucking-body there – do you hear me people? Nobody. You can live like Daniel Boone, live like the original hippies, like our great-grandfathers and great-grandmothers – off the land, man, doing your own thing, no apologies.«

Hippie Norm Sender stellt Ende der 1960er-Jahre in Kalifornien 47 Hektar Land zur Verfügung, damit Hippies und andere Aussteiger dort ein »naturnahes« Leben frei von den Zwängen der Konsumgesellschaft leben können. Jeder, der sich dort niederlassen will, ist willkommen – so das Motto. Dieses Angebot nehmen auch zahlreiche Menschen an: Manche davon wohnen dauerhaft in »Drop City«, manche schauen nur touristenartig am Wochenende vorbei, fast alle nehmen Drogen, um ihr Bewusstsein zu erweitern, und viele sind Anhänger der freien Liebe – so auch Ronnie, genannt Pan, der mit seiner Schulfreundin Paulette, genannt Star, nach einem Road Trip quer durchs Land in Drop City landet. Schnell stellt er jedoch fest, dass das Leben in solchen Kommunen nur solange halbwegs funktioniert, solange es dort Frauen gibt, die bereit sind, freiwillig das Kochen, Abspülen und Putzen zu übernehmen. Schließlich soll ja niemand zum Arbeiten gezwungen werden.

Doch Drop City hat noch ein anderes Problem, nämlich fehlende sanitäre Einrichtungen, weshalb bald das gesamte Gelände als Open-Air-Toilette fungiert. Als Guru Norm dann auch noch unter LSD-Einfluss einen Autounfall verursacht, die Vergewaltigung einer Minderjährigen im Raum steht und ein Kind beinahe ertrinkt, nachdem seine Mutter ihm Orangensaft mit ein bisschen LSD zum Frühstück gegeben hat, nehmen die Behörden das als willkommenen Anlass, Drop City räumen zu lassen. Norm, immer optimistisch, schlägt vor, Drop City auf einem anderen Stück Land neu zu errichten, das er von seinem Onkel Roy geerbt hat: in Alaska, wo es laut Norm viel weniger Regeln und Gesetze gibt und jeder wirklich tun und lassen könnte, was er will.

In einem ausrangierten Schulbus machen sich die Hippies, die Norm folgen wollen, auf den Weg nach Alaska. Unter ihnen sind auch Ronnie, Star und Stars neuer Freund Marco, einer der wenigen Drop City-Bewohner, der Arbeiten als etwas Sinnvolles und Erfüllendes ansieht – zum Glück, denn in Alaska stellen die Hippies schnell fest, dass ihr Überleben in Gefahr ist, wenn sie sich den ganzen Tag nur darauf konzentrieren, Spaß zu haben und sich keinen Zwang anzutun, wenn es keine Regeln für das Zusammenleben gibt, an die sich alle halten, und wenn keiner arbeiten will. Den Rest des Sommers in Alaska überstehen die meisten noch ganz gut, doch im Winter, als die Polarnacht für ständige Dunkelheit sorgt, trennt sich die Spreu vom Weizen.

Während Norm und einige andere zurück nach Kalifornien fliehen, bleiben Star und Marco in Alaska und bauen sich ein neues Leben auf. Sie freunden sich mit einem einheimischen Ehepaar an, Sess und Pamela, das den Traum von einem Leben als Selbstversorger in einem selbstgebauten Blockhaus schon verwirklicht hat – so gut es eben geht. Ganz ohne den Supermarkt im nächsten Ort kommen auch diese beiden Buschexperten nicht aus.

Boyle nimmt in diesem Roman die Ideale der Hippies und verschiedene andere Träume vom Aussteigen aus der Gesellschaft gnadenlos und in seiner typischen witzig-ironischen Art auseinander, mit mehr und weniger sympathischen, aber immer sehr lebensechten Figuren.

T.C. Boyle: Drop City | Englisch
Bloomsbury 2004 | 464 Seiten | Jetzt bestellen

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