Robert Penn Warren: All the King's MenIf something takes too long, something happens to you. You become all and only the thing you want and nothing else, for you have paid too much for it, too much in wanting and too much in waiting and too much in getting.

Willie Stark will unbedingt Gouverneur werden, und zwar der des amerikanischen Bundesstaats Louisiana in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Doch die herrschende politische Klasse ist fest in der Hand des reichen Teils der Gesellschaft, das Land geprägt von Korruption, Vetternwirtschaft und sozialer Ungerechtigkeit. Stark ist so sehr von seiner Mission eingenommen, mehr Gerechtigkeit für die Armen und Benachteiligten zu schaffen, dass er anfangs nicht erkennt, dass ihn die Machthaber als Marionette missbrauchen, und später, als er selbst an der Macht ist, zu denselben Mitteln greift wie seine Gegner: Korruption und Erpressung.

»All the King’s Men« ist zwar schon 1946 erschienen und wurde oft als politischer Schlüsselroman gesehen, aber es ist ein zeitloses Buch. In seiner Geschichte geht es um fast alle wichtigen Fragen des menschlichen Lebens: Was ist gut, was ist schlecht und wie erkennt man den Unterschied? Heiligt der Zweck die Mittel? Gibt es einen freien menschlichen Willen oder reagieren Zufälle die Geschichte?

Erzählt wird Starks Aufstieg und Fall von Jack Burden, Kind reicher Eltern, zynischer Journalist und absichtlicher Außenseiter. Jack arbeitet für Stark, obwohl Stark genau gegen die gesellschaftliche Schicht kämpft, aus der Jack stammt. Bald ist Jacks eigene Geschichte eng mit der von Stark verknüpft, spätestens aber ab dem Zeitpunkt, als Stark ihn beauftragt, Judge Irwin, der für Jack eine Art Vater war, einzuschüchtern, damit er Stark politisch unterstützt. Dazu gräbt Jack in Irwins Vergangenheit und fördert Dinge zutage, die sein Weltbild ins Wanken bringen – und das wackelt im Laufe der Erzählung nicht nur einmal.

Was Jack die ganze Zeit am meisten beschäftigt, ist jedoch seine eigene Vergangenheit: Als Jugendlicher verliebt er sich in Anne Stanton, die Schwester seines besten Freundes Adam. Doch obwohl sie seine Liebe erwidert, kommen sie nie zusammen. Jack rätselt seine ganzes Leben lang, warum das so ist, warum seine Vergangenheit, die nur glückliche Erwartungen versprach, zu einer Gegenwart werden konnte, in der er, Anne und Adam zwar gesellschaftlich erfolgreich, aber im Innern tief unglücklich sind:

… if it was such a God-damned fine, beautiful time, why did it turn into this time which is not so damned fine and beautiful if there wasn’t something in that time which wasn’t fine and beautiful? … This time came out of that time.

Es braucht eine ganze Reihe von tragischen Verwicklungen und Ereignissen, die zum Tod von Judge Irwin, Stark, Starks Sohn Tom und Adam führen, bis Jack Frieden mit seiner Vergangenheit schließen kann – und sich dadurch auch mit seiner Gegenwart aussöhnt:

I tried to tell her how if you could not accept the past and its burden there was no future, for without one there cannot be the other, and how if you could accept the past you might hope for the future, for only out of the past can you make the future.

Egal ob man »All the King’s Men« als politischen oder philosophischen Roman liest, ist er in erster Linie einfach spannend, ein wahrer page turner, der in den über fünfzig Jahren seit seiner Veröffentlichung nichts von seiner Attraktivität verloren hat (und an den seine Verfilmungen bei weitem nicht heranreichen).

Robert Penn Warren: All the King’s Men | Englisch
Prion Books 1999 (Erstveröffentlichung 1946) | 448 Seiten | Nur noch antiquarisch erhältlich

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